Mittwoch, September 07, 2011

How you do not make science

Laut einem Artikel auf Discovery Magazine wurde "festgestellt" wo sich die neurologischen Unterschiede zw. Liberalen und Konservativen finden lassen.

Dieser Artikel wurde auf Nerdblog verlinkt, auf dem ich auch etwas gehässige Kommentare dazu schrieb (wofür ich mich auch entschuldige). Aber ich denke, daß ich mal ein paar Worte als Wissenschaftler zu besagter Studie verlieren soll, nicht, weil ich mich als Konservativ verstehe (und zwar eben weil ich dinge hinterfrage), nicht, weil suggeriert wird, wissenschaftliches und religiöses Denken würde sich ausschließen, sondern vor allem, weil dieser Artikel ein gutes Beispiel an tendenziöser Crackpot-Science ist. Ich empfehle dem werten Leser, den Artikel auf discovery mag zu lesen, man kann meiner Meinung nach gut lernen, wie man Wissenschaft nicht betreiben soll. Wie schon gesagt, störe ich mich nicht an einer Überhöhung von Liberalen oder ähnlichem. Was mich stört, ist das Naturwissenschaftsbild, was anscheinend dieser Studie zugrunde liegt.

Erstens ist die Definition von Liberalen und Konservativen eher fragwürdig. Ein Demokrat in New York, der inmitten seiner Parteikollegen gegen die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren ist, wem ist der dann zuzurechnen? Wie steht es mit einem Tea-Party-Anhänger in derselben Gruppe? Sicher, im Artikel wird darauf hingewiesen, daß man Menschen nicht in Raster einteilen kann - aber was ist dann der Sinn dieser Studie, wenn sie genau das nicht kann? Ich mein, ich kann auch nicht sagen: "Ich hab das Higgs-Boson gefunden, man kann es eindeutig an meinen Daten erkennen, aber die Peaks können auch für alles andere stehen." Und letztlich wird eben doch ein Raster vorgegeben, indem man Begriffe wie liberal und konservativ nutzt, die in Amerika noch deutlich mehr politische Bedeutung haben als hier. Letztlich (achtung, Faschismuskeule) erinnert es doch an stark pauschalisierte "Erkenntnisse", daß Türken einen Hang zur Agressivität haben, wie man in Wedding sehen könne. Sicher seien auch viele Deutsche in Wedding aggressiv, jedoch sei das der Einfluß der Türken (denkt über die beiden Aussagen mal nach! Sind diese wirklich falsifizierbar?). Der Sinn dieser Studie scheint im Tendenziösen zu liegen.

Die These ist weiterhin, erstens durch die schwammige Definition der beiden Menschentypen, zweitens durch den Zusatz, daß das Gehirn sich ändern kann, nicht falsifizierbar; und da bin ich dann doch ein Freund von Popper und Lakatos und frage mich, was die These dann für einen wissenschaftlichen Mehrwert hat.

Letztlich war das auch der Punkt, der mich störte. Mich würde es auch stören, würde in der These der Begriff "Liberal" durch "Phil" ersetzt werden, würde es heissen "Alle intelligenten Leute, die selbstkritisch sind, sind wie Phil". Jedenfalls hoffe ich das. Ich mag es schließlich auch nicht, wenn meine eigene Arroganz mich ad absurdum führt.

Dienstag, September 06, 2011

Donnerstag, September 01, 2011

Die befreite Verklemmtheit der heutigen Zeit

Gestern habe ich mich mit meinem Bruder über Sex unterhalten (DUNH DUNH DUNH). Uns ist aufgefallen, daß die angebliche Enttabuisierung die Gesellschaft verklemmter machte, quasi über das Trojanische Pferd der angeblichen Natürlichkeit. So wird darüber debattiert, ob zwei männliche Stoffpuppen, die sich eine Wohnung teilen, nicht endlich heiraten sollten, ein anständiger Katholik, der sich über gutes Rasierwasser, Holzfällerei, Mixed Martial Arts und Schnelle Autos informieren will, nicht nach einem "Herrenmagazin" fragen sollte, Kollegen bei der Formulierung "Auf zu neuen Ufern" gleich an "HURR DURR, ANDERES UFER" denken müssen und schließlich Priester nicht Jungen nach einem töften Fußballspiel in den Arm nehmen können.
Ist da nicht einiges verloren gegangen?

Es geht mir nicht darum, daß nun wieder alles vollkommen tabuisiert im Sinne von "man darf nicht drüber sprechen" oder gar "das alles ist böse" wird - der Kirche ja auch nicht. Aber kann man nicht Sexualität wieder als etwas, sagen wir mal etwas sakraleres betrachten, eine Sache, die absolut nicht schlecht ist, aber eben nicht alltäglich? Vor allem nicht so alltäglich, als daß jeder gleich erstmal an Sex denken muß - das wäre schon mal was.

Dienstag, August 30, 2011

"Und er ging hinaus und weinte bitterlich" oder Freundschaften in der Welt

Mal etwas eher persönliches.

Gestern traf ich mich mit einem atheistischen Freund, meiner, sagen wa mal, (Ex)Punkerconnecte. Er ist ein netter, nicht dummer Kerl, der, was sein politisches Weltbild betrifft, durchaus solide und intelligente Vorstellungen hat, überraschend für einen Punk. Fernab des Steineschmeißens oder des Gutmenschentums kann man mit ihm wirklich gut über die Situation in Berlin reden (ok, Ausnahme Polizei).

Jedoch über Religion haben wir lange Zeit nicht gesprochen. Ich war (vllt nicht bewußt) feige und dachte, daß er ja ohnehin nicht offen über Papst und Kirche lästert, so daß ich meinen Mann stehen muß. Und schließlich, so sagte ich mir, ist ja bei der Mission auch ein gewisses Taktgefühl zu beachten. So lavierten wir quasi lange Zeit um die Frage.

Nun, nach den Protesten in Madrid kam es dann doch zu besagtem Thema, wo ich mich recht feurig outete. Das war vllt auch etwas zu aggressiv, aber das ist jetzt nicht der Punkt (wobei, letztlich hat er damit zu tun). Wir haben uns lange über Religion unterhalten - wobei man eher sagen muß, daß er, typisch Atheist, darüber monologisierte, was Religion seiner Meinung nach sein soll, aber egal - jedenfalls nimmt er mir quasi nicht ab, daß ich die Zeit über, die wir uns kennen, Katholik war. Er läßt sich auch nicht umstimmen, was sicherlich auch an seinem dickköpfigen Charakter liegt (oh ja, er ist ein anstrengender Mensch...) und behauptet, ich hätte nie etwas dementsprechendes vorher gesagt (na ja, ich habe ihm mal mein Skapulier gezeigt, aber egal) und meint, meine Äußerungen wären ja auch nicht katholisch. Das mag er tun, um mich zu ärgern, aber betrüben tut es mich trotzdem...
Des weiteren frage ich mich, ob ich mich so schlecht verhielt, daß er den Christen in mir nicht sah, oder ob sein Bild von Katholiken derart verquer ist, daß er nicht glauben kann, daß eine coole Socke wie ich dieser Kirche angehört.

Das traurige daran ist, daß man sicher nicht nur diesem Menschen einen Vorwurf wie das eben genannte "dickköpfig" machen kann: Ich war feige. Ich bin in dieser Freundschaft, mehr oder weniger bewußt, im Schutz einer Fadenscheinigen Entschuldigung names "Taktgefühl", der Gretchenfrage entflohen. Die Konsequenz: Ein Freund von mir will mir nicht glauben , daß ich Katholik bin. Ich fühlte mich selten in meinem Glaubensleben schlechter. Ich weiß nun, warum Petrus nach dem Hahnenschrei bitterlich weinte.

Ich frage mich, wie es dazu kam. Zwar ist es auch ansonsten so, daß ich nicht überall herausposane, daß ich Katholik bin, aber letztlich stehe ich dazu und sage das auch, durchaus auch in Plauderei-Momenten. Ich weiß nicht, warum ich hier in solch schwache Verhaltensmuster fiel. Sicherlich stört es mich, nein, man ist beizeiten einfach müde, den katholischen Mann in der atheistisch dominierten Öffentlichkeit zu stehen. Ständig von irgendwelchen Ungläubigen gesagt zu bekommen, wie man doch zu glauben habe, daß einem deshalb die und die Freikirchen besser gefallen weil sie ja keine Dogmen haben und so weiter. Heute abend treffe ich mich mit ehemaligen Kollegen (die alle wissen, daß ich Katholik bin) und ja, ich hoffe, daß "mein" Thema nicht zur Sprache kommt. Ich bin da einfach oft nur müde.

Das ist aber keine Ausrede. Irgendwie geht es mir so, daß Christus mich gestern ansah, und ich schäme mich. Also könnt ihr gerne für etwas mehr Starkmut und Bekennertum beten, ja?

Hach, in Zeiten des "Dialogs"...

.. sind diese Worte von Matussek wirklich wunderschöne Musik in meinen Ohren:

Ja, die Protestkatholiken, die sind wie das Stuttgart 21 Milieu, gehobener Mittelstand, Demonstrationsschickeria, die sind an die Tradition der Spruchbänder gewöhnt, diese „Hey-Du“-Sprache, die Stuhlkreise, und jetzt noch mal über das Rollenverständnis reden, das kann doch nicht sein, dass du als Priester da oben stehst, wir sind doch irgendwie alle gleich, und Hierarchien hinterfragen, und dieser ganze 70er-Diskussionpapierschrott.

Selten habe ich das, was mich an den aktuellen Volksbegehren etc. vom rein subjektiven Standpunkt, ganz abgesehen von meiner religiösen Position, seit Jahren tierisch ankotzt, besser in Worte gefasst gelesen.

Montag, August 22, 2011

Bloggertreffen

Nu ist es schon eine Woche her, ich sollte wenigstens mal Tiberius danken, das alles organisiert zu haben! Ich hoffe, es gibt eine Neuauflage, es war schön, mal etwas mit Josef Bordat , braut des Lammes und ultramontanus. zu reden und sich mal so kennen zu lernen. Ich bin zuversichtlich, daß wir uns desöfteren wiedersehen!

Außerdem herzlichen Dank und Gottes Segen an St. Afra und das Institut Philipp Neri für das wunderschöne Ambiente!

Montag, Juli 25, 2011

Aussagen eines "christlichen Fundamentalisten"

Eigentlich wollte ich zu dem Drama in Oslo nichts schreiben. Wir Christen sind aufgerufen, für die Verstorbenen und die Hinterbliebenen zu beten. Vielleicht auch, speziell wenn wir die Möglichkeit dazu haben (bspw. wenn wir in Norwegen wohnen), den Hinterbliebenen tatkräftig beizustehen. Falls jemand der Leser weiß, wie wir von unseren jeweiligen Wohnorten den Menschen in Oslo noch helfen können, bitte ich, einen Vorschlag in der Combox zu machen.

Ich möchte auch dem Täter hier kein Forum bieten, auch wenn jetzt einige Zitate von ihm folgen. Ich denke jedoch, es ist wichtig, daß wir Christen unseren Freunden und Bekannten, die meinen, Anders wäre ein christlicher Fundamentalist gewesen, sinnvoll entgegen treten können. Und hier ist es sinnvoll, nicht nur darauf zu verweisen, daß ein Christ der Nächstenliebe folge und dementsprechend niemanden umbringen könne, oder daß ein (katholischer) Christ nicht gleichzeitig Freimaurer sein kann - es ist viel wichtiger, auf die Selbstdefinition des Täters zu verweisen, sprich aufzuzeigen, wie ER sich sah.
Und wenn man folgendes in seinem Machwerk liest, gewinnt man einen eindeutigen Eindruck von seinem Christsein:

"Religion is a crutch for many weak people and many embrace religion for self serving reasons as a source for drawing mental strength (to feed their weak emotional state f example during illness, death, poverty etc.). Since I am not a hypocrite, I’ll say directly that this is my agenda as well. "

"I’m not going to pretend I’m a very religious person as that would be a lie. "

“Religion is a crutch for weak people. What is the point in believing in a higher power if you have confidence in yourself!? Pathetic.”

"It is likely that I will pray to God for strength at one point during that operation, as I think most people in that situation would."

"If praying will act as an additional mental boost/soothing it is the pragmatical thing to do. I guess I will find out... "

"I am pursuing religion for this very reason and everyone else should as well, providing it will give you a mental boost."

Das sind alles Sätze aus dem Kapitel "There are no atheists in foxholes", Seite 1344.

Fassen wir also zusammen: Er bringt das typische "Religion ist für Schwache" Argument. Er sieht sich nicht als religiös. Er meint, Gebet würde Dir einen "Mental boost" geben, und DAS sieht er als Grund ,weshalb es sinnvoll wäre, an Gott zu glauben.

Ich werd bei Gelegenheit mal christliche Fundamentalisten fragen, was sie davon halten, sich an heiligen Dingen wie dem Gebet zu bedienen wie ein esoteriker auf dem spirituellen Jahrmarkt.

Montag, Juli 18, 2011

Wider dem Normalen!

Bei kath.net gab es vor kurzem Ausschnitte eines Interviews mit Bischof Ackermann. Das Interview selbst ist auch eher streitbar (an manchen Stellen jedenfalls), aber mir geht es um einen anderen Punkt.

Nebenbei wird er gefragt, ob er im Urlaub auch als Bischof erkennbar wäre, was er verneint. Etwas vom eigentlichen des Interviews ablenkend wird folgendes Zitat auch als Überschrift verwendet: "Denken Sie, ich gehe mit der Soutane ins Meer?"

Was mich daran stört, ist eine Haltung, die sich als Unsitte verbreitet hat: Man will auf jeden Fall "normal" sein. Jeder Bischof ist ein Mensch wie Du und ich, geht ganz normal mit seinem Sekretär einkaufen (Bäm, wie man so sagt) und ist auf keinen Fall etwas besonderes oder gar besseres als der einfache Laie. Dasselbe gilt für Priester, weshalb sie bloß nicht moralisch von Kanzeln herabpredigen sollen, man auch einsehen muß, daß Priester ganz normale Menschen sind und schonmal man sich ohne Kragen präsentiert, da dieser die Leute verschrecke.

Natürlich ist ein Priester, ein Bischof und natürlich auch ein Bischof von Rom ein Mensch wie Du und ich, ein sündiger Mensch, der ganz normale Hobbies hat, der im Urlaub auch gern schwimmen gehen kann etc. Aber kann nicht mal wieder öfter betont werden, was der Unterschied ist? Daß man zwar einerseits ganz normal ist, andererseits aber eben eine Gott geweihte Person, respektive ein Kirchenfürst (! Das klingt doch gar nicht mehr so normal!) oder gar ein Stellvertreter Christi auf Erden ist? Mich würde es sehr freuen, wenn Bischöfe bei allen durchaus zu respektierenden Betonungen, normal und nicht besser zu sein, auch darüber sprechen würden, was eben nicht normal ist. Wie fühlt es sich an, die Fülle des Weihesakramentes erhalten zu haben? Wie schwer ist die Last auf den Schultern? Was kann ich, ein einfacher Laie tun, um ihm diese Last zu erleichtern? Das sind Fragen, die mich interessieren.

Letztlich ist das, was ich immer wieder an geweihten Personen mag, dieser Widerspruch, der am besten in Bildern von Bischöfen in Cappa Magna, die mit Arbeitern auf einem Baugerüst ein Bier trinken, Priestern, die in Soutane die Weltmeisterschaft gucken (oder Basketball spielen) oder ein Heiliger Vater, der ganz in Weiß behauptet, er würde Rock hören. Hier treffen dann nämlich in Gestalt dieser kirchlichen Würdenträger zwei Welten, die sichtbare und die unsichtbare aufeinander.

Und zum Teil, und das ist doch auch nicht unwichtig, in einer durchaus amüsanten Form.

Vielleicht kann man meine Gedanken so zusammenfassen: Das Heilige muß nicht profanisiert, banalisiert werden, sondern neben das profane und banale gestellt werden, so daß selbst dieses banale einen Hauch des sakralen erfährt.

Und darin ist die Kirche doch eigentlich Meister!

Dienstag, Juli 12, 2011

Helfer mit Herz!


Liebe Lesende,

solche Aufrufe verbreite ich natürlich gerne:

In der Erzdiözese Freiburg werden viele, viele Helfer benötigt. Es geht darum, bei etwas großen, nämlich dem Besuch des Heiligen Vaters nicht nur dabeizusein, sondern mitzumachen. Ich mein, das ist schon ne klasse Sache und beiß mir ehrlich gesagt in den Allerwertesten, daß das Datum mit meiner heißen Phase meiner Doktorarbeit zusammenfällt; ein solches Abenteuer zu Ehren der Kirche wäre doch mal was unglaublich cooles.

Es geht um:


Unterstützung bei der Betreuung der jungen und alten Gäste
Fahr- und Essensdienste
Infoservice für die Besucherinnen und Besucher
Unterstützung der Ordnungskräfte
Und nicht zuletzt geht darum, Herzlichkeit und Gastfreundschaft zu zeigen.

Wir daheimgebliebenen können die mächtigste Hilfe des Christenmenschen bemühen und zum Herrn beten (Was ich auf jeden Fall tun werde), für alle anderen gibt es die Seite Papsthelfer.de und in modernen Zeiten natürlich auch eine Facebook-Page .

Also, liebe Freuburger und Freiburgerinnen, und liebe Leute, die planen, nach Freiburg zu fahren: Es gibt was zu tun ;)

Montag, Juli 04, 2011

Quizfrage zu Berlin

??? Wer hat in der katholischen Kirche in Berlin das Sagen?

Hören wir mal einige Leute aus der Politik:

"Der kirchenpolitische Sprecher der Grünen, Josef Winkler, sagte dem Tagesspiegel, es werde sich unter anderem am Umgang mit dem Thema Homosexualität entscheiden, ob Woelki als Bischof in der Hauptstadt bestehen könne."

"Das wird den Dialog mit der katholischen Kirche erschweren“, sagte der Schwuso-Vorsitzende Ansgar Dittmar. Für alle in der Katholischen Kirche engagierten Schwulen und Lesben seien Woelkis Äußerungen „ein Stoß vor den Kopf“. - Kleine Anmerkung meinerseits: Für alle... fünf? zehn? fünfzehn?

"Die Katholische Kirche ist schlecht beraten, jemanden in die Hauptstadt zu schicken, der offenbar ein Problem mit Homosexuellen hat“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs dem Berliner Tagesspiegel. „Die katholische Kirche tut sich keinen Gefallen, wenn sie den Vertreter einer rückständigen Glaubensrichtung in Berlin zum Bischof macht, da dies dem Lebensgefühl der Menschen widerspricht.“

"Die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters äußerte sich angesichts der Gerüchte um Woelkis Mitgliedschaft in der erzkonservativen Vereinigung Opus Dei skeptisch. Sollte dies zutreffen, wäre es "verheerend", sagte sie dem "Tagesspiegel". Der Berliner Erzbischof brauche "Offenheit für eine so heterogene Gesellschaft" wie die der Bundeshauptstadt."

WRONG. Das hat immer noch Gott!

Ich jedenfalls heiße meinen neuen Erzbischof hier herzlich willkommen!

(Auch wenn ich meinem Bruder recht gebe, der meint, er würde komisch aussehen. Aber hey - erstens kann nicht jeder so wahnsinnig schön wie ich sein, zweitens kommt es auf die inneren Werte an und drittens sagen manche, ich würde dick aussehen. So ist halt die subjektive Wahrnehmung)

Donnerstag, Juni 30, 2011

SHELLow advertisement? Das SPAR ich mir!

Ich poste hier mal einen offenen Brief, den ich an Shell und Spar adressierte. Zur Einführung: Shell und Spar machen Werbung für einen verkaufsoffenen Sonntag. In der heutigen Zeit nichts besonderes. Erstmal. Jedoch fällt der Slogan dann schon ziemlich auf:

Kauf ein, wenn Mutti in die Kirche geht


Diese Werbung störte mich betreffs der doch recht billigen Gleichsetzung von Kirchgängern mit alten Mütterlein (wie sie das dazugehörige Bild suggeriert); nebenbei gesagt ist es etwas albern, einen Shopping-Sonntag als so erstrebenswert zu erachten... Ich mein, man versucht ja dem ach so langweiligen Gottesdienst ein tolles Erlebnis (eben das einkaufen) entgegenzustellen, was irgendwie recht erbärmlich ist. Ich denke, unabhängig von der Religion und auch der Einstellung zum verkaufsoffenen Sonntag können sich viele Leute doch deutlich spannenderes als eben Einkaufen vorstellen.

Wie dem auch sei, hier der Brief:


Sehr geehrte Damen und Herren,

da man selten auf eine gute Werbung trifft, ist die Toleranzgrenze bezüglich dieser Form von Informationsaustausch bei mir eigentlich recht hoch. Eine interessierte Langeweile hat sich beim Betrachten von Werbung herausgestellt. Einerseits durchaus interessiert, man möchte schon wissen, was es neues auf dem Markt gibt, andererseits fühlt man sich von keiner Werbung berührt - weder positiv noch negativ.
Jedoch haben Sie das zweifelhafte Glück, es geschafft zu haben, eben jene Grenze überschritten zu haben. Ich spreche von ihrer Werbung betreffs eines verkaufsoffenen Spar am Sonntag. Nun, es gibt einige Geschäfte, die am Sonntag geöffnet haben, jedoch hat mich ihre Kampagne dann doch gestört. "Kauf ein, wenn Mutti in die Kirche geht" - Verzeihen Sie, was genau wollen Sie damit ausdrücken? Wollen Sie das Klischee, der sonntägliche Kirchgang wäre nur was für alte Mütterchen, mal wieder aufgreifen?

Wissen Sie, ich muß mir als junger Naturwissenschaftler, der drei mal die Woche zum Sport geht, rege sozialen Kontakte, einen breiten Freundeskreis und eine wunderschöne Freundin hat, keinen Vergleich mit alten Mütterchen gefallen lassen. Dementsprechend weiß ich nun, welche Laden- und Tankstellenkette ich mir vorerst (pun intended) sparen kann.

Generell bin ich ein Freund der Muße am Sonntag. Ich liebe es, diesen Tag mit einem Kirchgang zu beginnen und den Rest des Tages zu genießen - natürlich abhängig vom Wetter - mit Spaziergängen, ausgedehnten Picknicks, in der Rehberge sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen - oder, wenn es regnet, den lieben langen Tag einen Filmabend mit und für Freunde zu veranstalten etc. Ich brauche nicht sieben Tage die Woche einkaufen oder gar in den ach so tollen Einkaufspalästen herumlungern. Und ich lade den Leser dieser Zeilen ein, es einfach mal auszuprobieren! Des weiteren lade ich den skeptischen Beobachter ein, an einem Sonntag in eine katholische Kirche in Berlin zu gehen, um sich von der Heterogenität der versammelten Menschen zu überzeugen.

Mit freundlichen Grüßen,


P.S.: Diese Mail wird veröffentlicht.

Requiescat in pace




Heute verstarb nach langer Krankheit der ehemalige Erzbischof meines Erzbistums. Möge er in Frieden ruhen, das ewige Licht möge ihm leuchten.

Ich hatte mit Sterzinski nicht sonderlich viel zu tun, wie für viele Otto-Normal-Katholen war er eine Person, die weit, weit über einem stand. Man regte sich auf, man meckerte, daß er dieses und jenes hätte treffender Ausdrücken können - das übliche. Sicherlich war nicht alles von ihm gesagte und getane richtig, aber das sollte spätestens jetzt nichtig sein.

Aber ich denke nun an eine Begegnung im Opus Dei. Ihm wurde das hiesige Zentrum Feldmark gezeigt. Zu Beginn war er leicht zugeknöpft - man merkte, daß er nicht genau wußte, was er mit den "erzkonservativen" vom Opus anfangen wollte. Als man ihm jedoch, wissend, daß er gerne Zigarre rauchte (jedenfalls damals) anbot, daß er gerne rauchen kann, entspannte er immer mehr, lachte auch herzlich und führte mit uns ein interessantes Gespräch.

Und dieses spannende und entspannte Gespräch ist, wie ich ihn in Erinnerung behalten werde.

Er möge in Frieden ruhen.

Mittwoch, Juni 22, 2011

Sozialrant-Pong!

Ich dachte, ich versuch mal, was neues in Sachen Musik zu starten und würde mich über rege Teilnahme freuen. Es geht darum, ein Lied zu posten, daß ihr mal mochtet, nun aber ziemlich schlecht findet, und zwar, weil (und nun wird es schwer) ihr mit dem zweifelhaften Genuß des Liedes selbst schon eine Kritik an der Gesellschaft verbindet.

Vorleben ist leichter als erklären, also mache ich den Anfang:


Ja, ich HASSE inzwischen RATM - Killing in the name. Es liegt nicht primär daran, daß Rage against the machine wohl für ein komplett anderes politisches Konzept stehen als ich (um es freundlich zu fassen); Lieder wie F**k the Police (Ice Cube Cover), Freedom oder der Klassiker Bombtrack gefallen wir immer noch sehr gut. Aber dieses Lied... argh... man kann sich darauf verlassen, daß auf jeder Rockparty dieses Lied irgendwann läuft. Und dann erwacht in jedem Wirtschaftswissenschaftler, der in einer WG in Prenzlberg wohnt, für fünf Minuten der Revoluzzer, der sie mit fünfzehn werden wollten, lange bevor sie sahen, daß... ja, daß Dinge wie Geld verdienen, Geld ausgeben und für das Geld arbeiten gar nicht so schlecht sind. Es steht für mich für eine Gesellschaft von Spießern, die mit bunten Ballons für dieses und gegen jenes, was grad im Trend ist, demonstrieren und sich dann noch ach so "gegen den Strom schwimmend" vorkommen.

Ja. Dieses Lied ist das musikalische Pendant zu dem widerliche Spruch, daß nur tote Fische mit dem Strom schwimmen würden (nein, auch Fische, die Meer im Leben wollen, schwimmen mit dem Strom! Und faule Fische!). Wie dieser Spruch von jedem Möchtegern-Individuellen in ihre Facebook- Studivz- und sonstige Profile geschrieben wird, sieht es wirklich affig aus, wenn man eine Horde Mitzwanziger mit Becks bzw. Club Mate in ihrer Hand abgehen sieht und hört, wie sie "You know, you're under control, you know you do what they told ya" mitsingen - eben unter Kontrolle, das tun, was man von ihnen verlangt, nämlich auf Knopfdruck gegen "das" System sein (welches eigentlich? - egal). Und ein im Chor gesungenes "F**k you I don't do what they tell me" ist auch ein köstliches Oxymoron.

Nein, ich behaupte nicht, ich wäre "individueller" als die. Generell halte ich wenig davon, über "Herdentiere" zu meckern. Gerade das ist es eben, was mich an diesem Lied dann auch noch stört, dieser pubertierende Pseudo-Individualismus, der mich an dieses wunderbare Bild von Xkcd (lest den Alt-Text!) :


Natürlich sind wir alle individuen, auch die Mittzwanziger, über die ich mich grad so aufrege. Mir geht es auch eher um das Lied, das für mich inbegriff des Spießertums unserer Generation wurde.

Ok, genügend gemeckert, ihr seid dran!

Gebet für den Hl. Vater

Da der Hl. Vater nun bald sechzig Jahre Priester ist , wird darum gebeten, für Priesterberufungen zu beten. Die Blogozese hatte weiterhin die Idee, 24 Stunden quasi durchzubeten. Das find ich eine gute Idee, weshalb ich hier mal Werbung mache ;)

Ich habe mir nun gedacht, am 29.6. von 20 bis 21 Uhr zu beten. Da ich mich in meiner Trägheit und Zerstreutheit kenne, könnt ihr ja um 20h für mich ein Ave beten oder so :)

Sonntag, Juni 12, 2011

Whee, Ich bekomme Preise!




Der werte Herr Josef Bordat machte mir die Freude, mir die zwei Preise "Ome Lovely Blog Award" und "Kreativ Blog Award" gab, für meine Einblicke in die Welt der Wissenschaft. Das freut mich sehr und zeigt mir, daß das anscheinend eine gern gesehene Stoßrichtung meines Blogs ist; werd ich also weitermachen (und überhaupt öfter bloggen sollte, dazu später mehr, ehm...).
Diese Preise sind eine Art Kettenbrief in der Bloggerwelt, um Weblogs, die interessant und (noch) nicht so bekannt sind weiterzuempfehlen. So eine Art Following Friday der Bloggerwelt.

Ich danke jedenfalls sehr und schließe mich der Bloggeraktion an, dessen Text ich hier Poste:

Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, daß du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst & die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, daß sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, daß wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger & Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.


Dementsprechend verleihe ich den Preis an

Christinas Ofenbank
Ein sehr frisch geschriebener Blog, dessen Stoßrichtung ähnlich wie meine (inzwischen) Zweitstoßrichtung ist: Neben Gott auch ruhig über die teilweise recht wirre Welt bloggen. Außerdem gibts Pluspunkte für Musikbattles. Die noch nicht beendet sind.

Yons Inkarnierte Inkoordination
Ein Weblog, den ich schon recht lang verfolge und mag. Neben dem aktuellen engagement für die Petition schätze ich vor allem die durchaus vorhandene Nerdaffinität.

Commonitoria
Quasi der King of Metal unserer katholischen Weblogger und als solcher MUSS ich ihn ja mögen ;) Zusätzlich hat er ihn verdient, weil er standhaft und mit Fachwissen in Zeiten von Fukushima, in denen man laut gewisser Politikerinnen über Atomkraft anders denken muß, eine Position für Kernenergie zu vertreten.

Johannes' Vita in Deum
Hat immer wieder interessante Abhandlungen über Glaube und Vernunft. Er argumentiert hier quasi von der mir gegenüberliegenden Seite des runden Tisches, weshalb ich die Beiträge von ihm ähnlich interessant, diskussionsanregend und erfrischend finde wie von Josef Bordat. Außerdem postet er Bilder wie dies hier .

Mittwoch, Juni 08, 2011

Betrachtungen zu Mordgeständissen

Extrem verspätet wollte ich auf Josefs umfangreiche Rezension diverser Bücher aus dem Bereich Evolutionstheorie (und darüber hinaus) antworten bzw. meinen Gedanken dazu Form verleihen. Das soll nun endlich geschehen.

Das Schreiben selbst ist ein interessanter Artikel, der weit über eine einfache Rezension hinausgeht; in ihm befaßt sich der Philosoph Josef Bordat mit der Evolutionstheorie und vor allem den weiterführenden Entwicklungen. Da die folgenden Punkte sich darauf beziehen würde ich vorschlagen, den Text von Josef Bordat erst zu lesen und dann diese Kommentare:


1.) Josef schreibt, daß Leute behaupten würden, man könne mit der Quantentheorie das Jenseits beweisen etc.

Hier muß ich ein wenig eine Lanze für die Quantenmechanik brechen. Zu größten Teilen sind es so genannte Crackpot Scientists (oder intelligente Wissenschaftsmagazine wie Gallileo), die der Quantenmechanik Kram wie eine "erklärung des Bewußtseins" andichten wollen. Diese werden in ihrer Entblödung nur von Leuten getoppt, die entweder "Alles ist relativ" für die Einsteinsche Relativitätstheorie halten oder sagen, daß E=mc^2 beweise, daß alles Energie sei (und das physikalische Konzept der Energie dann mit irgendeinem Chi-Schrott verwechseln).


2.) Im Verlauf des Artikels befaßt sich, wie gesagt, Josef mit den Weiterentwicklungen der Evolutionstheorie und weist darauf hin, daß diese deutlich über das ursprüngliche Gebiet hinausgewachsen sind.

An sich würde ich solche Ansätze nicht immer schlecht finden. Mich hatte es gefreut, als man bestimmte Erkenntnisse der String Theorie für ein ganz anderes Gebiet, nämlich die modellierung von von Problemen aus der Festkörperphysik nutzte. Hagen Kleinert von der FU Berlin hat eine riesige Schwarte über die Pfadintegralmethode geschrieben (die von Feynman für die Quantenmechanik entwickelt wurde). In diesem Buch wird diese mathematische Methode für unterschiedlichstes wie Festkörperphysik, klassische und Quantenmechanik, Polymerphysik und sogar Kalkulationen in der Welt der Börsen benutzt. Er liefert auch interessante Ansätze zur Interpretation der Quantenmechanik. Und betreffs Evolution könnte man genetische bzw. evolutionäre Algorithmen anführen, was sozusagen Näherungstechniken an komplexe multidimensionale Funktionsverläufe sind; Der Prozess "Überleben des Stärkeren" wird hier dahingehend genutzt, daß Näherungen, die näher am Ziel sind, "überleben" und man dementsprechend hofft, eine auf das Problem optimierte Funktion zu bekommen.
Was jedoch nicht geht - und das sieht man bei den, sagen wir mal "Radikaldarwinisten" und den Crackpot-Scientists, die Esoterik mit Quantemechanik erklären wollen ("Das Abendland.. ist schließlich ein Teilchenphysiker, der in der Metaphysik des Hinduismus nach Inspiration für seine neuesten Entdeckungen sucht", nicht wahr?) - ist, wenn man diese Grenzüberschreitungen verabsolutiert. Es spricht, in den Grenzen der Demut, nichts dagegen, meinetwegen mit den Gesetzen der Thermodynamik das Gewusel in einer Schulklasse auf einem Ausflug in den Zoo zu erklären (Kristallisationspunkte für eine spontane Kondensierung des freien Schüler-Gases sind dann bspw das Elefantenhaus und der Löwenzwinger). Es sollte aber bewußt bleiben, daß das nur ideen sind, wie man etwas aus einem anderen Blickwinkel modellieren könnte (ja, hier merkt man wieder meinen utilitaristisch-pluralistischen Ansatz der Modelle in der Naturwissenschaft!). Hier kann man von der (Computer)spiele-Industrie lernen und betrachten, wie viel Mühe in die Simulation der Natur durch einfache Modelle gesteckt wird. Zum Teil sind die Modellierungen extrem komplex ( Dwarf Fortress ftw ), und den Entwicklern ist immer klar, daß es sich hier um eine Modellierung handelt.

Wichtig ist hier eine gewisse Demut. "Das ist so" ist ein großer Satz, einer, den Wissenschaftler in Anbetracht der sprachlichen und experimentellen Unvollkommenheiten kaum wagen sollte, auszusprechen. Damit meine ich kein "wir wissen nichts nicht so genau"-Unsicherheitsdenken, ich rede hier als exakter Experimentalphysiker über ein Problem, was auch der Philosophie nicht unbekannt ist (und auch nicht der Theologie, denken wir an die Herausbildung des Dreifaltigkeitsdogmas!): Die Sprachen, die wir nutzen, sind gegebenenfalls unvollständig. Es ist schwer, über die Realität zu reden, und das gilt für philosophische Diskurse in Deutsch wie für Abhandlungen in der Sprache der Mathematik. Das müssen wir immer im Auge behalten - und mit wir meine ich mich, atheistische Evolutionsforscher wie Dawkins und christliche Naturphilosophen.
Daß die naturwissenschaft alles erklären will liegt am naturwissenschaftlichen Weltbild (an einem falsch verstandenen freilich, aber es gehört zum Wesen der Naturwissenschaft, möglichst alles erklären zu wollen.). Wenn alles Materie ist, dann ist alles Subjekt der Naturwissenschaft. Unwissen über Begriffe wie Seele oder Gottesgegenwart führen dazu, daß Menschen denken, alles wäre nur Materie. Wenn bspw. Leute poetisch sagen "Die Seele verleiht dem Menschen die Fähigkeit zu lieben", man Liebe mit Gefühlen der Geborgenheit, des Glücks, des Vermissens, dem "Kribbeln im Bauch" verwechselt - ja, was ist die Seele dann anderes als eine Interaktion von Botenstoffen im Gehirn? Ich habe hier bewußt zwei Falschaussagen (drei, aber dazu gleich) konstruiert, die oft, gerade in der Frage nach Gott, genutzt werden, nämlich einerseits über die Seele, andererseits über die Liebe. Hier merken wir btw. wieder, wie schwer es ist, zu diskutieren, reicht doch unsere Sprache kaum aus, um Liebe wirklich in Worte zu fassen.
Desweiteren wird in solch reduktionistischen Ansätzen übersehen, daß selbst Naturwissenschaftlich man von unterschiedlichen Systemen oder unterschiedlichen Epiphänomenen redet, wo unterschiedliche Betrachtungen sinnvoller sind (das ist Punkt drei). Ein einfaches Beispiel ist, daß die Justiz vom freien Willen ausgehen sollte, da sie ansonsten unnütz wäre.

In diesen gesamtkontext der Modelle, die über ihre ursprüngliche Rolle hinauswachsen, paßt ein weiterer von Josef angesprochener Punkt: Daß die Evolutionstheorie über ihre Begründer hinauswuchs. Na ja, mich persönlich wundert die Fixiertheit darauf, daß die Evolutionstheorie nun deutlich weiter geht als Darwin im Sinn hatte. Das ist doch ganz normal, daß Theorien über das, was ihre Begründer im Sinn hatten, hinauswachsen. Hier ist wieder ein Beispiel die Stringtheorie, die dann für Festkörperprobleme (Fermiliquide oder so, muß ich nochmal nachgucken) genutzt wurde - das hatte weder Herr Witten noch sonst jemand von den "Urvätern" der Stringtheorien im Sinn!



3.) Mir gefällt, daß Josef einen Unterschied zw. "verstehen" und "erklären" siehst. Ich denke ähnlich, kann aber nicht genau in Worte fassen, worum es mir geht. Könntest Du mir dazu was in die Hand geben? Mein Problem ist, daß soweit ich bisher mitbekam, eine solche, an sich sinnvolle Distinktion damit endete, mit Wittgenstein zu sagen, daß die NAturwissenschaften nur beschreiben würden. Das sehe ich nicht so, aber mir fehlen die Worte, um genau zu fassen, wie ich es sehe. Vllt drückt der Ausdruck modellieren aus, was ich meine - auch wenn dieser ausdruck mMn unvollständig ist. Modellieren ist in jedem Fall mehr als beschreiben; eine Beschreibung ist nur eine Darstellung eines ist-Zustands ohne Möglichkeit von Voraussagen. In der Hinsicht ist modellieren schon mehr. Mir gefällt der Ausdruck aber auch nicht so, da er letztlich einen Relativismus unterstellt. Na ja, darüber kann man noch weiter meditieren...
Ich denke, daß in eine ähnliche Richtung der Unterschied zw. Ursprung und Ursache, nach Sinn und Grund geht. Aber wie gesagt, darüber kann man noch weiter meditieren.

4.) Eine kleine Interessenfrage, die sich mir bei der Lektüre stellte: Warum sind laut Dwakins Religionen kranke Meme? Ist das reine Ideologie - er findet halt Religionen schlecht - oder gibt er einen sinnvollen Grund dafür an (bzw. bemüht sich darum)?
Ich mein, rein evolutionstechnisch gesehen waren die Menschen seit Anbeginn größtenteils religiös, haben unter anderem deshalb große Kulturen gegründet, Kunst geschaffen, den Menschen einen Lebenssinn gegeben - und letztlich, empirisch gesagt, einen unglaublichen Überlebensinstinkt bewiesen. Auf der anderen Seite sind nun ein paar atheistische Regime letztes Jahrtausend zerfallen... (plump, polemisch und einseitig mienerseits formuliert, ich weiß!)
Nein, das soll kein Argument für Religion sein. Erstens, weil ich nicht zwischen Religion und Nicht-Religion unterscheide; einerseits sind die atheistischen Strömungen Ideologien, die auch immer mehr auf ihr Bekenntnis wert legen, zweitens kann ich mit einigen Religionen deutlich weniger als mit dem westlichen Atheismus anfangen. Ich frage mich bloß, ob man, auch rein materialistisch, sagen könnte, daß der Glaube an etwas transzendentes sich einfach bewährt hat. Ein wertfreier, nicht militanter Atheismus, der wirklich deutlich aufgeklärter als ihr Feindbild, die "Fundamentalisten" sein will, sollte sich um eine sachliche Diskussion über das "Phänomen Religion" bemühen: Wie kann man auf der Basis eines Innerweltlichen Systems die Hoffnung, den Antrieb, diese Lebenshaltung voller Hoffnung den Menschen geben, die eben bspw. das Christentum den Anhängern dieser Religion gibt?
Drittens könnte ein Evolutionist antworten, daß Evolution sich auf anderen Zeitskalen abspiele.

5.) Im Artikel wird darauf hingewiesen, daß einige Leute auf einen Widerspruch zw. Religion und Kunst kommen. Wie kommen die Leute auf einen Widerspruch von Religion und Kunst? Sowas läßt sich nur wunderbar mit einer Fremddefinition von Religion machen. Das macht man heutzutage gern, so läßt man Frauen definieren, was männlich ist, Engländer, was typisch deutsch ist, linke, was rechts ist, etc. Sicherlich ist der Blick von außen wichtig. Aber er ist eben nur ein Standpunkt, der neben der eigentlichen Selbstdefinition steht.
Ein Bild aus dem Alltag: Mein Labortechniker ist ein Ordnungsfanatiker und sorgt jeden Dienstag für Ordnung im Labor. Nun bin ich eher das Gegenteil, gerade steht neben meinem Laptop ein Glas, in dem Schraubenmuttern in Ethanol gewaschen werden und ein Schraubendreher. So ein Chaos ist sicher ärgerlich für andere, da stimme ich zu. Ich könnte und sollte auch daran mehr ändern und bemühe mich auch - so weit zum Sinn einer Fremddefinition. Wenn jedoch mein guter und fleißiger Kollege hier ist, räumt er oft ohne Absprache mit mir auf. Das nennt man dann nicht "Ordnung schaffen", sondern "verstecken"; Ich wußte ganz genau, daß ich den CF-Adapter neben das Keyboard gelegt hatte, aber er räumte ihn dann "sinnvoll" weg. Und hier greift die Fremddefinition doch zu weit: Was für ihn unordentlich ist, mag für mich eine intrinsische Ordnung sein, denn ich finde mich darin zurecht. - Letztlich könnte man hier sogar über unterschiedliche Ordnungsansätze fabulieren, aber das paßt nicht hierher.

6.) Wie so oft wird, wie Josef darstellt, von manchen Seiten Kritik an dogmatischen Systemen geäußert. Ein Ansatz zum Denken über Dogmen könnte jedoch sein, daß man über sie als Forschungserkenntnisse und -programme denkt. Sicherlich hat sich die Kirche nicht immer 100% korrekt verhalten, aber gehen wir doch daran mal so pluralistisch ran! Ein Dogma ist dann das theologische Pendant zu einem in der Welt allgemein erkennbaren Faktum oder einem Axiom bzw. bewiesenen Satz in der Mathematik. Steine fallen runter, wenn man sie fallen läßt. Eine Spannung wird sich entladen, wenn man den Stromkreislauf schließt. Es gilt das Hamiltonsche Prinzip.
Das engt doch nicht ein! Das beflügelt! Und ist es doch auch mit Dingen wie dem Dreifaltigkeitsdogma zu sehen: Daß man hier für eine eindeutige Definition gesorgt hat, führt doch dazu, daß man erst sinnvoll diskutieren und daraus weiterführende Schlußfolgerungen ziehen und diese bewerten kann!

7.) Laut Josefs Artikel meinen einige Evolutionsbiologen, daß die Biologie die Physik und die Chemie zur Erklärung von allem ablöste. Sorry, but whoot? Sicherlich meinen sie, daß komplexe Prozesse wie eben die Entwicklung von Leben etc. eben zu komplex für die Physik seien. Da stimme ich zu; es macht wenig sinn, in einer Welt, die durch emergente Phänomene bestimmt wird, alles mithilfe des Standardmodells erklären zu wollen (obwohl das mal witzig wäre - "Genderstudies im Licht des Standardmodelles". Ich glaube, ich muß mich in Crackpot Science betätigen). Wieso haben sie jedoch diese Form der Erkenntnis nicht bei der Biologie?

Nun noch drei allgemeine Punkte:

8.) Man kann zwar sagen, daß aus naturwissenschaftlicher Sicht Gott in den beobachteten Dingen keine Rolle spiele. Anscheinend ist sie sich nicht darüber bewußt, daß es eben eine unglaubliche Menge Menschen durch die Jahrhunderte hinweg gibt, die meinen, Kontakt zu Gott zu haben. Sicherlich ist dieser Kontakt nicht meßbar, aber Zeugenaussagen sprechen doch eine bestimmte Sprache. Es braucht Vertrauen in dieser Welt; wenn wir diesens Zeugenaussagen bspw. betreffs des Wunders von Fatima keinen Glauben schenken "weil wir es ja nicht überprüfen können" - wieso soll ich daran glauben, daß im LHC Kollisionen im TeV-Bereich initiiert wurden? Kann ich das überprüfen? Außer denen, die daran messen, kann das niemand. Also etwas weniger Skeptizismus. Erstmal sollte man eine Zeugenaussage für bare Münze nehmen; man kann ja überlegen, in wiefern man es selbst interpretieren würde, aber das ist auch alles.

9.) Ich habe vor einiger Zeit vorgehabt, eine Art Internet-Talkshow über Crackpot Science zu machen, Ziel wäre gewesen, sich nicht boshaft, sondern freundlich-interessiert damit auseinander zu setzen, um auf ruhigem Wege zu dem Schluß zu kommen, ob und vor allem warum dieses und jenes Schwachfug ist. Was muß der Kreationist glauben, um seine Thesen halten zu können? Ist dieses Konstrukt sinnvoll?
Leider ist aus der Show bisher nichts geworden (ich bin an dem Timecube-Schwachfug gescheitert), aber mir ist eine Sache aufgefallen, die viele dieser Pseudowissenschaften gemeinsam haben: Sie müssen von einer dubiosen Organisation ausgehen, die nichts mehr und nichts weniger will, als die Wahrheit zurückzuhalten. Kreationisten meinen, daß diese und jenen "offensichtlichen" Erkenntnisse von "der Wissenschaft" ignoriert werden. Genauso meinen Flache Erde- Anhänger, daß die Bilder aus dem Weltall gefaked sind. Herr Dellian sieht eine bewußte oder unbewußte Fehlentwicklung der gesamten Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten und niemand will ihn hören. Und nun kommen wir zum Clou:
Der militante Atheismus geht von einer Organisation aus, die seit zweitausend Jahren nichts besseres zu tun hat, als den Menschen vorzulügen, daß Christus von den Toten auferstanden ist. (Man könnte noch als weiteres interessantes Beispiel den Islam, der von gefälschten Schriften ausgehen muß, anbringen) Wieso ist das für viele Menschen in Ordnung und die vorhergehenden Dinge nicht?
Es gibt eine Lösung, die den Pluralismus in der Welt bestehen läßt, und die nennt sich Demut: Ein Atheist, der meint, die Menschen in der Kirche wissen es eben nicht anders - eben bis hoch zum Papst - ist mir schon deutlich sympathischer. Denn auch ich unterstelle dem Atheismus Unwissen, also hat auch jeder Atheist das Recht, mir dasselbe zu unterstellen.

10.) Zugegebenermaßen wäre auf den ersten Blick ein Argument gegen zumindest die christliche Religion, wenn der Mensch sich drastisch weiterentwickeln würde. Also kein Homosapiens mehr wäre. Aber auch dann würde man merken, daß man eben die Worte Jesu noch nicht ganz verstanden hat. Das ist schonmal passiert - Stichwort Naherwartung in der frühen Kirche.
Nicht, daß ich davon ausgehe, daß das geschehen würde, mir geht es nur darum darzustellen, daß es zwar einerseits etwas geben könnte, womit wir Christen absolut nicht gerechet haben, andererseits das auch wieder keine Widerlegung sein würde.
Nun könnte man anbringen, daß das Christentum laut Popper dann keine sinnvolle Theorie wäre, da es nicht falsifizierbar ist. Erstens ist es das (zeig mir den Leichnam Jesu und wir haben ziemliche Probleme)*, zweitens ist das eine Sache, die in der Naturwissenschaft ständig passiert: Dinge werden nicht einfach widerlegt, sondern Weltbilder werden erweitert. Eine flache Welt kann man so lange annehmen, bis man große Strecken zurücklegt. Ein geozentrisches Weltbild ist in Ordnung, so lange es Dir um Himmelsmechanik geht. Wir würden halt merken, daß, mit Lakatos, eine Nebenhypothese unseres Forschungsprogrammes falsifiziert wurde; die Kernhypothese blieb aber erhalten.
Desweiteren sehen wir ja gerade am Menschen, wie Teilhard de Chardin es gut beschrieb, eine Änderung der Prozesse: Mit dem Menschen kam eine weitere Komplexere Struktur auf, die Kulturen etc., was dann Teilhard de Chardin als Noosphäre definiert. Letztlich scheint es doch so, daß die Evolution des Universums vom einfachen, kleinen zum komplexen geht. Oder anders gesagt, daß es zwei Progresse immer gibt. Einerseits wird innerhalb eines Systems etwas weiter entwickelt - Atome werden größer, es kommen f-schalen dazu etc. - andererseits wird die Materie an sich komplexer - Moleküle entstehen. Es sieht doch danach aus, als würde mit dem Menschen etwas ähnliches entstanden sein. Die Welt des Lebens ist sehr komplex und reichhaltig geworden, nun ergibt sich mit dem Menschen noch eine weitere Entwicklungsrichtung, nämlich die der Informationsverbreitung, der Kulturen etc.
Ich sage nicht "DAS IST SO", mir geht es nur so, daß das sozusagen eine meiner weltlichen Meditiationen ist.

So, das war der Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

Eine Frage der Vollständigkeit

Vllt hat ja der eine oder andere mitbekommen, daß ich hier einen Artikel betreffs meiner Sicht zu Physik und Glaube geschrieben habe bzw. der gute Josef Bordat aus dem, was ich ihm mailte, getan.
Es gab darauf eine Antwort, die ich jetzt nicht zitieren werde (ohne nach Erlaubnis zu fragen wäre das auch eine Unverschämtheit), aber auf einen interessanten Punkt wollte ich eingehen. So wird die Frage gestellt, ob man die Realität, die, so unsere Annahme, sowohl materiell als auch immateriell ist, richtig beschreiben kann, wenn man den immateriellen Teil ausklammert.

Das ist ein wichtiger und interessanter Punkt; auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte man das nicht. Wenn in der Welt nicht nur materielle Kräfte, sondern auch immaterielle wirken (seien es nun Gott, Engel oder schlicht und einfach der freie Wille), so müsse man diese in die Betrachtung der Welt mit einbeziehen. Es stimmt, das für eine vollständige Beschreibung diese Kräfte mit einbezogen werden müßten.

Mir stellt sich jedoch die Frage, ob man in Anbetracht der Komplexität dieses Gesamtsystems, wovon ein wichtiger Teil (nämlich der immaterielle) durch bewährte experimentelle Techniken nicht beobachtbar ist, eine Reduktion bzw. Partitionierung des Gesamtproblems nicht zwingend notwendig ist.

Physik ist keine vollständige Wissenschaft, sie hat auch nicht den Anspruch, das zu sein (jedenfalls nicht mehr bzw. aus Sicht der Physiker, die ich kenne). Physik, jedenfalls so, wie heute verstanden und praktiziert wird, reduziert das Problem der Erklärung der Welt auf Phänomene, die mit der Sprache der Physik, d.h. der Mathematik (und immer mehr der Informatik) in Worte faßbar sind. Man könnte sogar sagen, daß die heutige Physik sowas ständig tut; so ist die Welt der emergenten Phänomene eine interessante, von der Welt der Einzelprozesse stark unterschiedliche Welt; es treten neue Phänomene auf (bspw. quasiklassisches Verhalten in der Wellenpaketdynamik) und auf der anderen Seite sind einfachere Einteilchenmodelle zielführender als die komplexen Modelle, die man für das einzelne System hätte.

Nun mag man Physik umdefinieren und meinen, es gehe um andere Fragen ("Wer hat bewegt?" etc.), was jedoch nicht mehr die anerkannte Form der Physik wäre und sich Hilfsmitteln aus der Philosophie bedienen würde. Sicherlich sind das interessante Themen, aber man sollte im sich bemühen, diese beiden Bereiche stark zu differenzieren, bspw. letzteres Naturphilosophie nennen. Damit hätten beide Gebiete ihre Daseinsberechtigung.

Freitag, Mai 27, 2011

CONFITEOR

- verdammt, selbst ich kann es nicht lassen. "Auch Du, mein Sohn?" höre ich zwar nicht Cäsar, aber Leute wie Herr Kohlmeier rufen.

Ja, ich bekenne (aka coming out ), daß ich Mitglied einer

lateinische Formeln murmelnden Sekte

bin. Ja, selbst ich, der ich, wie man weiß, durchaus in der Muttersprache zu beten versteht, fühlt sich dieser "Sekte" zugehöriger als dem "seid nett zueinander"-Platitüden von sich gebenden Verein.

Ich bekenne weiterhin, lieber

unterwerfungssüchtig

als selbstverwirklichungssüchtig und noch lieber

sexualneurotisch

statt durchsexualisiert zu sein.

Ja, mir gefällt auch rein objektiv diese für manche Leute sicherlich obskure, seltsame zwei Jahrtausende alte Kirche deutlich besser, diese Gruppe Menschen mit einer traditionsreichen Theologie, Liturgie, ihren teilweise kruden Bräuchen, ihren radikalen Heiligen, auch ihren zu radikalen Zeloten, kurz: diese abenteuerliche Gemeinschaft DEUTLICH besser als irgendein schnöder, langweiliger "vernünftiger" Verein von Gutmenschen.

Montag, Mai 23, 2011

Vaticans marvels

Ich finde es ja tierisch klasse, daß die Kirche für the Watcher ein Denkmal baute. Wurde auch Zeit! Ich mein, er beobachtet ALLE möglichen Welten und so!
Die Ähnlichkeit - man beachte den überproportionierten Kopf und den fehlenden Hals - ist jedenfalls frappierend:



vs



Ich frage mich natürlich, was der offene Mantel und der nicht existende Körper bedeuten. Mich erinnert das irgendwie an Eternity , der ja auch nicht für einen soliden Körper bekannt war.

Ich höre aber gerade, daß ich mich irre - das soll gar nicht der watcher sein... Interessant. Ist es vllt ein katholischer Wrestler oder Powerlifter, den ich vergaß? Das wäre klasse!

Nein? Wer ist es dann?

WTF?

Oh mein Gott.

Spaß (fast) beiseite, aber selbst wenn man Johannes Paul II. verhunzen muß, ist es zumindest problematisch, nach den Wirren des Jahres 2010 einen Priester mit weit geöffneten Mantel darzustellen.

Nee, nee, ich erinnere mich lieber an Johannes Paul II. wie er wirklich war. Und zeige Euch eine Statue, wie man ihn auch hätte darstellen können bzw. wie es Künstler ohne ständigen Selbstverwirklichungskomplex tun:

Sonntag, Mai 01, 2011

Sel. Johannes Paul, bitte für uns!

Freies Beten

Es gibt so Dinge, die bereiten mir in an sich wohlmeinenden, moderneren Kreisen der Kirche etwas Probleme. Ich rede nicht von WiSiKi-Kreisen oä, sondern bspw. von Charismatikern oder Leuten bei Nightfever-Treffen; das, was ich anspreche, findet man sehr häufig bei jugendorientierten Veranstaltungen in der Kirche.
Es ist das laute, freie Beten. Es ist nicht so, daß ich generell es schlecht finde, es ist eher so, daß ich persönlich damit meine Probleme habe. Sicher, zu Gott können wir reden wie zu einem Freund, Vater etc. - das mache ich ja auch, wenn ich still für mich bete.

Aber was das laute, freie Gebet betrifft - das ist nun klerikal etwas prollig, aber ich finde oft, daß diese etwas lasch klingen.

Das ist sicherlich ein blödes Qualitätsmerkmal! Aber - na ja, ich mein, vergleichen wir doch klassische Gebete wie das Salve Regina oder die Psalmen mit dem durchschnittlichen freien Gebet (jedenfalls so, wie ich sie bisher hörte). Statt Floskeln wie "Nehme ich der Morgenröte Flügel" hört man dann "Herr, wir wollen Dir danken, für die gemeinsamen Stunden, die wir mit Dir verbringen können" oder so. Irgendwie sind mir die persönlichen Gebete oft von solch geringer Tragweite.
Ich frage mich außerdem, ob das wirklich biblisch ist; wenn wir Maria oder Jesus in der Hl. Schrift beten hören, greifen sie tief in den Gebetsschatz des Volkes Gottes. Letztlich ist fast jeder Vers mit min einem Querverweis auf den Alten Bund zu verbinden. DAS sind unglaublich tolle freie Gebete; denn aus dem großen Gebetsbuch des Volkes Gottes werden Teile ausgewählt und in den aktuellen Kontext gebracht - wow!

Sicherlich braucht es dazu wahrscheinlich ein Leben lang Übung und wir können nicht erwarten, so wunderbar wie der Sohn Gottes selbst oder die Gottesmutter zu beten. Aber vielleicht wäre es sinnvoll, beim freien Beten als Ziel vor Augen zu haben, eben so zu beten. Und so lange halte ich es mit St. Josemaria Escriva:

"Dein Gebet soll liturgisch sein. - Möchtest du doch die Psalmen und die Meßtexte liebgewinnen, statt Privatgebete zu verwenden."

Ich denke, das sollte der Startpunkt sein; wenn man diese aus dem FF kann, wird auch das freie, persönliche Gebet liturigisch.

Die Fakten der Naturwissenschaft - Gedanken

Letztens las ich bei Alipius folgenden Beitrag eines Atheisten:

Ich warte auf die nachweisbaren Einflüsse Gottes auf die Natur. Ich forder nicht viel. Nur einen unwiderlegbaren Nachweis eures Gottes in der Schöpfung, für den Respekt eurer Religion. Auf molekulare Ebene bitte.


Es sind zwei Dinge, die mich daran stören. Ein Punkt, den ich hier jetzt nicht behandle, da ich das schon hier tat, ist das so genannte "Bringschuld-Argument". Es ist, drücken wir es freundlich aus, mehr als diskutabel, ob eine Ideologie gegen eine bestehende Meinung einfach behaupten kann, es gebe keinen Gott und statt eine treffende Widerlegung zu liefern einen Beweis verlangt. Streng genommen ist das, wie schon Josef Bordat ausführlich deutlich machte, auf dem Niveau der ID-Freunde und Kreationisten; man kann eben auch nicht einfach gegen ein bestehendes, sich etabliertes Gedankenkonstrukt wie die Evolutionstheorie (und nein, es ist nicht "nur eine Theorie", aber das ist was anderes) mit der Forderung nach "Beweisen" eine angeblich Biblische Schöpfungslehre hochhalten.

Ein Punkt, auf den ich genauer und allgemeiner eingehen will, ist die Forderung nach knallharten Fakten. An dieser Forderung werden sich unweigerlich die Geister scheiden; Dinge, die für uns Christen Fakten sind, sind für Ungläubige Menschen Gefühlsduselei oder ähnliches. In der Hinsicht hat man schon sehr unterschiedliche Vorstellungen von Fakten. Josef Bordat hat in seinem Kommentar weiterhin darauf hingewiesen, daß man damit letztlich nur einen Lückenbüßer Gott sucht, mir geht es hier jedoch um eine andere Frage. Mir geht es dabei jetzt auch nicht mehr um die Debatte mit Atheisten, es sind eher allgemeine Gedanken über das, was wir Naturwissenschaftler unter Fakten verstehen; das obige Zitat war also ein Aufhänger für die kommenden Gedanken.

Was ist ein knallhartes Faktum? Sind die Erkenntnisse der Quantenmechanik das? IST die chemische Bindung identisch mit dem, was wir über die LCAO-Methode als molekulare Bindung ausrechnen? Wie sieht ein Vand der Waals-Potential aus?
Nein, mir geht es beileibe nicht um irgendein postmodernen "What the Bleep to we know"-Scheiß, wir wissen verdammt viel. Ich kritisiere keines der genannten Dinge, schließlich sind sie mein täglich Brot; ohne die Quantenmechanik wäre ich ein komplett frustrierter Chemiker und meine Diplomarbeit Tinnef.
Aber wir müssen uns doch hier klarmachen, daß die Physik mit Modellen arbeitet. Modellen, die durch den Experimentellen Befund erarbeitet wurden, Voraussagen ermöglichten und somit sich bewährt haben. Hier könnte man noch hinzufügen, "die sich für bestimmte Problemstellungen bewährt haben". Wenn wir den makroskopischen Druck erklären wollen, reicht ein reines Partikelmodell vollständig aus; wie ein Atom bzw. Molekül wirklich aufgebaut ist, ist dann vollkommen irrelevant. Bis zur Femtochemie (d.h. Untersuchung chemischer Prozesse auf einer Femtosekunden-Zeitskala) kann man die elektronischen Übergänge zwischen verschiedenen Zuständen oft von der Bewegung der Kerne (bspw. eines Moleküls) entkoppeln und sie als "instantan" ansehen - was sie freilich nicht sind, wie spätestens die Attosekunden-Spektroskopie lehrt. Heavens, das Bohrsche Atommodell, so simpel es auch nach heutigen Stand ist, leistet einen wunderbaren Dienst bei der Modellierung der Übergänge in einem Wasserstoff-Atom!

Natürlich sind das alles "knallharte Fakten". Genauso wie Phononen, Exzitonen, Plasmonen, Löcher und was es sonst so als virtuelle Teilchen gibt.
"MOOOMENT - VIRTUELLE TEILCHEN SIND FAKTEN?" - Natürlich, ich kann kohärente Phononen anregen, Über sie Reaktionsprozesse triggern und so genannte Fuchs-Kliewer-Phononen haben in einem Schwingungsspektrum eine derart hohe Response, daß sie in einem Schwinungsspektrum alle Adsorbatschwingungen bei weitem übertreffen! Sie sind keine Teilchen im klassischen Sinne, aber als quantisierte Schwingungsmoden eines Festkörpers kann man, da sie abzählbar sind, sie sehr wohl als Teilchen betrachten. Trotzdem werde ich nie jemandem ein einzelnes Phonon in meiner Hand zeigen können (was mit einem Elektron theoretisch möglich ist), das knallharte Faktum bleibt also bei passender Fragestellung aus- zumindest, wenn der Fragende ein verbissener Vertreter des klassischen Teilchenmodells ist.

Seht ihr, worauf ich hinaus will? Die "knallharten, empirischen Fakten" sind so, wie es der Atheismus von der Religion verlangt, bei vielen physikalischen nicht zugegen. Das soll keine Unsicherheit hervorrufen! Es soll lediglich gesagt werden, daß die Physik sehr oft mit Modellen arbeitet, die nahe an der Realität dran sind, aber selbst schon eine Interpretation derselben. Das ist jedem Physiker bewußt. Leider vielen anderen nicht. Das führt dann dazu, daß entweder davon geredet wird, daß die Relativitätstheorie durch den Tunneleffekt "widerlegt worden sei" oder daß nach der Quantenmechanik alle wissenschaftliche Welt in einer großen "was können wir nun exakt sagen"-Krise stecke. Beides ist Bullshit, verzeihung für die Wortwahl, und ich denke, daß diese Irrtümer sehr eng mit dem Problem des schlechten Dialogs zw. Atheisten und religiösen Menschen führen.

Ich kann mich noch zu Schulzeiten erinnern, daß uns, wenn man ein altes, überkommenes Weltbild präsentierte (wie es dann "widerlegt" bzw. erweitert wurde) oft ein Dualismus zwischen Vollidioten, die noch an das ja offensichtlich falsche glauben und wahnsinnig klugen Köpfen, die das Neue, Richtige bringen vorgegaukelt wurde. Das fing mit dem heliozentrischen Weltbild an und hörte mit Einstein vs. Quantenmechanik auf. Das wurde uns jedenfalls damals so eingeprügelt, daß ich, als ich von Keplers Modell der platonischen Körper hörte, mich fragte, wie blöd der denn gewesen sein mußte, um so einen Schwachsinn zu fabrizieren. Lee Smolin (mit seinem phantastischen Buch The Trouble with Physics , was ich nun zur Pflichtlektüre erkläre) war dann einer, der mir die Augen öffnete, indem er auf die Eleganz und Schönheit dieses Ansatzes hinwies - wenn er doch auch nicht imstande war, das Sonnensystem zu erklären. Außerdem sah ich, daß wir Physiker immer noch mit unseren "platonischen Körpern" arbeiten; wir beschreiben ein Potential der Rotationsniveaus eines zweiatomigen Moleküls mithilfe eines harmonischen Potentials, nutzen das Morse-Potential aus, um Chemisorption zu modellieren, wir reden von der "Starrer Rotor-Näherung", sagen, daß wir diesen und jenen Peak gaussförmig annehmen.... DAS sind unsere modernen platonischen Körper, ein mathematischer Baukasten, den wir bei Bedarf zur Modellierung des Universums brauchen!
Nein, es wurde oft nicht die "blöde Mehrheit" widerlegt. Wenn man sich den Lauf der wissenschaftlichen Geschichte ansieht, wurde vielmehr oft ein Weltbild erweitert, in einem anderen Kontext beschrieben. Das passierte mit der Relativitätstheorie wie eben auch mit der Quantenmechanik - und eben auch mit dem heliozentrischen Weltbild. "Ich kann Dir den Stand der Planeten wunderbar mit Epizyklen berechnen" sagte ein atheistischer Freund bei einem Kaffeeplausch mal passend zu diesem Aspekt: Wenn es uns um Himmelsmechanik, um die Frage, wann der Mars über Berlin aufgeht, geht, ist es besser, von einem geozentrischen Modell auszugehen denn von einem heliozentrischen. Es kommt hier auf die Fragestellung an, die Fakten liefert.

Vielleicht wäre das ein (zugegebenermaßen zu pluralistischer) Ansatz für einen Dialog: Was für eine sinnvolle Modellbildung gibt es für das, was die religiösen Menschen Gott nennen? Und nein, ich meine jetzt nicht "Die Kirche erfand ihn, um die ängstlichen Leute zu unterdrücken"; atheistische Regimes haben sehr gut gezeigt, daß es nicht die Religion braucht, um Leute zu unterdrücken, vor allem gehen solche Äußerung an der eigentlichen Fragestellung vorbei: Was ist das, was uns Christen die Hoffnung verleiht, diese Dimension der Tiefe in unserem Leben? Wie läßt sich das säkular fassen? Nicht, daß ich sofort daran glauben würde, aber ich denke, wenn eine wertfreie Definition Gottes, ähnlich eben einem meinetwegen vereinfachten Modell der Naturwissenschaft, eine Art Diskussionsbasis wäre, wäre viel gewonnen.

Ich glaube, es war Niels Bohr, der mal sagte, daß Gott so etwas wie die Zahl i sei (also die imaginäre Zahl, wobei i^2 = -1 ist). Sicher, sie sei keine realistische Zahl, denn von negativen Zahlen kann man keine Wurzel ziehen. Aber für vieles sei es wichtig und sinnvoll, mit komplexen Zahlen zu rechnen, so lassen sich Schwingungen als Exp[iwx] ausdrücken. Zwar ist mir der Ansatz zu utilitaristisch, aber mir gefällt er, da, i als Modellierungstool für Schwingungen nutzend, sehr wohl real nach obiger Definition ist und er letztlich damit eine sehr liebevolle im besten Sinne tolerante naturwissenschaftliche Erklärung für das Phänomen Gott umriß.

Mittwoch, April 27, 2011

Christian, weird, loud

So, ein Monat nach dem letzten Post kann ich ja mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Grund? Ich hab gesehen, daß auf Christinas Ofenbank mal wieder etwas Musik gab, diesmal unter dem Motto "Christian, weird,loud". Sie präsentierte etwas White Metal, was ich nun gerne kontere.



Horde - Invert the inverted Cross.

Horde allein erfüllt die drei Kriterien sehr gut, ist es doch ein legendäres Glanzstück des Unblack Metals. Seinerzeit mußte die Pressung eingestellt werden, weil Nuclear Blast von der Gegenseite Morddrohungen geschickt wurden. Das kann man auch weird nennen. Doch das allein wäre zu normal für mich. Ich habe hier eine LIVE-VERSION des des genannten Stückes. Das ist schon interessant, da Horde ein Soloprojekt von Jayson Sherlock unter dem Pseudonym Anonymous war, dementsprechend Live-Interpretationen eher rar sind. Zu guter letzt ist als Sänger kein geringerer als Pilgrim der ebenfalls christlichen Black Metal Band Crimson Moonlight an Land gezogen worden, was auch ein echter Knaller ist. Also:
- Christlich? Well, ich fasse Horde eher unter "antisatanisch" zusammen. Aber Invert the inverted cross ist einer der wirklich genuin christlichen Songs.
- weird? Aber hallo. Band, Song, Text, Darbietung, erfüllt das, ebenso das laute.

So, und damit noch ein nicht-metallisches, aber auch sehr weirdes und lautes (und christliches) Lied hier gespielt wird, präsentiere ich Blackhouse - Answers for you:



Klassischer Power Electronics, der nicht umsonst sehr stark an die Band Whitehouse erinnert, die jedoch.... ehm... nicht so ganz christlich ist. Blackhouse dagegen schon und, was diese Band sehr erwähnenswert macht, durchaus ein Begriff in der Power Electronics und Industrial-Szene. Gelten als Kult und werden desöfteren neben Whitehouse und Sutcliffe Jügend genannt.

Christlich: Jepp
weird & loud: Hallo, Power Electronics mit Texten wie "Jesus has got the answers for you, answers for me and answers for you"? Need I say more?

ZUSATZ:

Heieiei, CM präsentierte ja mit Forty Holy Martys of Sebaste noch unglaublich knackigen Crust! Weird and nice! In der Hinsicht weiß ich gar nicht so genau, ob der Punkt an mich geht, wie CM im Kommentar behauptet.

Sonntag, März 27, 2011

Freitag, März 25, 2011

Nature Podcast

Aufmerksam wurde ich auf dem Podcast von Nature durch die sehr sachlichen Ausführungen zu der Tragödie in Japan und dem Reaktorunglück in Fukushima. Ich habe btw zu beidem nichts geschrieben, was aber eher daran liegt, daß ich im Augenblick nicht allzu viel Zeit hatte (zwei Konferenzen vorbereiten, zwei Poster und nen Talk machen, Paper korrigeren, Laborumzug abschließen, die ganze dolce vita des Physikerdaseins eben). Aber generell kann ich die Podcasts nicht nur deswegen, sondern für jeden allgemein Interessierten Freund der Naturwissenschaften, empfehlen. Schließlich ist Nature nicht nur irgendwas, sondern nicht weniger als eines der Top leading Journals auf dem wissenschaftlichen Markt (mit Science). Im Podcast wird auch nicht irgendwelche Wissenschaft für Laien Marke "Die Wissenschaft hinter Fußballspielen" oder so, nein, es werden gerade aktuelle Veröffentlichungen auf Nature besprochen. Sicherlich kann es dann manchmal etwas komplex werden, wobei ich sagen muß, daß bisher es auch in Bereichen, wo ich keine Ahnung habe, recht gut zu verstehen war. Leute, die über einen Account an der Uni sich die Nature-Artikel herunterladen können, sind natürlich dann klar im Vorteil, weil sie im Fall eines Interesses die Originalartikel runterladen können, wobei für viele, die nicht direkt in der Materie sind, auch Nature-Artikel zu dicht geschrieben sein können (geht jedenfalls mir so, wenn auch nicht so schlimm wie bei etwas spezifischeren Journals wie Physical Review Letters oder den ganzen Journals of Physical Chemistry/Journal of Chemical Physics und wie se alle heißen).

Jedenfalls: Hört doch mal rein, lohnt sich. In der aktuellen Ausgabe geht es um Möglichkeiten der Untersuchung des Erdmantels. Klasse.

Nature Podcast

Zu Russels Teekanne

Russels Teekanne ist meiner Meinung nach das beste Beispiel dafür, daß Herr Russel total overhyped ist. Zur Erinnerung sei es hier mal zitiert:

„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun weiterhin auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.“

und nun erweitern wir es doch ein wenig:

"Wenn nun jedoch immer wieder Leute von Erfahrungen mit dieser Teekanne sprechen würden, wie diese ihr Leben verändert haben, und zwar ohne daß ich groß argumentativ auf sie eingewirkt hätte, wenn Menschen aufgrund dieser Teekanne bereit wären, ihr Leben von heute auf morgen zu ändern, ja, bereit sind, für diese Teekanne in den Tod zu ziehen, scheint von dieser Teekanne mehr auszugehen als eine reine Behauptung hergeben könnte. Wenn weiterhin eine historische Geschichte über den Kontakt dieser Teekanne mit den Menschen vorhanden ist, eine Art Chronik, die bis in die heutige Zeit besteht, untermauert das auch nicht gerade die These, daß das nur eine Behauptung wäre. Wenn weiterhin es Memorabilia aus den fraglichen Zeiten - ich nenne sie jetzt mal dreist Reliquien - gibt, ist das auch interessant. Wenn ich weiterhin ein (Obacht, Rekursion!) Beispiel zur Absurdität von Religion über die Behauptung einer Teekanne erfinde und damit auf die Widerlegung teilweise jahrtausendealter Religionen abziele, Religionen, an die Leute glauben, was etwas anderes als behaupten ist, dann ist das einfach dumm und platt."

Die Teekanne wird gerne als Beispiel für die "bringschuld" der Religion angeliefert. Nun, wir haben Leute heiliggesprochen, jeweils nicht nur aufgrund eines heiligmäßigen Lebens, sondern aufgrund von Wundern, das heißt Interventionen jenes "zu beweisenden" Gottes, Wundern, die übrigens strengstens unter die Lupe genommen werden. Wir behaupten, im Besitz des Grabtuches zu sein, in das unser Gott, der rein zufällig zu einer historisch schon bekannten Zeit auf Erden verweilte, nach der Kreuzigung gelegt wurde. Natürlich mag man an das alles nicht glauben, diese Freiheit hat man, aber ich würde diese Dinge schon als Beweise akzeptieren. Beweise, die es zu widerlegen gilt, und zwar in jedem Einzelfall. Pauschalurteile wie "Das war sicher Zufall/Placebo" sind auch nur wieder Gegenvermutungen.

Man könnte auch, nun werde ich ganz dreist, als Gegenidee "Phils Andromeda-Galaxie" in den Raum werfen:

"Wenn ich behaupten würde, daß es die Andromedagalaxie nicht existiert, könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde die Astrophysik zu einer unwissenschaftlichen Methodik erklären (Teleskope! Was für ein Aberglaube!). Aber wenn ich nun weiterhin auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in Büchern - modernen wie antiken - die Nichtexistenz einer solchen Galaxie bekräftigt würde, dies jeden Tag als "Faktum" gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde der Glaube an die Existenz der Andromeda-Galaxie zu einem Zeichen von Exzentrizität werden. Es würde den Glaubenden in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Stasi-spitzel früherer Zeit."

Ich habe mal den Guttenberg-Test gemacht und gemerkt, daß meine Andromeda-Galaxie zu über siebzig Prozent mit obigem Absatz identisch ist! Nun, erstens mache ich mit solch geistigem Dünnschiß keinen Doktor oder behaupte, er wäre intelligent aber das zweite ist doch interessant: Wie man mit wenigen Änderungen das Beispiel umdrehen kann, nicht wahr?

Mittwoch, März 23, 2011

Und sie, Herr Feynman!!!

(ja, ich muß mal wieder was wissenschaftliches schreiben)

Ich habe ja wirklich Respekt vor Ihnen, nicht nur wegen des Nobelpreises, sondern vor allem, weil die Pfadintegralmethode eine tolle Technik ist. Letztlich sehe ich in ihr einen Weg zur Antwort auf die Frage nach der Interpretation der Quantenmechanik - die Integration über alle Pfade von A nach B vereint in sich die Bohmsche Interpretation, die Viele-Welten-Theorie und die Kopenhagener Interpretation!

Aber was haben Sie sich bei diesem Spruch gedacht?

What I cannot create, I do not understand.

Whaat? Natürlich schätze ich als Experimentalphysiker die Nähe zur Realität, die Sie damit fordern, sehr, aber so stimmt das nicht Also erstens kann man Yoctosekundenpulse noch nicht erzeugen, wenn auch die Physik dahinter klar umrissen ist, ähnliches läßt sich über die Ausrichtungsdynamik von Wellenpaketen in Molekülstrahlen sagen (gut, bei letzterem hoffe ich, daß es noch nicht getan ist, ehm.). Nur mal so als zwei Beispiele, die zeigen, daß man sehr wohl ohne experimentelle Reproduktion etwas verstehen kann. Das nennt sich dann Postulation.
Zweitens zeigt die katalytische Chemie sehr oft, daß man ohne Verständnis erschaffen kann. Die oxidative Kopplung von Methan ist in Mikrokosmos noch komplett unverstanden, funktioniert aber auf jeden Fall. Einer der ersten Laser mit Modelocking (das nannte man dann noch "Magic modelocking"), d.h. einer der ersten mit ultrakurzen Lichtpulsen, ist durch Hauen auf den Tisch entstanden (nun weiß man, daß es Kerr Lens modelocking ist), also wurde das Modelocking ohne Verständnis induziert.
Man kann sogar ganz mundan sagen, daß ich, wenn ich einen elektronischen Bausatz zusammensetze, nicht verstehen muß, wie das Ding funktioniert.

Summa summarum: Wirklich nichts für ungut, aber dieser Spruch ist falsch. Natürlich kann man verstehen, ohne erschaffen zu können. Die armen Kosmologen und Astrophysiker würden zum Beispiel in Tränen ausbrechen, wenn man von ihnen die Erschaffung eines Virgo Superhaufens erwarten würde. Und umgekehrt muß ich, wenn ich gegen meine Geschirrspülmaschine trete, weil die irgendwo einen Wackelkontakt hat, nicht wissen, was ich gerade behoben hat, es reicht, voller Freude das saubere Geschirr aus der Spüle zu nehmen :)
Aber wir lernen daraus dann doch eine Sache, nämlich, daß unser Wissen durch die Art und Weise, wie wir uns einem Problem nähern, schon begrenzt ist. Wenn wir am Computer irgendwas modellieren und was cooles wie die Millenium-Simulation zur Modellierung der großen Strukturen im Universum laufen lassen oder wenn wir via Dichtefunktionaltheorie die chemische Bindung eines CO-Moleküls an eine MgO-Oberfläche berechnen - wir sind von Modellen und Anfangserwartungen abhängig, die sehr wohl falsch sein können. Analog weiß sich der Nutzer in seinem Verständnis der Realität dann doch vor einer Black Box stehen. Und schließlich lernen wir daraus, daß Theorie und Praxis immer im Dialog sein müssen. Wenn die Theorie etwas voraussagt, muß die Frage des Experimentators sein "Unter welchen Bedingungen wird das vorausgesagt?". Wenn der Experimentator was im Labor mißt, muß der Theoretiker sich fragen "Was genau hat der Experimentator vermessen?".

Werter Herr Stoot,

Ich hab hier Ihren Artikel gelesen: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16300

Ich könnte nun die Unmenschlichkeit dieses angeblich christlichen Menschen kritisieren, ihm Scheuklappenmentalität vorwerfen, mich fragen, ob er oder die anwesenden Antifaschisten sich nur ansatzweise mit den verfolgten Christen in islamischen Ländern beschäftigt haben. Ich könnte fragen, wo die Mahnwachen für die "positive Religionsfreiheit" bleiben, wenn mal wieder Übergriffe auf Christen geschehen sind. Ich könnte die Feministinnen fragen, wie sie dazu stehen, daß in islamischen Ländern z.T. die Frauenrechte mit Füßen getreten werden.

Aber ich würde mich nur aufregen, deshalb frage ich schlicht und einfach:

Werter Herr Stoot, Sie wissen schon, daß das Binnen-I im Zeitalter des Transgender* ziemlich reaktionär und diesbezüglich diskriminierend rüberkommt? Daß das Binnen-I als Phallus-Symbol von Antisexist*innen abzulehnen ist? Sicher wissen Sie das, sie demonstrieren ja nicht nur mit mutigen Kämpfer*innen, sondern schreiben auch noch Kolumnen in namhaften Zeitungen! Wenn Sie das jedoch wissen, dann frage ich mich, wieso Sie an dem Binnen-I festhalten.
Ist das nicht vielleicht immer noch der alte patriarchalische, chauvinistische Christ in Ihnen, der Sie zum Nutzen des Binnen-I genauso anleitet wie er die ganzen "Nazis", denen Sie und Ihre "mutigen" Freund_innen ein "Nazis raus" entgegenschleudern? Sind Sie nicht im tiefsten Maße ein männlicher Sexist und homophob?

Sicher nicht, aber wenn Sie schon derart antifaschistisch und antisexistisch tun, dann sollten Sie doch wirklich wissen, daß das Binnen-I überholt ist und Sie somit nur ein weiteres tragisches Beispiel einer Kirche sind, die dem Zeitgeist hinterherrennt (mit Betonung auf "hinterher").

Sonntag, März 06, 2011

Saint Cast on Niels Stensen

Wie ich von .U. hingewiesen wurde, wird der SaintCast weitergeführt, klasse! Und was für mich noch besser ist:

Dieses mal geht es ua um Niels Stensen! Da ich zu Jahresbeginn neben so einigem anderem mir vornahm, Niels Stensen genauer kennen zu lernen - cooler Kerl! - gebe ich das hier mal weiter:

SaintCast 141

Du hast recht, Elsa...



... wir beklagen uns wirklich wegen rein gar nichts.

Ja, hatte ich schon....




... aber ich muß an dieser Stelle nochmal Werbung für Bull of heaven machen. Wie man über ihre Facebook-Seite mitbekommt, haben sie gerade eine Drone-Komposition gebastelt, die, würde sie je vollständig durchlaufen, ca 8*10^24 Jahre dauern würde - Selbst Olitsky ist dagegen nur Windhauch.
Aber es ist nicht nur die Länge ihrer (ja, wahrscheinlich zu wirklich nahezu hundert Prozent sterbenslangweiligen) Stücke; sie hatten nun desöfteren Stücke verschlüsselt hochgeladen, so daß sich Songbeschreibungen (sie zählen durch von 000 bis bisher 237) folgendermaßen lesen:

"‎231 & 232 both contain audio data, and you can extract resources from EXEs using ResHack, but getting them to play may require some programming knowledge. Luckily, both pieces will be released in different formats at a later date. Playable formats, possibly."

Das finde ich dann doch dermaßen strange, daß ich gerne nochmal Werbung mache.

Wer gehört zu Deutschland?

Nicht nur in der Blogozese wird darüber debattiert, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. Wulff sagte, er würde dazu gehören, bekräftigte das nun noch einmal, einige widersprachen, andere fabulierten, daß Aleviten (=Islam?) besser integriert wären als die Katholiken... Da dachte ich, daß ich mal meine Meinung dazu kundtue.

Ich stimme Herrn Friedrich zu: Historisch gesehen gehört, so weit ich es sehen kann, der Islam nicht zu Deutschland. Ich sage es mal ganz scharf: Der papstfressende Atheist und der Party machende Homosexuelle am CSD gehören meiner Meinung nach mehr zu Deutschland als der Islam, schlicht und einfach, weil der Atheismus und die Emanzipationsbewegung der Homosexuellen durchaus Wurzeln in unserer Kultur haben (auch wenn diese es vllt verleugnen würden).

Merkt ihr nebenbei gesagt an dieser Stelle etwas? Eine Sache ist nicht per se gut, weil sie "zu Deutschland gehört". Es ist also auch umgekehrt kein automatisch negativ wertendes Urteil, wenn man sagt, daß der Islam nicht zu Deutschland gehöre.

Es ist schlicht und einfach eine Feststellung, daß, nach Friedrich, die gemeinsamen historischen Wurzeln fehlen, und nach Matussek , daß bspw. Herr Erdogan auch nicht gerade dazu aufruft, "zu Deutschland zu gehören". Und als gemeinsame Wurzeln zählt leider keine Schlacht von Wien (BÄM!). Es zählt auch nicht, daß ein Getränk, daß früher Türkentrunk genannt wurde, nun wirklich zu unserer Kultur gehört.

Nach der Wullfschen Rede hat ein atheistischer Freund von mir mokiert, daß anscheinend der Atheismus und die Konfessionslosigkeit laut Wulff nicht zu Deutschland gehöre. Ich muß sagen, daß ich bei aller Ablehnung des Atheismus meinen Freund gut verstehen kann; der westliche Säkularismus gehört meiner Meinung nach mehr zu Deutschland als der Islam, kann er doch auf historische Wurzeln hierzulande blicken und aufzeigen, daß die Atheisten durchaus integriert sind. Übrigens auch besser integriert als die Aleviten, die man doch bitte nicht als Vorzeigemoslems immer wieder aus dem Hut ziehen sollte; das ist wirklich diskriminierend gegenüber anderen Moslems, vor allem, weil diese Aleviten im Islam durchaus nicht überall als volle Moslems akzeptiert sind (freundlich gesagt).

Was bleibt zu sagen? Was ist der Islam in Deutschland? Er ist wie in jedem pluralistischen Land wie jede andere Weltanschauung willkommen (jedenfalls sollte er "wie jede andere" willkommen sein und nicht als ein positiver Spezialfall, der er nun mal nicht ist, betrachtet werden) und natürlich sind die Anhänger des Islams zuallererst Menschen und als solche herzlich willkommen. Und ja, ich finde es auch schön, daß bspw. Berlin eine wunderbar vielfältige Stadt ist und als solche das Potential hat, daß hier diverse Kulturen aufeinander treffen (daß es hierbei gravierende Probleme gibt, ist noch ein anderes Faß, was ich jetzt nicht öffnen will). Das ist aber was ganz anderes, als historisch zu irgend etwas zu gehören.

So, jetzt gehe ich mir einen Backlava kaufen.

So, neues Design

Alle Jahre wieder bin ich mit dem Design der Seite eher unzufrieden. Dementsprechend änderte ich es jetzt mal. Es kann sein, daß das in nächster Zeit noch ein paar mal passiert.

Wenn Krümelkacken, dann richtig



Mein lieber, vermutlich fünfzehnjähriger Internetatheist,

einerseits kann ich es durchaus verstehen, wenn Du Witze über den Glauben machst; ich gebe gerne zu, daß mit Leuten wie Bill O'Reilly (Tide comes in, tide goes out... seufz) das Christentum nicht immer von seiner Schokoladenseite vertreten wird (von Mr. "Thor auf dem Olymp" Silverman sind die Atheisten aber auch nicht grad beschenkt worden - aber anderes Thema). Man kann auch gerne ein wenig Troll Physics (Lang lebe das Trolletariat!) machen und "beweisen", daß es im Himmel heißer als in der Hölle ist, das ist sogar eine nette Gedankenspielerei. Aber das hier....

ach, min Jung..., erstens ist der Schöpfungsbericht nicht wortwörtlich zu nehmen, was durch den hymnischen Charakter allein herauskommt (und dadurch, daß es mehrere Schöpfungsberichte gibt). Was bringt es also, sich über den Bibeltext zu mokieren? Nur, weil einige Kurzzeitkreationisten ihn wortwörtlich nehmen und man sich dann intelligenter als diese sehen kann?
Das ist aber gar nicht der Punkt, den ich hier ansprechen will. Mir ist eher wichtig:

Wenn man schon krümelkackend klüger als die dummen Religiösen sein will, dann sollte man es auch wirklich sein.

Licht sind Photonen, richtig? Natürlich habe ich recht. Photonen können sehr wohl ohne eine Sonne existieren, sind sie doch schlicht und einfach das Austauschteilchen der elektromagnetischen Kraft. Als solches existierte es deutlich vor den Sonnen! Um genau zu sein gab es nach 10^-12 sekunden Photonen, da sich dort die vier Elementarkräfte endgültig voneinander trennten. Sterne gab es erst Hunderttausende von Jahren später!
Jaha, Kosmologie ist eine interessante Sache und zumindest in diesem Fall leider nicht geeignet, "dummen" Christen eins auszuwischen.

Zehntausend und mehr.

Über zehntausend haben nun bei der Petition pro ecclesia unterschrieben. Ich denke, darauf kann man stolz sein. Zehntausend Unterzeichner sind nicht mehr nur eine kleine Splittergruppe oder ein paar alte Ommas, die noch vor dem Konzil wohnen. Zehntausend Unterzeichner aus allen Ecken Deutschlands mit diversesten Berufen und damit mit unterschiedlichsten Hintergründen - das ist wirklich was tolles! Ich bin froh und ja, auch stolz, das Projekt fast von Beginn an verfolgt zu haben, und traurig, daß ich nicht die Zeit fand, zu helfen. Die fleißigen Seelen, die an diesem Projekt arbeiteten gucke ich mit tiefen Respekt und Neid an. Das habt ihr wirklich toll gemacht und ich finde es toll, daß ich einige der Mitarbeiter ziemlich gut kenne!

Samstag, März 05, 2011

Kurzes zur Causa Guttenberg

Ich bin kein Freund von Guttenberg, was aber auch daran liegen kann, daß ich bezüglich seines Wirkens als Verteidigungsminister nicht viel weiß. Er hat die Wehrpflicht ausgesetzt und Frauen den Eintritt in die Bundeswehr vereinfacht, zwei Dinge, die, gelinde gesagt, man anders als er sehen kann. Seine Antworten auf die Plagiatsvorwürfe waren, gerade zu Beginn (in der Rückschau) eine Frechheit und ich frage mich, ob er überhaupt seine(?) Arbeit genau gelesen hat. In der Hinsicht gehöre ich nicht zu den Leuten, die dem Herrn Guttenberg hinterhertrauern.

Das muß ich vorweg sagen, denn jetzt geht es los. Mich stört an der ganzen Causa einiges. Manches ist direkt mit ihr verbunden, anderes im Umfeld von ihr. Ich werde meine einzelnen Punkte nun einfach in einzelnen Absätzen schreiben:

1.) Als die ersten Vorwürfe kamen, saß ich neben einem guten Freund und frischen Doktor (nicht-plagiiert, jedoch "nur" Magna cum Laude) aus der Slowakei. Er sagte recht lakonisch zu mir, daß copypasten in slowakischen geisteswissenschaftlichen Doktorarbeiten durchaus vorkommt. Und nicht zu knapp. Keiner stört sich daran, so lange ein eigener Anteil (!) zu sehen ist.

2.) Dazu ist weiterhin folgendes zu sagen: In geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen ist das "wie" der Formulierung deutlich wichtiger als bspw. in meiner Zunft. Man sollte schon wortwörtlich den Wortlaut aus dem BGB in einer ernstzunehmenden juristischen Veröffentlichung zitieren und nicht "ungefähr" dahinschwafeln (das entbindet natürlich nicht von der Quellenangabe!).

3.) Nun ging ein Aufschrei durch "die" Bevölkerung, weil er ja "das Volk" betrogen hätte. Soso.
Mal eine Frage: Wie viele Leute haben die Doktorarbeit vorher gelesen? War das der Grund, warum man vorher pro Guttenberg war? Wurde eine Partei gewählt, weil man sah, daß die einen Doktor in der Partei haben? (wenn letzteres der Fall war, sollte man sich ernstlich darüber machen, wie man Personen einstuft). So wie ich das sehe, war bis zu den Plagiatsvorwürfen jedem die Doktorarbeit Guttenbergs scheißegal, und auch der Titel wurde eher nebenbei wahrgenommen. In wiefern hat er also das Volk betrogen?

4.) Oh, zum Thema Betrug schrieb die Zeitschrift Christ in der Gegenwart, daß es doch seltsam ist, daß man in Politiker, die bspw. ihre Ehefrauen betrogen haben, immer noch Vertrauen haben kann. Wo ist dort der "empörte Aufschrei"?

5.) Wenn wir schon bei den Massen an "betrogenen Wählern" sind: Wie viele der lautesten Schreihälse sind denn wirklich vorher von Guttenberg angetan gewesen? Ist es nicht eher so, daß man sich daran aufgeilt, daß jemand, den man ohnehin nicht leiden konnte, nun nicht mehr die weißeste Weste hat? Eben das kotzte mich am meisten an der Causa Guttenberg an: Zu sehen, wie Menschen, fiebrig in einer Mischung aus Empörung und Geilheit, sich nun echauffierten und echauffieren.

6.) A propos Schreihälse: Man kann nicht nur an Personen, die sich einen Doktor erschleichen, Kritik üben, man muß das sogar. In der Hinsicht verstehe ich jeden, der sich empörte. Nur war die Form der Kritik mal wieder, wie es in Gutmenschenkreisen immer der Fall ist, von einer Bosheit geprägt, die nicht nur Niveau, sondern auch Anstand vermissen ließen. Selbiges läßt sich über die "lustigen" Aktionen auf Gegendemos zu pro-Guttenberg-Demos sagen. Für die Form von "Kritik" habe ich nur Verachtung übrig.

7.) Nun wird schon eine Freiheitsstrafe für Guttenberg gefordert. Wegen "Diebstahl geistigen Eigentums". Aha. Man tut ja gerade so, als hätte bisher nie ein Plagiat oder Betrug im Rahmen einer Doktorarbeit stattgefunden und Guttenberg nun quasi die Ursünde der Akademie begangen. Lächerlich sowas. Natürlich gab es schon Plagiatsfälle vorher und es ist auch klar, was mit solchen Leuten passiert: Der Doktor wird aberkannt.

8.) Was mich generell wundert ist: Was für Pfeifen sind die Herren Gutachter eigentlich gewesen? Einem Plagiat diesen Ausmaßes ein Summa zu geben ist entweder gaunerhaft (Weil man selbst vorteile bekommt) oder dumm.
Das ist ohnehin eine Sache, die mich schon seit langem stört. Kann sich jemand noch an den Fall Jan Hendrik Schön erinnern? Neben dem Faktum, daß es hier DEUTLICH schwieriger war, ihm den Doktor abzuerkennen (heavens, er hat DATEN GEFÄLSCHT! - Gut, nicht im Rahmen seiner Doktorarbeit), wundert mich doch stark, daß sein Vorgesetzter in der Zeit brav weiterhin Professor sein darf. Er wußte ja angeblich von nichts - ja er steht ja nur auf seinen Publikationen mit drauf.
Was ist bitteschön mit dem Universitätswesen los? Dürfen Professoren alles, das heißt, sich mit den erschlichenen Lorbeeren ihrer Schützlinge schmücken und sie fallen lassen, wenn der Schwindel ans Tageslicht kommt? DAS, meine lieben Leser, ist für mich der eigentliche Skandal hinter der Causa Guttenberg.

9.) Als etwas humorvollen Abschluß präsentiere ich hiermit RIAA - USA, a "Mix"Album . Die Robotic Intergalatic Astro-Artists machen wunderbare plunderphonics, pures Plagiat - und dadurch was neues!