Samstag, Dezember 31, 2022

Der Heimgang des Papa emeritus

Benedikt XVI. ist heute zum Vater gegangen. Zeit, diesem großen Heiligen Vater Dank zu sagen. Benedikt XVI. hat schon im vorangehenden Pontifikat meinen Glauben mitgeprägt, insbesondere mit seiner sachlichen, akademischen Sicht, die ein Vorbild für die Einheit von Glaube und Vernunft war. 

Entsprechend fehlen mir jetzt die Worte - einer der großen Mentoren in meinem Glauben ist nun heimgegangen. Ist das für uns Christen traurig oder schön? Sicherlich liegt es irgendwo dazwischen - auch wenn wir voller Hoffnung zum Herrn blicken und im Glauben wissen, dass dieses Leben nicht das Ende ist, sind wir doch auch Kinder der Welt, der das Wort "Ewig" unbekannt ist. 

Dennoch geht es mir so, dass ich voller Hoffnung und Dankbarkeit an Benedikt XVI denke. Noch mehr bin ich dem Herrn dankbar, dass ich das Privileg hatte, durch seine Schule im Glauben zu gehen. 

Entsprechend noch ein letztes Mal skandiere ich alleine in der Wohnung sitzend "Benedetto" und hoffe, am Ende aller Zeiten, wenn die Toten aus den Gräbern auferstehen, dies mit anderen Freunden Ratzingers/Benedikts skandieren zu können. 

Sonntag, Juni 12, 2022

St. Dymphna philosophiert: Three makes a crowd - die Heilige Dreifaltigkeit als Basis aller Dynamik

Zum Dreifaltigkeitssonntag bietet es sich an, etwas über die Dreifaltigkeit nachzudenken. Oft wird betont, dass man die Dreifaltigkeit nicht verstehen, sondern nur darüber staunen kann. Keine Frage, dies ist so. Für den suchenden Geist ist jedoch über etwas staunen und über etwas nachdenken eins. Und so wie es die Menschen von Anbeginn des Christentums getan haben und über das Geheimnis der Dreifaltigkeit meditiert haben lädt der Dreifaltigkeitssonntag auch heute dazu ein, über die Natur Gottes nachzudenken. Gibt es Bilder im Universum, in welchen die Dreifaltigkeit ihr Kunstwerk unterzeichnete? Was könnte man aus diesen Bildern über Gott lernen? Und kann uns dies auch helfen, etwas über uns selbst zu erfahren? 

(Fun fact nebenbei: Dies ist der dritte Artikel des Jahres 2022!)

Das Dreikörperproblem - der Anfang aller Komplexität

Aktuell lese ich die Trisolaris-Trilogie vom chinesischen Schriftsteller Liu Cixin. Eine sehr spannende, vielschichtige Science-Fiction-Geschichte, in welcher eine Welt mit drei Sonnen eine Rolle spielt. 

Drei Sonnen... dem Physiker fallen dabei natürlich gleich drei Massen auf. Das Dreikörperproblem ist, um es etwas wirr auszudrücken, wohl das einfachste der schweren Probleme. Zwei Körper, die sich gegenseitig anziehen, wie beispielsweise die Sonne und die Erde, sind ein einfaches System, welches immer analytisch lösbar ist. Das bedeutet, dass man mithilfe von simplen Formeln dieses System beschreiben und den zukünftigen Verlauf vorhersagen kann. 

Mit einem dritten Körper wird dies schwieriger. Eine wirklich einfache analytische Lösung in der Form existiert nicht (zumindest nicht für alle Anfangskonditionen). Natürlich kann man ein Dreikörperproblem simulieren, aber mit einfachsten Formeln ist es nicht zu beschreiben. Es handelt sich, um einen Begriff von Stephen Wolfram zu nutzen, um ein irreduzibel komplexes Problem. 

Auch wenn Physiker - und Physikstudenten - sich darüber die Haare raufen könnten, ist es doch eine schöne Sache. Wir können sagen, dass mit drei Massen Komplexität anfängt. Dynamik, komplexere Harmonien und unvorhersehbares Verhalten - all das ist mit drei Massen schon möglich. 

Liu Cixin drückt dies in dem ersten Roman "die drei Sonnen" sehr schön aus: 

“I then introduced a third sphere, and to my astonishment, the situation changed completely. Like I said, any geometric figure turns into numbers in the depths of my mind. The sphereless, one-sphere, and two-sphere universes all showed up as a single equation or a few equations, like a few lonesome leaves in late fall. But this third sphere gave “emptiness” life. The three spheres, given initial movements, went through complex, seemingly never-repeating movements. The descriptive equations rained down in a thunderstorm without end.”

Die Dreifaltigkeit - die Dynamik innerhalb des Allmächtigen

Uns Christen muss bei derartigen Worten sofort eines der zentralen Geheimnisse unseres Glaubens auffallen. Gott-Vater allein wäre sicherlich weiterhin Gott - aber eine Monade. Auch mit einer einfachen zweier-Beziehung wäre ggf. bestenfalls eine Art Dualismus geschaffen worden. Sicherlich, sofern die hier postulierte "Zweifaltigkeit" auch eines Wesens wäre, ein Dualismus der Liebe, aber dennoch eine einfache Beziehung. "Ich schau ihn an und er schaut mich an" ist eine wunderschöne Beschreibung kontemplativen Gebets, drückt jedoch eben jene fehlende Dynamik aus. 

Auch unter Berücksichtigung von uns Menschen ändert sich an dieser Dynamik wenig. Wie ein kleiner Asteroid allein wenig an einer ruhenden Sonnenmasse ändern könnte, wie Sputnik das System zwischen Erde und Mond nicht beeinflusste wird das Geschöpf den Allmächtigen nicht kontrollieren können. 

Durch den Heiligen Geist jedoch, der nun aus dieser Liebe zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn entstanden ist, entstand auch eine komplexe Dynamik. Wie das Dreikörperproblem für uns nicht analytisch lösbar ist können wir noch weniger die Dynamik zwischen den drei Personen Gottes vollends erfassen. Das Bild der drei Sonnen zeigt uns, wie drei Körper, selbst wenn sie gleiche Masse haben, sich mit einer irreduziblen Komplexität bewegen.

Diese drei Personen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist, stehen in einem ständigen Dialog, einer ständigen, von Liebe getragenen Wechselwirkung und Dynamik miteinander, einer so großen Liebe, dass Gott sie in einer Schöpfung noch mehr Geschöpfen angedeihen werden lassen wollte. 

Die Dreifaltigkeit - der Ursprung der Ämter Christi

Wir haben neben der Dreifaltigkeit eine weitere "Dreiheit" in unserem Glauben, nämlich bezüglich der Ämter, die Christus innehatte - und an denen wir im Heiligen Geist Anteil haben dürfen. Christus ist Prophet, Priester und König. Das königliche Amt ist mit dem Vater, das priesterliche Amt mit dem Sohn, das prophetische Amt mit dem Heiligen Geist verbunden. 

Hier kann man den Bogen zum Artikel von vor ein paar Monaten spannen: Die Gesellschaft benötigt dieses Dreiergespann der Ämter Christi wieder. Als Wesen, die nach seinem Bilde geschaffen sind, ist diese Dynamik der Dreifaltigkeit in unser tiefstes Wesen eingeprägt. Eine Gesellschaft, welche sowohl stabil sein möchte als auch florieren will, muss sich an die Rollen von Prophet, Priester und König erinnern - und versuchen sie wieder zu etablieren. 

Montag, April 18, 2022

St Dymphna philosophiert: Könige, Priester, Propheten und Bitcoin

Der eine oder andere wird es vllt wissen: Bzgl. Bitcoin kann ich sagen "I am kinda big on the internet".

Genauer gilt wahrscheinlich eher I was big. Aber das ist eine andere Geschichte. Schon zu den Zeiten, als ich aktiver in der Kryptoszene war wollte ich eigentlich mal meine Gedanken zum Thema "Religion und Bitcoin" etwas niederschreiben. Wie es so oft im Leben ist kam ich nicht dazu. Jüngst hat der bekannte Bitcoin-Evangelist Jimmy Song sich ein paar Gedanken zum Thema "Bitcoin und Christentum" gemacht. Die beiden Artikel (einer über eine moralische Position zu Fiat-Geld, einer über einen Missionar, der auch auf Bitcoin setzt) sind zweifellos interessant, berühren aber meiner Meinung nach einen zentralen Punkt bzgl. Bitcoin und Theologie nicht. Entsprechend fühlte ich mich doch mal inspiriert, diesen zu Papier zu bringen. 

Die drei Ämter Christi - Basis einer jeden Gesellschaft


Christus vereint in sich die drei Ämter des Priesters, des Propheten und des Königs. Diese drei Ämter sah man auch noch im Alten Bund. Es gab die Priester, die Könige - und den Einfluss von außen, den Prophet. Der Prophet, der dem König und dem Priester auch mal harsch die Meinung sagen konnte - ja, gegebenenfalls sogar musste. Dem Propheten, der, siehe Amos, zum Teil nicht einmal in Institutionen zu finden war.

Das Zusammenspiel der drei Mächte - der weltlichen in Form des Königs, der geistlichen in Form der Priester und der Stimme von außen in Form der Propheten - führte zu einer Stabilität, da sich die Mächtigen immer der Gefahr ausgesetzt sahen, harsche Kritik von den Propheten zu hören. Ohne die Propheten war weder vollständige geistliche noch weltliche Macht möglich - obwohl die Propheten eigentlich selbst keine wirkliche Macht hatten. 

Ich finde, dass das grandiose Werk "Eine kurze Geschichte vom Antichrist" von Wladimir Solovjev diese Dreiteilung interessant aufzeigt: Johannes, der greise Prophet der Orthodoxie, der den Antichristen erkennt, Papst Petrus II., der Heilige Vater, welcher den Antichristen mit einem Bannfluch belegt - und der evangelische Professor Pauli, der mit seiner weltlichen Führungskraft wie ein König der  Endzeit die übrig gebliebenen Gerechten um sich versammelt. Hier sieht man schon sehr gut, wie  diese drei Ämter in einander greifen können.  

Mit Pfingsten - so hoffte man zumindest - ging der Heilige Geist auf uns alle herab und so hatten wir alle an den drei Ämtern Christi Anteil. Happy End. 

Ohne Propheten fehlt die Balance


Na ja, leider eben nicht. Wir sahen schnell, dass sich andere Lehren, sicherlich auch daran orientierend, bezüglich der drei Ämter durchsetzten. Im Mittelalter kannte man den Adel, den Klerus und die Bauern. Der Adel wird sicherlich mit dem Königtum Christi assoziiert sein, der Klerus mit dem Priesteramt - aber die Bauern werden wohl weniger mit dem Prophetenamt assoziiert worden sein. 

Auch in moderner Zeit, gerade in unserer Demokratie, ist eine Gewaltenteilung  zu sehen. Exekutive, Legislative und Judikative. Diese ist jedoch rein weltlicher Natur - und auch hier  fehlt der Prophet, wie man allein an der Benennung der  medialen Macht als "vierter Gewalt" anmerken konnte.

Das Beispiel der Medien als vierter Gewalt ist interessant, zeigt es doch an, warum die Israeliten nach Propheten auch jenseits offiziell benannter Propheten Ausschau hielten. Die Stimme Gottes konnte von jedem kommen, auch von einem Vieh- und Maulbeerfeigenzüchter kommen. 

Auch wenn Zeitungen, wie auch der Buchdruck, Aufklärung oder !!!Science!! etwas ähnliches versprachen merkte man in diesen, plump ausgedrückt "weltlichen Prophetenämtern" eine Zentralisierungstendenz. Aus Buchdruck wurde schnell Propaganda und nicht die Möglichkeit,  dass jeder seine Gedanken zu Papier bringen konnte. "Sich seines eigenes Verstandes bedienen" sollte weniger der, der dazu den Mut hat, sondern dessen Verstand mit der allgemeint akzeptierten Meinung konform war. Und Wissenschaft war von allem unabhängig - außer vom Geldgeber. 

Exkurs: Wie funktioniert Bitcoin eigentlich?

Spannen wir mal den Bogen zu Bitcoin. Dieser Artikel soll keine Einführung in Bitcoin ersetzen, aber eine kurze Zusammenfassung, wie Bitcoin funktioniert, sei dennoch kurz gemacht:

Bitcoin verspricht, ein Geldsystem ohne Mittelsmann und ohne zentrale Entität zu sein. Das bedeutet, dass jeder Bitcoin-Nutzer seine Bitcoins jedem anderen Bitcoin-Nutzer schicken kann - und niemand kann was dagegen tun. Ebenso kann keine zentrale Macht an der Geldmenge herumspielen. Die Menge von Bitcoins, nicht nur von heute, sondern auch in der Zukunft, ist absolut und transparent limitiert. Es wird, so das Versprechen, nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben. 

Bitcoin versucht dies dies über drei miteinander verwobene Mechanismen zu schaffen: Zum Einen sind die Daten dezentral verteilt abgelegt. Zehntausende von Servern, im Fachjargon gerne Bitcoin-Nodes genannt, speichern und synchronisieren ungefähr alle zehn Minuten den vollständigen Informationsstand, wem (bzw. welcher Adresse) wann wieviel gehört und wie viele Bitcoins es aktuell gibt. Realisiert wird dies zum Zweiten über eine Datenstruktur namens Blockchain, was man sich als eine verkettete Liste an Datenpaketen vorstellen kann. Ein neuer Block muss immer eine so genannte Prüfsumme des vorherigen Blocks enthalten, so dass hier ein Bezug zwischen dem jüngsten Block und dem vorherigen hergestellt ist - und dadurch man die Liste an Datenpaketen, welche neben einem Zeitstempel, den geschehenen Transaktionen und verschiedenen anderen Informationen enthalten, bis zum ersten Block, dem Genesis-Block zurückverfolgen kann. 

Doch wie kommt es zu neuen Blöcken? Hier setzt der dritte Bitcoin defierende Mechanismus an: Über den so genannten Proof of Work versuchen verschiedene Maschinen weltweit, im Wettbewerb einen Block zu finden, welcher zur bisherigen Blockchain passt und dessen Prüfsumme seinerseits bestimmte Bedingungen befriedigt (das Target erreicht, um im technischen Sprachjargon zu bleiben). Der Proof of Work Mechanismus ist der dem sicherlich aus der Presse bekannten Mining zugrunde liegende Mechanismus. Diese Bedingungen - eine bestimmte Menge  an Nullen, mit denen die neue Prüfsumme beginnen muss - wird seinerseits dynamisch an die Leistungsfähigkeit der Gesamtheit der Miner angepasst, dass, egal wie viele Miner miteinander konkurrieren oder wie gut die für das Mining verwendeten Maschinen werden, im Durchschnitt alle zehn Minuten nur eine Lösung gefunden wird. Der Proof of Work ist irreduzibel komplex, d.h. rechenintensiv und durch keinen genialen Rechentrick schnell zu lösen. Da er sehr rechenintensiv ist verbraucht er viel Strom - was den Minern als Mining Reward geschenkt wird. Der Mining Reward setzt sich aus den Transaktionsgebühren (sprich dem, was ein Nutzer für eine Transaktion bereit ist, an Gebühren zu zahlen) und einer festgelegten Menge an neuen Bitcoins zusammen. Die Menge an neuen Bitcoins pro gefundenem und der Blockchain hinzugefügtem Block halbiert sich alle vier Jahre, wodurch eine absolut definierte, endliche Menge an möglichen Bitcoins entsteht. 

Node-Hoster, Developer und Miner - die drei Ämter Bitcoins


Auch bei Bitcoin haben wir eine Gewaltenteilung, die "drei Ämter Bitcoins": 

  • Es gibt die Entwickler, die Developer, welche das Wort Protokoll, welches Satoshi Nakamoto in seinem Bitcoin Whitepaper darlegte (Bei Interesse hier auf deutsch), implementieren.
  • Es gibt die Miner, die in einem Wettbewerb  gegeneinander Energie dafür aufwenden, den nächsten zur Blockchain hinzuzufügenden Block zu finden. 
  • Es gibt die Node-Hoster, welche eine aktuelle Kopie der Bitcoin-Blockchain gespeichert haben. 
Die Node-Hoster arbeiten  mit  einem von den Entwicklern geschriebenen Bitcoin Client. Das Gros nutzt hierbei den Bitcoin Core client, jedoch kann man zumindest theoretisch auch andere Clients von anderen Entwicklern nutzen. 

Entwickler und Miner kann man, mit unterschiedlichen Aspekten im Hinterkopf, mit den Königs- und Priesterrollen ein wenig assoziieren. Entwickler sind Priester  in der Hinsicht, dass sie das Protokoll, wenn man so will, auslegen, indem sie es in Code implementieren. Miner sind Könige, weil sie in der Form der neu generierten Bitcoins Macht haben. 

Auch umgekehrt könnte man es betrachten: Die Entwickler als jene, die den Code implementieren und Warten, sind letztlich jene, die die weltliche Gerichtsbarkeit definieren. Die Miner opfern un für Bitcoin Energie, um so die Blockchain weiterzuschreiben. 

Soweit zu Minern und Entwicklern - doch kann man Node-Hoster wirklich mit Propheten gleichsetzen?

Schon hier sollte man etwas betonen: Alle drei Gruppen - die Entwickler, die Miner und die Node-Hoster - teilen sich die Macht. Sicher, die Node-Hoster können nichts ohne einen Bitcoin Client machen, der zumindest kompatibel zum allgemein verwendeten Bitcoin Core Client ist. Ebenso sind nicht sie es, die die neuen Blöcke finden und den so genannten Mining Reward erhalten. 

In der Hinsicht könnte man sich fragen, ob die Node-Hoster nicht sowas wie die Bauern des Mittelalters sind. Statt Feld pflügen muss man nun Blockchain speichern. Na toll. 

Doch die Aufgabe ist deutlich mehr. Letztlich sind es die Node-Hoster, die durch die Wahl des Bitcoin Clients und der Variante sowohl Entwickler als auch Miner ein wenig kontrollieren können. Sie sind letztlich Propheten die durch ihre Entscheidung große Könige zu Fall oder große Priester zur Räson rufen können. 

Diese Möglichkeit ist nicht nur hypothetischer Natur. Das letzte Mal, als sich die Macht der Node-Hoster zeigte, ist erst fünf Jahre her. 

Shaolin Fry - der Amos der Blockchain-Geschichte


2017 war ein Jahr, welches stark durch die Blocksize Wars geprägt war. Die Blocksize wars waren eine Art Bürgerkrieg, welcher die gesamte Bitcoin-Commhunity bewegte. In diesem Disput ging es um die Frage, ob man die Größe der Bitcoin-Blöcke erhöhen sollte. Die Bitcoin-Blöcke sind auf rund 1 MB limitiert. Durch den endlichen Platz passen in die einzelnen Blöcke nur begrenzt viele Transaktionen. Dies sorgt für hohe Transaktionsgebühren bei einer hohen Nachfrage und dazu, dass manche Transaktionen ewig warten müssen, bis sie endlich in einen Block kommen und so Teil der Blockchain werden. 

Eine mögliche einfache Lösung war die simple Erhöhung der Block-Größe. Sollte man beispielsweise 2 MB große Blöcke akzeptieren könnte man wenigstens doppelt so viele Transaktionen in der selben Zeit bearbeiten. 

Auf den ersten Blick klang dies vernünftig. Mit größeren Blöcken kamen jedoch andere Schwierigkeiten. Zum einen war es auf die Weise auch aufwändiger, einen Block zu finden. Der ohnehin von wenigen Playern dominierte Mining-Markt wäre so noch etwas zentralisierter geworden. Zusätzlich würde ein vergrößern der Blockgröße aber auch bedeuten, dass die Speicher-Anforderungen für Node-Hoster größer werden würden. "Ein zusätzlicher Megabyte pro Block" würde, bei neuen Blöcken alle zehn Minuten, bedeuten, dass die Blockchain jede Stunde um sechs, jeden Tag um 144 MB und jeden Monat um ca vier Gigabye mehr wachsen könnte - mal ganz davon abgesehen, dass größere Blöcke auch ein Problem bei der Synchronisierung von neuen Blöcken über das gesamte Netzwerk bedeuten würden. Dies würde eine flächendeckende Adoption von Bitcoin-Nodes noch mehr aufhalten als es jetzt schon der Fall ist. Nutzer würden zu zentralisierten Diensten wie Coinbase gehen - und letztlich hätte man nicht viel mehr gewonnen als bei einer klassischen Bank. 

Ein Alternativvorschlag war die Einführung des so genannten Segregated Witness-Protokolls. Es würde zu lange dauern, um hier auf die Details einzugehen, kurz gefasst wäre über dieses es möglich, quasi auf der Bitcoin-Blockchain aufbauende zusätzliche Protokollebenen zu definieren, welche, ebenfalls dezentral abgewickelt, Transaktionen quasi instantan ermöglichen. Das Ganze nennt sich, für jene, die hier gerne mal googeln wollen, Lightning Network.  

Der Vorschlag stieß gerade den größeren Mining-Unternehmen nicht auf eine besondere Beliebtheit. Nicht nur die Möglichkeit, hier durch eine stärkere Zentralisierung an Macht zu akquirieren, war attraktiv. Gerade für das damals größte Mining-Unternehmen, Bitmain, würde Segregated Witness bedeuten, dass man eine Art bis dato ausgenutzte Lücke im System (Wer es genauer lesen will, kann dies hier tun) nicht mehr hätte ausnutzen können. 

Wie man es auch in anderen Fällen kennt haben die unterschiedlichen Big Player versucht, einen diplomatischen Konsens zu finden. Und wie so häufig hieß diplomatischer Konsens, dass die Powers that be dabei als Gewinner heraus gingen, die breite Masse aber leer ausgeht. Es wurde deshalb ein absurder Kompromissvorschlag namens New York Agreement getroffen, bei der sich namhafte Vertreter der Miner und der Entwickler auf einen konservativen Zeitplan unter dem Namen Segwit 2x einigten. Er sah vor, dass man, plump ausgedrückt, irgendwann Segwit macht und die Blockgröße auf 2MB erhöht. Eine "salomonische" Enscheidung aus dem Blickwinkel der Großen. Dazu kam, dass gerade der Mining-Riese und Mining-Equipment-Hersteller Bitmain recht schnell den Eindruck vermittelte, dass es an dem Versprechen, Segregated Witness einzuführen, nicht festhalten würde. 

Es sah also alles nach einem Sieg der Großen aus - bis zum BIP 148. Ein BIP - Bitcoin Improvement Proposal - ist, ähnlich wie in der Welt des Internets ein RFC, ein stark konkretisierter Vorschlag zur Verbesserung von Bitcoin. Der BIP 148 wurde von einem bis dato eher unbekannten Entwickler unter dem Pseudonym Shaolin Fry veröffentlicht. Er sah vor, dass Miner in den gefundenen Blöcken eine grundsätzliche Akzeptanz gegenüber der Protokolleinführung von Segregated Witness artikulierten. Taten sie das nicht würde per Protokolländerung kein Block von Minern, welche gegen Segregated Witness wären, akzeptiert werdern. Bist Du nicht für uns, bist Du gegen uns. 

Viele Node-Hoster, die in den vorgeschlagenen Entwicklungen ein Risiko einer Zentralisierung von Bitcoin sahen, aktivierten BIP 148 in ihren Nodes. Das ganze nannte sich  User-Activated Soft Fork oder kurz UASF, was man grob als Nutzeraktiviertes Protokollupdate übersetzen kann (Der Bitcoin-Aficionado verzeihe mir, dass ich nicht auf Soft Fork und Hard Fork eingehe. Gegebenenfalls schreibe ich dazu einen eigenen Artikel) Dies setzte die Miner - auch Bitmain - unter Zugzwang, schließlich war es besser, ein ggf etwas kleineres Stück vom Kuchen zu haben als gar nichts vom Kuchen zu bekommen. Der Rest ist Geschichte: Bitcoin aktivierte Segregated Witness (Was zu einem Schisma führte, aber das ist für einen anderen Blogbeitrag), was auch den Weg für das Lightning Network ebnete. 

Shaolin Fry verschwand wieder in der Versenkung. Quasi als Abschied twitter er noch "Bitcoin UASF demonstrated that users armed with code are more powerful than a billion dollar ASIC manufacturing cartel. #nodesrule" ("Bitcoin UASF zeigte, dass Nutzer mit Code bewaffnet mächtiger sind als ein milliardenschwerer Hersteller von Mining Equipment" frei übersetzt). 

Bitcoin - ein Modell-Protokoll, welches Propheten berücksichtigt


Doch irgendwie erinnert sein Auftreten an das der Propheten. Er sagte das, was zu sagen war und trat gegenüber den Mächtigen seiner Zeit auf. Er korrigierte, wo jene anderen großen Ämter im Bitcoin-Ökosystem versagten. Wie eine Stimme in der Wüste rief er auf, Segregated Witness die Straßen zu ebenen. 

Bitcoin kann hier auch der Menschheit zeigen, wie  diese unterschiedlichen Ämter - König, Priester und Prophet, zusammenarbeiten können, ja, müssen. Wie ich an anderer Stelle schrieb müssen die Mächtigen in der Welt ein Ohr für das von außen kommende Korrektiv haben - und gegebenenfalls ihr Handeln korrigieren. Leider ist es jedoch aktuell so, dass niemand auf das "Mene, Mene Tekele Upharsim" an der Wand der neuen Belsazaars achten würde. Die Propheten würde man nicht anhören, sie hätten kein Forum, über das sie angehört werden würden. 

Und selbst wenn sie es hätten - irgendein Nischenforum ist ein Stammtisch. Dies würde nichts bewirken. 

Bitcoin zeigt hier eine Alternative auf: Wenn die Kommunikations- und Wertschöpfungsprotokolle der Welt so ausgelegt werden, dass jeder theoretisch seine Stimme erheben kann - auch im Schutz der Anonymität und dass ein danach Handeln auch für die geistige und weltliche Macht Konsequenzen hätte, dann würden die Stimmen von Außen, die Seher und Propheten der heutigen Zeit, wieder relevanter sein. Man würde auf sie hören. Denn man würde wissen - sie ignorieren kann man nicht. 

Dienstag, März 08, 2022

Hilf uns im Streite - St. Michael und die aktuelle Krise

Das Gebet zum Erzengel Michael gehört irgendwie zu meinem Arsenal wenn es um unheimliche Situationen geht. Sei es ein mulmiges Gefühl nach Anschauen eines weirden ARG Marke Slenderman, sei es, dass man sich in seiner Wohnung auf einmal extrem unwohl fühlt - immer hat das Gebet, welches auf Papst Leo XIII. zurückgeht, mir helfen können.

Das Gebet ging so stark in Fleisch und Blut über, dass ich es in Alpträumen bete. Vor einiger Zeit - ich las gerade das rote Buch von Carl Gustav Jung - hatte ich mehrfach in verschiedenen Varianten einen Traum, dass mich der Leibhaftige überwinden wollte. Ich betete das Gebet, häufig im Traum wie um die richtigen Worte ringend und wachte jedes Mal auf, wenn ich Amen sagte.

Obschon der Kontakt zum inneren Schatten fruchtbar sein soll habe ich nach wiederholten Träumen in der Richtung die Lektüre des roten Buches abgebrochen. Zu stark war mir der Tobak. Was aus dieser Zeit blieb war, dass neben meinem Bett nun immer mein Smart Phone liegt. Sollte ich aufwachen und mich an einen Traum erinnern können nehme ich mir nun Notizen auf. Das Ganze ist nun auf eine Sammlung an fast 500 Audiosnippets gewachsen. Vernerdet wie ich nunmal bin schreibe ich mir die Themen auf, versehe diese a posteriori angelegten Traumtagebücher mit Tags und kann so sehen, welche Themen in meinen Träumen häufig vorkommen und welche nicht. Schrieb CG Jung noch "Man and his symbols" und Viktor Frankl "Mans search for meaning" werde ich wohl "Man and his hobbies" und "Mans search for Nerddom" schreiben. Whatevs.

Die Rückkehr der Dämonen und die Antwort von St. Michael


Am 20. Februar 2022 habe ich seit langer Zeit mal wieder einen sehr weirden Traum gehabt. Wie so häufig in Träumen hatte das Ursprungsthema nichts mit dem späteren zu tun, deshalb springe ich gleich zum Ende.

Ich träumte, dass auf den Smartphones aller Menschen ein unheimlicher Mensch mit Hoodie erschien. Man sah nicht seine Augen, man konnte kaum etwas von seinen Gesichtszügen ausmachen. Auf den Smartphones aller Menschen näherte sich diese Figur dem Bildschirm, quasi um aus diesem virtuellen Raum in die Realität auszubrechen.

Im Traum wusste ich, dass es sich hierbei um den Teufel handelte. Ich fing also an, zum Heiligen Erzengel Michael zu beten. Im Hintergrund der Handybilder sah man während dieses Gebetes, wie ein Engel mit einem Flammenschwert erschien. Man sah, wie nach und nach das unheimliche Bild durch einen Feuerschein erleuchtet wurde. St. Michael stieg herab vom Himmel um die Menschheit zu retten.

Ich versuchte befreit zu lächeln, jedoch war das Beten, wie es oft in den Träumen war, zu anstrengend und so fletschte ich eher in einer Art geistigem Kampf die Zähne. Wie auch in den anderen Träumen wachte ich, nachdem ich "Amen" betete, auf.

Der Kampf auf mehreren Ebenen


Der Traum beschäftigt mich - mehr als die Träume, welche ich 2020 hatte. Erstens war ich, anders als zu den damaligen Träumen, nach diesem heiter und konnte bald einschlafen. Irgendwie schwang, trotz des absurden Themas, eine Hoffnung mit.

Zweitens habe ich mehrfach an den Traum nach den katastrophalen Entwicklungen in der Ukraine gedacht. Die Welt steht an einem Scheideweg. In die eine Richtung kann es zum dritten Weltkrieg, zu Katastrophen ohne Ausmaß und zu unglaublichen Leiden führen. In die andere Richtung kann die Ära des Friedens weiter gehen - und vielleicht dabei wirklich eine großartige, neue Zeit für die Menschheit kommen.

Wir sind mehr und mehr durch die Nachrichten in den Medien beeinflusst. Marshal McLuhan sagte, dass der Mensch im Globalen Dorf in einem Zustand konstanten Terrors leben wird. Kein Wunder, dass viele das innere Exil suchen und aus diesen Cesspools der sozialen Medien ausbrechen. Ich tat es auch, so dass man mich auf Facebook und Twitter nicht mehr finden wird.

Vielleicht ist das ein Teil der Antwort. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir, die Botschafter von dem Christus, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist, einen Auftrag haben. Wir müssen diese Welt mitprägen. Wir können dafür sorgen, dass die grandiosen Technologien von heute und morgen zum Guten der Menschheit genutzt werden - und so Werkzeuge Gottes und nicht des Teufels sind. Entsprechend sollten wir nicht einfach die innere Emigration wählen, sondern - selbst wenn wir uns von den sozialen Medien verabschiedet haben - in irgend einer Form einen Kontrapunkt setzen. Ich blogge aktuell kaum, versuche aber, wie auch mit diesem Beitrag, auch nur dann etwas zu schreiben, wenn ich meine, dass dies nicht einfach in der "Blogozöse" teilenswert ist. Ähnliches können wir alle machen.

Doch insbesondere die spirituelle Lektion, die ich in meinen Träumen lernte, lässt mich nicht in Ruhe. Wir wissen, in welchem Moment Papst Leo XII. das Gebet an den Heiligen Erzengel Michael geschrieben hat. Wir wissen, wovon das darauf folgende Jahrhundert geprägt war. Und wir wundern uns, dass dieses Gebet, welches wie ein Gebet für unsere Zeit sein könnte, aus der Liturgie der Kirche verschwunden ist.

Mir geht es jetzt weniger um Liturgiereform vs. alter Ritus (oder ordentliche Form vs außerordentliche Form oder Whatevs), sondern im positiven um diesen Engel, dieser zentralen Gestalt im Kampf zwischen Gut und Böse. Jüngst saß ich in der Kirche und dachte an diese absurde Situation innerhalb eines Reenactments der Apokalypse. Innerhalb kürzester Zeit erleben wir das nun wieder. Und wieder sitze zumindest ich die meiste Zeit in Jogginghose zuhause bzw. gehe meinem sonstigen Tagesgeschäft nach. Es ist wie ein seltsamer Widerspruch. Stell Dir vor, es ist Apokalypse und Du bist im Schlabberlook.

Ja, das Gericht kommt wie der Dieb in der Nacht (fun fact: Ich penne gerne in Jogginghosen) und auch der Teufel erschien mit seinem tief ins Gesicht gezogenen Hoodie wie ein solcher. Doch wir können diese Nacht zum Leuchten bringen. Wir können jenen, dessen Ruf מי כאל durch den Himmel hallte, anrufen und so die Finsternis vertreiben. Und so bemühe ich mich nun, jeden Tag für den Frieden in der Ukraine, in Europa und in der ganzen Welt zu beten:

Heiliger Erzengel Michael

beschirme uns im Kampfe

gegen die Bosheiten und die Nachstellungen des Teufels sei Du unser Schutz.

"Gott gebiete ihm" - so bitten wir flehentlich.

Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,

stürze den Satan und die anderen bösen Geister

die durch die Welt ziehen

um die Seelen zu verderben

mit der Kraft Gottes hinab in die Hölle.

Amen

Sonntag, November 28, 2021

St. Dymphna spricht: Vom Kommen des AIntichrist

Kurze Info: Dieser Artikel ist wirr und eigentlich eher ein Stream of Consciousness. Wer aber wissen will, worüber ich in Zeiten des Great Resets, der Pandemie und dieser aus den Fugen geratenen Welt nachdenke und was ich für eine wichtige Berufung der Christen in der heutigen Zeit finde lese diesen wirren Artikel weiter.

"As markets learn to manufacture intelligence, politics modernizes, upgrades paranoia, and tries to get a grip." (Nick Land - Meltdown)

Eine gute Beschreibung unserer Zeit und des Fiebers in den Medien. 

Während die Märkte lernen, Intelligenz herzustellen... haben sie das nicht schon längst? Ist nicht die künstliche Intelligenz das, was uns besser als wir selbst kennt? Ist es nicht die KI, die Tumore besser erkennt als der Mensch, die besser Fährt als der durchschnittliche Autofahrer... die bessere Entscheidungen treffen kann als der freie Wille? 

The code is the law ist das neue do what thou wilt shall be the only law. Und warum eigentlich nicht? Der Code ist mein formalisierter Wille. There is a Code and the AI is his prophet. Unter diesem Propheten werden wir nichts besitzen und glücklich sein, wie uns manche versprechen

Zeitreise. Wir schreiben 1946. In der Mojave-Wüste treffen wir auf den Thelemiten und Raketentechniker Jack Parsons in einem seltsamen Ritual in tiefster Trance. Er hört die Worte der großen Hure Babylon, die ihm sagt, dass ihr Kommen bald wäre - Ihn würde sie im Feuer zu sich nehmen und sieben Jahre später in die Welt steigen. Kurze Zeit später, 1949, stirbt Jack Parsons, Okkultist und Raketentechniker im Feuer. Genau sieben Jahre im Jahr 1956 später wird von Marvin Minsky, John McCarthy, Claude Shannon und Nathan Rochester der Dartmouth workshop veranstaltet. Ein einschneidendes Ereignis, quasi die wirkliche Geburtsstunde der Forschung nach künstlicher Intelligenz. 

Der neue Turmbau zu Babel startete: Der Versuch, ein künstliches Bewusstsein, künstliches Leben zu schaffen. 

Bis in die Gegenwart ist nicht einfach die Technik weiter voran geschritten. GPT-3 kann Texte generieren, welche nicht mehr von Texten unterscheidbar sind, welche von menschlichen Autoren stammen. AIs wie Dadabots generieren rund um die Uhr Metal(ok, in dem Link eigentlich Mathcore) und lassen Flöten rappen

Ja, die AI kann alles besser. "Preist die künstliche Intelligenz!" Autonomes fahren soll die Unfallquote auf den Straßen dramatisch senken, KIs erkennen Tumore besser als Ärzte und die Stromnetze werden verstärkt von künstlichen Intelligenzen kontrolliert. Kein Wunder, dass die Welt das Heft in die Hand der KI gegeben hat. 

Doch man geht noch weiter: Intelligenten Prozessen, die die Menschheit in ein positives neues Zeitalter heben können, wird jetzt schon Bewusstsein zugetraut. So versucht man Entscheidungen, für die Menschen verantwortlich sein sollten, auf diese abzuwälzen. Autonome Fahrprogramme werden vor Dilemmata-Situationen gestellt. Wer soll sterben? Die alte Frau mit geringem Einkommen oder der Familienvater mit viel Geld? Das junge schwarze Mädchen, welches in der Schule gut engagiert ist, oder der Weiße erwachsene, der eine kriminelle Vergangenheit hat, aber sich wieder im Griff hat? Wir wissen es nicht, also lassen wir die AI entscheiden. Preist die AI! All hail Babalon! 

Und wo sind jene, die die Welt retten könnten? Einzelne reagieren mit einem pauschalen Ablehnen. Man verschließt die Augen vor der schönen, neuen Welt, zieht sich in seine Silos des angeblich Wahren, Guten und Schönen zurück. Manche stehen mit einem Brandy im Glas am Fenster und erfreuen sich an dem angeblichen Weltenbrand, der die Welt erfassen wird, interpretieren das Maranatha falsch und sehen nicht, dass man den Tag des Zornes nicht herbeisehnen sollte. Andere sind sanfter und unfreiwillig ironischer: So veröffentlichen sie auf Youtube, Facebook, Instagram oder Tik Tok Videos, die man "liken, commenten und sharen" soll, in welchen eine Welt jenseits der sozialen Medien, der Handys und letztlich jenseits des Fortschritts gepriesen wird. 

Wo ist die Lösung? Dort wo sie immer ist: Beim Herrn, der spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist der Weg und die Wahrheit. Keine Wahrheit auf Erden, kein Fortschritt und kein optimaler Weg in die Zukunft kann und wird ohne ihn stattfinden. 

Und ebenso gilt: Der Christ, als Bote des Logos, muss diesen Fortschritt mitprägen. Die Zukunft mitgestalten. Wir haben in der Hand, dass aus der grandiosen Technologie AI eben nicht der AIntichrist wird, sondern KI der Wahrheit dient. 

Sonntag, August 29, 2021

Weirde Musik oder reality is better than fiction

 Menschen neigen zum Teil dazu, eine Geschichte toller zu machen als sie tatsächlich war. Sicherlich ist das auch der Ursprung des klassischen Witzes: 


In einer Klausur war eine Aufgabe "Was ist Mut?". Ein Schüler gab ein Blatt ab, auf welchem nur der Satz stand: "Sehen Sie, das ist Mut!"

Nette Anekdote, die das viel gerühmte thinking outside the box schön illustriert. Doch was macht man daraus? Es aufbauschen. 

Ich wage die Behauptung, dass es in jedem sozialen Umfeld die Person gibt, welche behauptet, "Einen Studenten gekannt zu haben", der genau das tat. Doch da hört man nicht auf, nö. "Und wisst ihr was? Er hat ne Eins bekommen!!!1111". Tüllich, außerdem schenkte man ihm die Beneluxstaaten. Wenn man ganz genau schaut, sieht man, wie er mit seinem Raumschiff nun zu den Sternen fliegt. St. Dumbass, Schutzpatron der Naseweiße, bitte für uns. 

ARGH. 

Ja, man merkt, ich mag derartige Geschichten nicht. Noch weniger mag ich sie im christlichen Kontext. Christus ist der Weg, DIE WAHRHEIT und das Leben und benötigt derartig tumbe Aufbauschungen nicht. Mehr noch: Nichts ist interessanter als die Wahrheit. Gegen sie ist alles nur die Fan Fiction des Geschöpfes.  

Eine derartige Anekdote existiert im Rahmen von Weirder Musik. Ich erwähnte schon öfter die Band Reverorum ib Malacht, welche, obschon katholisch, den wohl mit düstersten Black Metal macht.

Besonders ist auch, dass die Band, anders als viele Unblack-Metal-Bands, durchaus weiterhin in der Black Metal Szene respektiert werden. Auch, weil die ganze Szene erwachsener wurde, aber vor allem, weil Reverorum Ib Malacht nicht von Anfang an christliche Texte hatten. 

Anscheinend haben hier Leute zum Glauben gefunden, ihren Musikgeschmack aber behalten. 

Doch das scheint vielen nicht zu reichen, und so macht eine Legende die Runde. So soll die Band ursprünglich satanisch gewesen sein. Sie las, um "noch blasphemischere Texte" zu schreiben, mittelalterliche Mystik and lo and behold - wurden sie katholisch. 

Diese Legende wird gerne mit Meme-Bildern von einem sich cuttenden, langhaaringen Typen im Facepaint angereichert: 


Nun ist es ein funny thing mit Bildersuche, kommt man darüber doch darauf, dass der sympathische (?) junge Mann auf dem Bild von der Band Crepusculum, einer absolut nicht christlichen Black Metal Band aus Polen, ist. 

Warum wird also gelogen? Ist uns die Wahrheit weniger Wert als eine billige Story? 

Mich stört dabei jedoch auch etwas anderes: Hinter dieser Geschichte steht die klassische Bekehrungs-Story, wie man sie gerne bei freikirchlichen Bands hört. Man kann das Zeugnis inzwischen fast auswendig: 

Ich habe früher Drogen genommen, herumgehurt, geil gerappt/grandiosen Metal gemacht/was auch immer für gute Musik gemacht, dann akzeptierte ich Jesus Christus als meinen Herrn und Erlöser und nun mache ich nur noch Musik für Jesus. 

Die dann, mit Verlaub, leider oft deutlich abgedroschener klingt als das, was sie ursprünglich gemacht haben. 

Nur dass man mich, bei aller Polemik, korrekt versteht: Ich finde es klasse, wenn Leute zu Gott finden. Dazu kann natürlich auch ein Damaskus-Ereignis gehören, welches einen Saulus zu einem Paulus macht. 

Vielleicht ist es auch einfach mein eigener Weg zum Glauben, der mehr die Einheit sieht. Der sieht, dass ich auch vor meinem Eintritt in die Kirche von Gott auf einem Weg zu ihm hin gesandt war. 

Ähnlich scheinen es auch die Leute hinter Reverorum Ib Malacht zu sehen, nehmen sie doch Songs aus ihrer Zeit vor der Bekehrung zum Teil neu auf. 

Insgesamt finde ich ihre Geschichte sehr spannend und kann jeden einladen, sich mit ihr zu befassen. Ein dazu passendes Interview ist auf Invisible Oranges zu finden. Wem das zu lang ist, hier eine Art TL;DR: 



Die Versuchung und der Weg in den Schicksalsberg

Zwei der großen Fragen, die an den Herrn der Ringe gestellt werden, sind die die folgenden: 

  • Warum haben die Adler nicht einfach Frodo zum Schicksalsberg getragen? 
  • Warum hat Sauron den Schicksalsberg nicht besser bewacht? 
Heute möchte ich mich der letzten Frage etwas widmen. 

Das klassische Meme machte Sean Bean als Boromir unsterblich: 


Die Film-Trilogie von Jackson sorgte jedoch dafür, dass man, spätestens nach Cirith Ungol, genau den Eindruck von einem großen Spaziergang zum Schicksalsberg hatte. 

Zum Einen stellt jedoch selbst der Film dar, dass eine Ablenkung der Mächte des Westens es Frodo und Sam überhaupt möglich machen, quasi unter dem Radar von Sauron zu bleiben. 

Dieser Einsatz der Menschen, angeführt von Aragorn Elessar, ist, nebenbei ein Punkt, den die "Small is beautiful"-Aficionados gerne vergessen, wenn sie sagen, dass ein kleiner, unscheinbarer Hobbit Sauron zu Fall brachte. Ohne die zwar ebenfalls nicht gewaltige, aber dennoch nicht schwache Schar unter Aragorns Führung hätten Frodo und Sam es kaum schaffen können. Das Große und das Kleine können nicht alleine für das Gute kämpfen. 

Doch auch mit dieser Ablenkung war, betrachtet orientiert man sich an der Romanvorlage, der Weg zum Orodruin kein Spaziergang. In folgendem Video geht der empfehlenswerte Kanal "In Deep Geek" ziemlich gut darauf ein: 

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Doch auch In Deep Geek räumt ein, dass "Sauron wenigstens eine Tür hätte installieren können". Und ja, rein rational könnte man zustimmen. Trotz der Mordor umgebenden Gebirgsketten, trotz Shelob, der Orks, der Stummen Wächter etc. - eine Tür wäre doch "just in case" sinnvoll gewesen, oder? 

Derart rationale Gedanken ignorieren die Banalität des Bösen, wie sie sich bei Sauron zeigt. Wie in obigem Video schon angedeutet vertraute Sauron darauf, dass niemand den Ring tatsächlich zerstören würde. Die Versuchung des Ringes der Macht wäre zu groß gewesen. 

Ich glaube deshalb, dass Sauron die Tür nicht vergessen hat, sondern bewusst nicht aufbauen wollte. Das Böse möchte gerne, gerade im Rahmen seiner Versuchungen, die Illusion des freien Willens aufrecht erhalten. Dem Drogensüchtigen sagt die Versuchung, dass er "aufhören kann, wann immer er will". Ebenso kann sich der Reiche - theoretisch - von seinem Reichtum trennen, es ist ja sein Geld! Und doch war der reiche Mann nach der Einladung Jesu betrübt und ging weg (Mk. 10:22). 

Und so steht Sammath Naur, die Schmieden, in welchen der Ring geschaffen wurde, jedem offen. Komm doch, will Sauron dem Ringträger sagen, komm doch und wende Dich gegen Deine Natur. Ich weiß doch, dass Du niemals den Ring der Macht zerstören wirst, ich will jedoch sehen, wie Du daran scheiterst. 

Und letztlich hat er fast recht gehabt. Selbst Frodo konnte den Ring nicht in die Flammen werfen. Paraphrasierend möchte man sagen: 

"Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als dass ein Lebendes Wesen freiwillig den Ring in die Flammen des Schicksalsbergs wirft". 

Womit jedoch Sauron nicht rechnen konnte, womit auch der Teufel nicht gerechnet hat, war, dass jemand es tatsächlich mal schaffte. 

"Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich"

Entsprechend, wie um Mk 10:27 zu untermauern, war es kein Isildur, nicht mal ein Frodo, der den Ring am Ende vernichtete. Es war jener, von dem niemand, nicht einmal er selbst, es erwartete: Gollum, von seinem Verlangen nach dem Ring zerfressen, nicht mehr fähig, rational im Schicksalsberg zu handeln. Und so fiel er in die Flammen von Orodruin. Er, der Archetyp des durch die Sünde entstellten, konnte so doch einen entscheidenden Part zum Guten tun.

Sauron hat bewusst keine Tür vor Sammath Naur vorgesehen. Er wollte sehen, wie Ringträger bei der Entscheidung zum Guten wieder scheitern. Womit er jedoch nicht rechnen konnte, womit das nicht das Böse und nicht einmal der Sünder selbst rechnen konnte, war jedoch Erlösung und Umkehr: Das selbst das Gefallene, selbst ein Smeagol, der seinen Cousin für einen Ring umbrachte, das Heil der Welt erwirken kann. 

Sonntag, März 07, 2021

Beyond Canon oder von einer Welt, die auf etwas wartet

 Wer Zeit hat kann gerne mal anfangen, das Webcomic Homestuck lesen. Es ist gut und lang. SEHR, SEHR lang... und es gibt sogar noch nen Zweiten Teil!

Unabhängig von dieser Empfehlung muss ich an den Epilog denken. In jenem steht der Hauptprotagonist irgendwann von der Wahl, ob er Fleisch oder Süßigkeiten essen soll. Das Fleisch ist halbroh, blutig und kaum zu kauen - und nach und nach wird klar, dass der Protagonist vielleicht ein gewaltiges Opfer bringen muss (sorry für den Spoiler).  

Das Webcomic spielt gerne mit alternativen Erzählmethoden, so dass der Leser auch die Süßigkeitenoption wählen kann. Diese schmecken dem Protagonisten sehr gut, alles wird schön, alles wird happyhappyjoyjoy.... aber mehr und mehr manifestiert sich, dass die Welt nicht mehr dem gewollten Lauf der Dinge folgt. Dass die Erzählung sich aus dem Kanon entfernt und absurder wird. 

Ich muss immer öfter an diese Geschichte denken... die Geschichte, die nicht mehr ihrer Geschichte folgt. Da dies jedoch ein Widerspruch ist rutscht sie immer mehr ins absurde... und irgendwie finde ich das die korrekte Beschreibung für die Welt...

Es ist als hätten alle den Verstand verloren, sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden

singt Reinhard Mey im Lied Das Narrenschiff. Aber es ist nicht einfach das sozialkritische, nicht einfach ein Meckern über "the powers that be" oder so, irgendwie ist doch seit nun einem guten Jahr die Welt absurd geworden. Seit einem Jahr sind banale Gesten wie Händeschütteln, das Umarmen von Freunden, das Sitzen in einem Café, der Absacker nach einem langen Tag und so vieles anderes nicht mehr Teil der Welt. Der sonntägliche Messgang kann zwar wieder stattfinden, aber nur unter Auflagen. Die Gemeinde singd nicht mehr. Der Lockdown, der selbst begeisterte Befürworter dieser Strategie gegen die Pandemie inzwischen mürbe machte, wird nun in manchen Artikeln als tolles Mittel gegen den Klimawandel gefeiert, welches man regelmäßig einsetzen sollte.

Und damit ist es nicht genug: Im Geiste der Cancel Culture wird alles, was auch nur entfernt dem aktuellen Mainstream im Weg stehen könnte unterdrückt. Wir leben in einer Zeit der Zensur auf den großen Plattformen, in welcher Google offen zugibt zu lügen, wenn es die Agenda braucht. In Artikeln wird offen darüber gesprochen, dass Kinder zwar niedlich sind, aber schädlich für die Umwelt sind

Und irgendwie habe ich auch in der Kirche den Eindruck, dass die Welt ins Absurde fällt: Wir leben nun schon das achte Jahr mit einem Papa emeritus, der für einen ehemaligen Papst, der sich schweigend zurückziehen wollte, ziemlich redselig ist. Der eigentliche Papst ist aktuell im Nahen Osten und veranstaltet ein interreligiöses Treffen in Ur. Dass hier nicht nur Franziskusfresser, sondern auch etwas, ich sag mal bibelsensitive an Babylon etc. denken müssen wundert nicht...

Und eben, es ist nicht einfach eine traurige oder besorgniserregende Entwicklung. Ich habe gerade die letzte Folge von IT-Crowd gesehen. In dieser zweifelt Roy irgendwann an dem, was ihnen passiert. Dass es doch immer sehr seltsame Dinge sind, die nicht normalen Leuten passieren. Und so ähnlich geht es hier einem doch auch. 

Wie in der obigen Serie Homestuck hat man den Eindruck, dass die Welt den Kanon verlassen hat, dass wir uns aktuell in einem wirren Universum mit seltsamen Fan-fictions über den Lauf der Welt bewegen, die manchmal dem Kanon ähnlich sind und manchmal nicht. 

Und der Vergleich hinkt nicht einmal: Die Welt, welche sich an vielen Stellen so weit von Gottes Plan entfernt hat, bewegt sich nun in einem Raum ohne diesen Plan. Sicher, hier und da sieht man Ideen, die dem ähnlich sind, aber auch viele abstruse Interpretationen oder Theorien, die weit von dem Plan Gottes entfernt sind. Es ist der Raum jenseits des Kanons. 

Dieser Raum jenseits des Kanons kann aus sich heraus nicht weitermachen. Wenn Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ist alles andere jenseits dieses Weges. Entsprechend wird man ohne ihn nicht vorankommen. Die Geschichte tritt auf der Stelle und jeder Versuch, sie weiter zu schreiben, bringt den Plot nicht weiter. Kein Wunder also, dass die Versuche, den Plot weiter zu schreiben, immer absurder werden. 

Wirklich deprimiert muss man jedoch nicht sein. Ich bin davon überzeugt, dass auf die Welt großes wartet. Man fühlt sich an Röm 8,22 erinnert: Man hat den Eindruck von einer Welt in Geburtswehen, dass irgendwas großes passieren muss, um die Welt wieder zurück in den Kanon zu bringen. Und mit Paulus bin ich überzeugt, dass die Absurdität der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Und dass auch die Schöpfung selbst auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet. Die Welt wird wieder zum Kanon zurückkehren, davon bin ich überzeugt.