Mal etwas eher persönliches.
Gestern traf ich mich mit einem atheistischen Freund, meiner, sagen wa mal, (Ex)Punkerconnecte. Er ist ein netter, nicht dummer Kerl, der, was sein politisches Weltbild betrifft, durchaus solide und intelligente Vorstellungen hat, überraschend für einen Punk. Fernab des Steineschmeißens oder des Gutmenschentums kann man mit ihm wirklich gut über die Situation in Berlin reden (ok, Ausnahme Polizei).
Jedoch über Religion haben wir lange Zeit nicht gesprochen. Ich war (vllt nicht bewußt) feige und dachte, daß er ja ohnehin nicht offen über Papst und Kirche lästert, so daß ich meinen Mann stehen muß. Und schließlich, so sagte ich mir, ist ja bei der Mission auch ein gewisses Taktgefühl zu beachten. So lavierten wir quasi lange Zeit um die Frage.
Nun, nach den Protesten in Madrid kam es dann doch zu besagtem Thema, wo ich mich recht feurig outete. Das war vllt auch etwas zu aggressiv, aber das ist jetzt nicht der Punkt (wobei, letztlich hat er damit zu tun). Wir haben uns lange über Religion unterhalten - wobei man eher sagen muß, daß er, typisch Atheist, darüber monologisierte, was Religion seiner Meinung nach sein soll, aber egal - jedenfalls nimmt er mir quasi nicht ab, daß ich die Zeit über, die wir uns kennen, Katholik war. Er läßt sich auch nicht umstimmen, was sicherlich auch an seinem dickköpfigen Charakter liegt (oh ja, er ist ein anstrengender Mensch...) und behauptet, ich hätte nie etwas dementsprechendes vorher gesagt (na ja, ich habe ihm mal mein Skapulier gezeigt, aber egal) und meint, meine Äußerungen wären ja auch nicht katholisch. Das mag er tun, um mich zu ärgern, aber betrüben tut es mich trotzdem...
Des weiteren frage ich mich, ob ich mich so schlecht verhielt, daß er den Christen in mir nicht sah, oder ob sein Bild von Katholiken derart verquer ist, daß er nicht glauben kann, daß eine coole Socke wie ich dieser Kirche angehört.
Das traurige daran ist, daß man sicher nicht nur diesem Menschen einen Vorwurf wie das eben genannte "dickköpfig" machen kann: Ich war feige. Ich bin in dieser Freundschaft, mehr oder weniger bewußt, im Schutz einer Fadenscheinigen Entschuldigung names "Taktgefühl", der Gretchenfrage entflohen. Die Konsequenz: Ein Freund von mir will mir nicht glauben , daß ich Katholik bin. Ich fühlte mich selten in meinem Glaubensleben schlechter. Ich weiß nun, warum Petrus nach dem Hahnenschrei bitterlich weinte.
Ich frage mich, wie es dazu kam. Zwar ist es auch ansonsten so, daß ich nicht überall herausposane, daß ich Katholik bin, aber letztlich stehe ich dazu und sage das auch, durchaus auch in Plauderei-Momenten. Ich weiß nicht, warum ich hier in solch schwache Verhaltensmuster fiel. Sicherlich stört es mich, nein, man ist beizeiten einfach müde, den katholischen Mann in der atheistisch dominierten Öffentlichkeit zu stehen. Ständig von irgendwelchen Ungläubigen gesagt zu bekommen, wie man doch zu glauben habe, daß einem deshalb die und die Freikirchen besser gefallen weil sie ja keine Dogmen haben und so weiter. Heute abend treffe ich mich mit ehemaligen Kollegen (die alle wissen, daß ich Katholik bin) und ja, ich hoffe, daß "mein" Thema nicht zur Sprache kommt. Ich bin da einfach oft nur müde.
Das ist aber keine Ausrede. Irgendwie geht es mir so, daß Christus mich gestern ansah, und ich schäme mich. Also könnt ihr gerne für etwas mehr Starkmut und Bekennertum beten, ja?
7 Kommentare:
Mach ich.
hej Phil das ist zwar eine sehr persönliche Erfahrung von Dir aber doch keine ohne Wiedererkennungseffekt.
Natürlich im Gebet verbunden!
Tröste Dich, nicht jeder läuft ständig mit Bekennermut durch die Gegend und die "Bekehrungswütigen" sind auch ziemlich anstrengend. Vielleicht war es auch in dieser Freundschaft ok, nicht gleich mit dr Tür ins Haus zu fallen. "Ich hätte nicht gedacht, dass Du katholisch bist!" - Das kann auch bedeuten "Dass so ein normaler und intelligenter Mensch wie Du bei dem Verein mitmacht..." Also, es kann auch ein Kompliment sein. Ich empfehle als Hilfe die "Trösterin der Betrübten", die hat ein großes Herz..
Nachdem ich mal nachts um halb zwei in einer McDonalds-Filiale einer Gruppe von sehr guten Freunden gegenüberstand und erklären musste, warum ich es total arschig finde, auf Ibiza die nächstbeste Dame zu befriedigen, die mir über den Weg läuft, versuche ich auch, solche Themen zu umschiffen. Wenn's doch kommt, kommt der Heilige Geist hoffentlich auch.
Werde Deiner natürlich im Gebet gedenken.
Denk dran: Nach dem Hahnenschrei gibt uns Jesus immer die Gelegenheit, das Ganze gerade zu biegen: "Du weißt alles, Herr, Du weißt, dass ich Dich liebe!"
Kann ich ganz gut nachvollziehen, Deine Erfahrung.
Im Gebet verbunden,
Josef
Gebet ist unterwegs.
Petrus hat nach dem Hahnenschrei bitterlich geweint und ist letztlich dennoch für Christus gestorben. Im Gebet verbunden.
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