Peter Winnemöller fragte nach Beiträgen zum Thema "Freiheit der Wissenschaft". Ich kann natürlich darauf nicht betreffs der Theologie antworten - gut, ich kann das, aber ich kann viel fundierter (meiner Meinung nach) diese Frage betreffs der Naturwissenschaft oder spezifischer der Physik beantworten. Und das will ich mit diesem Text tun. - Wobei natürlich "beantworten" falsch ist; ich stelle mein Bild bezüglich dieser Frage dar.
Als erstes gilt es zu unterscheiden zwischen der Freiheit der Fragestellungen und der Freiheit der Methodik. Fangen wir mit letzterem an, da hier die Antwort eine eher offensichtliche ist.
Die Freiheit der Methodik befasst sich mit der Frage, wie man gewisse Sachverhalte untersucht. Die Grenzen hierfür sind durch die Ethik gegeben. Es ist deshalb nicht zulässig, auch nicht unter Berufung auf die "Freiheit der Wissenschaft", zur Untersuchung der Fragestellung Menschen umzubringen oder zu quälen.
Bei genauerer Betrachtung ist diese Frage schon gar nicht so einfach; vor allem, wenn es nicht um einen unmittelbaren kausalen zusammenhang geht. Die Untersuchung der Kernspaltung war an sich absolut nicht ethisch verwerflich, dennoch hat sich daraus (unter Mitwirkung namhafter und an sich großartiger Wissenschaftler) schließlich und endlich die Atombombe entwickelt. Man mag hier sicherlich zu recht zwei Fragen stellen:
1.) War von vornerein abzusehen, daß die Untersuchung der Fission (Kernspaltung) in einer vernichtenden Waffe endete? Wenn dem so wäre und das Abbrechen dieser Untersuchung der einzige Weg wäre, die Entwicklung dieser Waffe aufzuhalten, scheint die Antwort klar zu sein; dementsprechend gibt es als Trope in vielen Science Fiction Filmen den Wissenschaftler, der seine Erfindung zerstört, "um die Menschheit vor dem schlimmsten zu bewahren".
An diesem Ansatz gefällt mir ein gewisser unterstellter Determinismus nicht. Denn von der Kernspaltung bis zum Abwurf über Hiroshima und Nagasaki ist es ein weiter Weg, den viele Menschen gehen. Es ist eben nicht so, daß die Entdeckung der Grundlagenforschung die Waffe bedingt. Dementsprechend laßt uns diese erste Frage umformulieren: Ist in dem wissenschaftlichen Prozeß DIREKT die Menschenwürde verletzt?
2.) Was ist die Stoßrichtung des Forschungsprojektes? Geht es direkt um etwas die Menschenrechte verletzendes oder um eine gewisse Grundlagenforschung?
Diese beiden Fragen sind etwas wie die "Gewissenserforschung" des Wissenschaftlers. Sie sollten immer mal wieder überprüft werden, wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, daß man zumindest als Physiker oder physikalischer Chemiker eher selten an ethisch verletzendem arbeitet, aber das ist in der Medizin oder Biologie anders.
Kommen wir zu der Freiheit der Fragestellung: Ersteinmal gilt hier dasselbe wie oben, was man auch an der Frage nach der Stoßrichtung des Forschungsprojektes sieht: Die Ethik ist eine Grenze. Wie steht es mit anderen Grenzen? Darf ein Wissenschaftler Untersuchungen vornehmen, die dem Wortlaut der Heiligen Schrift widersprechen oder im Widerspruch zu einem allgemein geglaubten "Faktum" stehen?
Ich denke ja, er kann es. Das zeigt nicht nur der Fall Gallilei auf, ich denke, daß die Grenze des Wissenschaftlers hier die Grenze der Wahrheit und der Demut ist. Das sind die Grenzen des Wissenschaftlers, womit sie natürlich mit den Grenzen des Theologen übereinstimmen - auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag!
Was die Wahrheit betrifft gilt natürlich, daß ein Wissenschaftler nicht lügt, aber das ist klar. Es gilt aber auch, daß er seine Forschungen nicht krampfhaft auf ein Ziel ausgerichtet macht. Was ich sagen will, ist, er forscht NICHT, um Gott zu bestätigen. Er forscht übrigens auch nicht, um diesen und jenen Sachverhalt zu bestätigen. Er untersucht einen Sachverhalt, was zur bestätigung eines allgemein anerkannten "Glaubenssatzes" führen - oder ihn modifizieren! - kann. Es stört wahnsinnig, wenn man auf Parties mal wieder danach gefragt wird, wie man dazu stehe, daß mit dem Tunneleffekt Einstein widerlegt wäre - aber das ist eine andere Sache.
Was meine ich genau mit einer nicht krampfhaften Ausrichtung auf das Ziel? Damit ist schlicht und einfach gemeint, daß man, auch bei einer wohldefinierten Stoßrichtung, bereit für Überraschungen und Kursänderungen auf dem Forschungsweg ist. Oft kommt man am Ende eines Forschungsprojektes woanders als erwartet oder erhofft an. Wenn man aber immer der Wahrheit verpflichtet war, hat man korrekte Wissenschaft betrieben. Zum Thema "Gott bestätigen" ist noch hinzuzufügen, daß Gott zwar in dieser Welt wirkt, aber nicht Teil dieser Welt ist oder gar aus ihr hervorgeht. Dementsprechend mag eine neue Erkenntnis das religiöse Welt ggf modifizieren, aber nicht Gott widerlegen.
Wir haben indirekt im letzten Absatz schon die Demut angeschnitten, daß nämlich ein Wissenschaftler sich von der Wahrheit führen läßt - auch wenn die Ergebnisse seiner Arbeit der eigentlichen Motivation seiner Forschung widersprechen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Demut des Forschers ist, daß die Erkenntnisse der Naturwissenschaft zu großen Teilen Modelle sind. Sehr gut funktionierende Modelle, aber, gerade im Mikrokosmos, eben Modelle. So schön die Mathematik auch ist, ist das Universum nicht an die formale Arithmetik gebunden; wie gesagt wird die Mathematik zur Modellierung der Sachverhalte in der Welt genutzt. Damit will ich die Erkenntnisse weder schlecht machen (ich doch nicht!) noch mit Wittgenstein sagen, daß Naturwissenschaften die Welt nur beschreiben würden; da die Modelle durchaus zu überprüfbaren Voraussagen fähig sind, modellieren sie eben die Welt und beschreiben sie nicht nur. - Aber hier schweife ich ab. Bei Interesse kann ich irgendwann mal was zu dem Thema Modelle etc. schreiben.
Was läßt sich also betreffs der Grenzen der Freiheit eines Naturwissenschaftlers sagen? Nun, die Grenzen sind die Ethik, die Wahrheit und die Demut - womit sie eigentlich mit den Grenzen des Handeln eines jeden Menschen übereinstimmen.
Donnerstag, Februar 17, 2011
Donnerstag, Februar 10, 2011
Petition Pro Ecclesia

So, nachdem der letzte Post extrem polemisch war, wollte ich eigentlich noch einen polemischeren schreiben. Der muß nun warten, da ich mir dachte, daß konstruktive Beiträge durchaus sinnvoller sind. Dementsprechend lade ich an dieser Stelle ein, obige Petition zu unterschreiben. Einfach auf den Banner klicken und los gehts.
Denn.... Du bist einer von uns
(wooo, Ich arbeite mit subliminal messages...)
Samstag, Februar 05, 2011
An die Verräter, verzeihung, über 143 deutschen Theologen
Überall, wo eine Menschenseele sich aalt und wohlfühlt im Nebeneinander und Miteinander, umgeben vom Rechts und vom Links, eingelullt, eingehüllt in die Masse, dort wird in ihr langsam ein Haß wach, ein Haß gegen alles Große, Edle, Erhabene und Schöne. Und eine ungeheure Liebe zum Gewöhnlichen, Platten und Banalen.
So sprach Hans Milch und anders als bei so manch anderem Ausspruch stimme ich ihm aus vollsten Herzen zu. An sich ist das Gesagte, das eingelullt-sein in die Masse eine Wunderbare Beschreibung der Stagnation, der Lauheit.
Die Leute, die das Große, Edle erlangt zu haben glauben, können sich den Luxus leisten, auf das Platte, Schale zu starren und sich das zu wünschen.
Und in diesem Geist wagen es eine Truppe von anscheinend doch renommierten Theologen, mal wieder die Kirche ändern zu wollen. Das ist ja wirklich was neues und hat schon so oft zu sinnvolleren geführt - moment, ich glaube, ich irre mich. Ich stelle die einzelnen Punkte dieses Schreibens kurz vor bzw. fasse sie zusammen und stelle es dem Leser frei, diese Punkte für eine etwas polemische Meditation über den Sinn und Un-Sinn der Kirche zu nutzen.
Anyhow, man setzt also mal wieder darauf,
1.) die Hierarchie einzuglätten. Denn wie wir ja inzwischen wunderbar in unserem Staat mitbekommen, ist Demokratie bekanntermaßen das einzige, was die Menschheit sinnvoll voranbringt. Ohnehin: Wie sollte man bei einer Organisation, die zweitausend Jahre alt ist und sich auf den Sohn Gottes zurückführt, desweiteren als Sproß Gottes Auserwählten Volkes begreift, wieso sollte man sich denken, daß hier vielleicht nicht weltliche Standards gelten?
2.) verheiratete Priester und "Frauen im Amt" sollen die Gemeinden wieder füllen bzw. den "überforderten" Priestern etwas Arbeit abnehmen, so daß die Gemeinden wieder Orte der Begegnung werden. Das wäre ja löblich, wenn wirklich die Überforderung des Priesters das Problem wäre...
Liegt es am akademischen Dunst, daß man derart blind ist und nicht sehen kann, daß die Gemeinden aus anderen Gründen nicht mehr Orte der Begegnung sind? Daß papsttreue katholische Christen sich nach anderen Möglichkeiten umtun, um salopp gesagt, eine Frömmigkeit nach ihrem Geschmack zu finden? - Nebenbei gesagt, hätte man das doch wirklich als "modern" mal loben können: In dieser heutigen Zeit ist man in vielen Großstädten in der Lage, zwischen unterschiedlichsten spirituellen Strömungen in und neben der Kirche zu wählen, Von Wisiki über das Neokatechumenat und Opus Dei bis hin zur Piusbruderschaft ist alles vorhanden, was das Herz begehrt. Wieso soll ich also eine Gemeinde aufsuchen?
3.,4.) Das kirchliche Volk soll "Rechte" bekommen und sich auf Gewissensfreiheit berufen können. Da es nicht reicht, daß das kirchliche Volk als Kinder Gottes eine Würde und Privilegien hat, die die Welt nicht geben kann, soll die Kirche nun also gleichgeschlechtliche Paare dulden - ich hoffe, die werten Theologen verlangen endlich mal von den Physikern, Deeprak Chopra als renommierten Wissenschaftler zu akzeptieren. Das würde ähnlich viel Sinn ergeben.
5.) Nun soll die Kirche statt der Botschaft der Barmherzigkeit, der Botschaft, daß Gott jeden, der von Herzen bereut, JEDEN, der Gottes Barmherzigkeit sucht, annimmt, statt dieser Botschaft soll die Kirche lieber etwas Nabelschau betreiben - was sie übrigens ja noch nie vorher tat.
6.) Statt der Lebendigen Begegnung mit Gott sucht man die Zelebration der eigenen Kulur in der Liturgie - ach was: Stattdessen setzt man weiterhin auf die Kreativität von Frauengruppen, die mit bunten Taschentüchern ein Kreuz beschmücken und Kinder "Jesus liebt die MenschInnen" drauf malen lassen.
Überall, wo eine Menschenseele sich aalt und wohlfühlt... besser kann man anscheinend nicht die Situation der werten Herren Theologen beschreiben. Da werden weltweit für den Glauben, FÜR DEN WIRKLICHEN GLAUBEN, nicht irgendein Gutmenschenkonstrukt, Menschen, Männer, Frauen, Kinder verfolgt, weltweit ziehen Menschen, arme und reiche, Menschen aus allen Schichten und jedem Intellekts Hoffnung aus dem Glauben unserer Väter - aber eine Truppe von Gebildeten meint, das Rad neu erfinden zu müssen.
Ich kann kaum ausdrücken, wie sehr mich das ärgert. Nicht, weil ich etwas gegen Theologen habe - oh nein! An sich habe ich einen riesigen Respekt vor dieser Zunft und rege mich über Allgemeinplätze von Laien in Richtung Theologen regelmäßig auf (so letztens bei Leon Bloys "Das Heil durch die Juden"). Als Naturwissenschaftler und von Natur aus kopflastiger Mensch finde ich diesen Berufsstand sehr respektabel, ist er doch bemüht, das Mysterium Gottes, des dreieinen Gottes, der sich in Jesus Christus offenbarte zu erforschen. Das ist klasse! Doch durch solche schalen, langweiligen, dummen und häretischen Forderungen gießen sie Öl in das Feuer der Laienkreise, die gegen Theologen polemisieren.
Also, werte Theolog*innen (<- klasse, wie genderkonform ich sein kann, was?): Erforscht den Glauben. Dringt in die Mysterien ein und bergt einen Schatz, für den ich als Physiker Euch immer beneiden werde, wogegen das, was ich mache, immer als mundan und langweilig verblassen wird. Aber schwadroniert doch nicht solche Scheiße zusammen, gegen die sich ein Paper über angewandte Katalyse mystisch wie ein okkultes Grimoire liest!
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