Seriously, ich habe den Respekt vor Albert Einstein, den man als Physiker haben sollte; er war ein großartiger Physiker. Warum wird er dann zu so ziemlich JEDEM ANDEREN THEMA zitiert? Was sollen diese ganzen Scheißhausparolen?
"Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind - das Universum und die Menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht sicher."
Ich frage mich, ob das Zitat nicht eher in die Sparte Not even wrong haut. Die triefende Moral, die man ihm gerne beimißt - bitte, das ist doch kein ultrakluges Statement! Es würde implizieren, daß es entweder unendlich viele Menschen gibt oder daß ein Mensch unendlich dumm sein kann.
Aber Phil, das ist doch metaphorisch gemeint! Als Anklage bezüglich der Atombombe und so weiter! Metaphorisch, schön. Dann zitiert es doch nicht immer als die "Weisheit" eines Naturwissenschaftlers, "der doch die Welt viel besser versteht als wir". Zum einen. Zum zweiten: Man mag über die Entwicklung der Atombombe viel sagen, sie als teuflisch bezeichnen, als den Abgrund des Bösen, aber Dumm war sie leider nicht. Dann hätte sie nämlich nicht funktioniert.
"Wenn Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu Leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr" - Fairerweise gewinnt das Zitat sicherlich in jüngster Zeit an Brisanz, weshalb es auch beliebige Pinnwände/Timelines/Chroniken/wie man das auch immer nu nennt auf Facebook ziert. "Der Intelligenteste Mensch der Welt sagt das, WAKE UP SHEEPLE!" blablaargh.
Ich mein, bei aller Dramatik (ich hoffe doch, daß die Biene überlebt! Ein Leben ohne Honig ist kein Leben!) ist das schwachfug. Die Bienen verschwinden nicht auf einmal. Aussterben einer Tierart passiert nicht BUMM - knallfall. Sie würde allmählich aussterben. Und die Natur würde das machen, was sie am besten kann - sich den Umständen anpassen. Dabei würden einige Pflanzen aussterben, ja, es würde zu großen Problemen kommen. Aber es würden schon allein deshalb nich alle Pflanzen sterben, weil es noch andere Möglichkeiten der Bestäubung als durch Bienen gibt (Stichwörter Anemophilie, Hydrophilie, Ornithophilie). Das ist also, sorry, ein dummer Spruch, der, ähnlich wie der obige Spruch nur zu ner triefenden "DENK MAL DRÜBER NACH"-Moral reicht.
"Logik bringt Dich von A nach B. Phantasie überall hin" - ARGH, mein absoluter Liebling zur Zeit. Erinnert von der Struktur an "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin" (unter anderen in die Hölle! KLASSE!). Mit Phantasie kommt man auch gut auf den Holzweg oder in den Abgrund. KLASSE! Wollte schon immer mich mal richtig verirren.
Meine Lieben: In einem formal in sich geschlossenen System kommt man durch Logik von einem beliebigen Punkt A zu einem beliebigen Punkt B. Falls man auf Grenzen dieses Systems stößt, wird man auch bspw durch Analogieschlüsse weiter kommen. In der Hinsicht kommt man durch Logik überall hin - and lo and behold, der Clou: Man weiß, wie man zu B gekommen ist. Sagen wir mal, man fragt sich, warum man grad auf dem Holzweg ist, dann weiß man - dank Logik, welche Schritte die letzten waren. Oh, mehr noch: Dank Logik kann man Leuten erzählen, wie man zum grandiosen Punkt B hingekommen ist. Bei diesem "Phantasie überall hin" antworte ich mit Null Null Schneider:
Was also ist die Rolle der viel gepriesenen Phantasie? Phil, denkst Du etwa, sie ist unnütz? Nö. Zu Wissen, wie wir von A nach B kommen, ist ja letztlich das Ende des Strebens schon. Wie wählen wir Punkt B? Hier setzt die Phantasie ein. Wir müssen oft erst einmal eine Vision, ein Ziel definieren - und hier brauchen wir Kreativität, Phantasie, Imagination. Wenn wir das aber haben, müssen wir überlegen, wie wir dahin kommen.
Kommen wir nun zum letzten Spruch im Potpourri der nervigen Sprüche. Wobei er eigentlich ein intelligenter, jedoch oft mißverstandener Spruch ist:
"Gott würfelt nicht" - wohl einer der unverstandensten Sprüche ever. Wie oft habe ich von Glaubensbrüdern ein Jubeln und von Atheisten ein Schimpfen gehört! "OHH, DER EINSTEIN SAGT GOTT!". Atheisten verhalten sich dabei wie die Meute in das Leben des Brian "Er hat Jehova gesagt!", Theisten sehen darin anscheinend eine Kurzform des Credo.
Einstein hat sich oft genug bezüglich seines (Un-)Glaubens geäußert. Dieses Zitat handelt hat jedoch keinen Bekenntnischarakter, sondern drückt einen berechtigten Einwand Einsteins gegen manche Interpretation der Quantenmechanik aus. Einstein kritisierte die Kopenhagener Interpretation ob des Ausschließens deterministischer Aussagen in Einzelprozessen. Das widersprach dem naturwissenschaftlichen Weltbild, mehr noch: wenn über die Einzelereignisse wir schweigen müßten, so die Sorge von Einstein und anderen, stellte sich die Frage, was wir überhaupt aussagen können. Das deterministische Kartenhaus wäre zusammengebrochen. Des weiteren widerspricht die Beliebigkeit der Einzelprozesse der experimentellen Evidenz. Nehmen wir dazu mal das STM(scanning tunneling microscope oder auch Rastertunnelmikroskop), eine Mikroskopiemethode, die auf dem "gespenstischen" Tunneleffekt beruht. Daß es eine "gaaaaaanz kleine Wahrscheinlichkeit" dafür gibt, daß ein Teilchen durch eine Mauer tunnelt - wie es gerne etwas banal erklärt wird. Esoteriker fangen dann gerne an, über Teleportation zu fabulieren. Es wird dann gerne gesagt, daß ein STM eben massig viele Elektronen auf diese Mauer ballert, wodurch der Prozeß sehr wahrscheinlich wird. Das ist ein wenig komisch angewandte Statistik: Wenn es wirklich nur ein willkürliches Zufallsereignis wäre, was ziemlich unwahrscheinlich wäre, dann würden STM-Firmen kein Geld verdienen, denn die Geräte wären unvorhersehbar in ihrer Qualität. Tatsächlich sind sie jedoch so gut, daß man mit ihnen nicht nur diese Barrieren überwinden, sondern bspw auch durchmessen kann - inzwischen mit einer zeitlichen Auflösung von pikosekunden.
Die Quantenmechanik hat sich seit den Tagen Einsteins und Bohrs weiter entwickelt. Und man weiß inzwischen, daß Bohr prinzipiell recht hatte - wenn man ein klassisches Teilchenbild zugrundelegt. Teilchen sind klassisch gesehen wie Sandkörner: Abzählbar und stark lokalisiert. Nun haben sich - siehe Tunneleffekt - Effekte gezeigt, in denen diese Lokalität nicht aufrecht erhaltbar ist. Mehr noch: es haben sich "Teilchen" gefunden, die nicht stark lokalisiert sind; die man einzeln nie in eine Hand nehmen könnte. Phononen - quantisierte Gitterschwingungen in einem Kristall - sind so ein Beispiel, weshalb man sie auch gern als "virutelle Teilchen" bezeichnet. Nun, diese virtuellen Teilchen kann man mit bestimmten Methoden sehen, anregen, man kann mit ihnen eine Chemie auf einer Oberfläche induzieren - ziemlich viele reale Dinge für ein Teilchen, was nicht existiert! Was uns diese Lektion lehrt, ist, daß man das klassiche Teilchenbild etwas reduzieren muß: Teilchen sind abzählbare Zustände, "mehr nicht". Wenn man das im Hintergrund hat, kann man den Tunnelprozeß deutlich besser verstehen, man sieht, daß die Quantenmechanik nicht-lokal ist, aber auch nicht beliebig. "Gott würfelt nicht", aber Gott ist allgegenwärtig. Ich darf das sagen, da ich ohnehin als Christ schon bekannt bin.