Mittwoch, September 07, 2011

How you do not make science

Laut einem Artikel auf Discovery Magazine wurde "festgestellt" wo sich die neurologischen Unterschiede zw. Liberalen und Konservativen finden lassen.

Dieser Artikel wurde auf Nerdblog verlinkt, auf dem ich auch etwas gehässige Kommentare dazu schrieb (wofür ich mich auch entschuldige). Aber ich denke, daß ich mal ein paar Worte als Wissenschaftler zu besagter Studie verlieren soll, nicht, weil ich mich als Konservativ verstehe (und zwar eben weil ich dinge hinterfrage), nicht, weil suggeriert wird, wissenschaftliches und religiöses Denken würde sich ausschließen, sondern vor allem, weil dieser Artikel ein gutes Beispiel an tendenziöser Crackpot-Science ist. Ich empfehle dem werten Leser, den Artikel auf discovery mag zu lesen, man kann meiner Meinung nach gut lernen, wie man Wissenschaft nicht betreiben soll. Wie schon gesagt, störe ich mich nicht an einer Überhöhung von Liberalen oder ähnlichem. Was mich stört, ist das Naturwissenschaftsbild, was anscheinend dieser Studie zugrunde liegt.

Erstens ist die Definition von Liberalen und Konservativen eher fragwürdig. Ein Demokrat in New York, der inmitten seiner Parteikollegen gegen die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren ist, wem ist der dann zuzurechnen? Wie steht es mit einem Tea-Party-Anhänger in derselben Gruppe? Sicher, im Artikel wird darauf hingewiesen, daß man Menschen nicht in Raster einteilen kann - aber was ist dann der Sinn dieser Studie, wenn sie genau das nicht kann? Ich mein, ich kann auch nicht sagen: "Ich hab das Higgs-Boson gefunden, man kann es eindeutig an meinen Daten erkennen, aber die Peaks können auch für alles andere stehen." Und letztlich wird eben doch ein Raster vorgegeben, indem man Begriffe wie liberal und konservativ nutzt, die in Amerika noch deutlich mehr politische Bedeutung haben als hier. Letztlich (achtung, Faschismuskeule) erinnert es doch an stark pauschalisierte "Erkenntnisse", daß Türken einen Hang zur Agressivität haben, wie man in Wedding sehen könne. Sicher seien auch viele Deutsche in Wedding aggressiv, jedoch sei das der Einfluß der Türken (denkt über die beiden Aussagen mal nach! Sind diese wirklich falsifizierbar?). Der Sinn dieser Studie scheint im Tendenziösen zu liegen.

Die These ist weiterhin, erstens durch die schwammige Definition der beiden Menschentypen, zweitens durch den Zusatz, daß das Gehirn sich ändern kann, nicht falsifizierbar; und da bin ich dann doch ein Freund von Popper und Lakatos und frage mich, was die These dann für einen wissenschaftlichen Mehrwert hat.

Letztlich war das auch der Punkt, der mich störte. Mich würde es auch stören, würde in der These der Begriff "Liberal" durch "Phil" ersetzt werden, würde es heissen "Alle intelligenten Leute, die selbstkritisch sind, sind wie Phil". Jedenfalls hoffe ich das. Ich mag es schließlich auch nicht, wenn meine eigene Arroganz mich ad absurdum führt.

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