Freitag, Juli 30, 2010

Donnerstag, Juli 29, 2010

Love Parade, die Verantwortlichen und ein genereller Rant

Die erschütternden Bilder haben wir sicherlich alle gesehen. Vor einigen Tagen ist eine große Katastrophe auf der Love Parade passiert, an der inzwischen 20 Leute starben und viele Leute verletzt wurden. Der Hl. Vater und Kardinal Meisner zeigten Anteilnahme und riefen zum Gebet für die Verstorbenen und deren Angehörigen auf. Letztlich ist damit auch das wichtigste für uns Christen gesagt. Ich würde noch anhängen, daß man auch für die Verletzten beten sollte.

Schon im Vorfeld und ganz besonders nach der Love Parade wurde Kritik an dem Veranstaltungsort und einigen Mängeln der Sicherheit laut. Als ich ein Bild des Verantstaltungsortes gesehen habe, fragte ich mich, wie man auf die idiotische Idee kam, dort eine solche Großveranstaltung stattfinden zu lassen. Ich mein, zwei Zugänge, die sowohl als Ein- als auch als Ausgänge genutzt wurden, für ca eine Mio Leute - wtf? Wenn ich mich an die Weltjugendtage in Rom (2 Millionen Leute) und Köln (mindestens eine Mio) erinnere, hat man diese Veranstaltung auf ein großes Feld gelegt, so daß im Notfall deutlich mehr Fluchtwege zur Verfügung standen. Das ganze Gebiet war von Zufahrten durchzogen, damit bei bedarf Sanitäter schnell vor Ort sein konnten. Tags und nachts wuselten viele Volontäre über das Gebiet, 2000 noch mit Handys, 2005 dann mit Headsets und konnten stante pede die Sanis verständigen. Und ja, gerade in Köln war das bei den nächtlichen Temperaturen und vielen Unterkühlungsfällen auch notwendig. Es ist jedoch nichts wirklich schlimmes passiert, weil es gut organisiert war! - Ja, und sicherlich auch, weil beim WJT, wie bei jeder kirchlichen Veranstaltung der exklusivste Promi schlechthin da war, einer, der sein Leben für seine Fans, respektive Schafe hingab.
Hier ist an einigen Stellen was schief gegangen - nicht nur seitens des Mc Fit-Bosses, wie z.Zt. uns die Bild klar machen will. Der Bürgermeister, die Polizei und dieser "Panikforscher" (Schreckenberg) - sie alle haben versagt. Das läßt sich imho ganz gut bei Frank nachlesen.

Was mich jedoch stört, sind die "I told you so"-Kommentare, die grad durch die gesamte Presse florieren.
"Als ich gehört habe, daß die da das Fest feiern wollen, dachte ich mir schon, daß es Tote geben wird" - Na GROSSARTIG! Da hast Du ja jetzt wirklich viel zur Rettung der Toten gemacht, DASS DU VORHER DIE KLAPPE GEHALTEN HAST! Wenn Du niemandem vorher von Deinen Bedenken erzählt hast - Korrektur: keinem VERANTWORTLICHEN - dann ist diese Aussage, nachdem nun zwanzig Leute tot sind, weniger als nichts wert. Denn dann bist Du Mitschuld an den Toten und noch schlimmer: du profilierst Dich jetzt als neunmalkluger an dem Unglück. Nachher sind wir alle schlauer. Ich hab mich mit dem Gebiet der Love parade nicht vorher befaßt, da die Veranstaltung für mich recht uninteressant ist, aber sicher: Nun, nachdem was schlimmes passiert ist, kann auch ich mir einen Reim drauf machen, was wohl der Grund war.

Die spirituelle Version der "I told you so"-Kommentare wurde von prominentester Seite von Eva Hermann hervorgebracht, die auf die Parallelen zw. Sodom und Gomorrha und der Love Parade hinwies. Wieder: was mich besonders stört: Wo waren die Leute in den letzten Jahren, als noch nichts passiert ist? Haben sie aktiv probiert, die Jugendlichen aus diesem "Sodom und Gomorrha" zu entreißen? Interessanterweise habe ich von den Seiten, die sich um die Bekehrung der Jugendlichen kümmern, noch nicht solche Kommentare gehört, aber von "Schreibtischtätern" (wie ich auch einer bin, *ehm*). Hier gilt, daß man leicht im Nachhinein sagen kann: "Jaha! Dort wurden viele Drogen konsumiert und Leute haben gepimpert! Und was macht Gott mit solchen Orten? HE SMITES THEM DOWN! BRIMSTONE AN' FIRE" - Gut, am Ende brach der Reggaefreund in mir durch. Es ist leicht, im Nachhinein zu richten, eigentlich ist es sogar noch niederträchtiger als vorher zu richten, weil man eben diese arrogante "Na hab ichs nich immer gesagt"-Attitüde zum besten gibt.
Reggae habe ich nicht umsonst erwähnt. Als 2001 die Flugzeuge ins weiße Haus flogen, sang Asian Dub foundation "Babylon is really burning this time" und im Refrain "The Enemy of the Enemy he is a friend". Das ist dasselbe: ein tragisches Unglück wurde ausgenutzt, um seine spirituelle Sicht der Dinge darzustellen. Bitte, das ist geschmacklos.
Wenn man sich weiterhin überlegt, daß es dramatische Unglücksfälle auch unter Gerechten gab (Gott läßt die Sonne über Gerechten wie ungerechten aufgehen, nicht vergessen!), ich erinnere hier gerne an das Erdbeben von Lissabon, wenn man bedenkt, daß die Love parade weder die einzige Sodom- und Gomorrha-Veranstaltung noch die Schlimmste ist (zynisch gefragt: was findet Gott an der Venus und dem CSD so viel besser? Die Musik?), dann merkt man, daß solche Urteile uns nicht nur nicht zustehen, sondern uns, naturwissenschaftlich gesprochen, zu wenig Informationen vorliegen, um eine solche Aussage zu fällen.

Aber es geht noch weiter: Wie man merkt, bin ich absolut nicht der Meinung von Eva Hermann, ja, ich muß sogar sagen, daß sie es sich damit als Kommentatorin aktueller Ereignisse ziemlich verscherzt hat. Worauf mich jedoch gestern mein Bruder aufmerksam mache (thx bro), ist auch so eine Sache, die mich stört: Gut, sagen wir nun, daß Frau Hermann hier wirklich Schwachsinn geredet hat. Das gibt jedoch immer noch niemandem das Recht, "Ich hoffe, sie kommen in die Hölle" zu schreiben oder bei Facebook eine Gruppe namens "Netz gegen Eva Herrman" zu gründen. Sie mag hier wirklich falsches gesagt zu haben, aber diese Empörung, die an die zwei Minuten Haß von 1984 erinnern, hat sie nicht nur nicht verdient, sie sind auch ein Bärendienst, wenn man ihre Aussagen Kritisieren will. Was die heutige Diskussionskultur übersieht, ist, daß diskussion mit drei, und nicht mit vier "s" geschrieben wird, dann wäre es Diss-kussionskultur und wir könnten den gegenüber mit schönen ad hominem-Agrumenten eben dissen - wie eben heute die Diskussion von Gutmenschen gerne geführt wird. Wenn man dann noch merkt, daß die Empörung nicht primär an der Sache selbst, sondern daran, daß Frau Hermann konservativ ist, orientiert ist, dann bekommt man noch mehr das kotzen, denn auch die nutzen den Tod von zwanzig Leuten aus, um progressives Revier zu markieren.

Was will ich mit diesem allgemeinen Rant sagen?

1.) Unsere erste Christen- und Bürgerpflicht besteht darin, den Verletzten, den Toten und den Verstorbenen beizustehen (letzteren können nur noch wir Christen helfen). Das kann über Gebet, über trostspendende Worte oder über eine konkrete Tat erfolgen. Falls wir im Veranstaltungsbuiseness tätig sind, wissen wir, was uns NIE passieren darf und warum wir eine Veranstaltung wirklich von a bis z durchplanen müssen

2.) Sicherlich können wir uns darüber Gedanken machen, wer oder was Schuld ist, wichtig ist nur, daß das nicht einzig eine Stammtischdiskussion als Sinn hat, sondern konkret der Aufklärung der Vorfälle dienlich ist. Ja, sicherlich darf sich jeder Luft verschaffen, hab ich ja hier auch, aber in der Großen Presse sollte man mit "Ich habs doch gesagt"-Kommentaren vorsichtig sein.

3.) Falls jemand doch einen Geschmacklosen Kommentar betreffs der Toten von sich gab, ist das noch lange kein Grund, diese Person nun mit Schimpf und Häme zu belegen. Man darf die aussage kritisieren, meinetwegen auch von einer bekloppten und rücksichtslosen Aussage sprechen, aber erstens hat die Person dahinter auch eine Würde, zweitens kann man niemandem eine Geschmacklosigkeit vorwerfen, wenn man die Gelegenheit nutzt, um die vermeintlich geschmacklose Person selbst zu beleidigen.

Yikes, Entrümpelung war notwendig & Schankedön!

Meine Güte, wenn man einmal nicht aufpaßt, legt ja auch die Spambrigade aus China ordentlich los. Ich denke/hoffe, daß alle deplatzierten Kommentare nun gelöscht wurden und denke/hoffe gleichermaßen, daß ich vllt doch mal wieder das eine oder andere hier schreibe. Mal sehen.

Ein ganz herzliches, wenn auch verspätetes Dankeschön will ich an dieser Stelle in Richtung Blogozese aussprechen; an meinem Bday waren es größtenteils die katholischen Blogger, die als erste zu meinem nun begonnenen dreißigsten Lebensjahr gratulierten.

Entweder ihr verbringt zu viel Zeit im Internet (Hehe, muß ick jrad melden) oder es zeigt eine Verbundenheit, die doch über die nun schon längere Postingflaute meinerseits anhält. Das freut mich doch und dafür danke ich sehr.

Wie es mir geht, werdet ihr ja größtenteils in Facebook lesen, wa? Ich habe vor einigen Monaten endlich mal wieder mit Hanteltraining angefangen, und da ich mit einem Freund trainiere, hat mich der Iron Bug doch ganz gut gebissen, weshalb ich in meiner Freizeit recht viel bzw. intensiv Hanteln schwinge. Das kann ich jedem empfehlen, es macht spaß und ist (für die Herren der Schöpfung) ein schöner Gegentrend gegen diesen ganzen metrosexuellen schwachsinn. (Zur Info: Wenn ich Krafttraining sage, meine ich nicht Bodyshaping, sondern auf hartes, intensives, kurzes training) RETROSEXUAL 4 REAL sozusagen.
Ich bin nun mit ca 5mm langen haaren gesegnet und sehe dadurch etwas aus wie ein Oipunk. Punkt ist, daß meiner Meinung nach ab einem gewissen Level an Geheimratsecken die Suche nach einer geeigneten Frisur nichtig wird (denn auch das ist Windhauch), so daß einem nur der Kahlschlag helfen kann. Meine Meinung.

Vllt werde ich mal wieder etwas mehr von mir hören/lesen lassen, ich muß bloß sehen, wie es die Zeit, die Inspiration und die Energie zuläßt.