Mittwoch, März 23, 2011

Werter Herr Stoot,

Ich hab hier Ihren Artikel gelesen: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16300

Ich könnte nun die Unmenschlichkeit dieses angeblich christlichen Menschen kritisieren, ihm Scheuklappenmentalität vorwerfen, mich fragen, ob er oder die anwesenden Antifaschisten sich nur ansatzweise mit den verfolgten Christen in islamischen Ländern beschäftigt haben. Ich könnte fragen, wo die Mahnwachen für die "positive Religionsfreiheit" bleiben, wenn mal wieder Übergriffe auf Christen geschehen sind. Ich könnte die Feministinnen fragen, wie sie dazu stehen, daß in islamischen Ländern z.T. die Frauenrechte mit Füßen getreten werden.

Aber ich würde mich nur aufregen, deshalb frage ich schlicht und einfach:

Werter Herr Stoot, Sie wissen schon, daß das Binnen-I im Zeitalter des Transgender* ziemlich reaktionär und diesbezüglich diskriminierend rüberkommt? Daß das Binnen-I als Phallus-Symbol von Antisexist*innen abzulehnen ist? Sicher wissen Sie das, sie demonstrieren ja nicht nur mit mutigen Kämpfer*innen, sondern schreiben auch noch Kolumnen in namhaften Zeitungen! Wenn Sie das jedoch wissen, dann frage ich mich, wieso Sie an dem Binnen-I festhalten.
Ist das nicht vielleicht immer noch der alte patriarchalische, chauvinistische Christ in Ihnen, der Sie zum Nutzen des Binnen-I genauso anleitet wie er die ganzen "Nazis", denen Sie und Ihre "mutigen" Freund_innen ein "Nazis raus" entgegenschleudern? Sind Sie nicht im tiefsten Maße ein männlicher Sexist und homophob?

Sicher nicht, aber wenn Sie schon derart antifaschistisch und antisexistisch tun, dann sollten Sie doch wirklich wissen, daß das Binnen-I überholt ist und Sie somit nur ein weiteres tragisches Beispiel einer Kirche sind, die dem Zeitgeist hinterherrennt (mit Betonung auf "hinterher").

6 Kommentare:

Anisah hat gesagt…

Der Unterschied zwischen dem Islam als solchem und sogenannten islamischen Ländern ist Ihnen bewusst? Im Umkehrschluss könnte man eine Menge über faschistische, chauvinistische Regimes sagen, die sich selbst als christlich sehen.

FingO hat gesagt…

Vielleicht könnten Sie mir erklären, was genau das mit der Thematik zu tun hat? Ich habe mich über die Gleichsetzung von verfolgten Christen mit Nazis geärgert und habe meinem Ärger in der Form von Zynismus Luft verschafft. Aber bitte, wagen wir mal diesen thematischen Exkurs.

Man kann sehr wohl, auch wenn angeblich das Gebaren in "so genannten" islamischen Ländern nichts mit dem "Islam als solchen" zu tun hat, gegen dieses Gebaren demonstrieren. Wenn es mit dem Islam als solchen nichts zu tun hat, würde ich Sie und andere dann anscheinend rechtgläubige Moslems und Muslimas einladen, nein, bitten, für einen dann eben echten Islam in diesen Ländern zu demonstrieren.

Wissen Sie, mir brauchen Sie nicht zu erzählen, daß Ihrer Überzeugung nach der Islam eine Religion des Friedens ist, wichtig wäre es mir, wenn Sie das den Leuten sagen, die im Namen des Islams Kirchen verbrennen, Frauen beschneiden, Ehebrecher und Ehebrecherinnen steinigen und Dieben die Hand abhacken.

Oh, ich gehe noch einen Schritt weiter: So lange Sie nur mir pampig versichern, daß die Brandherde innerhalb der islamischen Welt nichts mit dem Islam zu tun hätten, aber das nicht den denn eben fehlgeleiteten Moslems erzählen, so lange nehme ich ihnen den Unterscheid nicht ab. Denn diese Kritik in eigenen Reihen ist in unserer Religion sehr wohl verbreitet.

FingO hat gesagt…

Ich habe gerade bemerkt, daß die Überschrift sicherlich auf Abwege führen kann, weshalb ich sie ändern werde.

Anisah hat gesagt…

Doch, der Islam steht genauso für Frieden wie das Christentum. Leider haben sich sogenannte islamische Führer dafür oftmals wenig interessiert. Und, ja, natürlich ist dieses Verhalten zu kritisieren, sehr sogar. Ich wehre mich lediglich dagegen, im selben Atemzug die zugehörige Religion schlechtzureden - etwas, was übrigens vice versa auch viele Muslime mit dem Christentum tun, und was ich genauso verabscheue.

Aber ich sehe schon, das geht am Sinn Ihres Postings vorbei, nix für ungut ;)

FingO hat gesagt…

Sie haben schon recht, man darf nicht aufgrund einzelner Dinge ein pampiges Pauschalurteil fällen.

(und ich hab gemerkt, daß es dem allgemeinen Ton einer Antwort nicht gut tut, wenn man gerade frustriert einen Fehler in einem Sourcecode sucht, argh... falls die Antwort zu pampig ausfiel also nicht persönlich nehmen)

Anisah hat gesagt…

Habe ich nicht, passt schon :)