Samstag, Dezember 31, 2022

Der Heimgang des Papa emeritus

Benedikt XVI. ist heute zum Vater gegangen. Zeit, diesem großen Heiligen Vater Dank zu sagen. Benedikt XVI. hat schon im vorangehenden Pontifikat meinen Glauben mitgeprägt, insbesondere mit seiner sachlichen, akademischen Sicht, die ein Vorbild für die Einheit von Glaube und Vernunft war. 

Entsprechend fehlen mir jetzt die Worte - einer der großen Mentoren in meinem Glauben ist nun heimgegangen. Ist das für uns Christen traurig oder schön? Sicherlich liegt es irgendwo dazwischen - auch wenn wir voller Hoffnung zum Herrn blicken und im Glauben wissen, dass dieses Leben nicht das Ende ist, sind wir doch auch Kinder der Welt, der das Wort "Ewig" unbekannt ist. 

Dennoch geht es mir so, dass ich voller Hoffnung und Dankbarkeit an Benedikt XVI denke. Noch mehr bin ich dem Herrn dankbar, dass ich das Privileg hatte, durch seine Schule im Glauben zu gehen. 

Entsprechend noch ein letztes Mal skandiere ich alleine in der Wohnung sitzend "Benedetto" und hoffe, am Ende aller Zeiten, wenn die Toten aus den Gräbern auferstehen, dies mit anderen Freunden Ratzingers/Benedikts skandieren zu können. 

Sonntag, Juni 12, 2022

St. Dymphna philosophiert: Three makes a crowd - die Heilige Dreifaltigkeit als Basis aller Dynamik

Zum Dreifaltigkeitssonntag bietet es sich an, etwas über die Dreifaltigkeit nachzudenken. Oft wird betont, dass man die Dreifaltigkeit nicht verstehen, sondern nur darüber staunen kann. Keine Frage, dies ist so. Für den suchenden Geist ist jedoch über etwas staunen und über etwas nachdenken eins. Und so wie es die Menschen von Anbeginn des Christentums getan haben und über das Geheimnis der Dreifaltigkeit meditiert haben lädt der Dreifaltigkeitssonntag auch heute dazu ein, über die Natur Gottes nachzudenken. Gibt es Bilder im Universum, in welchen die Dreifaltigkeit ihr Kunstwerk unterzeichnete? Was könnte man aus diesen Bildern über Gott lernen? Und kann uns dies auch helfen, etwas über uns selbst zu erfahren? 

(Fun fact nebenbei: Dies ist der dritte Artikel des Jahres 2022!)

Das Dreikörperproblem - der Anfang aller Komplexität

Aktuell lese ich die Trisolaris-Trilogie vom chinesischen Schriftsteller Liu Cixin. Eine sehr spannende, vielschichtige Science-Fiction-Geschichte, in welcher eine Welt mit drei Sonnen eine Rolle spielt. 

Drei Sonnen... dem Physiker fallen dabei natürlich gleich drei Massen auf. Das Dreikörperproblem ist, um es etwas wirr auszudrücken, wohl das einfachste der schweren Probleme. Zwei Körper, die sich gegenseitig anziehen, wie beispielsweise die Sonne und die Erde, sind ein einfaches System, welches immer analytisch lösbar ist. Das bedeutet, dass man mithilfe von simplen Formeln dieses System beschreiben und den zukünftigen Verlauf vorhersagen kann. 

Mit einem dritten Körper wird dies schwieriger. Eine wirklich einfache analytische Lösung in der Form existiert nicht (zumindest nicht für alle Anfangskonditionen). Natürlich kann man ein Dreikörperproblem simulieren, aber mit einfachsten Formeln ist es nicht zu beschreiben. Es handelt sich, um einen Begriff von Stephen Wolfram zu nutzen, um ein irreduzibel komplexes Problem. 

Auch wenn Physiker - und Physikstudenten - sich darüber die Haare raufen könnten, ist es doch eine schöne Sache. Wir können sagen, dass mit drei Massen Komplexität anfängt. Dynamik, komplexere Harmonien und unvorhersehbares Verhalten - all das ist mit drei Massen schon möglich. 

Liu Cixin drückt dies in dem ersten Roman "die drei Sonnen" sehr schön aus: 

“I then introduced a third sphere, and to my astonishment, the situation changed completely. Like I said, any geometric figure turns into numbers in the depths of my mind. The sphereless, one-sphere, and two-sphere universes all showed up as a single equation or a few equations, like a few lonesome leaves in late fall. But this third sphere gave “emptiness” life. The three spheres, given initial movements, went through complex, seemingly never-repeating movements. The descriptive equations rained down in a thunderstorm without end.”

Die Dreifaltigkeit - die Dynamik innerhalb des Allmächtigen

Uns Christen muss bei derartigen Worten sofort eines der zentralen Geheimnisse unseres Glaubens auffallen. Gott-Vater allein wäre sicherlich weiterhin Gott - aber eine Monade. Auch mit einer einfachen zweier-Beziehung wäre ggf. bestenfalls eine Art Dualismus geschaffen worden. Sicherlich, sofern die hier postulierte "Zweifaltigkeit" auch eines Wesens wäre, ein Dualismus der Liebe, aber dennoch eine einfache Beziehung. "Ich schau ihn an und er schaut mich an" ist eine wunderschöne Beschreibung kontemplativen Gebets, drückt jedoch eben jene fehlende Dynamik aus. 

Auch unter Berücksichtigung von uns Menschen ändert sich an dieser Dynamik wenig. Wie ein kleiner Asteroid allein wenig an einer ruhenden Sonnenmasse ändern könnte, wie Sputnik das System zwischen Erde und Mond nicht beeinflusste wird das Geschöpf den Allmächtigen nicht kontrollieren können. 

Durch den Heiligen Geist jedoch, der nun aus dieser Liebe zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn entstanden ist, entstand auch eine komplexe Dynamik. Wie das Dreikörperproblem für uns nicht analytisch lösbar ist können wir noch weniger die Dynamik zwischen den drei Personen Gottes vollends erfassen. Das Bild der drei Sonnen zeigt uns, wie drei Körper, selbst wenn sie gleiche Masse haben, sich mit einer irreduziblen Komplexität bewegen.

Diese drei Personen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist, stehen in einem ständigen Dialog, einer ständigen, von Liebe getragenen Wechselwirkung und Dynamik miteinander, einer so großen Liebe, dass Gott sie in einer Schöpfung noch mehr Geschöpfen angedeihen werden lassen wollte. 

Die Dreifaltigkeit - der Ursprung der Ämter Christi

Wir haben neben der Dreifaltigkeit eine weitere "Dreiheit" in unserem Glauben, nämlich bezüglich der Ämter, die Christus innehatte - und an denen wir im Heiligen Geist Anteil haben dürfen. Christus ist Prophet, Priester und König. Das königliche Amt ist mit dem Vater, das priesterliche Amt mit dem Sohn, das prophetische Amt mit dem Heiligen Geist verbunden. 

Hier kann man den Bogen zum Artikel von vor ein paar Monaten spannen: Die Gesellschaft benötigt dieses Dreiergespann der Ämter Christi wieder. Als Wesen, die nach seinem Bilde geschaffen sind, ist diese Dynamik der Dreifaltigkeit in unser tiefstes Wesen eingeprägt. Eine Gesellschaft, welche sowohl stabil sein möchte als auch florieren will, muss sich an die Rollen von Prophet, Priester und König erinnern - und versuchen sie wieder zu etablieren. 

Montag, April 18, 2022

St Dymphna philosophiert: Könige, Priester, Propheten und Bitcoin

Der eine oder andere wird es vllt wissen: Bzgl. Bitcoin kann ich sagen "I am kinda big on the internet".

Genauer gilt wahrscheinlich eher I was big. Aber das ist eine andere Geschichte. Schon zu den Zeiten, als ich aktiver in der Kryptoszene war wollte ich eigentlich mal meine Gedanken zum Thema "Religion und Bitcoin" etwas niederschreiben. Wie es so oft im Leben ist kam ich nicht dazu. Jüngst hat der bekannte Bitcoin-Evangelist Jimmy Song sich ein paar Gedanken zum Thema "Bitcoin und Christentum" gemacht. Die beiden Artikel (einer über eine moralische Position zu Fiat-Geld, einer über einen Missionar, der auch auf Bitcoin setzt) sind zweifellos interessant, berühren aber meiner Meinung nach einen zentralen Punkt bzgl. Bitcoin und Theologie nicht. Entsprechend fühlte ich mich doch mal inspiriert, diesen zu Papier zu bringen. 

Die drei Ämter Christi - Basis einer jeden Gesellschaft


Christus vereint in sich die drei Ämter des Priesters, des Propheten und des Königs. Diese drei Ämter sah man auch noch im Alten Bund. Es gab die Priester, die Könige - und den Einfluss von außen, den Prophet. Der Prophet, der dem König und dem Priester auch mal harsch die Meinung sagen konnte - ja, gegebenenfalls sogar musste. Dem Propheten, der, siehe Amos, zum Teil nicht einmal in Institutionen zu finden war.

Das Zusammenspiel der drei Mächte - der weltlichen in Form des Königs, der geistlichen in Form der Priester und der Stimme von außen in Form der Propheten - führte zu einer Stabilität, da sich die Mächtigen immer der Gefahr ausgesetzt sahen, harsche Kritik von den Propheten zu hören. Ohne die Propheten war weder vollständige geistliche noch weltliche Macht möglich - obwohl die Propheten eigentlich selbst keine wirkliche Macht hatten. 

Ich finde, dass das grandiose Werk "Eine kurze Geschichte vom Antichrist" von Wladimir Solovjev diese Dreiteilung interessant aufzeigt: Johannes, der greise Prophet der Orthodoxie, der den Antichristen erkennt, Papst Petrus II., der Heilige Vater, welcher den Antichristen mit einem Bannfluch belegt - und der evangelische Professor Pauli, der mit seiner weltlichen Führungskraft wie ein König der  Endzeit die übrig gebliebenen Gerechten um sich versammelt. Hier sieht man schon sehr gut, wie  diese drei Ämter in einander greifen können.  

Mit Pfingsten - so hoffte man zumindest - ging der Heilige Geist auf uns alle herab und so hatten wir alle an den drei Ämtern Christi Anteil. Happy End. 

Ohne Propheten fehlt die Balance


Na ja, leider eben nicht. Wir sahen schnell, dass sich andere Lehren, sicherlich auch daran orientierend, bezüglich der drei Ämter durchsetzten. Im Mittelalter kannte man den Adel, den Klerus und die Bauern. Der Adel wird sicherlich mit dem Königtum Christi assoziiert sein, der Klerus mit dem Priesteramt - aber die Bauern werden wohl weniger mit dem Prophetenamt assoziiert worden sein. 

Auch in moderner Zeit, gerade in unserer Demokratie, ist eine Gewaltenteilung  zu sehen. Exekutive, Legislative und Judikative. Diese ist jedoch rein weltlicher Natur - und auch hier  fehlt der Prophet, wie man allein an der Benennung der  medialen Macht als "vierter Gewalt" anmerken konnte.

Das Beispiel der Medien als vierter Gewalt ist interessant, zeigt es doch an, warum die Israeliten nach Propheten auch jenseits offiziell benannter Propheten Ausschau hielten. Die Stimme Gottes konnte von jedem kommen, auch von einem Vieh- und Maulbeerfeigenzüchter kommen. 

Auch wenn Zeitungen, wie auch der Buchdruck, Aufklärung oder !!!Science!! etwas ähnliches versprachen merkte man in diesen, plump ausgedrückt "weltlichen Prophetenämtern" eine Zentralisierungstendenz. Aus Buchdruck wurde schnell Propaganda und nicht die Möglichkeit,  dass jeder seine Gedanken zu Papier bringen konnte. "Sich seines eigenes Verstandes bedienen" sollte weniger der, der dazu den Mut hat, sondern dessen Verstand mit der allgemeint akzeptierten Meinung konform war. Und Wissenschaft war von allem unabhängig - außer vom Geldgeber. 

Exkurs: Wie funktioniert Bitcoin eigentlich?

Spannen wir mal den Bogen zu Bitcoin. Dieser Artikel soll keine Einführung in Bitcoin ersetzen, aber eine kurze Zusammenfassung, wie Bitcoin funktioniert, sei dennoch kurz gemacht:

Bitcoin verspricht, ein Geldsystem ohne Mittelsmann und ohne zentrale Entität zu sein. Das bedeutet, dass jeder Bitcoin-Nutzer seine Bitcoins jedem anderen Bitcoin-Nutzer schicken kann - und niemand kann was dagegen tun. Ebenso kann keine zentrale Macht an der Geldmenge herumspielen. Die Menge von Bitcoins, nicht nur von heute, sondern auch in der Zukunft, ist absolut und transparent limitiert. Es wird, so das Versprechen, nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben. 

Bitcoin versucht dies dies über drei miteinander verwobene Mechanismen zu schaffen: Zum Einen sind die Daten dezentral verteilt abgelegt. Zehntausende von Servern, im Fachjargon gerne Bitcoin-Nodes genannt, speichern und synchronisieren ungefähr alle zehn Minuten den vollständigen Informationsstand, wem (bzw. welcher Adresse) wann wieviel gehört und wie viele Bitcoins es aktuell gibt. Realisiert wird dies zum Zweiten über eine Datenstruktur namens Blockchain, was man sich als eine verkettete Liste an Datenpaketen vorstellen kann. Ein neuer Block muss immer eine so genannte Prüfsumme des vorherigen Blocks enthalten, so dass hier ein Bezug zwischen dem jüngsten Block und dem vorherigen hergestellt ist - und dadurch man die Liste an Datenpaketen, welche neben einem Zeitstempel, den geschehenen Transaktionen und verschiedenen anderen Informationen enthalten, bis zum ersten Block, dem Genesis-Block zurückverfolgen kann. 

Doch wie kommt es zu neuen Blöcken? Hier setzt der dritte Bitcoin defierende Mechanismus an: Über den so genannten Proof of Work versuchen verschiedene Maschinen weltweit, im Wettbewerb einen Block zu finden, welcher zur bisherigen Blockchain passt und dessen Prüfsumme seinerseits bestimmte Bedingungen befriedigt (das Target erreicht, um im technischen Sprachjargon zu bleiben). Der Proof of Work Mechanismus ist der dem sicherlich aus der Presse bekannten Mining zugrunde liegende Mechanismus. Diese Bedingungen - eine bestimmte Menge  an Nullen, mit denen die neue Prüfsumme beginnen muss - wird seinerseits dynamisch an die Leistungsfähigkeit der Gesamtheit der Miner angepasst, dass, egal wie viele Miner miteinander konkurrieren oder wie gut die für das Mining verwendeten Maschinen werden, im Durchschnitt alle zehn Minuten nur eine Lösung gefunden wird. Der Proof of Work ist irreduzibel komplex, d.h. rechenintensiv und durch keinen genialen Rechentrick schnell zu lösen. Da er sehr rechenintensiv ist verbraucht er viel Strom - was den Minern als Mining Reward geschenkt wird. Der Mining Reward setzt sich aus den Transaktionsgebühren (sprich dem, was ein Nutzer für eine Transaktion bereit ist, an Gebühren zu zahlen) und einer festgelegten Menge an neuen Bitcoins zusammen. Die Menge an neuen Bitcoins pro gefundenem und der Blockchain hinzugefügtem Block halbiert sich alle vier Jahre, wodurch eine absolut definierte, endliche Menge an möglichen Bitcoins entsteht. 

Node-Hoster, Developer und Miner - die drei Ämter Bitcoins


Auch bei Bitcoin haben wir eine Gewaltenteilung, die "drei Ämter Bitcoins": 

  • Es gibt die Entwickler, die Developer, welche das Wort Protokoll, welches Satoshi Nakamoto in seinem Bitcoin Whitepaper darlegte (Bei Interesse hier auf deutsch), implementieren.
  • Es gibt die Miner, die in einem Wettbewerb  gegeneinander Energie dafür aufwenden, den nächsten zur Blockchain hinzuzufügenden Block zu finden. 
  • Es gibt die Node-Hoster, welche eine aktuelle Kopie der Bitcoin-Blockchain gespeichert haben. 
Die Node-Hoster arbeiten  mit  einem von den Entwicklern geschriebenen Bitcoin Client. Das Gros nutzt hierbei den Bitcoin Core client, jedoch kann man zumindest theoretisch auch andere Clients von anderen Entwicklern nutzen. 

Entwickler und Miner kann man, mit unterschiedlichen Aspekten im Hinterkopf, mit den Königs- und Priesterrollen ein wenig assoziieren. Entwickler sind Priester  in der Hinsicht, dass sie das Protokoll, wenn man so will, auslegen, indem sie es in Code implementieren. Miner sind Könige, weil sie in der Form der neu generierten Bitcoins Macht haben. 

Auch umgekehrt könnte man es betrachten: Die Entwickler als jene, die den Code implementieren und Warten, sind letztlich jene, die die weltliche Gerichtsbarkeit definieren. Die Miner opfern un für Bitcoin Energie, um so die Blockchain weiterzuschreiben. 

Soweit zu Minern und Entwicklern - doch kann man Node-Hoster wirklich mit Propheten gleichsetzen?

Schon hier sollte man etwas betonen: Alle drei Gruppen - die Entwickler, die Miner und die Node-Hoster - teilen sich die Macht. Sicher, die Node-Hoster können nichts ohne einen Bitcoin Client machen, der zumindest kompatibel zum allgemein verwendeten Bitcoin Core Client ist. Ebenso sind nicht sie es, die die neuen Blöcke finden und den so genannten Mining Reward erhalten. 

In der Hinsicht könnte man sich fragen, ob die Node-Hoster nicht sowas wie die Bauern des Mittelalters sind. Statt Feld pflügen muss man nun Blockchain speichern. Na toll. 

Doch die Aufgabe ist deutlich mehr. Letztlich sind es die Node-Hoster, die durch die Wahl des Bitcoin Clients und der Variante sowohl Entwickler als auch Miner ein wenig kontrollieren können. Sie sind letztlich Propheten die durch ihre Entscheidung große Könige zu Fall oder große Priester zur Räson rufen können. 

Diese Möglichkeit ist nicht nur hypothetischer Natur. Das letzte Mal, als sich die Macht der Node-Hoster zeigte, ist erst fünf Jahre her. 

Shaolin Fry - der Amos der Blockchain-Geschichte


2017 war ein Jahr, welches stark durch die Blocksize Wars geprägt war. Die Blocksize wars waren eine Art Bürgerkrieg, welcher die gesamte Bitcoin-Commhunity bewegte. In diesem Disput ging es um die Frage, ob man die Größe der Bitcoin-Blöcke erhöhen sollte. Die Bitcoin-Blöcke sind auf rund 1 MB limitiert. Durch den endlichen Platz passen in die einzelnen Blöcke nur begrenzt viele Transaktionen. Dies sorgt für hohe Transaktionsgebühren bei einer hohen Nachfrage und dazu, dass manche Transaktionen ewig warten müssen, bis sie endlich in einen Block kommen und so Teil der Blockchain werden. 

Eine mögliche einfache Lösung war die simple Erhöhung der Block-Größe. Sollte man beispielsweise 2 MB große Blöcke akzeptieren könnte man wenigstens doppelt so viele Transaktionen in der selben Zeit bearbeiten. 

Auf den ersten Blick klang dies vernünftig. Mit größeren Blöcken kamen jedoch andere Schwierigkeiten. Zum einen war es auf die Weise auch aufwändiger, einen Block zu finden. Der ohnehin von wenigen Playern dominierte Mining-Markt wäre so noch etwas zentralisierter geworden. Zusätzlich würde ein vergrößern der Blockgröße aber auch bedeuten, dass die Speicher-Anforderungen für Node-Hoster größer werden würden. "Ein zusätzlicher Megabyte pro Block" würde, bei neuen Blöcken alle zehn Minuten, bedeuten, dass die Blockchain jede Stunde um sechs, jeden Tag um 144 MB und jeden Monat um ca vier Gigabye mehr wachsen könnte - mal ganz davon abgesehen, dass größere Blöcke auch ein Problem bei der Synchronisierung von neuen Blöcken über das gesamte Netzwerk bedeuten würden. Dies würde eine flächendeckende Adoption von Bitcoin-Nodes noch mehr aufhalten als es jetzt schon der Fall ist. Nutzer würden zu zentralisierten Diensten wie Coinbase gehen - und letztlich hätte man nicht viel mehr gewonnen als bei einer klassischen Bank. 

Ein Alternativvorschlag war die Einführung des so genannten Segregated Witness-Protokolls. Es würde zu lange dauern, um hier auf die Details einzugehen, kurz gefasst wäre über dieses es möglich, quasi auf der Bitcoin-Blockchain aufbauende zusätzliche Protokollebenen zu definieren, welche, ebenfalls dezentral abgewickelt, Transaktionen quasi instantan ermöglichen. Das Ganze nennt sich, für jene, die hier gerne mal googeln wollen, Lightning Network.  

Der Vorschlag stieß gerade den größeren Mining-Unternehmen nicht auf eine besondere Beliebtheit. Nicht nur die Möglichkeit, hier durch eine stärkere Zentralisierung an Macht zu akquirieren, war attraktiv. Gerade für das damals größte Mining-Unternehmen, Bitmain, würde Segregated Witness bedeuten, dass man eine Art bis dato ausgenutzte Lücke im System (Wer es genauer lesen will, kann dies hier tun) nicht mehr hätte ausnutzen können. 

Wie man es auch in anderen Fällen kennt haben die unterschiedlichen Big Player versucht, einen diplomatischen Konsens zu finden. Und wie so häufig hieß diplomatischer Konsens, dass die Powers that be dabei als Gewinner heraus gingen, die breite Masse aber leer ausgeht. Es wurde deshalb ein absurder Kompromissvorschlag namens New York Agreement getroffen, bei der sich namhafte Vertreter der Miner und der Entwickler auf einen konservativen Zeitplan unter dem Namen Segwit 2x einigten. Er sah vor, dass man, plump ausgedrückt, irgendwann Segwit macht und die Blockgröße auf 2MB erhöht. Eine "salomonische" Enscheidung aus dem Blickwinkel der Großen. Dazu kam, dass gerade der Mining-Riese und Mining-Equipment-Hersteller Bitmain recht schnell den Eindruck vermittelte, dass es an dem Versprechen, Segregated Witness einzuführen, nicht festhalten würde. 

Es sah also alles nach einem Sieg der Großen aus - bis zum BIP 148. Ein BIP - Bitcoin Improvement Proposal - ist, ähnlich wie in der Welt des Internets ein RFC, ein stark konkretisierter Vorschlag zur Verbesserung von Bitcoin. Der BIP 148 wurde von einem bis dato eher unbekannten Entwickler unter dem Pseudonym Shaolin Fry veröffentlicht. Er sah vor, dass Miner in den gefundenen Blöcken eine grundsätzliche Akzeptanz gegenüber der Protokolleinführung von Segregated Witness artikulierten. Taten sie das nicht würde per Protokolländerung kein Block von Minern, welche gegen Segregated Witness wären, akzeptiert werdern. Bist Du nicht für uns, bist Du gegen uns. 

Viele Node-Hoster, die in den vorgeschlagenen Entwicklungen ein Risiko einer Zentralisierung von Bitcoin sahen, aktivierten BIP 148 in ihren Nodes. Das ganze nannte sich  User-Activated Soft Fork oder kurz UASF, was man grob als Nutzeraktiviertes Protokollupdate übersetzen kann (Der Bitcoin-Aficionado verzeihe mir, dass ich nicht auf Soft Fork und Hard Fork eingehe. Gegebenenfalls schreibe ich dazu einen eigenen Artikel) Dies setzte die Miner - auch Bitmain - unter Zugzwang, schließlich war es besser, ein ggf etwas kleineres Stück vom Kuchen zu haben als gar nichts vom Kuchen zu bekommen. Der Rest ist Geschichte: Bitcoin aktivierte Segregated Witness (Was zu einem Schisma führte, aber das ist für einen anderen Blogbeitrag), was auch den Weg für das Lightning Network ebnete. 

Shaolin Fry verschwand wieder in der Versenkung. Quasi als Abschied twitter er noch "Bitcoin UASF demonstrated that users armed with code are more powerful than a billion dollar ASIC manufacturing cartel. #nodesrule" ("Bitcoin UASF zeigte, dass Nutzer mit Code bewaffnet mächtiger sind als ein milliardenschwerer Hersteller von Mining Equipment" frei übersetzt). 

Bitcoin - ein Modell-Protokoll, welches Propheten berücksichtigt


Doch irgendwie erinnert sein Auftreten an das der Propheten. Er sagte das, was zu sagen war und trat gegenüber den Mächtigen seiner Zeit auf. Er korrigierte, wo jene anderen großen Ämter im Bitcoin-Ökosystem versagten. Wie eine Stimme in der Wüste rief er auf, Segregated Witness die Straßen zu ebenen. 

Bitcoin kann hier auch der Menschheit zeigen, wie  diese unterschiedlichen Ämter - König, Priester und Prophet, zusammenarbeiten können, ja, müssen. Wie ich an anderer Stelle schrieb müssen die Mächtigen in der Welt ein Ohr für das von außen kommende Korrektiv haben - und gegebenenfalls ihr Handeln korrigieren. Leider ist es jedoch aktuell so, dass niemand auf das "Mene, Mene Tekele Upharsim" an der Wand der neuen Belsazaars achten würde. Die Propheten würde man nicht anhören, sie hätten kein Forum, über das sie angehört werden würden. 

Und selbst wenn sie es hätten - irgendein Nischenforum ist ein Stammtisch. Dies würde nichts bewirken. 

Bitcoin zeigt hier eine Alternative auf: Wenn die Kommunikations- und Wertschöpfungsprotokolle der Welt so ausgelegt werden, dass jeder theoretisch seine Stimme erheben kann - auch im Schutz der Anonymität und dass ein danach Handeln auch für die geistige und weltliche Macht Konsequenzen hätte, dann würden die Stimmen von Außen, die Seher und Propheten der heutigen Zeit, wieder relevanter sein. Man würde auf sie hören. Denn man würde wissen - sie ignorieren kann man nicht. 

Dienstag, März 08, 2022

Hilf uns im Streite - St. Michael und die aktuelle Krise

Das Gebet zum Erzengel Michael gehört irgendwie zu meinem Arsenal wenn es um unheimliche Situationen geht. Sei es ein mulmiges Gefühl nach Anschauen eines weirden ARG Marke Slenderman, sei es, dass man sich in seiner Wohnung auf einmal extrem unwohl fühlt - immer hat das Gebet, welches auf Papst Leo XIII. zurückgeht, mir helfen können.

Das Gebet ging so stark in Fleisch und Blut über, dass ich es in Alpträumen bete. Vor einiger Zeit - ich las gerade das rote Buch von Carl Gustav Jung - hatte ich mehrfach in verschiedenen Varianten einen Traum, dass mich der Leibhaftige überwinden wollte. Ich betete das Gebet, häufig im Traum wie um die richtigen Worte ringend und wachte jedes Mal auf, wenn ich Amen sagte.

Obschon der Kontakt zum inneren Schatten fruchtbar sein soll habe ich nach wiederholten Träumen in der Richtung die Lektüre des roten Buches abgebrochen. Zu stark war mir der Tobak. Was aus dieser Zeit blieb war, dass neben meinem Bett nun immer mein Smart Phone liegt. Sollte ich aufwachen und mich an einen Traum erinnern können nehme ich mir nun Notizen auf. Das Ganze ist nun auf eine Sammlung an fast 500 Audiosnippets gewachsen. Vernerdet wie ich nunmal bin schreibe ich mir die Themen auf, versehe diese a posteriori angelegten Traumtagebücher mit Tags und kann so sehen, welche Themen in meinen Träumen häufig vorkommen und welche nicht. Schrieb CG Jung noch "Man and his symbols" und Viktor Frankl "Mans search for meaning" werde ich wohl "Man and his hobbies" und "Mans search for Nerddom" schreiben. Whatevs.

Die Rückkehr der Dämonen und die Antwort von St. Michael


Am 20. Februar 2022 habe ich seit langer Zeit mal wieder einen sehr weirden Traum gehabt. Wie so häufig in Träumen hatte das Ursprungsthema nichts mit dem späteren zu tun, deshalb springe ich gleich zum Ende.

Ich träumte, dass auf den Smartphones aller Menschen ein unheimlicher Mensch mit Hoodie erschien. Man sah nicht seine Augen, man konnte kaum etwas von seinen Gesichtszügen ausmachen. Auf den Smartphones aller Menschen näherte sich diese Figur dem Bildschirm, quasi um aus diesem virtuellen Raum in die Realität auszubrechen.

Im Traum wusste ich, dass es sich hierbei um den Teufel handelte. Ich fing also an, zum Heiligen Erzengel Michael zu beten. Im Hintergrund der Handybilder sah man während dieses Gebetes, wie ein Engel mit einem Flammenschwert erschien. Man sah, wie nach und nach das unheimliche Bild durch einen Feuerschein erleuchtet wurde. St. Michael stieg herab vom Himmel um die Menschheit zu retten.

Ich versuchte befreit zu lächeln, jedoch war das Beten, wie es oft in den Träumen war, zu anstrengend und so fletschte ich eher in einer Art geistigem Kampf die Zähne. Wie auch in den anderen Träumen wachte ich, nachdem ich "Amen" betete, auf.

Der Kampf auf mehreren Ebenen


Der Traum beschäftigt mich - mehr als die Träume, welche ich 2020 hatte. Erstens war ich, anders als zu den damaligen Träumen, nach diesem heiter und konnte bald einschlafen. Irgendwie schwang, trotz des absurden Themas, eine Hoffnung mit.

Zweitens habe ich mehrfach an den Traum nach den katastrophalen Entwicklungen in der Ukraine gedacht. Die Welt steht an einem Scheideweg. In die eine Richtung kann es zum dritten Weltkrieg, zu Katastrophen ohne Ausmaß und zu unglaublichen Leiden führen. In die andere Richtung kann die Ära des Friedens weiter gehen - und vielleicht dabei wirklich eine großartige, neue Zeit für die Menschheit kommen.

Wir sind mehr und mehr durch die Nachrichten in den Medien beeinflusst. Marshal McLuhan sagte, dass der Mensch im Globalen Dorf in einem Zustand konstanten Terrors leben wird. Kein Wunder, dass viele das innere Exil suchen und aus diesen Cesspools der sozialen Medien ausbrechen. Ich tat es auch, so dass man mich auf Facebook und Twitter nicht mehr finden wird.

Vielleicht ist das ein Teil der Antwort. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir, die Botschafter von dem Christus, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist, einen Auftrag haben. Wir müssen diese Welt mitprägen. Wir können dafür sorgen, dass die grandiosen Technologien von heute und morgen zum Guten der Menschheit genutzt werden - und so Werkzeuge Gottes und nicht des Teufels sind. Entsprechend sollten wir nicht einfach die innere Emigration wählen, sondern - selbst wenn wir uns von den sozialen Medien verabschiedet haben - in irgend einer Form einen Kontrapunkt setzen. Ich blogge aktuell kaum, versuche aber, wie auch mit diesem Beitrag, auch nur dann etwas zu schreiben, wenn ich meine, dass dies nicht einfach in der "Blogozöse" teilenswert ist. Ähnliches können wir alle machen.

Doch insbesondere die spirituelle Lektion, die ich in meinen Träumen lernte, lässt mich nicht in Ruhe. Wir wissen, in welchem Moment Papst Leo XII. das Gebet an den Heiligen Erzengel Michael geschrieben hat. Wir wissen, wovon das darauf folgende Jahrhundert geprägt war. Und wir wundern uns, dass dieses Gebet, welches wie ein Gebet für unsere Zeit sein könnte, aus der Liturgie der Kirche verschwunden ist.

Mir geht es jetzt weniger um Liturgiereform vs. alter Ritus (oder ordentliche Form vs außerordentliche Form oder Whatevs), sondern im positiven um diesen Engel, dieser zentralen Gestalt im Kampf zwischen Gut und Böse. Jüngst saß ich in der Kirche und dachte an diese absurde Situation innerhalb eines Reenactments der Apokalypse. Innerhalb kürzester Zeit erleben wir das nun wieder. Und wieder sitze zumindest ich die meiste Zeit in Jogginghose zuhause bzw. gehe meinem sonstigen Tagesgeschäft nach. Es ist wie ein seltsamer Widerspruch. Stell Dir vor, es ist Apokalypse und Du bist im Schlabberlook.

Ja, das Gericht kommt wie der Dieb in der Nacht (fun fact: Ich penne gerne in Jogginghosen) und auch der Teufel erschien mit seinem tief ins Gesicht gezogenen Hoodie wie ein solcher. Doch wir können diese Nacht zum Leuchten bringen. Wir können jenen, dessen Ruf מי כאל durch den Himmel hallte, anrufen und so die Finsternis vertreiben. Und so bemühe ich mich nun, jeden Tag für den Frieden in der Ukraine, in Europa und in der ganzen Welt zu beten:

Heiliger Erzengel Michael

beschirme uns im Kampfe

gegen die Bosheiten und die Nachstellungen des Teufels sei Du unser Schutz.

"Gott gebiete ihm" - so bitten wir flehentlich.

Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,

stürze den Satan und die anderen bösen Geister

die durch die Welt ziehen

um die Seelen zu verderben

mit der Kraft Gottes hinab in die Hölle.

Amen