Sonntag, März 07, 2021

Beyond Canon oder von einer Welt, die auf etwas wartet

 Wer Zeit hat kann gerne mal anfangen, das Webcomic Homestuck lesen. Es ist gut und lang. SEHR, SEHR lang... und es gibt sogar noch nen Zweiten Teil!

Unabhängig von dieser Empfehlung muss ich an den Epilog denken. In jenem steht der Hauptprotagonist irgendwann von der Wahl, ob er Fleisch oder Süßigkeiten essen soll. Das Fleisch ist halbroh, blutig und kaum zu kauen - und nach und nach wird klar, dass der Protagonist vielleicht ein gewaltiges Opfer bringen muss (sorry für den Spoiler).  

Das Webcomic spielt gerne mit alternativen Erzählmethoden, so dass der Leser auch die Süßigkeitenoption wählen kann. Diese schmecken dem Protagonisten sehr gut, alles wird schön, alles wird happyhappyjoyjoy.... aber mehr und mehr manifestiert sich, dass die Welt nicht mehr dem gewollten Lauf der Dinge folgt. Dass die Erzählung sich aus dem Kanon entfernt und absurder wird. 

Ich muss immer öfter an diese Geschichte denken... die Geschichte, die nicht mehr ihrer Geschichte folgt. Da dies jedoch ein Widerspruch ist rutscht sie immer mehr ins absurde... und irgendwie finde ich das die korrekte Beschreibung für die Welt...

Es ist als hätten alle den Verstand verloren, sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden

singt Reinhard Mey im Lied Das Narrenschiff. Aber es ist nicht einfach das sozialkritische, nicht einfach ein Meckern über "the powers that be" oder so, irgendwie ist doch seit nun einem guten Jahr die Welt absurd geworden. Seit einem Jahr sind banale Gesten wie Händeschütteln, das Umarmen von Freunden, das Sitzen in einem Café, der Absacker nach einem langen Tag und so vieles anderes nicht mehr Teil der Welt. Der sonntägliche Messgang kann zwar wieder stattfinden, aber nur unter Auflagen. Die Gemeinde singd nicht mehr. Der Lockdown, der selbst begeisterte Befürworter dieser Strategie gegen die Pandemie inzwischen mürbe machte, wird nun in manchen Artikeln als tolles Mittel gegen den Klimawandel gefeiert, welches man regelmäßig einsetzen sollte.

Und damit ist es nicht genug: Im Geiste der Cancel Culture wird alles, was auch nur entfernt dem aktuellen Mainstream im Weg stehen könnte unterdrückt. Wir leben in einer Zeit der Zensur auf den großen Plattformen, in welcher Google offen zugibt zu lügen, wenn es die Agenda braucht. In Artikeln wird offen darüber gesprochen, dass Kinder zwar niedlich sind, aber schädlich für die Umwelt sind

Und irgendwie habe ich auch in der Kirche den Eindruck, dass die Welt ins Absurde fällt: Wir leben nun schon das achte Jahr mit einem Papa emeritus, der für einen ehemaligen Papst, der sich schweigend zurückziehen wollte, ziemlich redselig ist. Der eigentliche Papst ist aktuell im Nahen Osten und veranstaltet ein interreligiöses Treffen in Ur. Dass hier nicht nur Franziskusfresser, sondern auch etwas, ich sag mal bibelsensitive an Babylon etc. denken müssen wundert nicht...

Und eben, es ist nicht einfach eine traurige oder besorgniserregende Entwicklung. Ich habe gerade die letzte Folge von IT-Crowd gesehen. In dieser zweifelt Roy irgendwann an dem, was ihnen passiert. Dass es doch immer sehr seltsame Dinge sind, die nicht normalen Leuten passieren. Und so ähnlich geht es hier einem doch auch. 

Wie in der obigen Serie Homestuck hat man den Eindruck, dass die Welt den Kanon verlassen hat, dass wir uns aktuell in einem wirren Universum mit seltsamen Fan-fictions über den Lauf der Welt bewegen, die manchmal dem Kanon ähnlich sind und manchmal nicht. 

Und der Vergleich hinkt nicht einmal: Die Welt, welche sich an vielen Stellen so weit von Gottes Plan entfernt hat, bewegt sich nun in einem Raum ohne diesen Plan. Sicher, hier und da sieht man Ideen, die dem ähnlich sind, aber auch viele abstruse Interpretationen oder Theorien, die weit von dem Plan Gottes entfernt sind. Es ist der Raum jenseits des Kanons. 

Dieser Raum jenseits des Kanons kann aus sich heraus nicht weitermachen. Wenn Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ist alles andere jenseits dieses Weges. Entsprechend wird man ohne ihn nicht vorankommen. Die Geschichte tritt auf der Stelle und jeder Versuch, sie weiter zu schreiben, bringt den Plot nicht weiter. Kein Wunder also, dass die Versuche, den Plot weiter zu schreiben, immer absurder werden. 

Wirklich deprimiert muss man jedoch nicht sein. Ich bin davon überzeugt, dass auf die Welt großes wartet. Man fühlt sich an Röm 8,22 erinnert: Man hat den Eindruck von einer Welt in Geburtswehen, dass irgendwas großes passieren muss, um die Welt wieder zurück in den Kanon zu bringen. Und mit Paulus bin ich überzeugt, dass die Absurdität der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Und dass auch die Schöpfung selbst auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet. Die Welt wird wieder zum Kanon zurückkehren, davon bin ich überzeugt. 

Samstag, März 06, 2021

Lebenszeichen, gegen bloat und weirde Musik

 Yessas (oder Jessas? dunno, lel), wieder n halbet Jahr seit meinem letzten Post vergangen? Es ist nicht so, dass ich wieder das bloggen aufgeben möchte, aber erstens habe ich ne Menge zu tun, und zweitens krepel ich seit Monaten an Artikelideen herum, die jedoch irgendwie mir noch nicht gefallen. Na ja, vllt veröffentliche ich sie einfach. 

Ebens meditiere ich darüber - frei nach dem Motto Junior Kellys Exile -, die Plattform Blogger zu verlassen und irgendwo EXTREMST OBSKUR zu bloggen. Keine Sorge, ich würde da schon irgendwie Bescheid geben, aber kann gut möglich sein, dass man mich dann diesbezüglich auf Gopher oder im Rahmen des Gemini Protokolls findet. Oder ich setze was minimalistisches, self-hosted auf. 

Hat weniger mit Verfolgungstheorie zu tun (auch oben genannter Junior Kelly recht hat, wenn er sagt, "Mystery Babylon ah get vile"). Es geht eher um #unfucktheinternet, den Kampf gegen das Bloated web etc. Ehrlich, wenn ich sehe, dass Blogs, die auf Text und ggf wenigen Bildern aufbauen, ewig zum laden brauchen, wenn Textbasierte Protokolle wie Whatsapp, Telegram etc. über Edge-Netz schon nicht mehr funktionieren, dann sehen wir eine Fehlentwicklung. 

Fehlentwicklung ist vielleicht zu hart; es ist ganz normal, dass Menschen mit steigenden technologischen Fortschritt alte Disziplinen vergessen - auch, weil sie sie irgendwann vergessen können. Speerspitzen aus Stein kloppen war nicht mehr so interessant, alls man Metall zu Speerspitzen schmieden konnte - und das ist eine vollkommen gute entwicklung. Ich spreche mich nicht dafür aus, dass man alle alte Technologie nur aus Liebe zum Alten aufrecht erhält. 

Aber man muss halt auch die Frage stellen, für was welche Technologie sinnvoll ist. Bücher erfreuen sich weiterhin einer gewissen Beliebtheit, auch wenn es EBook-Reader gibt. Und dahinter steht nicht einfach eine Kritik des Neuen. Auch wenn ich beileibe kein Papierfetischist bin (geil, ne neue Artikelidee, mit der ich bestimmt GANZ VIELE NEUE FREUNDE finde) und vieles auf meinem Smart phone lese, meinen Remarkable liebe und auch Zeug wie Blinkist nutze - bestimmte Bücher habe ich gerne in Papierform. Blättern ist was tolles! 

Und so ähnlich ist es mit eher textbasierten Medien. Man muss das nicht über zentralisiert gehostete Serverdienste machen, man braucht hier keinen übertriebennen Überbau. 

Ebenso finde ich, dass es zu St.Dymphna und diesem Blog eigentlich ganz gut passt, in irgendeiner weirden Nische des Internets zu hocken. Das war ja auch damals beim Bloggen 2005 so ne Sache. Nicht viele haben gebloggt und soziale Medien waren noch in den Kinderschuhen. Wir haben uns seitdem sehr weit entwickelt, die Frage ist bloß, ob dies immer die korrekte Richtung der Entwicklung war. 

Ja, sicherlich sind derartige Gedanken auch durch anderre Dinge motiviert: Seit einiger Zeit entdecke ich mehr und mehr die minimalistische Linux-Welt für mich (I use Arch btw) und werde in diesem Zusammenhang mehr und mehr zu einem Commmand-Line-Maximalisten. 

Die Kommandozeile in Linux ist eigentlich mMn schon vor Jahren das gewesen, was Siri, Cortana oder ähnliche Tools auf dem Desktop tun wollen (klar, mit Spracheingabe zusätzlich, die ich aber ohnehin, wenn ich tippe, wenig nutze): Eine zentrale Anlaufstelle, über die der Nutzer komplexe Anfragen an das System stellen kann. Im Fall von Bash und Co (zsh, ppl!) sind diese Anfragen dazu noch selbst konfigurierbar oder können in Programme integriert werden. Grandioses Gefühl, wirklich Herr über die Workflows sein zu können. 

Schließlich kennt mich der langjährige Leser: I am a bloody nerd. Gerade hörte ich Christs Dawn von Reverorum Ib Malacht, einer sehr weirden katholischen Black Metal Band. Ich liebe das obskure und bin davon immer wieder angezogen. So würden dann gopher oder Gemini durchaus passen. Aber wer weiß, vllt bleibe ich der normalen Internetwelt erhalten. Schaumermal ;) 

Abschließend nochmal zur Ursprungsfrage: Mir geht es fein, ich bin auch weiterhin ein braver Katholik, der heute hoffentlich den zweiten Sühnesamstag in seinem Leben hinter sich bringt und seit November die 15 Vaterunser, welche auf die Hl. Birgitta von Schweden zurückgeführt werden, betet. Ich hoffe aber, dass ich den einen oder anderne Artikel bald mal fertig schreibe.