Sonntag, November 24, 2013

Die Zeitung der Blöden über die Kapelle der Qualen

Ich bin ja an sich nicht der Freund von Sticheleien gegen Bild, BZ und wie sie alle heissen. Meiner Meinung nach ist es amüsant, wenn Leute, die jedes Wort aus dem Spiegel/der Süddeutschen/der Zeit glauben, die berüchtigte Springerpresse als Feind des "Selberdenkens" kritisieren.

Heute habe ich gelernt (selber denken! nicht wahr?), daß natürlich auch der Umkehrschluß nicht stimmt - Zeitungen wie Bild und BZ werden durchaus ihrem zweifelhaften Ruf gerecht. So schrub die BZ vor kurzem über einen Besuch im Haus des Opus Dei in Berlin.  Der Artikel ist nicht lang - hurr durr Springerpresse, möchte man meinen -, ihr könnt ihn selbst lesen, aber neben der Überschrift (die in abgewandelter Form diesen Blogpost ziert) möchte ich euch zwei Ausschnitte nicht vorenthalten:

Der brutale Film "The Da Vinci Code - Sakrileg" hat die geheimnisvolle Organisation bekannt gemacht. Ein Opus-Dei-Mönch zieht mordend durch Paris, geißelt sich bis aufs Blut mit einer Peitsche.
The Da Vinci Code wird immer noch in diesem Kontext zitiert, köstlich! Aber das schönste ist dann, daß man sich nicht zu blöd ist, nicht mal den "Mönch" zu korrigeren.

Eine Villa in Grunewald, geschützt von Zaun und Hecke. 
 Das ist ja auch was sehr besonderes, welche Villa in Grunewald gönnt sich sonst solche sinistren Wege der Verschleierung? Ich mein, bis auf das Opus Dei würde ja niemand auf den ganz abstrusen Gedanken kommen, ein Haus, daß einen umgebenden Garten hat, mit einen Zaun zu umgeben - und dann noch eine Hecke, Gott der Gerechte!

Meine Herren, hat das euer Praktikant verfasst? Verzeihung, es war Lukas Hermsmeier. Er denkt, es würde seiner Karriere besonders gut tun, wenn er über ein Mitglied des Opus Dei in einem Hetzartikel schreibt, wo dieses Mitglied arbeitet (Zitat: "Eine eigene Familie hatte der Augenarzt (Praxis in Wedding) nie", mit Nennung von Namen im Kontext). Eigentlich schade.

PS: Die BZ ist genausoviel eine "Zeitung der Blöden" wie die Kapelle des Opus Dei eine "Kapelle der Qualen ist: Überhaupt nicht. Jedoch, Herr Hermsmeier, das sollten auch Sie wissen.

Samstag, November 23, 2013

Moments in Nerd History

Tragikomik pur: 1970 schrieb jemand im Alter von 16 Jahren eine Geschichte, die in einem einfach aufgemachten Fanzine. Die Geschichte erlangt zweifelhafte Berühmtheit durch grandiose Sätze wie "Small rodents scampered about, occupying themselves in the daily accomplishments of their dismal lives.", gilt als Heiliger Gral der Trash-Szene, vergleichbar mit Surf Nazis must die, The Room oder Pudelmützenrambos (um ein paar Beispiele aus der Welt des Films zu nennen). Sie verbreitet sich mehr und mehr, es entwickeln sich Trinkspiele um diese Geschichte. Es gibt eine MST3K-Version. All is fun and games.

Der Autor, Jim Teis, geboren 1953, hat eine einzige Fantasy-Geschichte geschrieben, eben "The Eye of Argon". Danach hat er sich nie wieder als Schriftsteller versucht, vermutlich aus Unsicherheit. Auch wenn ihm die Berühmtheit der Geschichte nicht lieb war, hat er manche Lesungen veranstaltet. Er wurde Journalist und starb 2002 nach nicht einmal fünfzig Jahren.

So sehr ich auch bei einigen Formulierungen schmunzeln muß, bleibt mir doch das Lachen im Hals stecken. Es zeigt einem, daß Lachen auch Wehtun kann, daß sehr oft es dann doch Menschen sind, auf dessen Kosten man sich amüsiert. Nicht, daß ich das per se verbieten will, aber mir hat diese Episode dann doch gezeigt, daß man, bei allem Schmunzeln über schlechten Stil, unverständliche Plot Twists und ähnliches man im Hinterkopf haben sollte, daß ein lautes Lachen ob der Unbeholfenheit eines Autors auch eine Art sein kann, seinen Bruder "Du Dummkopf" zu nennen. So wie man den Sünder lieben, die Sünde aber hassen sollte, zeigte mir diese Episode, daß bei den ganzen Ed Woods, Tommy Wiseaus, Jim Teissens und so weiter man über die Qualität ihrer Ergüsse, jedoch nicht über die Macher, lachen sollte. Man kann sich auch bei sowas an die eigenen Schwächen erinnern und überlegen, wie weit man mitlachen wollen würde.

Ruhe in Frieden, Mr. Teis! "I hope you embraced our creator in the elysian plains of heaven, scribe."