Deutschland, Erde (oxylorianische Presseargentur):
Heute kulminiert in Deutschland ein interessantes Stück Brauchtum, was in den letzten zwei Jahrhunderten einen Siegeszug über den gesamten Planeten angetreten hat - vergleichbar mit der Fehlidentifikation eines verstorbenen terranischen Heiligen als "Weihnachtsmann". Es nennt sich "Wahlkampf". Teilweise erinnert es an das Brunftverhalten terranischer Tiere, bei dem Männchen um die Gunst paarungswilliger Weibchen buhlen, um ihrem Samen im Kampf der Evolution eine weitere Generation Überrlebenschance zu verschaffen. In diesem Brauchtum geht es jedoch darum, daß gewisse Parteien, die als "vom Volk gewählt" bezeichnet werden, um so genannte "Stimmen" buhlen, mit dem Ziel, es eine weitere, so genannte "Legislaturperiode" weiter zu schaffen.
Es geht bei dem Brauch aber um deutlich mehr als um kryptoevolutionäres Verhalten: Dieses Brauchtum ist ein wichtiges Ventil für die normalen Menschen, eine Chance, aufzuatmen. Ähnlich dem interessanten antiken Brauch, daß an einem Tag im Jahr der Haussklave Herr spielen darf, wird hier suggeriert, daß der einfache Bürger bei dieser Wahl mitspielen darf. Es ist eine Demutsgeste, die Herrschaft sichert, analog zum vom König ausgerichteten Festessen mit ausgewählten Bettlern.
Der Sklave, der Bettler und der Bürger braucht diesen Tag in periodischen Abständen. Er gibt ihm Hoffnung, daß er vielleicht nicht mehr als ein Zahnrad im Getriebe, aber immerhin ein wichtiges Zahnrad im Getriebe ist.
Da nun dieser Brauch für den einen herrschaftssichernd, für den anderen Hoffnung schenkend ist, kann man sich vorstellen, wie wichtig dieser Brauch dem deutschen Volke und seinen Regierenden ist.
Was jedoch passiert, wenn der Sklave dem Herrn sagt: "ich will heute nicht Herr spielen"? Wie reagiert der König, wenn der Bettler nicht mit dem König an einem Tisch essen will, weil er meint, er wird morgen eh wieder Bettler sein, weil er was anderes vorhat oder weil er eigentlich lieber im Dreck isst? In Alten Zeiten war das Wort des Herrn und das Wort des Königs Befehl und Befehlsverweigerung wurde streng geahndet - wichtig ist an dieser Stelle zu betonen, daß in diesen alten, längst vergangenen Zeiten der Fehler natürlich immer beim Sklaven und Bettler zu suchen war.
Diese Zeiten sind nun, glücklicherweise für die deutschen Terraner, vorbei, er darf ja nun zwischen verschiedensten Optionen wählen. Hier kommen wir übrigens zu einem interessanten Teilaspekt dieses Brauchtums: die verschiedenen Optionen drücken oft dasselbe nur in anderen Worten aus - ein Aspekt, der oxylorianische Kulturforscher schon früh zu dem Schluß führte, daß es sich hierbei um ein Volksfest und keine reale Wahl handelt, ähnlich dem Essen mit dem König und dem Spiel mit dem Sklaven.
Was aber, wenn sich der Bürger weigert, an diesem Brauch teilzunehmen? Wie schon erläutert, ist der Brauch der Wahl von zentraler, stabilisierender Bedeutung. Wenn nun ein Bürger nicht wählt - sagen wir, er hat von diesem Volksfest einfach genug -wie verhält sich dann die Regierung? Hier ist wichtig zu betonen, daß sich seit den Zeiten der Herren und Könige einiges auf Erden zum Besseren entwickelt hat. So wird ein Nicht-Wähler, wie man solche Leute nennt, nicht hart bestraft. Aber auch dieser Brauch muß, um weiter zu bestehen, sich verteidigen, und hier ist es interessant, zu welchen Mitteln man greift:
- zum Einen werden die Medien in ihrer Rolle als Heilsverkünder genutzt, um auf die Notwendigkeit der Beteiligung an diesem Ritual hinzuweisen. Einmal alle vier Jahre, hat man das recht, seine Stimme zu erheben. Da das derart selten ist, hat man, ähnlich wie der Sklave und der Bauer, dann auch die Pflicht, dies zu tun.
- deutlich wichtiger ist die Zweite Strategie: Ähnlich, wie man die Demut des Sklaven und die Festmahlsablehnung des Bettlers nicht als Entscheidungen basierend auf dem Freien Willen des einzelnen betrachtete, wurde der Brauch so aufgebaut, daß es unmöglich ist, eine andere als die zur Wahl stehenden Entscheidungen zu fällen. Wenn ein Bürger sich der Wahl enthält oder gar das auch auf den für diesen Brauch notwendigen Dokumenten ("Stimmzetteln") durch Unkenntlichmachung erwähnt, rüttelt diese Wahl nicht am Brauch. Es mag zwar betont werden, daß des öfteren Politiker sich im Nachgang beklagen, daß wenige Menschen sich an dieser Festivität beteiligen, aber selbst wenn sehr viele Menschen nicht mitmachen, wird der Brauch durchgezogen - der König isst lieber allein als die Bettler zu fragen, was er kochen soll, um es im übertragenen Sinne zu sagen.
- diese beiden Taktiken führen dazu, daß es nicht mehr die Regierung - quasi als hohe Kaste - sein braucht, die auf die indirekte Pflicht, bei diesem Brauch teilzunehmen, hinweist. Der Bürger weist den anderen Bürger darauf hin, ja, er sagt ihm, daß er, wenn er denn nicht daran teilnimmt, ein schlechter Bürger sei. Man habe doch an dieser regulierten Freiheit teilzunehmen, alles andere wäre ja Unfreiheit!
Die Menschen sind immer wieder eine interessante Spezies. Solche regulierenden Bräuche wurden geschaffen, um die Gesellschaft in ihrem innersten zu stabilisieren. Man hat versucht, Tugenden wie Demut und moralisch integres Verhalten mithilfe dieses Rituals zu gewährleisten. Ob das für immer klappen wird, wird die Zukunft zeigen. Falls es dies tut, sollte der hochverehrte Generalstab unserer interstellaren Truppen dies bei der Eroberung von Terra bedenken: Man kann sehr wohl allein regieren, wenn man nur das terranische Brauchtum respektiert.
-- PS: Keine Sorge, liebe Leser, ich gehe wählen, aber dieses Insistieren sowohl diverser von Bund und Ländern subventionierter Aktionen "pro Wahl" als auch die Aufrufe auf Facebook etc "bloß nicht seine Stimme zu verschenken" finde ich doch recht amüsant.
Und ja, wie angedeutet bei unseren werten Außerirdischen Oxylorianern, ich würde vielleicht diesmal nicht wählen, wenn ich wissen würde, daß diese Nicht-Wahl eine Konsequenz nach sich ziehen würde. Wenn aber Vertreter der Parteien darauf nur mit "Enttäuschung" reagieren, statt sich zu fragen, ob nicht vielleicht sie die Schuld an der Poltikverdrossenheit in unserem Land tragen, dann bringt Nichtwählen nichts und man darf wenigstens getrost bei diesem Festakt unserer Freiheit teilnehmen.
Sonntag, September 22, 2013
Sonntag, September 15, 2013
Vergessene Ideale (falls man sie je hatte)
Ich stöbere gerade, mich um Arbeit an Paper bzw Canopy drückend (hallo, es ist Sonntag morgen!) die alten Blogbeiträge durch und stolperte dabei über einen Beitrag über den linksaußen-Liedermacher Quetschenpaua. Da ich vor ca einer Woche ein Zitat von selbigem an einer Lobedaer wand gesprüht gefunden habe, ist das doch allein ein Zeichen, daß ich mal wieder über ihn bloggen soll.
Das Zitat an der Wand war aus dem Lied Silvio, in dem es um den Mord an Silvio ("von stolzen Deutschen, die sich später selber stelln") und die Antwort der Autonomen.
Nun standen die ersten zwei Zeilen der letzten Strophe an jener Wand in Lobeda:
"Die die sterben, die werden weiter leben / in unseren Kämpfen, unseren Herzen sowieso"
Das Lied geht an sich noch weiter, und den wichtigen Part werde ich gleich mal fett drucken:
"und die, die leben, die müssen weiterkämpfen / bis zum Sieg, vielleicht mal irgendwann, irgendwo.
doch gilt es auch darauf zu achten / und ich hoff, daß das noch so viele kapiern'
daß wir nicht mal so skrupellos werden / wie diese Nazis oder die, die uns regiern'
Ich fand es bezeichnend, daß das in Tagen, in denen Autonome ziemlich dreiste Drohbriefe schreiben, in denen Verbindungsstudenten nachts verprügelt werden (übrigens von mehreren Leuten), daß dann diese Zeile weggelassen wird. Ein Schelm, wer arges dabei denkt!
Das Zitat an der Wand war aus dem Lied Silvio, in dem es um den Mord an Silvio ("von stolzen Deutschen, die sich später selber stelln") und die Antwort der Autonomen.
Nun standen die ersten zwei Zeilen der letzten Strophe an jener Wand in Lobeda:
"Die die sterben, die werden weiter leben / in unseren Kämpfen, unseren Herzen sowieso"
Das Lied geht an sich noch weiter, und den wichtigen Part werde ich gleich mal fett drucken:
"und die, die leben, die müssen weiterkämpfen / bis zum Sieg, vielleicht mal irgendwann, irgendwo.
doch gilt es auch darauf zu achten / und ich hoff, daß das noch so viele kapiern'
daß wir nicht mal so skrupellos werden / wie diese Nazis oder die, die uns regiern'
Ich fand es bezeichnend, daß das in Tagen, in denen Autonome ziemlich dreiste Drohbriefe schreiben, in denen Verbindungsstudenten nachts verprügelt werden (übrigens von mehreren Leuten), daß dann diese Zeile weggelassen wird. Ein Schelm, wer arges dabei denkt!
Bericht über Rückkehrwünsche zur Front
You know the drill: Alle Jahre wieder bat ich die werte Blogozese um Gebet, wenn es hart auf hart mit meiner Diplom- oder Doktorarbeit zuging.
Ich befinde mich gerade in einer Art, sagen wir mal "Selbstfindungsphase". Mein Beruf, obschon nicht wirklich schlecht, zeigt mir, daß das Dasein als Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft nicht so wirklich meins ist. Zwar macht es mir riesig Spaß, mit Simion Elektronen- und Ionenbahnen zu simulieren, auch einiges von dem, was ich über Produktentwicklung und Projektmanagement gelernt habe, ist durchaus interessant, am in der Brust des alten Berliners schlägt nicht nur ein Berliner Herz (ja, meine Lieben, ich habe Heimweh...), sondern auch ein Wissenschaftlerherz.
Ich habe in den letzten Monaten mit meinem Vater über einen Kalibrationssensor nachgedacht und seine Halterung am Ende mit FreeCAD gezeichnet. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, so viel, daß ich mich nun mehr mit Python (ua in Form der Enthought Python Distribution) beschäftigen will. Und mir gezeigt, daß ich mir durchaus vorstellen kann, etwas in Sachen ich-AG in Sachen Meßtechnik zu tun.
Zusätzlich dazu hat mein ehemaliger Diplomant mich vor einigen Wochen angeschrieben und nach einigen Details zum Thema Analyse von thermischen Desorptionsspektren gefragt. Da habe ich wieder Blut geleckt, und seitdem ist das Wissenschaftsfieber wieder da.
Es gibt zwei, drei Dinge, die ich meinethalben auch in der Freizeit machen kann (alte Paper fertigschreiben bzw Co-Autoren in den Hintern treten, ihren Teil der Vereinbarung einzulösen, eine Idee weiterverfolgen und sehne, ob sie papertauglich wird), und generell würde ich, zumindest für einige Zeit, als Postdoc wieder in die Wissenschaft zurückkehren, mit einer Stelle in Berlin.
In der Hinsicht, in Tradition der Frontberichte von 2007 und 2012 bitte ich hiermit um Rückversetzung an die Front! Und um euer Gebet, daß aus diesem Ziel was wird.
Ich befinde mich gerade in einer Art, sagen wir mal "Selbstfindungsphase". Mein Beruf, obschon nicht wirklich schlecht, zeigt mir, daß das Dasein als Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft nicht so wirklich meins ist. Zwar macht es mir riesig Spaß, mit Simion Elektronen- und Ionenbahnen zu simulieren, auch einiges von dem, was ich über Produktentwicklung und Projektmanagement gelernt habe, ist durchaus interessant, am in der Brust des alten Berliners schlägt nicht nur ein Berliner Herz (ja, meine Lieben, ich habe Heimweh...), sondern auch ein Wissenschaftlerherz.
Ich habe in den letzten Monaten mit meinem Vater über einen Kalibrationssensor nachgedacht und seine Halterung am Ende mit FreeCAD gezeichnet. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, so viel, daß ich mich nun mehr mit Python (ua in Form der Enthought Python Distribution) beschäftigen will. Und mir gezeigt, daß ich mir durchaus vorstellen kann, etwas in Sachen ich-AG in Sachen Meßtechnik zu tun.
Zusätzlich dazu hat mein ehemaliger Diplomant mich vor einigen Wochen angeschrieben und nach einigen Details zum Thema Analyse von thermischen Desorptionsspektren gefragt. Da habe ich wieder Blut geleckt, und seitdem ist das Wissenschaftsfieber wieder da.
Es gibt zwei, drei Dinge, die ich meinethalben auch in der Freizeit machen kann (alte Paper fertigschreiben bzw Co-Autoren in den Hintern treten, ihren Teil der Vereinbarung einzulösen, eine Idee weiterverfolgen und sehne, ob sie papertauglich wird), und generell würde ich, zumindest für einige Zeit, als Postdoc wieder in die Wissenschaft zurückkehren, mit einer Stelle in Berlin.
In der Hinsicht, in Tradition der Frontberichte von 2007 und 2012 bitte ich hiermit um Rückversetzung an die Front! Und um euer Gebet, daß aus diesem Ziel was wird.
Donnerstag, September 05, 2013
Das verweigerte Heil
Ich war nun eine ziemlich lange Zeit nicht beichten. Das ist zu einem großen Teil meine Schuld, da ich am Samstag es immer wieder nicht schaffte, zur Beichte zu gehen. Man kann mir dabei sicherlich eine gewisse Lauheit vorwerfen. Ein weiteres Problem ist sicherlich, daß ich hier in Jena nicht den Beichtvater habe, den ich in Berlin kennen- und schätzenlernte (Grund zur Rückkehr nach Berlin Nr 321).
Jedoch gab es nun auch einige Gründe, bei denen ich nicht auf meiner Seite die Schuld sehe, und darüber würde ich gerne heute meckern:
- Vor einigen Wochen war ich mit meiner Liebsten in München. Wir waren rechtzeitig zu einer Beichtzeit in einer Gemeinde, jedoch waren vor uns zwei ältere Damen, die anscheinend ihre Lebensbeichten ablegen mußten. Das kann ich ihnen nicht verübeln, jedoch fand ich es dann doch schade, daß der Priester nach der zweiten Beichtenden an uns vorbeiging, wissend, daß wir nicht einfach so da sitzen. Ja, natürlich, die Beichtzeit war vorbei, aber hm... hätte er nicht mal fragen können, ob wir Lebensbeichten planen?
- Letztes Wochenende waren wir in Köln und wollten eine Beichtgelegenheit in einer Gemeinde wahrnehmen. In der Gemeinde fand jedoch eine Taufe und eine goldene Hochzeit statt. Das ist sicherlich Ausnahmesituation, aber auch schade. Kam man wieder nicht dazu.
- Heute war ich zu einem neu eingerichteten Beichttermin in meiner Gemeinde. Es hieß, daß es nun auch am Donnerstag nachmittags, 17:30-17:50 eine Beichtgelegenheit geben würde. Ok, Philmän war da, hörte bei dem Rosenkranz zu, betete mit, der Priester betrat um halb sechs wie erwartet die Kirche UND.... ... dann bereitete er die Messe vor. Er hat sich nicht in das Beichtzimmer gesetzt oder ähnliches. Ich dachte mir, daß ich warte, vielleicht setzt er sich später in das Beichtzimmer bzw den Beichtstuhl, aber Fehlanzeige. Klar, natürlich, jeder kann jetzt sagen "hätteste ihn mal angesprochen", aber erstens konterkariert das dem Gedanken einer anonymen Beichte, zweitens sehe ich in einer eingerichteten Beichtgelegenheit etwas anderes als eine "Möglichkeit nach Anfrage", die es ja angeblich immer gibt.
Ich möchte den jeweiligen Priestern absolut nicht das schlimmste unterstellen, und ja, Taufen, goldene Hochzeiten etc pp, das sind alles wichtige Daten. Aber in der Beichte geht es um die Versöhnung mit Gott, darum, daß die Seele wieder weißer als Schnee sein kann - und ja, letztendlich um das Seelenheil des Beichtenden. Ist es wirklich so unwichtig, daß man immer wieder Beichtwilligen die Tür vor der Nase zuknallt, wegen gesellschaftlichen Verpflichtungen überhaupt nicht kann (nota bene: nicht wenige Gemeinden haben neben dem Priester einen Kaplan) oder selber zum Beichttermin eigentlich nicht erscheint (bzw so als würde es einen selbst nicht kümmern)? Was soll das?
UPDATE: Grandiose Episoden in der Geschichte der Menschheit müssen sich wiederholen, weshalb es heute auch keine Beichte gab. Sicher, es gab viel vorzubereiten - eine Firmung und eine Taufe gab es heute in der Vorabendmesse - aber nochmal: Es gibt zwei Priester in der Gemeinde. Streng genommen sogar drei. Und diesmal war der ehemalige Kaplan zu Gast. Also gab es letztlich vier.
Jedoch gab es nun auch einige Gründe, bei denen ich nicht auf meiner Seite die Schuld sehe, und darüber würde ich gerne heute meckern:
- Vor einigen Wochen war ich mit meiner Liebsten in München. Wir waren rechtzeitig zu einer Beichtzeit in einer Gemeinde, jedoch waren vor uns zwei ältere Damen, die anscheinend ihre Lebensbeichten ablegen mußten. Das kann ich ihnen nicht verübeln, jedoch fand ich es dann doch schade, daß der Priester nach der zweiten Beichtenden an uns vorbeiging, wissend, daß wir nicht einfach so da sitzen. Ja, natürlich, die Beichtzeit war vorbei, aber hm... hätte er nicht mal fragen können, ob wir Lebensbeichten planen?
- Letztes Wochenende waren wir in Köln und wollten eine Beichtgelegenheit in einer Gemeinde wahrnehmen. In der Gemeinde fand jedoch eine Taufe und eine goldene Hochzeit statt. Das ist sicherlich Ausnahmesituation, aber auch schade. Kam man wieder nicht dazu.
- Heute war ich zu einem neu eingerichteten Beichttermin in meiner Gemeinde. Es hieß, daß es nun auch am Donnerstag nachmittags, 17:30-17:50 eine Beichtgelegenheit geben würde. Ok, Philmän war da, hörte bei dem Rosenkranz zu, betete mit, der Priester betrat um halb sechs wie erwartet die Kirche UND.... ... dann bereitete er die Messe vor. Er hat sich nicht in das Beichtzimmer gesetzt oder ähnliches. Ich dachte mir, daß ich warte, vielleicht setzt er sich später in das Beichtzimmer bzw den Beichtstuhl, aber Fehlanzeige. Klar, natürlich, jeder kann jetzt sagen "hätteste ihn mal angesprochen", aber erstens konterkariert das dem Gedanken einer anonymen Beichte, zweitens sehe ich in einer eingerichteten Beichtgelegenheit etwas anderes als eine "Möglichkeit nach Anfrage", die es ja angeblich immer gibt.
Ich möchte den jeweiligen Priestern absolut nicht das schlimmste unterstellen, und ja, Taufen, goldene Hochzeiten etc pp, das sind alles wichtige Daten. Aber in der Beichte geht es um die Versöhnung mit Gott, darum, daß die Seele wieder weißer als Schnee sein kann - und ja, letztendlich um das Seelenheil des Beichtenden. Ist es wirklich so unwichtig, daß man immer wieder Beichtwilligen die Tür vor der Nase zuknallt, wegen gesellschaftlichen Verpflichtungen überhaupt nicht kann (nota bene: nicht wenige Gemeinden haben neben dem Priester einen Kaplan) oder selber zum Beichttermin eigentlich nicht erscheint (bzw so als würde es einen selbst nicht kümmern)? Was soll das?
UPDATE: Grandiose Episoden in der Geschichte der Menschheit müssen sich wiederholen, weshalb es heute auch keine Beichte gab. Sicher, es gab viel vorzubereiten - eine Firmung und eine Taufe gab es heute in der Vorabendmesse - aber nochmal: Es gibt zwei Priester in der Gemeinde. Streng genommen sogar drei. Und diesmal war der ehemalige Kaplan zu Gast. Also gab es letztlich vier.
Abonnieren
Posts (Atom)