Montag, August 12, 2013
Unsere ästhetische Krise
Ich habe gestern über einen Strandball auf dem Altar gesprochen. Dort habe ich primär die Frage gestellt, wie wohl so mancher reagiert hätte, wenn Zollitsch diese Geste getan hätte. Ich möchte jedoch kurz klären, was ich generell an einem Strandball auf einem Altar auszusetzen habe. Sicherlich kann man sagen, daß dieser Strandball auf dem Altar ein Symbol dafür ist, daß man dem Herrn diesen Weltjugendtag bzw die Früchte desselben ihm aufopfert, ihm weiht. Dagegen ist nichts zu sagen, das ist vollkommen zu begrüßen. Ebenso ist ein kleines Detail, was in der Debatte oft ignoriert wird, mehr als nur zu begrüßen, nämlich, daß uns Heiliger Vater zehn Minuten im stillen Gebet verharrte. Das ist ein wirkliches Zeichen und hat mich sehr gefreut.
Ich muß aber sagen, daß ich mit einem Strandball als Symbol Probleme habe (und mit dem T-Shirt). Warum? Ich werde vielleicht mal ausholen.
Die Osternacht haben meine Frau und ich in der Peterskirche von Lobeda gefeiert. Das ist ein Kirchengebäude der Lutheraner und hier sieht man letztlich wirklich gelebte Ökumene: Weil unsere Pfarrkirche zu klein ist, leihen die Lutheraner uns Raum. Das ist doch wirklich schön!
A propos schön: Die Peterskirche ist auch was feines. Selbst Maria war da (Da ich mit ipohne allein photografiere und auch sonst kein guter Photograf bin, verzeihe man mir die Qualität der Photos. ):
Sicherlich, sie war leicht verwaschen, sicherlich hatten die Lutheraner mit einer großen Darstellung von Maria Schwierigkeiten.
Und Symbole für die Evangelisten(?) waren auch noch sichtbar:
Hier zeigt sich übrigens, daß die lutheranische Gemeinde ihre Kirche wirklich wieder wie früher Restaurieren will - da hoffe ich doch mal auf das Bild der Gottesmutter! Way to go, Geschwister in Christo!
Doch selbst die "rein lutheranische" Kunst von anno dazumal brauchte sich nicht zu verstecken:
Ein sehr frommes Bild, und vielleicht würden es manche strengen Lutheraner von früher ungern hören: Es hat was ikonographisches an sich. Toll! Wunderschön und tiefsinnig! Bilder, in denen man sich verlieren kann, die zum Gebet einladen! So muß es sein!
Anscheinend wollt einige Leute heutzutage auch etwas zu der Schönheit der Kirche beitragen. Und so geschah es dann auch:
Wow. I am awestruck.
Es wird noch toller. Ja, fairerweise sind die Photos von den Kindern possierlich - daß sie mit Tesafilm an die Säulen angebracht wurden, macht bloß auch hier den Eindruck nicht gerade perfekt.
Schließlich wurden auch bestehende Kunstwerke innovativ verschönert:
Nicht, daß das Kreuz nun die schönste Kreuzigungsdarstellung der Welt ist, aber glaubte man wirklich, sie durch zwei Regenbogenfarbene Banderolen zu perfektionieren?
Irgendwie fand ich das Gesehene schon damals symptomatisch für den Verlust an Kunst in unseren Kirchen. Es werden irgendwelche schnellen Pseudokunstwerke geschaffen und diese dann, wenn überhaupt, mit Billigsymbologie legitimiert. Wie hat mir ein Pfarrer mal bezüglich eines Altarbildes, was aus bunten Tupfern bestand gesagt? "Die Buntheit steht für die frühlingshafte Fröhlichkeit der Auferstehung!" Joa.
Ich mein, wir haben einen über Jahrhunderte gewachsenen Schatz an Symbolen - deutlich mehr als Wasser, Brot und Wein - und Künstler seinerzeit haben sich anscheinend, den Bildern nach zu urteilen, etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit genommen.
Ich will ja gar nicht sagen, daß solche Bilder gar nichts in kirchlichen Bereichen zu suchen haben (bin aber nahe dran), aber mir wird diese Form von Billigkunst (die teilweise dadurch legitimiert wird, daß man sie mit den Kindern gemeinsam gemacht hat) etwas viel. Ja, es ist billig. Und uns sollte der Raum Gottes mehr wert sein. Ich mein, bitte, im Augenblick haben Comiczeichner bei DC und Marvel (oder Covergestalter für Perry Rhodan) es besser drauf, inhaltreiche Bilder zu malen als die Christen.
Um hier wieder den Bogen zurück zu spannen: Das ist es, was mich primär an der Geste mit dem Strandball und dem T-Shirt stört. Ja, sicherlich stehen dahinter Symbole, es ist sicherlich das WYD-Logo auf dem Ball drauf, aber - hätte man hier nicht etwas mehr machen können?
Dazu kommt noch folgendes: Man sollte doch versuchen, sich der Umgebung, in der das Kunstwerk entsteht, anzupassen. Mir kommen diese Zusätze aus heutiger Zeit zu altehrwürdiger Sakralkunst - seien es jetzt Strandbälle auf marmornen Altären, seien es Ballonbuchstaben in hübschen Kirchen - immer so vor wie eine katholische Version von Steven Spielbergs Star Wars Special Edition. Und das muß doch nicht sein!
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3 Kommentare:
Ehm... ich bezweifle, dass der Strandball und das T-Shirt als dauerhafte "Kunst in der Kirche" dort auf dem Altar installiert wurden... ich bin mir ziemlioch sicher, dass Peters Cartoon ein Scherz war! ;)
Bleibt eine nicht gerade kluge Geste. Auch wenn Du schon Dinge auf den Altar gelegt hast, wie Du auf Deinem Blog schreibst.
Ok, der war jetzt von mir platt, das tut mir leid.
Was ich eigentlich sagen wollte: Sicherlich handelt es sich nicht um eine dauerhafte Kunst. Aber man kann auch bei Gebetsakten in der Kirche etwas auf Form achten. Ich mein, komm, die katholische Kirche hat durch die Jahrhunderte die künstlerische (Westliche) Welt geprägt. Da braucht sie doch jetzt nicht mit einfachsten Platitüden zu kommen.
Ich habe absichtlich in einem Beitrag nach diesem auf Franziskus' von Sales Äußerung zum Thema Verurteilung von Menschen hingewiesen, und so bitte ich Dich, es zu verstehen: Damit will ich nicht Papst Franziskus als Liturgiezerstörer oä bezeichnen (was ja durchaus Leute tun), aber wollte genauer ausführen, was ich an der Ball-Aktion nicht toll fand.
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