Montag, August 12, 2013

#liebwargestern

Ein Klatsch- und Tratsch-Magazin namens InTouch hat ne neue Werbekampagne. Könnse haben. Das Motto ist "lieb war gestern" - frei nach dem Motto "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin". Letzteres ist auch ein unsäglich beklopptes Motto. Erstens: Ja, Böse kommen zum Beispiel auch in die Hölle, zweitens ist mir diese Glorofizierung des Arschlochdaseins zuwider. Das kommt von denselben Leuten, die "Nett ist der kleine Bruder von Scheiße" sagen. Oh ja, stimmt, wer haßt denn nicht nette Leute (Antwort: eigentlich jeder, der Freunde hat und sich auf sie verlassen kann). Aber halten wir uns nicht mit diesem Sprüchlein einer inzwischen doch in die Jahre gekommenen Emanze auf, reden wir über die Werbekampagne selbst, oder eher um einen Spruch in derselben. In Touch machen dann mit einer selbstbewußten jungen Dame Werbung, die mit kessem Kurzhaarschnitt selbstbewußt in die Kamera blickt (so weit, so gut!), während danebem folgendes steht:
Vielleicht kommen wir in die Hölle. Aber wenn, dann mit VIP-Bändchen und Freigetränk.
Aha. Also, die Hölle verleugnen, nicht für wahr haben wollen, zu sagen, daß man nicht glauben kann, daß es bei einem liebenden Gott eine solche gibt - das alles kann ich nachvollziehen. Aber damit kokettieren? Habt ihr denn sie noch alle? Dahin hat uns also alle Froh- statt Drohbotschaft gebracht? Ich wollte hier eigentlich provozierend Ausschnitte aus dem Film Event Horizon bringen, die eine, na ja, recht erschütternde Illustration der Hölle bieten. Ich wollte aber die eher sanftmütigeren unter den Besuchern nicht erschrecken - einige der Bilder in diesem Film hatte ich jahrelang nicht vergessen. Sicherlich sind diese Illustrationen nicht die Hölle, sicherlich sind sie kitschig, aber solche Bilder, wie letztlich auch die Darstellungen der Hölle in Dantes göttlicher Komödie können helfen, eine heilsame Furcht zu vermitteln, klar zu machen, daß die Hölle, das Böse, nichts ist, mit dem man spaßen sollte. Statt dieser Filmausschnitte dachte ich, poste ich mal eine Höllenpredigt, dank Frohbotschaften gibt es das ja heutzutage recht wenig: The Little Number of Those Who Are Saved by St. Leonard de Port Maurice ist eine aufschreckende Predigt, die den Ernst der Lage klar macht und (und das fand ich das genuin christliche) versöhnlich endet. Frohbotschaft statt Drohbotschaft ist eben nicht die Lösung, wohl aber Drohbotschaft und Frohbotschaft.

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