In fact, that kind of reactionary anti-intellectualism is what’s driven Catholic culture into the ground, leaving us with a pietistic, Precious Moments-style faith with all the marrow sucked from it. It refuses to ask hard questions and make challenging inquiries because “intrigue is one of the enemy’s tools,” ...Quelle: God and the machine, in einem Teil der Artikelserie über die Wurzeln von (oh the horror) Tarot Ich möchte hier jetzt nichts über die Artikelserie schreiben - dazu müßte ich sie noch lesen - aber das oben genannte Zitat halte ich für generell wichtig. Vor einigen Jahren traf ich mich mit einem Freund des Opus Dei in Berlin. Jener war inzwischen Leiter eines Studentenhauses und hat mit der Truppe eine Reise nach Berlin unternommen. Wir sind also alle zusammen in eine Bar gegangen, haben uns unterhalten und gutes Bier getrunken - was man eben so als Katholik macht. Mit einem der jüngeren Leute - ein Wirtschaftsstudent, wenn ich mich recht erinnere - habe ich mich länger unterhalten - bis er die Bombe fallen ließ: Er glaube nicht an das heliozentrische Weltbild. Ich fragte ihn, auf welcher Basis er weiterhin am geozentrischen festhalte, und er erklärte mir, daß er der Bibel mehr glaube als der Wissenschaft und die Kirche habe ohnehin das Heliozentrische Weltbild als nur nicht dem Glauben widersprechend erklärt - keineswegs als das korrekte Weltbild. Als ich weiterbohrte, was zu Bessel und Struve und Henderson zu sagen ist, sagte er, diese hätten keine religiöse Autorität. Die drei genannten haben im 19. Jahrhundert durch die Entdeckung der Parallaxenbewegung von Fixsternen letztlich das Heliozentrische Weltbild bewiesen. Die Parallaxenbewegung wurde schon zu Gallileis Zeiten von einigen Jesuiten als Kritik am Heliozentrischen Weltbild angebracht: Wenn sich wirklich die Erde um die Sonne drehen würde, müßte man dann nicht eine Relativbewegung der Sterne sehen können. Gallilei hatte damals kein Gegenargument - einfach weil die immense Entfernung der Sterne für damalige Menschen noch unvorstellbar war. Jahrhunderte später konnte diese Relativbewegung detektiert werden. Vielleicht bin ich ein zu arroganter Naturwissenschaftler, aber ich habe dann das Thema gewechselt, da mir der freundliche Herr dann doch etwas verbohrt vorkam; er ließ nicht nur kein Argument von Nicht-Katholiken gelten, sondern kein Argument gegen das geozentrische Weltbild im allgemeinen. Oder nein, noch schlimmer: Er verschloß die Augen vor den Argumenten und machte aus einer Tatsache eine Meinung - gegen die er sich auch entscheiden konnte, wenn er denn wollte. Ähnliches habe ich manchmal bei einem bestimmten Typ von Kreationisten gesehen (überflüssig zu sagen, daß der zitierte Herr ein Vertreter derselben war), daß Leute, nur weil sie es schöner finden würden, daß Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, daran glauben. Sie versuchen nicht (wie andere Vertreter des Kreationismus), ihre These zu belegen, das interessiert sie nicht. Sie lassen einem sogar den "Glauben" an die Evolution und verlangen vom Gegenüber dasselbe. Nicht, daß ich etwas gegen einen gewissen Pluralismus habe und nicht, daß ich jetzt irgendwie wie ein zelotischer Wissenschaftler die Foren der Kreationisten durchkämme, aber hier sehen wir letztlich eine Art Relativismus von rechts (wenn man stupide im links-rechts-Schema denken will): Während Modernisten meinen, jeder darf halt "sein Bild von Gott" haben, gibt es unter manchen Traditionalisten und Pietisten Leute, die meinen, jeder darf halt "sein Bild von der Welt" haben. Gerade bei diesem Relativismus von rechts sehe ich da doch eine Art Zwiespalt; man glaub an einen absoluten Gott, der sich den Menschen offenbart hat und das auch immer noch tut, aber an eine Welt, die wir letztlich nicht erfassen können - weshalb jeder die Sicht der Welt halten kann wie ein Dachdecker. Ist das die Sicht der Welt, die einen Albertus Magnus oder einen Lemaitre angetrieben hat? Es gibt jedoch noch ein anderes Problem, und das ist die Glocke, die bei mir geklingelt hat, als ich obiges Zitat las: Durch eine solche Haltung wird Glaube umdefiniert. "Ich glaube halt, daß die Erde im Zentrum des Sonnensystems steht, aber du kannst gern Deiner Meinung sein" - Glaube wird Meinung. Ist das nicht der Denkfehler, den Pastafari und Konsorten tun, wenn sie meinen "Na, dann ich ja auch an ein Fliegendes Spaghettimonster glauben"? Gott ist der Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt - die sichtbare Welt ist sogar als erste im Credo genannt! Und glauben wir wirklich, daß dieser Gott, der die Welt erschuf, diese als unwichtig erachtet? Gott setzte alles an seinen Platz, er , der Treue und Wahrhaftige, die Wahrheit selbst - dann sollte uns doch die innere Ordnung dieser Welt interessieren! Und ich denke, daß das die katholischen Wissenschaftler durch die Jahrhunderte angetrieben hat - und keine einfache Meinung. Es wäre in der Hinsicht sehr gut und sehr wichtig, wenn innerhalb der Christenwelt sich diese Art von "Ich bilde mir meine Meinung über die Gestalt der Welt" überwunden wird.
Samstag, August 10, 2013
Intelligenz unbrauchbar?
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2 Kommentare:
Ich würde sogar noch weiter gehen. Gerade den radikalen Kreationismus halte ich aus theologischer Sicht für völlig unsinnig und falsch.
1) Er läßt die Größe und Schönheit, die ganze Komplexität und das diffizile Zusammenspiel der Natur aus, die phantastische Entwicklung die das Universum genommen haben muss. Es nimmt Gott von der Position wo er etwas geschaffen hat das sich in einem für Menschen nicht überschaubaren und nicht planbaren Zeitraum zu dem gewünschten entwickelt und ersetzt ihn durch einen Zauberer, der durch einen Fingerschnipp alles hinsetzt. Das ist einfach nur der Versuch etwas, was den Verstand sprengt, in eine Ecke zu drängen die man sich vorstellen kann.
2) Ich betrachte mich (und jeden anderen) im vollen Wortumfang als Geschöpf. Das heißt aber auch, daß Gott mich und wirklich mich selbst als Einzelstück geschaffen hat. Ich bin nicht nur Nachkomme von Geschöpfen und so "in gewisser Weise auch" Geschöpf, sondern ich selber bin direkt, einzeln und gezielt von Gott geschaffen. Das Werkzeug, das er dazu benutzt, kennen wir als Biologie, aber das tut der Tatsache keinen Abbruch. Wirklich ist das entstehen von neuem Leben auf biologischen Weg kein kleineres Wunder als wenn jemand einen Zauberstab dafür schwingt. Wenn ich mir die unglaubliche Komplexität des Vorganges ansehe, versucht das ganze wundervolle Bild zu erfassen, dann komme ich nicht umhin einfach nur zu staunen.
Man kann noch viele Gründe anführen, aber ich denke, daß diese Art von "Glauben" nicht vom Heiligen Geist stammt sondern eher im Gegenteil dazu gedacht ist Gott durch ein anderes, falsches Bild zu ersetzen, durch ein Zerrbild. Das ist gefährlich, sehr gefährlich.
Ich stimme Dir zu. Letztlich ist der radikalie Kreationismus, der sich nur auf die Bibel beruft, philosophisch und theologisch gesehen ein herber Rückschritt - nicht in die vorkonziliare Zeit, nicht in die Renaissance, nicht ins Mittelalter, sondern weit, weit darüber hinaus - wenn es denn diese Haltung überhaupt mal im Christentum in der Form gab. Fast seit Anbeginn des Christentums arbeitete die Christliche Weltanschauung auch mit den Begriffen, die die griechische Philosophie (die seinerzeit noch stark mit der Naturwissenschaft verknüpft war) nutzte. Die Haltung "sola scriptura" ist nicht nur falsch, was die Position der Tradition und des Magisteriums betrifft, sondern auch falsch, was die Betrachtung der Welt betrifft und das sahen die Christen schon von Anbeginn ein.
Ein Arbeitskollege von mir - übrigens eine schillernde Persönlichkeit - sagte mal bezüglich des Kreationismus etwas interessantes: Sein Problem - als Atheist - sei nicht, daß Kreationismus Gott mit an Bord holt, sondern daß Kreationismus keine Fragen beantwortet, die die theistische Evolution offenhält. Das fand ich sowohl einen interessanten Punkt als auch von einem Taktgefühl gegenüber dem Glauben geprägt. Und nicht nur das, er sagte ja nicht nur "blabla, ich möchte ja keinen Kreationisten beleidigen", sondern wäre sichtlich an einer Diskussion mit letzteren interessiert - nicht nur über die Faktenlage, sondern auch über die theologischen Implikationen.
Ich muß aber gestehen, mir ging es in dem Artikel nicht um ein Bashing des Kreationismus. Ein Kreationist, der redlich versucht, mit Mitteln der Wissenschaft den Kreationimus zu beweisen, ist mir deutlich näher, als jemand, der meint, Naturwissenschaftliche Erkenntnisse seien Meinungen, die er nicht teilen müsse - ein Phänomen, was es nicht nur unter Christen gibt.
Ich hatte vor einigen Jahren mit einem Freund mich über mögliche kosmologische Endzeitszenarien (Big Rip etc) unterhalten, aber das Gespräch konnte nicht viel weiter als "also ich denke ja, es wird so und so sein" geführt werden.
Ich frage mich, ob die Ablehnung einer absoluten Wahrheit, eine der großen Häresien unserer Tage, nicht auch bei manchen Leuten - Christen wie Atheisten - dazu führt, die Naturwissenschaft in den Basar der Meinungen zu verbannen. Und das ist traurig.
Point 2 note: Ich rede hier nicht von philosophischen, ja nicht mal von esoterischen Überbauten. Ich rede nicht davon, daß jemand nicht die Meinung haben darf, daß man die Welt auch mithilfe von Poesie oder Alchemie beschreiben darf. Ein Beispiel, um diesen Gedanken zu illustrieren, wäre der Jungbrunnen am Ende des Regenbogens. Aber ich glaube, dem widme ich nochmal einen Blogpost ;) Er sollte dann aber nicht so tun, als wäre dieser Blickwinkel auf die Welt gleichzusetzen mit dem der Naturwissenschaft. Der Umkehrschluß gilt natürlich auch - Naturwissenschaftler sollen sich nicht bemühen, auf nichtnaturwissenschaftliche Fragen letztgültige Antworten zu liefern.
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