Samstag, Mai 12, 2012

Der Abschluß-Frontbericht.

Ich habe es an sich schon geschrieben, aber nun offiziell: Am letzten Mittwoch habe ich im Rahmen einer Disputation nach nun über vier Jahren Arbeit meine Doktorarbeit der Öffentlichkeit vorgestellt und sie "verteidigt". Es lief in jeder Hinsicht sehr gut (d.h. magna cum laude sowohl auf Arbeit als auch auf die Disputation), ich war von mir größtenteils sehr positiv überrascht. Der Vortrag wurde sehr souverän vorgetragen und in der Diskussion konnte ich bis auf zwei Fragen (eine über LCAO-Methode, was recht peinlich war) die Fragen zur vollen Zufriedenheit beantworten.

Tja, und nun bin ich also Doktor. "Sieh Dir an den Doktor, in der Ecke hockt er..." (oder eher DOCTOOOOOR!... doctor was a man....). Bin stolzer Besitzer eines schnieken Doktorhutes, der sehr kleidsam ist. Von meinem Vater habe ich ein Astrolabium geschenkt bekommen, nicht nur meiner Meinung nach ein wunderbares Kleinod, daß letztlich den Sinn von Wissenschaft sehr schön illustriert. Damit man in Sachen Forschen nicht einschläft, werden mein Vater mein Bruder und ich eifrig an einem Fischer Technik Modell der Antikythera. Darüber, und über meine ersten und hoffentlich nicht letzten Versuche, mit dem Astrolabium die Zeit zu bestimmen, werde ich berichten (wenn auch an anderer Stelle, ich werde jedoch darauf verlinken). Und natürlich kommt nun das große Abenteuer der Heirat auf mich zu! Die tollste Frau der Welt soll schließlich eine wunderschöne Hochzeit haben!

Nun war ich zwölf Jahre an der und um die Freie Universität herum (FHI liegt ja in der Nähe) unterwegs. Zwölf Jahre, fast mein halbes Leben! Irgendwie wird mir ja schon ein wenig wehmütig ums Herz, wenn ich daran denke, daß diese Zeit nun bald vorbei ist. Ich weiß noch nicht, wo es mich nun hin verschlägt, theoretisch gesehen kann ich noch 1-3 Jahre in meiner Arbeitsgruppe als Post-Doc arbeiten (halte mir hier jedoch alle Möglichkeiten offen) ... jedenfalls fängt jetzt ein Bewerbungsmarathon an.

Zwölf Jahre... wie ich einerseits derselbe verrückte Katholik blieb, andererseits reifte! Ich habe vor kurzem mal die alten Beiträge meines Weblogs Revue passieren lassen. Eine schöne Sache, das! Sich selbst aus nun bald sieben Jahren Distanz zu beobachten ist durchaus nicht uninteressant, da man eben dieses "einerseits gleich, andererseits anders"-Sein schön dokumentiert vor sich sieht.

Zwölf Jahre... In der Zeit habe ich nicht nur studiert und meinen Doktor gemacht, sondern auch gefeiert, früher geraucht und getrunken, gelacht, viel gehadert, so manche Glaubenskrise gehabt, meinen Frieden wieder mit Gott geschlossen, manchmal meinen Aufbau am liebsten in die Luft gesprengt, am nächsten Tag am liebsten diesen jenen Aufbau geküßt.... ich trug Vollbart, lief zwischendurch wie ein Pumperproll herum, sah manchmal wie ein übler Skin aus, hatte meine Gothicphase mit 20 Loch-Springern, langem Ledermantel, nach hinten gegelten Haaren... und habe auf diesem Weg viel Musik aufgesammelt, viel Musik, vor allem kruder Natur. Und immer war ich ein katholischer Nerd. Manche Sachen ändern sich halt nie.

Nach dieser Zeit blickt man auf die Freuden und Leiden dieser Jahre zurück, auf diese doch sehr prägenden Jahre, die auch meinen Glauben reifen ließen. Man merkt, wie alles Sinn ergab, wie Gott einen Plan mit mir verfolgte und weiter verfolgt. Wie er mich zu eben dieser Doktorarbeit führte, wie er mich meine Liebste kennen lernen ließ, wie er mich im Glauben unterwies. Ich kann ihm im Augenblick nur dafür danken und blicke voller Hoffnung auf die vor uns liegende Zukunft. Und ich denke, der Blick muß für uns Christen, trotz aller Widerwärtigkeiten unserer Zeit, ein hoffnungsvoller Blick sein. "Dit läuft schon!"

4 Kommentare:

Thomas Didymos hat gesagt…

Ich beglückwünsche Dich ganz herzlich! Wo bewirbst Du Dich? Akademisch oder in der Wirtschaft?

Gruß

Matthias

Richelieu88 hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch!

FingO hat gesagt…

Danke Euch beiden für die Glückwünsche!

Was die Frage betrifft: Ich bewerbe mich primär in der Wirtschaft. Wie gesagt, theoretisch gesehen könnte ich, wenn an der Akademie bleibend, eine Post-Doc-Stelle hier antreten, jedoch ist das nicht meine erste Wahl.

Wobei ich den Ausdruck "Wirtschaft" hasse, legt er doch nahe, daß ich in das Management oä gehen will. Industrienahe Forschung/Forschungsnahe Industrie wäre was cooles. Generell als Laborleiter in einer Firma arbeiten würde mich freuen.

haupz hat gesagt…

Etwas verspätet zwar, aber nicht minder herzlich: Glückwunsch, Herr Kollege! (Ich darf dich so nennen, hehe. Oder hast du die Diss schon veröffentlicht?)