Well. Da mit den "Zähnefletschenden Kettenhunden" ich mich etwas persönlich getroffen sah (man erinnere an das Kettenhunde-Logo, was bspw. Braut des Lammes nicht gefällt), dachte ich schön länger, daß ich was dazu und zum Thema "Guter Ton und Nächstenliebe" schreibe. Ich hatte heute einen wichtigen Vortrag, der natürlich die oberste Priorität einnahm und so... well, here we go:
Es wird eine scharfe, polemische, agressive Sprache als nicht vereinbar mit christlicher Nächstenliebe dargestellt. "Von christlicher Nächstenliebe sieht man da wenig". Was mich hier etwas wundert ist, (und ich drücke mich jetzt mal scharf, polemisch und agressiv aus) ob die Leute letztens im Neuen Testament lasen. Unser Herrgott ist kein Kind von Traurigkeit, was seine Ausdrucksweise angeht!
"Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig""Weh Euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler!" Und ganz besonders wichtig finde ich folgende Passage:
"Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes."
Und solche Aussagen finden sich quasi ständig! Sind das freundliche Aussagen? Kann man Christi Nächstenliebe wirklich daran erkennen, daß er zu jemandem, der um seinen Vater trauert, sagt "Laß die Toten ihre Toten begraben?"
Ich bin mir sicher, daß die Jünger vor derselben Problematik standen; sie sahen Christus mit einer Peitsche den Tempel reinigen und ihnen fiel das folgende Schriftwort ein: "Der Eifer für Dein Haus verzehrt mich". Da ist also eine Liebe, die DEUTLICH über der Höflichkeit, über dem netten Dialog, dem "wir können alle ja miteinander" steht. Eine Liebe, die die eines Gottes ist, der sich als eifersüchtig definiert. Dementsprechend haben auch die Propheten und Heiligen des Herrn nicht gerade freundlich geredet, denn sie waren von dieser Liebe Gottes, die eben auch Eifersüchtig ist, die ein Feuer ist, leidenschaftlich ist, erfüllt.
Natürlich ist das kein Freibrief dafür, sich wie die letzte Sau zu benehmen, was man aber bspw. Alipius auch nicht vorwerfen kann. Aber eine etwas feurigere Sprache zeigt doch folgendes: "Dem ist was wichtig, dem bedeutet das etwas!" - etwas, was ein "hey du, das ist voll nett" nicht kann.
Eine zweite Frage ist auch, worin sich Nächstenliebe genau zeigt. Zeigt sie sich einfach in einem höflichen und im Zweifelsfall inhaltsleeren Floskeln? Man möchte bei so manchen Blick in Bistumsblätter es glauben. Auch nicht in Grassschen Gedichten mit seichtspirituellem Inhalt, sprich Prosa, die durch eine Menge an Zeilenumbrüchen glänzt. Meiner Erfahrung nach zeigt sich diese Nächstenliebe darin, daß man sieht, wie man in der Bloggerszene aufgenommen ist, trotz aller manchmal auch feurigen Debatten. Man betet füreinander, hofft mit, daß es Kindern oder Enkelkindern von Schreibern besser geht, man versucht zu helfen, Trost zu spenden - und das alles von Leuten, die, wenn sie polemisch schreiben, durchaus losscheppern können! DAS ist der wahre christliche Geist, meiner Meinung nach. Heftige Sprache hatte auch Christus. Sicher, wenn es dabei bleiben würde, wäre das zu wenig. Aber mit wirklicher Nächstenliebe kann man durchaus schonmal rumpoltern.
Passenderweise kann man das gut an einem Rottweiler klar machen: Klar, ein Rottweiler, der die zähne fletscht, ist für mich so ein Anblick, den ich nicht aus nächster Nähe sehen will. Jedoch ist ein gut erzogener Rottweiler "freundlicher und friedlicher Grundstimmung, kinderliebend, ... sehr anhänglich, gehorsam, führig und arbeitsfreudig" (FCI-Definition). Das beschreibt doch die Webloggerszene ganz gut. Friedlich, Kinderliebend, Gehorsam, wenn man von mir mal absieht, arbeitsfreudig - aber unseren Herrn sollte man nicht angreifen. Dann knurren wir schonmal.
4 Kommentare:
Mich würde interessieren, welche Kirchenzeitung das war. Denen würde ich zu gerne mal Kopien einiger 100 oder 150 Jahre alter Bücher von damals sehr viel gelesenen und beliebten Priestern senden.
Übrigens alle mit Imprimatur (teilweise gleich von mehreren Bischöfen) und/oder Erlaubnis der Ordensoberen.
In diesen Büchern kann man auch lesen, was solche Priester zum religiösen Indifferentismus, der schon damals modern wurde, geschrieben haben.
Hoffentlich wird das jetzt für einen Komentar nicht zu lang. Vorweg: ich hab beim Schreiben meines Beitrags nicht darüber nachgedacht, von wem das Hundebild kam, insofern sollte das kein Seitenhieb sein. In meinem Beitrag schrub ich, ich könne damit nichts anfangen, das ist meines Dafürhaltens noch etwas anderes als ein bloßes "Gefällt mir nicht". Laß mich erst gar nicht groß anfangen, von Kettenhunden zu berichten, die es zumindest früher auf dem Land vereinzelt noch gab (ich weiß nicht, ob solche Haltung mittlerweile verboten ist bzw. ob sich jemand drum kehrt) - das sind arme, geschundene Kreaturen, die nie ins Haus dürfen, offenbar auch nie irgendeine Zuwendung erfahren und aufgrund ihrer mangelnden Sozialisation gefährlich sind: sie beißen tatsächlich jeden, wenn die Kette das zuläßt. Es geht also um das Bild, das damit transportiert wird: "Wehe, wenn sie losgelassen". Du selbst schreibst unten: "Wehe, wenn die Ketten reißen". Die Frage ist, wollen wir ein solches Bild transportieren? (Ich kann mich damit jedenfalls nicht identifizieren).
Zur Sache mit der Sprache: wir sind in dieser Sache verschiedener Ansicht. Das darf man allerdings auch einmal sein.
Den besagten Artikel den kenne ich mittlerweile und könnte ihn zerlegen wie einen Zander. Die Frage ist, ob er das wert ist und da tendiere ich zur Zeit eher zu einem Nein. Etwa Hämisch, spöttisch, wütend oder arrogant schreiben Blogger über ihre vermeintlichen Gegner, das ZdK, der Familiengottesdienst oder der Islam. "Arrogant" lasse ich jetzt mal außen vor, schon weil Arroganz schwer meßbar scheint (manchmal ist etwas, das einer als Arroganz empfindet vom vermeintlich arroganten gar nicht so gemeint gewesen), allerdings: darf man nicht auch einmal traurig, wütend über den Familiengottesdienst, den Islam oder von mir aus sonstwas sein und das in Worte fassen?
Mir stellt sich halt zuweilen die Frage, ob man den gleichen Inhalt oder wenigstens etwas ganz Ähnliches nicht vielleicht auch mit einer etwas weniger drastischen, gepflegteren Sprache zum Ausdruck bringen könnte, ohne ihm etwas von seiner Aussage zu nehmen? Zugegebenermaßen bin ich hier etwas empfindlich, an dem Priester, der über das Fasten Jesu in der Wüste sprach und die Worte "Jesus hat in der Wüste Kohldampf geschoben" habe ich mich seinerzeit auch gestoßen. (Ginge es vielleicht doch noch etwas anders?) Ich weiß nicht, ob es ein Maßstab sein kann, daß Jesus selbst sich durchaus deutlich - wenn auch nicht gewöhnlich - ausgedrückt hat: wir sind nicht Jesus, dieser war immerhin Sohn Gottes und kannte die Herzen der Menschen.
Daß einige der wörtlichen Zitate im besagten Artikel übrigens ohne jegliche Quellenangabe wiedergegeben werden und daher gar nicht vollziehbar ist, wer das nun wann geschrieben haben soll, läßt im Hinblick auf die Herangehensweise durchaus zu wünschen übrig. Etwas ärgerlich fand ich bei beiden Berichterstattungen die Schlagseitigkeit der Wahrnehmung bzw. Wiedergabe. Wenn ich es recht überblicke, haben sich sowohl der fragliche Journalist als auch explizit.net bei je zwei Versuchen nahezu ausschließlich an ihnen negativ erscheinenden Erscheinungen abgearbeitet. Schade eigentlich.
Vielen Dank für den umsichtigen ruhigen Kommentar, braut des Lammes. Das folgende ist vielleicht teilweise Rechtfertigung, aber auch Ausführung meiner im Blogpost schon geschriebenen Gedanken.
Ach, ich hab wenige Kettenhunde kennen gelernt, eigentlich nur einen einzigen mal aus der Nähe. Und der war recht nett. Daß ich einen knurrenden Rottweiler als Bild nahm, lag primär daran, daß unser Heiliger Vater als Gottes Rottweiler bezeichnet wurde, deshalb die Assoziation. "Wehe, wenn die Ketten reißen" - Ja, stimmt, da könnte man sich fragen, ob man sich damit identifizieren will, und das ist natürlich Geschmackssache. Es ist jedoch auch Interpretationssache und so lange nicht von wirklich agressiven Übergriffen seitens der Blogger (auch in virtueller Form via bspw. DDoS-Attacken) Mitglieder der Blogozese traurig auf sich aufmerksam machen, denke ich, ist die Metapher dieses Bildes klar. Als Weblogger sind wir weniger gebunden als Schreiber in traditionellen (Kirchen)Medien, und als solche können wir oft deutlich genauer und ja, z.T. heftiger etwas kommentieren, als es in besagten Medien möglich ist. Letztlich kann man sagen, daß die Ketten dank der Möglichkeit zu bloggen ohnehin schon gerissen sind.
Natürlich kann man sich fragen, ob das Motto wirklich gut ist, und ich hab mich (von persönlichen Gefühlen abgesehen) auch überhaupt nicht geärgert, daß es Dir nicht gefällt. Ich hatte es eher der Vollständigkeit halber erwähnt.
Was die Frage, ob man sich deutlich ausdrücken kann, weil es Jesus tat, betrifft: Erstens ist es ja nicht nur Jesus, ich erinnere hier nicht nur an die Propheten (Beispielsweise Johannes in Mt 3,7: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?), sondern auch an Paulus (1 Kor 5,13 "Schafft den Übeltäter aus unserer Mitte" - kannst Du Dir in den Zeiten aktueller Pastoral solch erschreckend scharfe Worte eines Priesters oder Bischofs vorstellen? ) und an Heilige quer durch die Kirchengeschichte.
Zweitens denke ich sehr wohl, daß man Jesus auch was seine gelegentliche Schärfe betrifft, als Maßstab nehmen kann. Jesus ist der Neue Adam, und in der Hinsicht uns auch Vorbild. Wir sollen ein anderer Christus werden. Modernere Christen, speziell Jugendliche tragen gerne ein Band, worauf "What would Jesus do" steht. Sollte man nicht lieber sich fragen, unter welchen Umständen Jesus und zitierte Propheten und Heilige derart scharf wurden, als zu sagen, daß dies Jesus tun konnte, weil er Sohn Gottes war? Das wäre doch so, als würden er und Maria auf die Ehebrecherin dann mit Steinen werfen (weil sie ja ohne Sünde sind, und damit ein Freibrief haben).
Ich sag nicht, daß man so sprechen soll, ich sag nicht, daß man es immer tun muß, ich sag auch nicht, daß es ein Qualitätsurteil ist, wenn jemand so spricht; Dein Weblog hat einen festen Platz in meinem Herzen eben wegen des ruhigen Stiles. Man merkt, daß jemand sehr spirituelles den Weblog führt. Ich denke halt einfach, daß beides in der Webloggerszene Platz hat: Eine Braut des Lammes und ein manchmal Feuer spuckender Alipius (und der Narr Gottes namens Phil dazwischen). Und vor allem denke ich, daß es von besagten Medien etwas platt ist, die "christliche Nächstenliebe"-Karte gegen die Schärfe auf manchen Blogs zu spielen. Es reduziert die Nächstenliebe auf Guten Ton, und ich denke, dahinter steckt viel mehr. Vielleicht auch deshalb, weil ich in Wedding oft die rauhe Herzlichkeit Berliner Proleten kennen lerne, die natürlich rummeckern, aber eigentlich liebe Kerle sind.
Dazu noch:
http://3.bp.blogspot.com/_XVvKQQWEds4/Sy5II2rfJdI/AAAAAAAAHik/jnMtFLTkyBY/s400/Mutts-watchdog-silent-night.gif
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