Ich hatte gerade die Ehre, mitzubekommen, wie auf einer Facebook-Seite eine Horde sich tolerant denkender Damen und Herren bezüglich der Causa Lohmann (der "zur Hölle fahren" solle) über meine Frau hergefallen ist. Dabei hat es persönliche Beleidigungen gehagelt, die katholische Kirche wurde - nein, die Katholiken wurden als "Lügenbrut" und "katholische Brut" bezeichnet - und da, muß ich gestehen, hat yours truly, ein feiger Mann, aufgehört, mitzulesen. Meine Frau war von diesem Ansturm an Haß und Ablehnung durchaus geschockt, ebenso meine Wenigkeit. Ich hätte vor zwei, drei Jahren nicht gedacht, daß in einem Internet jenseits eines, sagen wir mal freien Geisterhauses (winkwink) einem derart offene Ablehnung entgegenweht. Sicher, Diskussionen um den Glauben, um die Kirche und den Papst, über Kondome und den ganzen Kanon der Kritik gab es schon immer. Aber ich hatte den Eindruck, daß man vor einiger Zeit den Menschen noch etwas im Blick hatte.
Gestern haben Kommentatoren bei einem Artikel in der Welt vorgeschlagen, man solle mit Priestern so verfahren wie im spanischen Bürgerkrieg. Generell wird in seit Jahresbeginn eine romfeindliche Sau nach der anderen durch unsere Medienlandschaft getrieben, eifrig angetrieben durch eine Unmenge an Äußerungen, die nicht mehr nur gegen "die Institution" Kirche gerichtet sind.
Ich zähle acht Kirchenschändungen im Jahr 2013. Nein, ich habe mich nicht vertippt, zweitausendfriggindreizehn.
Die Verfolgung von Christen aufgrund ihres Glaubens wird nivelliert oder, noch besser, als gerechte Strafe für das Leid, was "die Kirche" getan hat, gewertet.
Ich muß echt sagen, daß dieser Druck kaum zum aushalten ist. Ich frage mich, was können wir machen außer aushalten, ausharren, beten und unsere Leben weiterleben. Gottlob blieb in meinem beruflichen Umfeld mir sowas erspart, jedoch muß ich an dieser Stelle feige gestehen, daß ich auch Diskussionen über den Glauben aus dem Weg gehe und nicht offen vor mir herumtröte, welcher Kirche ich angehöre.
Was kann man also tun? Ich weiß es nicht, aber ich denke, daß ein noch stärkeres Bemühen um eine starke katholische Identität könnte viel bringen.
Johannes meinte vor einiger Zeit, daß eine gute katholische Zeitschrift fehlt, eine Neuauflage der Weißen Blätter oder des Hochlands (kann mir jemand dazu etwas Info geben?). Sicher, das wäre gut. Ich blicke deswegen (wenn es auch in eine ganz andere Richtung geht) mit Neid über den großen Teich und sehe dort Zeitungen wie "Dappled Things" oder "Catholic Answers".
Eine andere Sache - ja, der Post mutiert gerade zu einer johanneischen Werbepause, aber die hat er verdient - ist das Liedgut. Ich bin fest davon überzeugt, daß man im Kampf seine Lieder braucht, um es etwas militaristisch zu sagen. Früher gab es das auch: Wie eben Johannes auf seinem Zweitblog Cäcilia erwähnt, war beispielsweise "Ein Haus voll Glorie schauet"in Zeiten des Kulturkampfes gedichtet worden. Ebenso klingt in "Unüberwindlich starker Held" letztlich der dreißigjährige Krieg an. Die Dichter sind in diesen Liedtexten Gott und den Heiligen mit ihren Bitten entgegengetreten.
Ich möchte nun kein Lobpreisbashing betreiben - es gibt Ort und Zeit für diese Lieder (Stichwort Nightfever bspw). Manchmal jedoch, wenn ich mir beispielsweise den doch recht seichten Sacropop der Weltjugendtagshymnen anhöre, kommen mir die Katholiken vor wie die Eloi: Sorglos, glücklich, kindisch - während sie gefressen werden.
Ähnlich geht es mir beim Marsch für das Leben. Warum wird auf einen Schweigemarsch so wert gelegt? Warum singt man nicht, von einem Posaunenchor begleitet, "Fest soll mein Taufbund immer stehen"? Einer der größten Momente auf einem der Märsche war für mich bei meinem ersten Marsch, als wir 2009 den Gegendemonstranten am Ende ein "Großer Gott, wir loben Dich" entgegenschmetterten.
Ich sage nicht, daß dadurch die Stimmung gegen die Kirche sofort besser werden würde, aber ich denke, daß wenigstens wir uns dabei besser fühlen würden, wenn wir ein gemeinsames Liedgut hätten, daß die Fähigkeit hat, uns zu stärken.
NACHTRAG: Gestern war ich in etwas zu düsterer Stimmung, weshalb ich meine Aussage bzgl meines beruflichen Umfeldes in ein etwas korrekteres Licht rücken muß: Es ist nun nicht so, daß ich im tiefsten Babylon arbeite, Leute, denen ich sagte, wo ich im Glauben stehe, nehmen das durchaus wohlwollend entgegen. Es ist nur so, daß ich, wenn ich merke, daß die Gespräche meiner Büronachbarn in eine gewisse Richtung gehen könnten, die Grundsatzdiskussion meide. Das ist nicht nur bei religiösen Themen so, sondern bspw auch beim Verbreiten von Halbwissen über Amerika. Wenn ich merke, daß eine Diskussion sowieso schon mit Scheuklappen geführt wird, mach ich eher die Tür zu als mitzudiskutieren.
Das soll kein Vorwurf gegenüber den Scheuklappenträgern sein. Jeder hat solche irgendwo. Und sicherlich sollte man mit Leuten mit Vorurteilen auch reden, aber ich frage mich, ob das dann der richtige Zeitpunkt ist.
6 Kommentare:
"muss ich an dieser Stelle feige gestehen"...: Das Geständnis als solches ist nicht feige, ganz im Gegenteil.
Insgesamt: ein wichtiger Beitrag, danke dafür! Und liebe Grüße an Deine tapfere Frau.
Herzlichen Dank für die aufmunternden Worte, KingBear!
Gerade hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einen Teil dieser unsäglichen Diskussion zu lesen.
Es bestätigt mich weiter in meiner Haltung, daß Diskussionen solcher Art schlicht und ergreifend sinnlos sind.
Es gibt nur einen Weg, sobald das Bashen losgeht, gilt:
»Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.«
(Lk 10,10 f.)
Ich habe die "Debatte" auf facebbok auch gelesen und ich war wirklich schockiert. Genauso schockiert mich der Kommentar in der Welt, von dem ich fast nicht glauben kann (glauben möchte), daß er so dastand. Da ich aber weiß, daß Du hier keinen Humbug verbreitest, muß ich es leider glauben. Liebe Grüße an Euch beide und bleibt tapfer!
Feige bist Du ganz und gar nicht - dies vorweg. Ich meine, wir müssen so leben, dass wir Vorbilder sind und die anderen uns nach dem Grund dafür fragen.
Was mich momentan am meisten wurmt, sind die Schleimer unter den Katholiken - d i e sind feige; dazu zählen leider die meisten deutschsprachigen Bischöfe, wie Overbeck, der (s. Gloria.tv) es wagt, den Präfekten der Glaubenskongregation kleinmütig und kleingeistig zu kritisieren: Seine (und Kardinal Meisners) Formulierungen seien «nicht hilfreich, zumal wenn sie historisch besetzt sind». Die Höhe ist, dann noch zu behaupten, die Kirche habe es sich «zum Teil selbst zuzuschreiben». Das sagt ein Bischof in der gegenwärtigen Situation! Ich bin der Meinung, wir müssen zunächst für Ordnung in unserer Kirche sorgen: Ich werde diesen lauwarmen Genossen - damit meine ich insbesondere, aber nicht nur unsere Bischöfe - künftig meine Meinung zukommen lassen. Wenn das auch andere machen, kommen sie vielleicht auf den Gedanken, dass sie als Hirten eine besondere Verantwortung haben: "Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde." Darauf läuft für mich diese elende Schleimerei hinaus. Im übrigen schließe ich mich Norbert Bolz an, der immer noch kein Katholik ist (den ich zwar sehr schätze, aber auch kritisch gegenüberstehe): "Die Kirche muss sich durch Persönlichkeiten darstellen, die Profil, Mut und Kampfkraft zeigen." Wo sind diese Persönlichkeiten?
Ich muss an dieser Stelle feige gestehen, dass ich das genau so handhabe wie Sie, wenn ich mich im Kreis meiner evangelikalen Umgebung bewege.
Jeder Diskussion gehe ich tunlichst, um des liebe Friedens Willen, aus dem Weg.
Als ich mal vorsichtig auf das in den Zehn Geboten verankerte Bilderverbot hinzuweisen versuchte (an Themen wie Sex oder gar Abtreibung traue ich nich eh gar nicht mehr ran) habe ich, um es mal euphemistisch auszudrücken, einen Shitstorm in der Nachbarschaft ausgelöst, der mich alles andere als ruhig schlafen ließ. Und ich habe das, in (Name der Stadt), auch schon in der katholischen Version erlebt.
Also willkommen im Club der gemobbten.
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