Ich bin mir sicher, daß der Heilige Vater gute Gründe für seinen Rücktritt hat. Trotzdem hat mich die Nachricht heute komplett aus der Bahn geworfen.
Nach dem Mittagessen guckte ich mal nebenbei auf mein Handy - ich glaub, um Musik zuhören. Zu Musik läßt es sich, gerade wenn im Büro die Arbeitskollegen sich unterhalten, besser arbeiten. Auf meinem Handy waren zwei SMS von Freunden und eine von meiner Frau, die mir die Neuigkeiten überbrachten. Es hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen, weshalb ich heute auch früher gegangen bin.
In einem anderen Büro hörte ich einige Zeit später einen ITler über Religion lästern und zwei - an sich recht nette - Kollegen debil dazu lachen. Das gab mir noch zusätzlich den Rest.
Ich danke dem Heiligen Vater für die Zeit. Nicht nur für die, in der er als Benedikt XVI wirkte, sondern auch für die Zeit vorher, in der er mit Johannes Paul II das die Kirche leitende Zweiergespann war, daß ich bei meiner Konversion kennenlernen durfte. Der Heilige Vater hat durch seine scharfsinnigen Äußerungen, seine vielschichtigen Texte und seine barmherzigen Urteile über die Welt der Menschheit viel mitgegeben, was auch in der Zukunft noch weiter rezipiert werden wird.
Egoistisch muß ich jedoch auch anfügen "Warum jetzt?" Die Vernunft sagt mir, daß es so sicher besser war, aber gerade im jungen Jahr 2013, in dem eine antiklerikale Sau nach der anderen durch das mediale Dorf getrieben wird (jetzt benutze ich schon zum zweiten mal die Formulierung!), in dem, wie man an der Debatte um die Pille danach erkennt, auch im kirchentreuen Volk Uneinigkeit herrscht (gestern schrieb der von mir an sich sehr geschätzte Herr Rohnheimer mMn wenig hilfreiches zur Debatte), gerade jetzt muß uns der Heilige Vater verlassen? Ich habe vorgestern gesagt, daß ich den Druck, den die antiklerikale Stimmung erzeugt, kaum noch aushalte und weiß ich, wie sich verlorene Schafe ohne Hirten fühlen...
Ich will jedoch nicht ganz negativ enden, deshalb einen versöhnlichen und einen eher amüsanten Abschluß. Fangen wir mit dem amüsanten an:
- Ich habe heute nach Feierabend mit meiner Schwägerin telefoniert. Diese ist eine Vorzeigenichtkatholikin: Zwar leider nicht gläubig, aber durchaus offen für das Katholische. Eine sehr liebe, tolerante und intelligente Frau. Ich erzählte ihr, wie ich mich fühle und sie war vollkommen aus dem Häuschen, da sie die Nachrichten nicht gehört hat. Sie fragte mich "Darf man das denn überhaupt". Ich antwortete jein, es ist technisch möglich, ist aber, dieses Mal mitgezählt, zwei Mal geschehen, das letzte Mal vor siebenhundert Jahren (ok, zweimal vollkommen freiwillig ohne daß es ein Schisma gab etc pp). Sie antwortete mit einem ehrfürchtigen "wow" (nicht wortwörtlich, aber war ob des historisch fast einzigartigen Momentes durchaus angetan). Mir ging es dann auch besser; nicht jede Generation kann von sich sagen, den freiwilligen Rücktritt eines Papa Angelicus zu erleben. Das ist schon cool.
- Papst Benedikt XVI hat bekannt gegeben, daß er sich in ein Kloster zurückziehen wird. Ich bin mir sicher, daß er, der große Mann Gottes, für seine Kirche viel beten wird. Und ich denke, daß wir es brauchen können.
Heiliger Vater, ich danke Euch!
1 Kommentar:
Ich hab da eine Frage zum Procedere:
Der Papst tritt zurück. Dann ist er doch wieder Kardinal, oder?
Und als Kardinal, nimmt er dann am Konklave teil?
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