Freitag, Februar 17, 2012

Gleichberechtigung

Wiener Leser werden sicherlich schon lange wissen, daß in Wien für Schwangere, Alte, Menschen mit Kindern und Blinde man bemüht ist, Sitzplätze in der U-Bahn freizuhalten:


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Nun gehört es ja heute zum Guten Gender - Ton, darauf hinzuweisen, daß nicht nur alte und blinde Männer (bzw. Mütter mit Kindern) sitzen dürfen. Das waren ja damals noch zeiten, als man neunzigjährigen Frauen sagte "BLEIB MAL STEHEN", nur weil sie eine Frau war. Und blinde Frauen lebten ohnehin in der festen gewißheit, man könne in der Wiener U-Bahn nur stehen. Jaja, die Zeiten, bevor man alles durchgenderte waren schon schrecklich. Aber dank der moderne weiß nun jeder, daß alles nun auch für das gegenteilige Geschlecht gilt:


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Das ist ja alles schön und gut, aber ich frage mich... Wo ist das männliche Pendant zur schwangeren Frau? Darf ich nun endlich in der U-Bahn fragen "Könnten Sie mir einen Platz freihalten? Ich bin ziemlich fett, was nicht sinnvoll für meinen Rücken ist".
Ich mein, in der Heutigen Zeit wird die Achtung doch sicherlich nicht dem Kind oder der werdenden Mutter, sondern der Person, die durch eine (ungewollte?) Schangerschaft eingeschränkt ist, gelten. Und dann verlang auch ich Achtung! Darauf ess ich nun erstmal Bacon Strips.

Ich mein, in Amiland ist man nun schon so weit, daß die US-Truppen durch Polster etc. lernen, wie es sich anfühlt, fett, Verzeihung, schwanger zu sein:


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8 Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Du hast das Problem ja so garnicht verstanden.
In hoffentlich einiger Zeit sagst Du: Meine Frau erwartet - wie Sie an mir sehen - ein Kind; lassen Sie mich sitzen.

FingO hat gesagt…

Heißt es nicht inzwischen (mit Blick auf den Staat): "Meine Frau erwartet ein Kind und sie lassen uns sitzen?"

Mann, heute hab ich aber meine sozialkritischen....

Johannes hat gesagt…

Wenn ich, auf einem Frauenparkplatz parkend, meinem kritischen Fragesteller antworte, wie ICH denn dazu komme, hier zu parken, antworte, dass meine Frau abends den Wagen holt. Gilt das?

Cassandra hat gesagt…

Schwangere sitzen lassen in der U-Bahn:

das ist nicht nur eine Achtungsfrage: Meine Frauenärztin hat mir relativ deutlich gesagt, dass ich ab SOFORT mich im Bus hinzusetzen habe. Warum? WEil duch Stürze sich die Plazenta lösen kann, was dann innerhalb von ein paar Minuten zum Tod des Kindes führt.

Als ich zwischendurch mal in Krankenhaus lag, lag neben mir eine andere Schwangere. Sie hatte beim Einparken die angerumpst und das brachte ihr 24 Stunden Beobachtung ein.

Das ist keine Anstellerei odr ein überkommenes Rollenbild, sondern eine notwendige Vorsichtsmassnahme.

Und da diesen Grund kein amnn anführen kann braucht auch deswegen kein mann einen Sitzplatz.

Ansonsten finde ich die Idee, Leute, die noch nie schnanger waren, mal versuchsweise mit einem mehlsack for dem Bauch rumlaufen zu lassen eigentlich gut- das hilft vielleicht, sich in die körperlich doch relativ eingeschränkte Situation reinzufühlen.
Vielleicht gibt es dann ja weniger Kommentare wie "Schwangerschaft ist keine Krankheit". ist sie nicht, das stimmt, aber fit ist frau dann auch nicht mehr. Fit genug zB um mal eben hinter dem Bus herzusprinten wa rich nie damit.

FingO hat gesagt…

Cassandra, keine Sorge: Ich werde natürlich für jede Schwangere Frau aufstehen. Ich habe mich eher über die Durchgegenderei geärgert.

Was mich an dieser Mehlsack-Sache so wahnsinnig ärgert ist eben, daß Schwangerschaft etwas DEUTLICH anderes ist als ein dicker Mann in Form einer Schürze vor sich herträgt - es ist nämlich mehr als nur eine Belastung, die vllt beim Laufen behindert oder den Rücken kaputt macht: Es ist ein Kind, was dort entsteht. Nicht nur aus Respekt vor der werdenden Mutter, auch zur Sicherheit des Kindes ist man(n) angehalten, für eine schwangere Frau aufzustehen. Und das ist etwas, was ein Mann mit einem Mehlsack nie lernen wird (vor allem nicht, wenn man ihm gleichzeitig in der Kultur einimpft, daß ein Kind "ein Unfall" sein kann).

Ich hoffe, ich konnte klar stellen, daß ich nichts gegen schwangere Frauen habe. Meine Verlobte wird ja auch möglichst bald nach der Hochzeit eine solche sein :)

Cassandra hat gesagt…

Rein von der körperlichen Eingeschränktheit her ist eine Schwangerschaft wesentlich mehr als ein Sack vor dem Bauch: nach mehr als 10 Metern bekam ich zeitweise Seitenstechen.

Man sollte die körperlichen Einschränkungen nicht kleinreden. Mein Mann war zeitweise im Nebenberuf Lastkran: ich sollte baden, sagte die Hebamme. Machte ich. Aber das rauskommen aus der Wanne...
Schuhe anziehen dauerte im Winter ewig. Und so weiter. Warte es ab das bekommst du auch alles noch mit. Und ganz ehrlich: es hat auch ungeheuer komische Seiten. Echt. Die Situationskomik ist teilweise echt Soap-reif.

Aber gerade weil da eine Frau Einschränkungen auf sich nimmt, die sie durchaus merkt ist diese Zeit etwas, was immer mehr auf Unverständnis trifft. So in der Richtung "selber schuld, was machst du das auch".

Die Durchgenderei: in der ersten Schwangerschaft beklagte sich ein Kollege, dass alle anderen jetzt einen teil meiner Arbeit (Papierpakete schleppen) mitmachen müssten und die andere Kollegin war zeitgleich auch schwanger und schleppte weiter. So könne man das ja auch machen... die "stellte sich ja nicht so an" und trank beim Bürofrühstück weiter Sekt und ging auch zur Raucherpause. Jedenfalls war das Diskriminierung in seinen Augen. Ich schlug vor, er möge einfach schwanger werden. So einfach sei das.

Es gibt immer stärker die Anfordung an Schwangere, weiter gleich lestungsfähig zu sein und sofort nach der Geburt auch wieder zu arbeiten. Die Argumentation läuft grob so: wir sind doch gleichberechtigt, also nimm dir keine Privilegien.
Und das funzt nicht.

Wenn also (zugegegben etwas alberne) Turnübungen mit Mehlsack vor dem Bauch helfen, klar zu machen, dass Kollegin X vielleicht nicht nur rum-memmt, sondern echt nichts mehr gehoben kriegt oder Probleme mit dem Sitzen hat weil sich ihre Wirbelsäule verbiegt, dann geht das in die richtige Richtung und ist vom eigentlichen gender-Diskurs (wir sind alle gleich, die biologischen Unterschiede sind nur gesellschaftlich konstruiert) weg.

FingO hat gesagt…

Na, da stimme ich vollkommen zu. Letztlich sieht man hier eine der Fallen in dem ganzen Rumgegendere: Menschen müssen funktionieren. Also soll man sich nicht so anstellen, als schwangere Frau halt Starke Lasten heben, ach komm, einen kleinen Sekt verträgste doch, du warst doch früher nicht so ne Spaßbremse etc.
Und as war eigentlich die Hauptmotivation fürs Posten.

Cassandra hat gesagt…

ich habe mir mehrfach anhören müssen, ich könne ja auch die Schwangerschaft "unterbrechen". wenn irgendetwas Probleme machte- als ich zB mein Examen verschieben wollte und mich nach den dafür nötigen Formularkram erkundigte.

Nun suggeriert "Unterbrechung" dass man eben mal unterbricht und dann an dem Punkt wo man aufgehört hat weitermacht wenn alles geklärt ist.
Funzt aber nicht.

Als die Verwaltungsdame mir sagte, wenn das alles so komplizert sei, dann sei ja auch eine Unterbrechung eine Option fiel ich fast vom Stuhl.


Es gibt Menschen, die können mit den "Begleiterscheinungen" von Schwangerschaft nichts anfangen.

Die sehen zB das Problem nicht wenn man sagt "danke für die Einladung, aber Sekt ist grad nichts für mich"- das müsse man selber wissen, das könne man auch anders sehen, ob man das jetzt so strikt sehen müsse wisse er nicht etc.

Das läuft mittlerweile sehr stark unter "das ist deine Entscheidung, also jammer nicht über die Folgen!"