Am Samstag war ich das erste mal nicht nur passiv (wie beim Kongreß Freude am Glauben), sondern aktiv bei einer Nightfever Veranstaltung. Für die, die Nightfever nicht kennen, kann ich den Besuch der vorhergehenden Seite und dieser hier empfehlen: Elemente. Für Leute, die nicht nur als Besucher vorbeikommen, sondern mitmachen, kommt noch dazu, daß man Leute vor der Kirche anspricht und einlädt, vor dem Herrn zu verweilen.
Zwar bin ich kein liturgischer Traditionalist, wie der werte Leser sicherlich weiß, aber als zu Singen begonnen wurde, dachte ich mir erstmal "au backe, hier werd ich nie reinfinden". Hinzu kam, daß ich mich fragte, ob man Leute einfach so auf der Straße einladen könnte oder ob die einen nicht für bekloppt halten würden. Na ja, aber ein Sprung ins kalte Wasser lohnt sich ja manchmal und o tat ich ihn auch hier.
Und ich muß sagen, es hat sich gelohnt! Ich hatte zwar etwas mit Kopfschmerzen zu kämpfen (bzw. mit der Sorge, daß die bei diesem Pisswetter sie wieder aufkommen), fand aber ins Gebet und wie ich sehen konnte, nicht wenige Besucher auch.
Ich war vor allem über die "heterogene Verteilung" der unterschiedlichen Menschentypen (yeah, der Wissenschaftler schlägt wieder zu) sehr erfreut; so kamen ältere Männer und Frauen, türkische Jugendliche, Afrikaner, Alternative mit Rastas, Langhaarige Bombenleger und hello Kitty tragende Mallgoths in die Kirche. Ich fand es toll zu sehen, wie sich Leute aus dem "um die Häuser ziehen" für ein paar Minuten vor dem Allerheiligsten reißen ließen, eine Kerze anzündeten und die von Gott erfüllte Stille ein wenig wirken ließen. Ein sehr hübsches Beispiel hierfür war eine vierköpfige Truppe "waschechter Männer", die glaub ich vorher bei Curry 36 waren (eine Tat, die an sich schon lobenswert ist). Von denen ist zu Beginn nur einer in die Kirche gegangen, blieb dort fünf minuten, kam raus - und dann gingen alle vier nochmal kurz in die Kirche. Nach drei Stunden haben wir die Komplet gebetet und noch den Eucharistischen Segen empfangen - natürlich stilecht (und für mich alten Opus-Kumpel altbekannt) mit Tantum Ergo und Salve Regina. Was mich sehr erfreute, war zu sehen, wie viele Kerzen vor dem Allerheiligsten brannten -war doch schließlich meine Bitte beim Rosenkranz, daß der große Kerzenständer (wie ist der ekklesiologisch korrekte Ausdruck dafür? Kerzenbank? Na ja, die Teelichtsammlungen, die vor Marienbildern auch oft stehen....) bis zum letzen Platz mit Kerzen befüllt wird. Dieses Gebet hat der Herr erhört.
Schön zu sehen, wie wenig es bedarf, um in der Hektik des Abends Leute mit dem Allmächtigen in Kontakt zu bringen. Ich kann jedem empfehlen, bei einer Nightfever-Aktion mal vorbeizugehen oder noch besser mitzumachen, ungeachtet, ob man nun die Musik klasse oder nicht findet. Hierzu kann ich auch nur sagen (damit niemand was falsches denkt), daß es zwar teilweise von Gitarre begleitete Lieder waren (und Violine und Klavier), aber sowohl textlich als auch von der Melodie her doch eher besinnliche Lieder waren. Also erklang kein "Wo Menschen sich vergessen"-Alert.
Jedenfalls: Lohnt sich, ich werd nächsten Monat wieder dabei sein.
5 Kommentare:
Danke für den Hinweis!
Eigentlich bin ich dort Stammgast, an diesem Samstag war ich leider krank. Den Gesang finde ich auch gewöhnungsbedürftig, je nach Art mal mehr, mal weniger. Aber die Atmosphäre ist schön, und die Leute kommen, weil sie beten wollen, nicht die Kirche besichtigen – das macht viel aus, finde ich.
Liebe Braut des Lammes,
ja, dieses Wochenende konnte man bei diesem Wetter auch fast nur krank werden. Gute Besserung an dieser Stelle!
Wie schon geschrieben, fand ich die Musik keineswegs schrecklich, ich muß sogar sagen, daß ich mich im Laufe des Abends immer mehr damit angefreundet habe. Aber gewöhnungsbedürftig trifft es für einen sachlichen Opus Dei-Freund wie mich ganz gut ;) . Die Musiker haben sich wirklich bemüht, eine besinnliche Stimmung zu erzeugen - mit Erfolg, meine ich. Und ich denke, daß der Grund dafür war, daß sie nicht primär Musik machten, sondern mit der Musik gebetet haben.
Ich weiß nicht, was Du für Musik hattest. Bei uns in Münster waren es die ganzen Gassenhauer aus meiner Freikirchlerzeit, also diese "Feiert Jesus"-Kollektion. Die fand ich damals gut, aber in dem Kontext haben sie mich total abgelenkt. Was natürlich nicht die Schuld der Musiker war.
Ich find sie an sich nicht schlecht. Schlicht, aber immerhin Lobpreis und nicht Sozialgedudel, und gerne mal mit biblischem Bezug. Sag ich nicht Nein.
Schön, dass Du es schön fandest. Ich finde es auch immer bemerkenswert, wie viel unterschiedliches Volk kommt und wie sich die Leute entschleunigen. Noch erstaunlicher finde ich, dass die so viele die Gelegenheit zur Beichte nutzen oder teilweise genau deshalb antraben. Schon merkwürdig, wenn man dann aus der ein oder anderen Pfarrei hört, dass niemand feste Beichtzeiten haben will.
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