Samstag, September 26, 2009

Marsch für das Leben



Heute bin ich den Marsch für das Leben mitgelaufen. Ich muß sagen, daß ich glücklich bin, meinen Hintern hochbekommen zu haben und weder die Lauheit noch die Feigheit obsiegen ließ.
Schon zu Beginn, bei der Kundgebung wurde versucht, durch Lärm vom Programm abzulenken. Das hat an einigen Stellen sehr widerliche Züge angenommen, so zum Beispiel, als eine schwerbehinderte Sportlerin (ja, mein Namensgedächtnis ist nicht das beste) über Lebensschutz sprach, daß hier von (wie man fairerweise sagen muß, wenigen) Abtreibungsrufe laut wurden; hier schrammt man wirklich nicht mehr nur knapp an der Eugenik vorbei, man bekennt sich dazu. Wie schon Tiberius schreibt, war ein weiterer widerlicher Moment, als eine Frau den Tränen nahe über das PAS sprach. Generell war es ziemlich subversiv, wie sich die Gegendemonstranten unter das christliche Volk mischten.

Nach solchen Momenten befürchtete ich schon schlimmes auf dem kommenden Schweigemarsch, aber hier sei es der Polizei gedankt, daß zumindest meine Wenigkeit relativ ungestört laufen konnte. Sicher, man hörte die üblichen Sprechchöre, Trillerpfeifen etc., wodurch ich mich nicht bestens auf meinen Rosenkranz konzentrieren konnte. Letztlich blieb in meiner Umgebung aber alles human, es gab keine Leute, die den Demonstranten die Kreuze wegreissen wollten oder ähnliches. An dieser Stelle eine Frage an den gegebenenfalls informierten Leser: Ich habe keine Konflikte mit den Gegendemonstranten bei der Austeilung der Kreuze mitbekommen (nur ein zugegebenermaßen passender einwurf eines bekannten Python-Zitates aus "Das Leben des Brian"), hätte aber gerade hier mit solchen gerechnet.

Zum Abschluß des Schweigemarsches wurden noch die ersten drei Strophen von "Großer Gott, wir loben Dich" gesungen, was meiner Meinung nach ein ziemlicher Triumph war, weil der zivilisierte Gesang der Demonstranten das Gegröhle des Pöbels überdeckte.
Ansonsten? Hmmm....Zwischendurch mußte ich doch fast lachen, als ein einsamer Demonstrant ziemlich lustlos eine Wellpappe mit schlecht draufgeschriebenen "Nieder mit der Kirche" hochhielt. Er wirkte dadurch fehl am Platz und etwas peinlich berührt. Leider standen nicht überall einsame Demonstranten herum, gerade auf den letzten Metern waren wir von etwas lauteren "Alternativen" umgeben.
Resumee: Ich werde auf jeden Fall auch das nächste Jahr wieder mit marschieren. Ich weiß nicht genau, ob man mit diesen Märschen direkt Leute gewinnen kann, denke aber, daß es sehr gut ist, zu zeigen, daß wir weiterhin da sind und nicht klein bei geben. Daß für uns Abtreibung noch nicht "rechtswidrig, aber straffrei" ist und ein Kind im Mutterleib auch noch nicht ein "Zellhaufen" ist. Das Kreuz geschultert und von den Seiten mit Hohn bedacht erinnerte ich mich (der ich passenderweise den schmerzensreichen Rosenkranz betete) an Christus auf der via dolorosa - auch wenn ich nicht wirklich litt - und daran, daß selig jene sind, die in seinem Namen verfolgt und geschmäht werden. In der Hinsicht haben die Trillerpfeifen und die gebrüllten Parolen vor allem dazu geführt, daß ich mit heiligem Stolz erfüllt das weiße Kreuz als die Standarte Christi trug.

Und ganz weltlich war es schön, zwei Bloggerkollegen und noch andere Bekannte Gesichter getroffen zu haben.

7 Kommentare:

Maria Magdalena hat gesagt…

Danke.
Danke, dass du mit gegangen bist.
Danke für den Bericht. Leider konnte ich nicht "in persona" mitgehen, aber ich habe an Euch gedacht und mit für Euch gebetet.

Anonym hat gesagt…

Lieber Phil,

Du sprichst mir mit den Eindrücken aus dem Herzen. Auch ich fürchtete Übergriffe. Auch ich bin der Polizei sehr dankbar, gleichwohl ich es schon sehr erschreckend finde, dass man für eine Erinnerung an Art. 1 GG so aggressiv beschimpft wird, ganz abgesehen davon, dass ein bestimmter Ungeist sich quasi professionell gegen Kreuz und Kirche stellt. Aber ich glaube, dass man so Christus besonders nahe sein kann. Und den Schwestern und Brüdern, die für ihren christlichen Glauben tatsächlich verfolgt und unterdrückt werden; Schätzung sprechen weltweit von einer viertel Milliarde Menschen.

Was mich erschreckt, das sind die Unterstellungen, mit denen von der „Gegenseite“ gearbeitet wird. Wer sich für das Leben einsetzt, ist a) Frauenfeind und b) Nazi. Es war sehr schön, auch viele junge Frauen bei dem „Marsch für das Leben“ zu sehen. Auch meine Frau ist mitgenommen. Sie ist Peruanerin und hat als solche einen anderen Blick auf die „Berliner Verhältnisse“. Als einige grölten „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ und damit ihrem Wunsch nach Anarchie Ausdruck verliehen, meinte sie nur: „Warum gehen sie nicht nach Somalia?“

Sehr beeindruckend war der Gottesdienst. Die obligatorische Störaktion war einfach, aber sehr aufschlussreich. Eine junge Dame warf rohe Eier auf den Boden der Kathedrale. Ich würde gerne mit dieser jungen Dame sprechen. Ich möchte sie fragen, was sie bewegt, warum sie sich so eindeutig gegen das Leben stellt, dessen Symbol sie wieder und wieder zerstörte. Was hat sie erlebt? Was wünscht sie sich? Was glaubt sie, das wir uns wünschen?

Sehr gelungen fand ich, wie Bischof Voigt in seiner Predigt den Satz „Hätt’ Maria abgetrieben, wär’t ihr uns erspart geblieben!“ deutete. Ich habe die ganze Zeit schon gedacht: „Ja, klar – ,hätte’! Conjunctivus irrealis.“ Aber die theologische Quintessenz, dass wir Menschen, also auch ich, Ihn abgetrieben haben, hinausgetrieben nach Golgatha, die „saß“!

Anonym hat gesagt…

Nun aber auch zwei Kritikpunkte.

1.) Als die Kreuze verteilt wurden, blickte mir die junge Dame, die diese Aufgabe übernommen hatte, sehr lange prüfend in die Augen. Das empfand ich als etwas, nun ja, unangenehm. Und es brachte mich zu dem Gedanken: Wie sieht jemand aus, der das Kreuz zu tragen verdient? Hätte Jesus ein Kreuz von ihr bekommen? Klar, ich weiß, die „Vertrauensprüfung“ entspringt einem gesunden Sinn für Realität. Dennoch: Ich fand’s unangenehm.

2.) Als Lebensschützer sieht man sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, ein „Nazi“ zu sein (Frauenfeind ja sowieso – das ergibt sich schon aus der Kirchenmitgliedschaft). Das ist mir sehr unverständlich, weil ja die NS-Ideologie geradezu das Gegenteil von Lebensschutz bedeutet und Lebensschutz das Gegenteil von NS-Ideologie. Ich will diesen unvernünftigen Vorwurf auch nicht gestelzt zu rationalisieren versuchen. Ich könnte mir aber vorstellen, wie es zu diesem Missverständnis kommt: Menschen, die meinen mit NS-Ideologie könne man Probleme des 21. Jahrhunderts lösen, argumentieren oft aus der Perspektive der Bevölkerungsentwicklung gegen Abtreibung. Sie teilen damit das Anliegen des christlichen Lebensschutzes, nicht aber das Argument für dieses Anliegen. Denn die Bevölkerungsentwicklung hat uns als christliche Lebensschützer nicht zu interessieren.

Sehr fragwürdig finde ich deshalb die Argumentation von „EuroProLife“, die auf einem Flugblatt darauf hinwiesen, dass „Europa mit einer Geburtenrate von nur 1,5 weit unter dem für den Selbsterhalt eines Volkes nötigen Mindestwert von 2,1“ liege. Mit Verlaub: Das interessiert mich nicht! Mein Grund, mich für Lebensschutz einzusetzen, ist ein anderer: Der Mensch ist als Geschöpf Gottes von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein Ausdruck der göttlichen Liebe, mit welcher der Schöpfer seinem Werk die Krone aufsetzt. Es geht mir nicht um den Fortbestand europäischer Völker. Mir ist das koreanische Kind ebenso wichtig wie ein Kind aus Cottbus. Hier besteht Klärungsbedarf. Wir müssen uns abgrenzen von denen, die aus ganz anderen Gründen dasselbe Thema ansprechen, sonst aber mit uns nicht, aber auch gar nichts zu tun haben! Domkapitular Msgr. Przytarski erwähnte ähnliches in der Begrüßung zum Gottesdienst.

Allerdings sollten die, die zu schnell mit der Nazi-Keule schwingen, besonders in den eigenen Reihen sehr aufmerksam sein. Pikant war in diesem Zusammenhang, dass eine Bibel verbrannt werden sollte. Das allein ist verletzend und stimmt mich traurig. Aber genau das sollte es ja wohl auch. Nur geschah es in der Nähe des Ortes, wo schon einmal Bücher verbrannt wurden, die bestimmten Menschen ein Dorn im Auge waren. Das sollte selbst bei denen, die nichts lieber tun, als ihre Mitmenschen zu ärgern, zumindest soweit Erinnerungen wecken, dass man bei näherer Betrachtung wünscht, es unterlassen zu haben, sich hier mit denen gleich zu machen, die man ablehnt – oder wie darf ich „anti-faschistisch“ verstehen? Egal, wie man zu Fragen des § 218 StGB steht – Bücherverbrennungen sollten nicht Teil der Auseinandersetzung sein. Sonst setzt man sich dem Verdacht aus, einfach nur zu hassen. Und dass ein Mensch einfach nur hasst, das weigere ich mich zu glauben.

Ich bin sehr froh, dabei gewesen zu sein. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, alles richtig zu machen. Trotz meiner anfänglichen Furcht (und der Bequemlichkeit). Die Furcht wandelte sich langsam in Freude, eine klitzekleine Ahnung von Kreuzweg und Nachfolge zu bekommen. Mit dem „Kreuz tragen“ ging es ja schon mal ganz gut.

Ein Resümee gibt es auch auf der Seite des Bundesverbandes Lebensrecht (http://www.bv-lebensrecht.de).

Ach, übrigens: Die Sportlerin war die Paralympics-Siegerin Michaela Fuchs.

Josef Bordat

Johannes hat gesagt…

Nächster Blogozesentreff in Berlin?

Tiberius hat gesagt…

Das sind zwei schöne Kommentare, Jobo72! Sehr bedenkenswert!

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

"Denn die Bevölkerungsentwicklung hat uns als christliche Lebensschützer nicht zu interessieren." - Jedenfalls nicht als Argument für die Schutzwürdigkeit der Ungeborenen. Exakt. Und daher ist es sehr bedauerlich, wenn von Leuten wie Laun ständig aus dieser Ecke "argumentiert" wird - ziemlich suboptimal und dringend veränderungsbedürftig.

FingO hat gesagt…

jobo72, ich werde in einem eigenen Blogpost noch was zu Deinen Punkten sagen.

Johannes: Ich bin dafür! :)