
Sodele, da Scipio nicht die Zeit hat, etwas zu John Zmiraks Comic "The Grand Inquisitor" zu schreiben, tu ich das mal. Gestern kam nämlich ein kleines Kontrastprogramm, nämlich Piero Marinis "Challenging Reform" und eben Zmiraks neues Werk an. Einerseits gefiel mir an den Büchern, durch die ich Herrn Zmirak kennen lernte, nicht mit den beiden Büchern drastisch gewachsene Antipathie gegenüber der postkonziliaren Kirche (und natürlich welcher Sache ganz besonders? Richtig, dem Adolf Hitler in Ritueller Form, der Neuen Messe) absolut nicht. Ich brauche hier, denke ich, nicht näher ins Detail zu gehen, ein aufmerksamer Leser weiß, was ich von diesem Denken halte.
Andererseits waren die Bücher streng katholisch, amüsant, intelligent und spannend. Und die Feierideen werden hoffentlich auch irgendwann einmal von mir verwirklicht, genauso wie die Rezepte hoffentlich nachgekocht werden!
Da die positiven Dinge weitaus überwiegen, war es für mich trotz der differierenden Sicht auf die moderne Kirche natürlich eine Pflicht, den neuen Zmirak zu kaufen und sofort zu lesen. Um Euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Der Comic gefällt mir sehr gut, auch wenn ich hier wieder einen ähnlichen Vorwurf bezüglich des Traditionalismus machen muß. Vor allem, weil es hier wirklich bedenklich wird, wenn er letztlich eine riesige, die Wahrheit unterminierende (und ziemlich erfolgreiche) Verschwörung im Vatikan suggeriert - die übrigens natürlich von den Modernen ausgeht, während der Held der Geschichte ein Mensch ist, der in einem Orden ist, der den Neuen Ritus weiterhin ablehnt - wie dieser Orden immer noch von der Kirche akzeptiert sein kann, war mir unklar. Aber vielleicht übertreibt da auch der bösewicht und unterstellt das dem Orden unseres Helden.

Der Plot ist, daß in naher Zukunft (die anscheinend mit einigen Päpsten gefüllt sein wird, da wir schon bei Paul VIII waren) ein Konklave stattfindet, wo die Fronten zwischen liberalen und traditionellen Kräften wirklich vollkommen erstarrt sind. So kann man sich nicht auf einen Papst einigen, ja, einige moderne Kardinäle verlassen das Konklave.
Beim Konklave schlägt der Primas der Ukraine einen schwarzen Mönch aus Sudan vor. Dieser ist auch kein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er jetzt in einem Karthäuserkloster lebt, hat er doch den Moslems die Stirn geboten und auch den Märtyrertod nicht gefürchtet.
Man kann sagen, daß dieser "Schwarze Papst" die Rettung für die desolate Kirche sein könnte, ein papa angelicus der Neuzeit. Das gefällt einem bestimmten Kardinal der Moderne nicht, so daß er ihn und seinen ukrainischen Fürsprecher bis zum Ende des Konklaves in Gewahrsam nimmt (in eine Klapse sperrt kann man auch sagen). Dort entwickelt sich ein spannender Dialog zwischen dem Kardinal und dem schwarzen Papst, in der Fragen nach Himmel und Hölle gewälzt werden. Weiteres will ich nicht sagen, außer, daß die Dialoge diesbezüglich wirklich gut sind und daß ich am Ende zufrieden war.
Die Bilder sind schwarz-weiß und gut gezeichnet. Ich kenne mich leider mit Comics zu wenig aus, um hier Vergleiche ziehen zu können (Garth Ennis würde mir aber nicht einfallen, schon allein, weiß er meines Wissens ein Storyboarder ist). Jedenfalls ist das Prager Jesulein in voller Kampfmontur und die Engel mit Gewehren wirklich sehenswert!
Auch wenn letztlich es wieder mal etwas einseitig imho betrachtet wird (der gute ist natürlich ein Anhänger des Alten Ritus...), ist dieser Comic ein Pflichtkauf.
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