Ich war nun eine ziemlich lange Zeit nicht beichten. Das ist zu einem großen Teil meine Schuld, da ich am Samstag es immer wieder nicht schaffte, zur Beichte zu gehen. Man kann mir dabei sicherlich eine gewisse Lauheit vorwerfen. Ein weiteres Problem ist sicherlich, daß ich hier in Jena nicht den Beichtvater habe, den ich in Berlin kennen- und schätzenlernte (Grund zur Rückkehr nach Berlin Nr 321).
Jedoch gab es nun auch einige Gründe, bei denen ich nicht auf meiner Seite die Schuld sehe, und darüber würde ich gerne heute meckern:
- Vor einigen Wochen war ich mit meiner Liebsten in München. Wir waren rechtzeitig zu einer Beichtzeit in einer Gemeinde, jedoch waren vor uns zwei ältere Damen, die anscheinend ihre Lebensbeichten ablegen mußten. Das kann ich ihnen nicht verübeln, jedoch fand ich es dann doch schade, daß der Priester nach der zweiten Beichtenden an uns vorbeiging, wissend, daß wir nicht einfach so da sitzen. Ja, natürlich, die Beichtzeit war vorbei, aber hm... hätte er nicht mal fragen können, ob wir Lebensbeichten planen?
- Letztes Wochenende waren wir in Köln und wollten eine Beichtgelegenheit in einer Gemeinde wahrnehmen. In der Gemeinde fand jedoch eine Taufe und eine goldene Hochzeit statt. Das ist sicherlich Ausnahmesituation, aber auch schade. Kam man wieder nicht dazu.
- Heute war ich zu einem neu eingerichteten Beichttermin in meiner Gemeinde. Es hieß, daß es nun auch am Donnerstag nachmittags, 17:30-17:50 eine Beichtgelegenheit geben würde. Ok, Philmän war da, hörte bei dem Rosenkranz zu, betete mit, der Priester betrat um halb sechs wie erwartet die Kirche UND....
... dann bereitete er die Messe vor. Er hat sich nicht in das Beichtzimmer gesetzt oder ähnliches. Ich dachte mir, daß ich warte, vielleicht setzt er sich später in das Beichtzimmer bzw den Beichtstuhl, aber Fehlanzeige.
Klar, natürlich, jeder kann jetzt sagen "hätteste ihn mal angesprochen", aber erstens konterkariert das dem Gedanken einer anonymen Beichte, zweitens sehe ich in einer eingerichteten Beichtgelegenheit etwas anderes als eine "Möglichkeit nach Anfrage", die es ja angeblich immer gibt.
Ich möchte den jeweiligen Priestern absolut nicht das schlimmste unterstellen, und ja, Taufen, goldene Hochzeiten etc pp, das sind alles wichtige Daten. Aber in der Beichte geht es um die Versöhnung mit Gott, darum, daß die Seele wieder weißer als Schnee sein kann - und ja, letztendlich um das Seelenheil des Beichtenden. Ist es wirklich so unwichtig, daß man immer wieder Beichtwilligen die Tür vor der Nase zuknallt, wegen gesellschaftlichen Verpflichtungen überhaupt nicht kann (nota bene: nicht wenige Gemeinden haben neben dem Priester einen Kaplan) oder selber zum Beichttermin eigentlich nicht erscheint (bzw so als würde es einen selbst nicht kümmern)? Was soll das?
UPDATE: Grandiose Episoden in der Geschichte der Menschheit müssen sich wiederholen, weshalb es heute auch keine Beichte gab. Sicher, es gab viel vorzubereiten - eine Firmung und eine Taufe gab es heute in der Vorabendmesse - aber nochmal: Es gibt zwei Priester in der Gemeinde. Streng genommen sogar drei. Und diesmal war der ehemalige Kaplan zu Gast. Also gab es letztlich vier.
8 Kommentare:
Ach je, wir sind mehrere Male über 50km zur Beichte gefahren (Wallfahrtskirche wo man gut beichten kann) nur um zu erfahren, dass heute keine sei, wegen goldener Hochzeit, oder normaler Hochzeit, oder weil wegen Ferien kein Priester da war.
Naja, es vermiest es einem schon.
Ich wäre auch dafür der Priester sitzt im Beichtstuhl und wartet, es ist nämlich irgendwie komisch, wenn man dem Priester erst hinterher laufen muss, wegen der Beichte.
War auch schon auf nightfevers wo man gar nicht wusste wo der Priester sitzt udn sich erst durchfragen musste, fand ich auch nicht gut.
Lösung habe ich von mir aus leider keine.
Ja, manchmal fragt man sich schon, warum das Sakrament der Beichte von einigen Priestern "runterklassifiziert" wurde. Fixe Zeiten im guten alten Beichtstuhl wären am Besten und die Ausrede, daß da niemand käme, glaube ich schon lange nicht mehr. Da müßten die Beichtstühle in Rom alle leer sein, aber da herrscht immer großer Andrang.
Ja,das kenne ich leider nur zu gut. Weniger, daß irgendwelche Hochzeiten oder Taufen in den Weg kommen als die einfache Tatsache, daß es mir absolut gegen den Strich läuft den Priester erst einfangen und meistens noch irgendwo aus einem Gespräch heraushebeln zu müssen. Vor der Beichte will ich mich vorbereiten, beten, zur Ruhe kommen und nicht Priester-Rodeo spielen.
Die Liebfrauen-Kirche in Frankfurt ist da eine äußerst schöne Ausnahme. Dort gibt es jeden Tag Beichtzeiten sowohl vormittags als auch nachmittags und da ist auch wirklich immer jemand im Beichtstuhl/Aussprache. Der Plan, wann wer da ist ist ausgehängt und im Internet. Das funktioniert wirklich gut. Im Stephansdom in Wien ist das theoretisch ähnlich, praktisch warten immer wieder etliche Gläubige vergeblich vor der Tür weil der Pater einfach nicht da ist. Kommentarlos.
Nun - so findet man immer wieder tausend Gründe warum man gerade heute nicht beichten war, aber morgen, ja morgen ganz bestimmt...
lg
Matthias
Dazu kommt jetzt auch noch die Todsünde in Köln gewesen zu sein und Euch nicht gemeldet zu haben! Wobei Dom in Köln doch ganz gut gehen sollte.
Und noch eine Todsünde: In München gewesen zu sein, ohne kurz "hallo" gesagt zu haben.... Dabei hätte ich Euch auch die Hot Spots zur Beichte verraten können. Wo habt Ihr es denn versucht? Die Innenstadt ist eigentlich voller Kirchen mit Beichtgelegenheit....
@dilettantus und Kasia: Sowohl in Kölle als auch in München hatten wir da wirklich kaum Zeit; in Köln waren wir beim Beisammensein mit dem Prälaten vom Werk, da war der Zeitplan recht straff.
Nächstes Mal sag ich aber Bescheid! Ich habe eh vor, viel mehr hier wieder auf dem Blog präsent zu sein. Facebook Schmacebook sag ich in letzter Zeit immer.
Ich denke einfach viele Priester halten es für Zeitverschwendung einfach im Beichtstuhl zu sitzen und zu warten.
Dazu kommt noch das man ja medienmäßig den Priestern unterstellt "eh nix vernünftiges zu arbeiten" und von daher auch Hochwürden selber denkt "Naja wenn ich nun jeden Samstag 2 Stunden lang da sitze Brevier bete, Rosenkranz bete, betrachte und warte, dann denken die Leute 'Der schafft nix' " und so ganz abwegig ist das nicht.
Jedoch würde ich mir von Priestern wünschen einfach das durchzuhalten.
Aber man erwartet von den Priestern ja mittlerweile auf die Leute zuzugehen, ihnen nachzulaufen und da passt es eben nicht zu sitzen und zu warten.
@ Bellfrell in Rom ist es in den letzten Jahren total gut geworden, man findet fast den ganzen Tag in den großen Kirchen Beichtväter für alle Sprachen.
Ich denke auch die haben sich einfach in die Beichtstühle gesetzt und müssen seitdem immer mehr Beichtstühle entrümpeln und mit Patres besetzten!
(Total subjektiver Eindruck meinereiner)
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