Freitag, August 10, 2012

Wie wenig Gerechte es braucht

Vor kurzem las ich in einem Artikel, daß die Frau von Billy Graham, Ruth Graham (Gott hab sie selig)sagte Wenn Gott Amerika jetzt nicht straft, muss er Sodom und Gomorra um Entschuldigung bitten..
Das fand ich eine erschreckende Aussage. Sicherlich, die Abtreibung, die vorgeburtliche Selektion etc - das sind Sünden, die buchstäblich zum Himmel schreien. "wer diesen kleinen auch nur ein Haar krümmt..." Ich kann nicht nur das Entsetzen über diese Gesellschaft des todes verstehen, ich teile es sogar.
Aber deshalb eine Strafe Gottes "fordern"? Erstens können wir das von Gott kaum fordern. Zweitens wissen wir nicht viel davon, wie es in Sodom und Gomorrha zuging. In der Hinsicht können wir kaum sagen, ob es jetzt schlimmer oder weniger schlimm ist. Zum dritten erinnert mich das an ein weltliches Pendant, was ich in Zeiten der Wirtschaftskrise schon öfter hören mußte: "Es ist Zeit, daß es mal wieder einen richtigen Krieg gibt". Wirklich? Man meint doch in beiden Fällen einen Krieg/Strafe Gottes möglichst weit weg. Und das ist ein wenig dreist, mit Verlaub.

Jedoch möchte ich nicht nur rumschimpfen, sondern eher Hoffnung machen.

Betrachten wir doch die Geschichte von Sodom und Gomorrha nochmal: Wie ich schon hier andeutete, ist die Geschichte von Sodom und Gomorrha unvollständig erzählt, wenn man nur sagt "GOT SMITES THEM DOWN!". Nein, Gott hätte Sodom und Gomorrha wegen zehn Gerechten stehen lassen. Und wenn ich in die katholische Szene (und auch die anderen christlichen Szenen) in Amerika blicke, dann sehe ich eine ziemlich blühende Szene mit vielen, vielen guten, ordentlichen Menschen, die sich darum bemühen (und zwar besser als ich), ihren Glauben im Alltag zu leben. Gott kann doch nicht den Gerechten mit den Ruchlosen dahinraffen!

Und so rufe ich denen, die brimstone and fire auf die Welt/die US of A/die moderne Zeit werfen wollen, dann doch zu "etwas hoffnungsvoller, bitte!".

5 Kommentare:

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Ich oute mich mal als "brimstone and fire"-Anhänger. Maranatha!

FingO hat gesagt…

Na ja, in verlinkter Bibelstelle findet ja aber schon eine Selektion statt, die in der Welt so nicht mit Brimstone and fire möglich wäre. Gott würde den Gerechten mit dem Ruchlosen wegraffen, wenn er Feuer und Schwefel auf Amerika oder Europa regnen lassen würde.
Anders sieht es mit Strafen aus, die man sich selber zufügt; hier denke ich an Röm 1,26 "Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus" - die Strafe Gottes ist letztlich die Sünde selbst.

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Naja, Ruth Graham hat das ja wohl nicht als bedachte Äußerung in einem 50tausendmal durchgesehen Redemanuskript kundgetan, sondern in spontaner Empörung. Entsprechend geht es ja in dem Artikel auch weiter, einerseits verweist Billy Graham auf die Barmherzigkeit Gottes ("Gute Nachricht: Gott reagiert auf Buße"), andererseits wird die Gesamtsituation in dem Artikel wie auch in meinem Kommentar als Zeichen der Endzeit gedeutet.

Um die Wiederkunft Christi sollen wir ja sogar beten, die schließt aber eben "brimstone and fire" ein. Wenn Du die Offenbarung des Johannes als ganze nimmst, stellt sich raus, daß auch die Gerechten die Leiden der Endzeit ertragen müssen, durch die vorausgehende Versiegelung aber die Standhaftigkeit in den Prüfungen gewährt bekommen.

FingO hat gesagt…

1.) ja, sicherlich hat sie besagten Satz nicht vollkommen durchdacht gesagt und sicherlich war es sin Ausdruck berechtigter Empörung. Das ändert jedoch nichts daran, daß es eben noch Gerechte in Amerika, ja, in der ganzen Welt gibt. Ich wollte eigentlich nur betonen, daß das Warten auf ein Gericht Marke Sodom und Gomorrha auch heissen kann, daß es noch genug Gerechte gibt.

2.) ich wollte nicht die Leiden der Endzeit negieren. Mir ist auch klar, daß man um die Wiederkunft Christi betet, übrigens nicht, weil man es soll, sondern weil ich mich nach Christus sehne. Mir ging es eher darum, daß man mit Forderungen nach einer Strafe Gottes vorsichtig sein soll. Ich habe dazu besagtes Zitat aus dem Artikel als Aufhänger gewählt, weil es ähnliche Äußerungen immer mal wieder gibt.


Zum von Dir angeschnittenen Thema: ich wünsche mir nicht, daß es brimstone and fire gibt, ich weiß jedoch, daß dies geschehen muß. Genauso wenig wünsche ich meinem Vater den Tod, jedoch das Leben in der kommenden Welt. Und hier weiß ich, daß dieser Tod geschehen muß.


Vielleicht ist es der Metaller in Dir, der den Fokus etwas mehr auf der Feuer-Sache hat, aber ich denke, wir sind uns hier einig, oder?

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Ok, einigen wir uns darauf, daß der Metaller in mir einfach hypersensibilisiert ist. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt :-/

Mit "wir sollen um die Wiederkunft beten" wollte ich eigentlich nur ausdrücken, daß das nicht meine spleenige Privatmeinung ist.