Samstag, Februar 05, 2011

An die Verräter, verzeihung, über 143 deutschen Theologen

Überall, wo eine Menschenseele sich aalt und wohlfühlt im Nebeneinander und Miteinander, umgeben vom Rechts und vom Links, eingelullt, eingehüllt in die Masse, dort wird in ihr langsam ein Haß wach, ein Haß gegen alles Große, Edle, Erhabene und Schöne. Und eine ungeheure Liebe zum Gewöhnlichen, Platten und Banalen.


So sprach Hans Milch und anders als bei so manch anderem Ausspruch stimme ich ihm aus vollsten Herzen zu. An sich ist das Gesagte, das eingelullt-sein in die Masse eine Wunderbare Beschreibung der Stagnation, der Lauheit.
Die Leute, die das Große, Edle erlangt zu haben glauben, können sich den Luxus leisten, auf das Platte, Schale zu starren und sich das zu wünschen.

Und in diesem Geist wagen es eine Truppe von anscheinend doch renommierten Theologen, mal wieder die Kirche ändern zu wollen. Das ist ja wirklich was neues und hat schon so oft zu sinnvolleren geführt - moment, ich glaube, ich irre mich. Ich stelle die einzelnen Punkte dieses Schreibens kurz vor bzw. fasse sie zusammen und stelle es dem Leser frei, diese Punkte für eine etwas polemische Meditation über den Sinn und Un-Sinn der Kirche zu nutzen.

Anyhow, man setzt also mal wieder darauf,

1.) die Hierarchie einzuglätten. Denn wie wir ja inzwischen wunderbar in unserem Staat mitbekommen, ist Demokratie bekanntermaßen das einzige, was die Menschheit sinnvoll voranbringt. Ohnehin: Wie sollte man bei einer Organisation, die zweitausend Jahre alt ist und sich auf den Sohn Gottes zurückführt, desweiteren als Sproß Gottes Auserwählten Volkes begreift, wieso sollte man sich denken, daß hier vielleicht nicht weltliche Standards gelten?

2.) verheiratete Priester und "Frauen im Amt" sollen die Gemeinden wieder füllen bzw. den "überforderten" Priestern etwas Arbeit abnehmen, so daß die Gemeinden wieder Orte der Begegnung werden. Das wäre ja löblich, wenn wirklich die Überforderung des Priesters das Problem wäre...
Liegt es am akademischen Dunst, daß man derart blind ist und nicht sehen kann, daß die Gemeinden aus anderen Gründen nicht mehr Orte der Begegnung sind? Daß papsttreue katholische Christen sich nach anderen Möglichkeiten umtun, um salopp gesagt, eine Frömmigkeit nach ihrem Geschmack zu finden? - Nebenbei gesagt, hätte man das doch wirklich als "modern" mal loben können: In dieser heutigen Zeit ist man in vielen Großstädten in der Lage, zwischen unterschiedlichsten spirituellen Strömungen in und neben der Kirche zu wählen, Von Wisiki über das Neokatechumenat und Opus Dei bis hin zur Piusbruderschaft ist alles vorhanden, was das Herz begehrt. Wieso soll ich also eine Gemeinde aufsuchen?

3.,4.) Das kirchliche Volk soll "Rechte" bekommen und sich auf Gewissensfreiheit berufen können. Da es nicht reicht, daß das kirchliche Volk als Kinder Gottes eine Würde und Privilegien hat, die die Welt nicht geben kann, soll die Kirche nun also gleichgeschlechtliche Paare dulden - ich hoffe, die werten Theologen verlangen endlich mal von den Physikern, Deeprak Chopra als renommierten Wissenschaftler zu akzeptieren. Das würde ähnlich viel Sinn ergeben.

5.) Nun soll die Kirche statt der Botschaft der Barmherzigkeit, der Botschaft, daß Gott jeden, der von Herzen bereut, JEDEN, der Gottes Barmherzigkeit sucht, annimmt, statt dieser Botschaft soll die Kirche lieber etwas Nabelschau betreiben - was sie übrigens ja noch nie vorher tat.

6.) Statt der Lebendigen Begegnung mit Gott sucht man die Zelebration der eigenen Kulur in der Liturgie - ach was: Stattdessen setzt man weiterhin auf die Kreativität von Frauengruppen, die mit bunten Taschentüchern ein Kreuz beschmücken und Kinder "Jesus liebt die MenschInnen" drauf malen lassen.

Überall, wo eine Menschenseele sich aalt und wohlfühlt... besser kann man anscheinend nicht die Situation der werten Herren Theologen beschreiben. Da werden weltweit für den Glauben, FÜR DEN WIRKLICHEN GLAUBEN, nicht irgendein Gutmenschenkonstrukt, Menschen, Männer, Frauen, Kinder verfolgt, weltweit ziehen Menschen, arme und reiche, Menschen aus allen Schichten und jedem Intellekts Hoffnung aus dem Glauben unserer Väter - aber eine Truppe von Gebildeten meint, das Rad neu erfinden zu müssen.

Ich kann kaum ausdrücken, wie sehr mich das ärgert. Nicht, weil ich etwas gegen Theologen habe - oh nein! An sich habe ich einen riesigen Respekt vor dieser Zunft und rege mich über Allgemeinplätze von Laien in Richtung Theologen regelmäßig auf (so letztens bei Leon Bloys "Das Heil durch die Juden"). Als Naturwissenschaftler und von Natur aus kopflastiger Mensch finde ich diesen Berufsstand sehr respektabel, ist er doch bemüht, das Mysterium Gottes, des dreieinen Gottes, der sich in Jesus Christus offenbarte zu erforschen. Das ist klasse! Doch durch solche schalen, langweiligen, dummen und häretischen Forderungen gießen sie Öl in das Feuer der Laienkreise, die gegen Theologen polemisieren.

Also, werte Theolog*innen (<- klasse, wie genderkonform ich sein kann, was?): Erforscht den Glauben. Dringt in die Mysterien ein und bergt einen Schatz, für den ich als Physiker Euch immer beneiden werde, wogegen das, was ich mache, immer als mundan und langweilig verblassen wird. Aber schwadroniert doch nicht solche Scheiße zusammen, gegen die sich ein Paper über angewandte Katalyse mystisch wie ein okkultes Grimoire liest!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

*lol*

Ich hatte schon ein ähnlich polemischen Kommentar in der Feder, habe ihn, um der Sachlichkeit willen, dann doch verworfen. Hätte ich vielleicht nicht tun sollen.

Deshalb freue ich mich, so etwas auf Deinen Seiten zu lesen: Du sprichst mir aus dem Herzen.

Manchmal, ganz im Stillen, wünsche ich mir das Heilige Officium zurück. ;)