Ich bin ein Schlechtmensch. Nu ists raus. Jedenfalls bemühe ich mich, ein Schlechtmensch zu sein.
Demütig? Nö, sogar maßlos arrogant. Laßt mich erklären, denn nun ist Phil "neue Begriffe"-Stunde:
Ein Gutmensch ist letztlich quasi das Gegenteil eines guten Menschen; Norbert Bolz geht sogar so weit, ihn als eine Personifikation des Teufels (in Gestalt des Anklägers) zu sehen. Ein Gutmensch, davon überzeugt, DIE Lösung für alle Probleme zu haben , "es doch mit allen gut zu meinen", und dabei noch jung, frisch und dynamisch alternativ zu sein. Ein Gutmensch ist nicht selbstbewußt, aber davon überzeugt, daß er richtig liegt. Er würde sich gerne als kleiner Messias sehen.
Nun zum Schlechtmensch: Ich bin davon überzeugt, daß ich meine Ecken und Kanten habe. Ich habe für die wenigsten Dinge DIE Lösung. Ich meine es sicherlich nicht mit allen gut; auch wenn ich Christ bin. Ich bin noch recht jung, überhaupt nicht frisch und Alternativ? Bitte, ich bin katholischer Reaktionär und selbst in den Kreisen bin ich eigentlich zu modern. Messias will ich überhaupt nicht sein, das hat der Herrgott schon gut gemacht. Letztlich bin ich seltenst davon überzeugt, richtig zu liegen.
Und aus diesem Wissen, eigentlich ziemlich erbärmlich zu sein, nähre ich mein Selbstbewußtsein.
Paradoxerweise ist, so wie der Gutmensch das Gegenteil des guten Menschen ist, der Schlechtmensch ein Ideal des Christen.
1 Kommentar:
Die meines Erachtens kürzeste, prägnanteste Definition bringt Hans Olaf Henkel in seinem lesenswerten Buch "Die Abwracker":
"Vor Menschen, die Gutes tun, habe ich größten Respekt - Gutmenschen dagegen erwecken nur den Anschein, Gutes zu tun, indem sie andere, etwa durch moralischen Druck, dazu zwingen, Dinge zu tun, die sie selbst für gut halten."
Aktuelles Beispiel: von der Leyen.
Wolfgang Giese
Kommentar veröffentlichen