Was mich seit einiger Zeit wundert, ist, wie man zumindest in Deutschland sich gegenüber der Naturwissenschaft verhält. Dabei rede ich noch nicht mal von religiösen Menschen, es ist eine Haltung, die weltanschauungsübergreifend vorhanden ist. Und während ich bei der Religion noch akzeptieren kann, daß manche Leute meinen, die unsichtbare Welt sei wichtiger als die sichtbare (eine Sicht, die ich so nicht ganz teile) und sich deshalb nicht mit der Naturwissenschaft befassen wollen, finde ich diese Haltung bei einer Geisteshaltung, die damit Werbung macht, alles über die Wissenschaft erklären zu können, durchaus seltsam und Widersprüchlich.
Aber kommen wir zur Sache, zu der Haltung, die ich "anprangere" (na ja, anprangern tu ich sie nicht, ich wundere mich über sie). Wir leben in einer Welt, in der wir umgeben sind von den Erzeugnissen der Naturwissenschaft. Wenn der Werte Leser gerade Bach von CD hört, soll er wissen, daß ein Laser nur mithilfe der Quantenmechanik erklärt und erbaut werden kann. Das sieht so weit jeder Mensch ein. Trotzdem ist zu großen Teilen nicht nur Unkenntnis, sondern auch Desinteresse an der Naturwissenschaft zu finden. Und eine Kokettiererei mit dieser Unkenntnis.
Ich führe aus, was ich meine: Wenn ich auf einem Empfang in gebildeteren Kreisen sagen würde "Goethe? Kenn ich nicht?" Oder "Ach wissen Sie, der größte Fehler an Barock ist, daß man ein r zu wenig in dieser Musikgattung hat, dann wäre es immerhin Bar-rock" - ich bin mir sicher, ich würde als eher ungebildet gelten. Um nicht zu sagen ignorant; ich müsse doch die Basis unserer Kultur kennen wollen! Da stimme ich vollkommen zu, man sollte sich grundlegend mit Musik, Kunst, Philosophie und Literatur auskennen. Und wenn ich Philosophie sage, dann meine ich auch Theologie (die das Schicksal der Naturwissenschaft teilt; ein Humanist darf natürlich über Religion meckern, es ist aber anscheinend durchaus in Ordnung nichts von den zwei Naturen Christi etc. zu wissen). Was mich jedoch wundert, ist, daß es durchaus in Ordnung ist, keinen blassen Schimmer über Quantentheorie oder Relativitätstheorie hat. Ich rede nicht davon, die Formelaufbauten dahinter zu verstehen, sondern davon, generell zu wissen, warum diese beiden Theorien wirklich unser naturwissenschaftliches Weltbild grundlegend veränderten. Es ist ja sogar noch schlimmer; denn es ist vollkommen in Ordnung, wenn man in den selben gebildeteren Kreisen offen damit kokettiert, daß man von Mathematik nie Ahnung hatte und es so schnell es ging, abwählte. Desweiteren ist es vollkommen legitim, eine fast in den Aberglauben abdriftende Angst bspw. betreffs des LHC zu haben. Gerade hier oder bei den Diskussionen um Atomkraft höre ich von ansonsten gerne "aufgeklärten" Menschen, daß man ja vielleicht irgend ein Bild hätte, aber ob das dann der Wahrheit entspräche... man könne sich ja nicht sicher sein, ob nicht doch die gesamte Welt untergehe.
Ich frag mich oft, woher das kommt. So habe ich vor einiger Zeit meinen Vater gefragt, ob das schon früher so war und er bestätigte meine Vermutung und wies darauf hin, daß humanistische Gymnasien seinerzeit besser angesehen wurden als Schulen mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt.
Mich wundert das; wie kann eine Gesellschaft, die sich rühmt, so viel ("alles") mit der Naturwissenschaft erklären zu können, auf der anderen Seite derart ignorant sein?
Ich hatte mich schon damals bei diesem Atheistenbus geärgert, daß die nur zu irgendeinem Freidenkerfriedhof und ähnlichem Zeugs fahren, anstatt mal eines der physikalischen Institute hier zu besuchen. Nee, werte Atheisten, man kann nicht einerseits sagen, man könne alles mit der Naturwissenschaft erklären und andererseits sein Unwissen derart pflegen, daß ein Aberglaube draus wird!
Nachdem ich nun die atheisten "am Schlawittchen" hatte, muß ich nun doch etwas über meine Glaubensbrüder sagen. Ich lese wiederholt auf manchen christlichen Blogs Pauschalattacken auf die Naturwissenschaft. Sicherlich zeigen sie zum Teil die Grenzen der Naturwissenschaft auf - Grenzen, derer sich mancher leider Gottes nicht mehr gewahr ist - was aber noch kein Grund für eine allgemeine Aburteilung ist. Bei meinen Glaubensbrüdern verstehe ich eben auch nicht, wie man damit kokettieren kann, nichts über die Welt, die Gott erschaffen hat, in Erfahrung bringen zu wollen. "Gott allein genügt" - sicherlich, aber ein solcher Glaube hat weder Thomas von Aquin noch Albertus Magnus noch viele andere Heilige davon abgehalten, diese Welt mit den offenen, "rationalen" Augen eines Wissenschaftlers, der Gott liebt, zu betrachten.
Der letzte, bald Selig gesprochene Papst schrieb die Enzyklika Fides et Ratio, die Notwendigkeit von Glauben UND Vernunft betonend. Und auch unser Heiliger Vater Benedikt XVI. wird nicht müde, diese Vernunft als wichtig für den christlichen Glauben hervorzutun. Glaube und Vernunft - ich glaube es war Johannes Paul II., der dies als die beiden Flügel, mit denen wir zu Gottes Herrlichkeit aufsteigen würden, bezeichnete. In der Hinsicht kann ich nur wieder dazu einladen, in "der Wissenschaft" keinen Gegner zu sehen, sondern sich ein wenig damit zu befassen. Glaubt mir, es lohnt sich und ist interessant!
8 Kommentare:
KOMMENTAR VON JOSEF BORDAT:
Lieber Phil!
Völlig richtig: fides ET ratio! Glaube und Vernunft, Religion und Wissenschaft widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich.
Um zu einem differenzierten Bild zu kommen, gehört sicherlich, Wissenschaft als Verfügungsform und Szientismus als Orientierungsweise zu unterscheiden, also z.B. Physik und Physikalismus, Biologie und Biologismus. Dazu gehört wiedrum, dass man hinsichtlich des Naturalismus Methodologie, Epistemologie und Ontologie unterscheidet.
Du wirst von mir keine einzige abfällige Bemerkung über Physik oder Physiker(innen) hören oder lesen, sehr wohl aber Kritik am Physikalismus. Im übrigen teilen die meisten Physiker diese Aufspreizung ihrer Disziplin zur Weltanschauung, je bedeutender sie sind, desto kritischer werden sie. Zumindest habe ich diesen Eindruck. „Wissenschaftsaberglaube“ (Jaspers) ist nicht Sache der Wissenschaftler, sondern der Menschen, die einen Religionsersatz suchen.
Was die Beobachtung der Unkenntnis und des Desinteresses angeht, gebe ich Dir Recht. Meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse sind auch bescheiden, mein Interesse begrenzt. Zum Wi.-Ing. hat’s gereicht und meinen Physik-Schein habe ich auch bekommen (TU Berlin, Institut für Optik, Sommersemester 1992; das Einzige, was ich behalten habe ist „Kundtsches Rohr“ – das fand ich irgendwie witzig). Ich habe sogar die European Laser Academy besucht, ein Lehrgang der TU Berlin in Zusammenarbeit mit der TU Wien (1996). Aber dennoch: Manches Rätsel blieb mir verschlossen...
Ich habe aber auch negative Erfahrungen mit Deinen Kolleg/inn/en gemacht. Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht bemühen würde. Zum Einstein-Jahr 2005 habe ich diverse Veranstaltungen in Berlin besucht und auch Physiker/innen informell befragt. Da wurde dann kurz gecheckt, an welchem der Max-Planck-Institute ich gerade habilitiere, und als sich dann aber raus stellte, dass ich einfach ein interessierter Bürger mit Schuhgröße 45 bin, weiter nichts, wurde der Blick von oben nach unten und wieder hinauf aber immer mitleidiger, das kann ich Dir sagen. Entweder hat man dann aufgetrumpft, dass ich nach gefühlten 9,58 Sekunden den Faden verlor, oder in Baby-Sprache zu referieren begonnen, weit unterhalb des Sachunterrichts der ersten Klasse („Die Glühbirne“). Also, da schätze ich die „Sendung mit der Maus“. Ganz ehrlich.
Naturwissenschaft gilt – wie Mathe oder „Computer“ – als „schwierig“, „kompliziert“ – ein Feld, dass man besser den Experten überlässt. Dass das frustrierend ist, ist mir klar. Aber wenn ich als Philosoph erleben muss, dass sich auf „meinem“ Gebiet wiederum jeder für einen Experten hält („Was machst Du beruflich?“ – „Ich bin Philosoph.“ – „Ja, das bin ich auch!“), auch wenn es um wirklich abgegrenzte ideenhistorische Themen geht, wo man auch mal etwas ganz Konkretes wissen kann/muss (z.B., dass die Kritik am Hexenwahn in Deutschland nicht erst im 18. Jahrhundert einsetzt, sondern viel früher, nämlich im frühen 17. Jahrhundert, damit also kein Produkt der Aufklärungsphilosophie, sondern der theologischen Reflexion war), dann ist das ebenso frustrierend, das darfst Du mir glauben.
Fest steht darüber hinaus wohl: Es gibt – trotz aller inter- und transdisziplinären Projekte – erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, wie man als Unternehmensberater sagen würde. Und der würde dann auch raten, nach Synergien zu suchen. Daran müssen wohl beide Seiten arbeiten.
Herzliche Grüße,
Josef
Wie jämmerlich ist doch ein Glaube, der sich vor der Wissenschaft fürchtet oder vor der intellektuellen Auseinandersetzung i.A.!
wenn ich als Christ glaube, dass Christus die Wahrheit ist, wie kann ich mich vor den Erkenntnissen der Wissenschaft fürchten? Die Wahrheit ist doch nur eine.
@Giovanni: Jepp, stimme ich vollkommen zu. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Das Suchen nach dem, was die Welt im innersten Zusammenhält ist die Suche nach der Wahrheit. Da Gott der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ist diese Erforschung - auch wenn das einige Wissenschaftler nicht wahrhaben wollen - letztlich Verehrung Gottes.
@Josef: Vielen Dank für die Unterscheidung zw. Wissenschaft und Szientismus, damit kann man nämlich von mir gesagtes besser ausdrücken: Die Atheisten, die ich am Schlawittchen hatte, wären dann dem Szientismus zuzurechnen, während die Christen, über die ich "meckerte" dann diese Unterscheidung (zw. Wissenschaft und Szientismus) nicht machten. Und Du hast recht: Je mehr der Wissenschaftler sich mit der Wissenschaft befaßt, desto mehr entfernt er sich vom Szientismus. Er merkt nämlich, daß die Physik auf modellen beruht. Modellen, die sich bewährt haben, aber eben modelle bleiben.
Vor kurzem war ich mit einem Freund essen. Er ist wie ich ein katholischer Physiker mit schrägem Humor, es ist also klar, daß wir uns sehr gut verstehen. Jedenfalls sagte er während des Essens, daß ihn wundert, daß das Universum etwas schafft, was die Mathematik nicht schafft; er sprach hier vom Dreikörperproblem, was schon nicht analytisch lösbar ist. Er machte hier einen Denkfehler, den viele Jungwissenschaftler machen: So schön klar die Mathematik in ihrer Form auch ist und so wunderbar einsichtig die Formelbauten der theoretischen Physik auch sind, es ist die Modellierung der physikalischen Probleme in der Sprache der Mathematik (In der Hinsicht finde ich die zellulären Automaten-Ansätze von Stephen Wolfram in der New Kind of Science interessant, aber das führt nun zu weit). Wir drücken unsere Erklärungen in einer Sprache aus, die wir verstehen, die aber keineswegs die des Universums ist!
Was Deine "bescheidenen" Kenntnisse betrifft, lieber Josef, muß ich Dich tadeln, daß man kein Licht entzündet und ein Gefäß darüber stülpt. Du hast sehr viel Ahnung, von Mathematik und Physik (btw.: Kanntest Du zufällig einen Herrn Prof. Bostanjoglo dort?).
Das mit den Erfahrungen mit unserer Zunft tut mir leid; ich jedenfalls bemühe mich, weder in Babysprache noch in fachchinesisch abzugleiten - laut meiner Freundin auch gar nicht mal ohne Erfolg. Sicherlich klappt das nicht immer, und ja, sicherlich gibt es unter Physikern auch eine Arroganz (wobei das gottlob oft mit dem Studium aufhört...). Mein allgemeiner Rant sollte auch nicht sagen, daß die Naturwissenschaftler alle toll sind. Ich finde es halt nur erstaunlich, daß die Naturwissenschaften nicht in dem Maße wie eben bspw. Literatur Thema für Abendveranstaltungen sind.
TEIL ZWEI
Oh, die Erfahrung mit Möchtegernphilosphen kann ich Dir nachfühlen, und zwar gerade mit ganz frischer Erfahrung! Gestern war ich auf der Examensfeier einer Freundin, war alles ganz nett. Jedenfalls haben jener schon zuvor genannte katholische Physikerfreund und ich geschnackt und später schlossen sich zwei andere Kerle an und redeten mit uns über Physik. Die beiden waren etwas angeheitert, der eine "iranischer Nuklearphysiker", der aufgrund seiner Schurkenstaatherkunft "nirgendwo in der Quantenmechanik eine Stelle finden würde" (aus Angst, daß er eine Bombe dann bauen könnte, der andere fragte mich immer und immer wieder was ich von "diesen neuen Ansätzen, die Einstein widerlegen" halte... na ja, wie gesagt, die hatten ins Glas geschaut und waren ja nett, sicherlich auch nicht dumm, aber... bei so manchen Themen rollen sich einem Physiker die Zehennägel nach oben. In er Hinsicht kann ich Dir ein wenig nachfühlen, wie anstrengend Diskussionen über die eigene Zunft sein können. Wobei ich mir sicher bin, daß das bei Philosophen noch anstrengender ist als bei uns; es gab und gibt ja diese Vollpfosten von selbsternannten Philosophen, die meinen, daß quasi jeder Mensch, der mal staunend ein Blatt vom Baum hat fallen sehen ein zweiter Aristoteles sei. Sprich, wahrscheinlich hat jeder zweite, mit dem Du auf einer Party redest "mal was von Nietzsche gelesen".
Ich denke, man braucht nicht an einer gemeinsamen Kommunikation zu arbeiten, ein wenig Interesse für die andere Seite der Wissenschaftswelt würde helfen. Ich bin natürlich kein Philosoph, Theologe oder Kulturwissenschaftler, aber ich fand es wahnsinnig interessant, über Wissenschaftstheorie zu lesen. Die beschäftigung mit der Frage, was überhaupt Erkenntnis ist, hat mir auch geholfen, ein etwas konkreteres Bild vom Philosophen zu erhalten. Es wäre schön, wenn das auch umgekehrt stattfinden würde. Nicht umsonst, wirklich als Einladung und nicht als Forderung oder so poste ich ja in letzter Zeit immer mal wieder was Wissenschaftliches.
Viele Grüße,
Philipp
Lieber Phil(osoph),
lauter gute Gedanken:
1. Wissenschaft als Gottesdienst. Dazu fällt mir vor allem GW Leibniz ein, aber auch Newton und Kepler.
2. Wahrheitssuche als Gottsuche. Da denke ich an Edith Stein. Und an R Spaemann.
3. Wissenschaft als Abendunterhaltung. Hm... Aber es gibt ja durchaus den Trend, Wissenschaft unterhaltsam aufzubereiten (s. die „Wissenschaftsshows“ im TV). Interessanterweise wird das aber – wenn ich das richtig beobachte – gerade von der akademischen Wissenschaft als „Einsteinisierung“ o.ä. Kritisiert. Wissenschaftler, die zu popularisieren versuchen (im besten Sinne), werden oft in den eigenen Reihen nicht mehr recht ernst genommen. Das ist schade.
Schließlich: Danke für die Blumen hinsichtlich Mathe/Physik. Für den Hausgebrauch reicht es, aber es bleibt ja immer ein Leiden an den Defiziten. Ich habe mal eine Veranstaltung zur Astrophysik besucht. Das war schon im Rahmen des Philosophiestudiums, weil ich da ein Seminar zu philos.-theol. Weltentstehungstheorien besucht hatte und es jetzt auch mal aus naturwiss. Sicht hören wollte, wie man sich das vorstellt, und dann ziemlich bald scheiterte, weil meine Vorkenntnisse in Mathe und Physik nicht reichten. Da stoße ich dann doch auf massive Grenzen.
Ich habe immer die bewundert, die Physiker und Philosophen waren/sind, wie CF v. Weizsäcker oder auch mein zweiter Doktor-Vater Hans Poser.
Prof. Bostanjoglo sagt mir jetzt nichts. Naja, das waren die 1990er... schon lange her. Den Physik-Kurs hatte ich bei Prof. Koppelmann.
LG, Josef
Mit der Anmerkung, dass der eine oder andere Blogger sich ganz gern mal gegen die Naturwissenschaft wendet, fühle ich mich im guten Sinn angesprochen.
Mein Blog setzt sich in der Tat mit ihr auseinander.
Das allerdings eigentlich nur, um zu zeigen, dass der Glaube von Seiten der NW nicht widerlegt und ausgehebelt werden kann. Das wird vom missionarischen Atheismus ja meist ins Feld geführt.
Dass ich da schon mal ein bissl in die Polemik falle, kann ich wegen meiner Emotionaliät nicht immer ganz vermeiden ;)
Wenn schon "gegen", dann würde ich sagen, sollten wir uns als Katholiken "gegen" zwei Fundamentalismen richten: Gegen die oben angespielte These, die NW könne den Glauben widerlegen (das halte ich für naturwissenschaftlichen Fundamentalismus) und gegen den jener Art Gläubiger, die Gottes Existenz und Wirken mit wissenschaftlichen Mitteln meinen, nachweisen und so meinen, Gott in die Welt der Wissenschaft einführen zu können. Auch das würde ich einen Fundamentalismus nennen wollen, wenn das Wort schon in Gebrauch ist.
Ansonsten bedaure ich als eher philosophisch Ausgebildeter, so wenig Ahnung von den NWs zu haben. Würde gern mal einen Urlaub mit einem Physiker verbringen, der meine vielen Fragen zur Quantenmechanik zum Beispiel erörtern könnte....
Lieben Gruß hier!
Als erstes @Johannes und jeden, der sich durch den letzten Absatz angesprochen fühlte: Ich hätte diesen Absatz nicht spät abends schreiben sollen, da durch kam er grantiger rüber, als ich es eigentlich wollte. Die Angriffe auf den missionarischen Atheismus, der sich auf die NW beruft, teile ich vollkommen; das ironische ist eben, daß viele Vertreter dieses missionarischen Atheismus eben keine Naturwissenschaftler sind. Paradox, nicht wahr?
Und falls Du mal im Urlaub in Berlin bist (oder bei einem Bloggertreffen) können wir gerne bei einem (in meinem Fall alkoholfreien) Bier über Physik, Philosophie, Gott und seine Welt sprechen. (Das Angebot gilt natürlich auch für alle anderen)
@Josef Bordat:
Zu den Wissenschaftsshows kann ich natürlich nur aus meiner persönlichen Warte argumentieren. An sich finde ich es erstmal natürlich klasse, wenn Wissenschaftler versuchen, unsere Zunft der Welt vorzustellen. Das versuche ich auch, indem ich Gästen meinen Versuchsaufbau zeige, meinem Schatz Anekdoten aus der Wissenschaft erzähle, auf Facebook ab & an den letzten Klatsch und Tratsch aus der Naturwissenschaft verlinke und eben auf meinem Weblog ab & an darüber rede.
Andererseits ist das, was in solchen Wissenschaftsshows geboten wird, mir zu oft in eine dieser beiden Kategorien einzuordnen:
a.) "Wir bauen eine Rakete mit einer Plastikflasche und einem Wasserschlauch" - bitte, wen wollen diese Physiker denn veräppeln? Die sollen mir das Kerosin geben, dann bin ich zufrieden.
b.) Das kann man als "Stringtheorie, Multiversum und Esoschrott" bezeichnen. Ich finde ja die ganze Kosmologie auch recht interessant, aber das ist nur ein kleines, innerhalb der Physik auch eher exotisches Spielfeld der Physik. Mit dem ich meine ganz persönlichen Probleme habe, aber dazu ein andernmal.
Ich würde mir wirklich vermehrt wünschen, daß in solchen Wissenschaftsshows viel mehr vermittelt wird, was die aktuelle Physik so bewegt! Ein gutes Beispiel hierfür (wenn auch ansonsten nicht) ist die Sitcom Bing Bang Theory. Wenn mal nicht auf die Liebschaften von Lennard und Penny eingegangen wird und man es sich verkneift, Sheldon als antisoziales Genie darzustellen, fallen desöfteren Stichpunkte, die zeigen, daß sie Berater aus der real existierenden Physik haben. Es hat mich sehr gefreut, daß Lennard in einer Folge einen Vortrag über Suprasolide Stoffe und Bose-Einstein Kondensation hält! Dinge wie dies müßte es öfter geben, als Zwischenlösung sind Vorlesungen vom MIT zu empfehlen. Desweiteren stört mich (gerade bei Punkt b.!), daß in diesen Wissenschaftsshows manche Physiker eigentlich nur ihr eigenes kleines Weltbild erklären wollen. Das geht dann auch durch die Bank weg; Wenn Astrophysiker und Kosmologen reden, müssen Theisten auf Gott und Atheisten auf die Nichtexistenz desselben zu sprechen kommen. Bitte, im Augenblick interessiert man sich doch für Physik!
Astrophysik ist aber auch eine garstige Geliebte... die ganzen Transformationen zw. unterschiedlichen Koordinatensystemen fielen mir so schwer, daß ich die Veranstaltung sausen ließ (und weil die Frau eine Trulla war, die natürlich auf den gemeinen Einfluß der Kirche auf die Wissenschaft eingehen mußte, ohne zu erwähnen, daß für die alten Heliozentriker dieses Bild ein philosophisches und kein Wissenschaftliches war - egal). Hier sieht man womöglich auch eine meiner zwei großen Achillesfersen in der Physik (Betrachtung verschiedener Inertialsysteme - was ja auf Koordinatentransformationen hinausläuft - und Felder)...
Nun, ich bin durchaus sehr erfreu, dass es immer noch Leute gibt, welche sich präsenten wissenschaftlichen, primär physikalischen Ereignissen hingeben. Jedoch ist eine strikte Trennung der klassischen und der modernen Physik nötig, um das existierende Weltbild ausreichend nonreligös zu beschreiben. So werden spezifisch in der Quantenphysik und -mechanik, also in der modernen Physik Phänomene (z.B. bezüglich Entropie und Quantenfluktation) der klassischen, und so auch von vielen elementar geglaubten Physik, strikt und in den Grundfesten physikalisch widerlegt und erschüttert.
Meine persönliche Meinung bezüglich der Kirche und der Physik: Viele, primär minderintelektuelle, stelle Kirche immer noch auf das Niveau Papst Leos des Ersten. Jedoch wird bei näherer Betrachtung ersichtlich, dass der Vatikan heutzutage sowohl über Teleskope, als auch über eine naturwissenschaftliche Bibliothek verfügt. Auch wenn sie nicht auf präsentativen wissenschaftlichen Standpunkt beharrt, ist sie dennoch nicht "zurückgeblieben".
The Big Bang Theory: Ich bin selber ein "FAN" von TBBT. Trennt man die Libido ab, bleiben parasozialen Kohärenzen und physikalische Grundlagen, mit Schwerpunkt der Quantenphysik (M-Theorie; Stringtheorie schließt Branentheorie nicht ein, welche mehr als elf Dimensionen postuliert bzw. Schleifenquantengravitation), ich beschäftige mich nun auch seit drei guten Jahren mit jenen Fachgebieten, (Schwerpunkt: Superstringtheorie und Antimaterierechnung) und bin und bleibe fasziniert von den wissenschaftlichen Spektren der möglichen Verwendung z.B. Plasma in Verbindung mit dem Bau einer Kernfusionskammer in Kadarage, Südfrankreich, welche mittels Massedefekt mal Lichtgeschwindigkeit hoch 2 erstmals mehr Energie "erzeugen" soll als vorher zugeführt wurde.
Um wieder zu TBBT zurück zu kommen, wenn man sich intensiv mit solchen Fachbereichen beschäftigt, spührt man die Mimese der Darsteller, anhand physikalischer Diffenzen bzw. Difiziete, z.B. Graphen -Neutrino- Problem,es hat nun nichts mit den Aufbau der Moleküle zu tun, sondern mit dem der "Atome", Quarks und Quanten.
Um zum Ende zu kommen: Ich bin sehr erfreut über öffentlichen Meinungsaustausch, spezifisch wissenschaftlicher Themen und zu Dank an den Autor des Hauptartikels verpflichtet, jedoch würde ich mir auch als 14-jähriger, mit nicht mit normalen Tests nachweißbaren IQ, wünschen, dass die Wissenschaft öfter zur Ansprache kommt und soziale Multaloge öfter ihren Blick auf wirklich wichtige Themen richtet.
Vielen Dank.
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