Man sagt mir ja nach, daß ich ein netter Mensch bin. Ja, schon in der Grundschule hieß es "Er war eine Bereicherung für die Klassengemeinschaft". Das mag daran liegen, daß ich versuche, mit jedem Menschen, egal, was er für einen Hintergrund hat, gut auszukommen.
Ihr dachtet hoffentlich nicht wirklich, daß ich es bei solch einer Selbstbeweihräucherung lasse, oder?
Jedenfalls verstehe ich an den "militanten Atheisten", den Brights und wie sie sich noch so nennen, eine Sache nicht - oder nein, stellen wir es mal lieber als Frage:
Was wird der polemische Atheismus, der Highwayschilder aufhängt, um zu sagen, daß Christentum scheiße ist, der Gipfelkreuze entfernen will, der gegen den Papstbesuch Stimmung machen will - was wird er machen, wenn es uns mal nicht mehr gibt? Der Leser wage dieses Gedankenexperiment!
Umgekehrt, da Christentum nicht bei der Erkenntnis, daß es Gott gibt, aufhört, sondern erst anfängt, kann das Christentum eigentlich ziemlich gut ohne Atheisten leben.... Wir brauchen keine Fremddefinition.
Ich sagte eingangs, daß ich nett bin, und als solcher bin ich ja nicht so arschig und lasse gesagtes hier stehen: Wie wäre es langsam mal, damit zu beginnen, sich ohne Fremddefinition zu erklären? Ich würde sogar, bei aller Ablehnung des Atheismus meinerseits so weit gehen, daß ein erwachsener Atheismus das kann. Wie wäre es, statt die Abschaffung von Kreuzen zu fordern, offen für mehr naturwissenschaftliche Bildung einzutreten (spontane Idee)? Wie wäre es, auf Gipfel, die man selbst als erstes bestiegen hat, eine Wetterstation zu errichten - meinetwegen sie Giordano Bruno-Wetterwarte nennen, da bin ich tolerant.
Statt mit dem Atheistenbus auch nur eine solche Fremddefinition zu zelebrieren, hättet ihr in Berlin auch die wissenschaftlichen Insitute besuchen können, um zu zeigen, wie wunderbar die Welt "schon so" ist.
Was ich nur sage, ganz friedlich, ist: Benehmt euch doch nicht wie kleine Kinder, wenn ihr wirklich die Ideologie der Vernunft sein wollt. Ich wünsche Euch natürlich, daß ihr zu Gott findet, aber bis da hin könnt ihr gerne einen erwachsenen, nüchternen Atheismus proklamieren.
Oh, und PS: Nein, damit ist nicht jeder Atheist gemeint, es gibt auch positive Beispiele, die letztlich das, was ich wünsche, schon vorleben. Aber ich lasse mich nicht darauf ein, daß "man doch hier unterscheiden müsse" oder ähnliches; ich muß oft genug für schlechte Dinge, die Christen getan/gesagt/gedacht haben, gerade stehen.
3 Kommentare:
Super! Du hast genau meinen Atheisten-Pet-Peeve getroffen: Nämlich, daß sie sich so etwas denken wie "Die Welt wird schon von aleine gut, wenn wir die Religion erst abgeschafft haben" anstatt daran zu arbeiten, die Welt durch nicht-zerstörerische und nicht-rufmordende Aktionen interessanter oder besser zu machen.
Meine Vermutung ist, daß diejenigen, die das hinkriegen, sich nicht unbedingt primär als Atheisten definieren. A-theismus...da ist das Dagegensein schon im Begriff angelegt, und wenn man nur Atheist ist, beschränkt man sich vielleicht zu einfach darauf. Nicht destruktive Atheisten sind, soweit ich sie kennengelernt habe, meist Leute, die sozusagen nebenbei oder als Konsequenz ihrer Weltanschauung Atheisten sind. Überzeugte Kommunisten zum Beispiel.Nicht, daß ich Kommunismus in irgendeiner Form positiv fände (interessant ja, ich hab so ein Faible für die Ästhetik totalitärer Systeme und hab im Studium auch des öfteren mit Kommunismus zu tun gehabt- akademisch, versteht sich)- aber die arbeiten wenigstens mehr oder weniger aktiv auf etwas hin, statt nur gegen etwas zu sein.Und wo wir schon bei Kommunismus sind: mir kommt es bei manchen Radikalatheisten so vor, als hätten die ein bißchen Marx gelesen und hätten dann die Religion aus dem Überbau in die Basis geholt.
Du sprichst etwas sehr Interessantes an, Phil.
Ich wundere mich auch manchmal über die Aggressivität, mit der Atheisten ihre Positionen vertreten. Ich meine, wenn ich mit Synchronschwimmen nichts am Hut hab', hetze ich doch auch nicht den ganzen Tag über Synchronschwimmer/innen.
Das Problem ist wohl, dass sich viele "A-Theisten" explizit als "Anti-Theisten" verstehen und somit ihre Position gerade über die Negation definieren. Dass bei Wegfall eines Feindbilds die große Sinnkrise ausbricht, hat sich ja im Westen nach 1989/91 gezeigt. Dort konnte man die obsolet gewordene Ideologiedebatte ja quasi nahtlos durch die Wertedebatte ersetzen (und damit die Arbeitsplätze der FAZ-Feuilletonisten retten).
Was allerdings Anti-Theisten ohne Theisten machen? Gute Frage.
Einen schönen Adventsgruß, Josef
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