Dienstag, Dezember 21, 2010

Bekennerschreiben

Wie schon viele andere der Blogozese ist nun auch ein Bekennerschreiben von yours truly veröffentlicht worden. Ich danke diesem Weblog und allen voran Norbert Kebekus für das Interesse an mir bzw. meinem Blog, die Möglichkeit, meinen Glauben zu Papier (bzw. zu Blogpost) zu bringen und für alle Mühe, die sicherlich das macht (vor allem, wenn jemand ungeduldig nachfragt, wann sein Beitrag veröffentlicht wird ;) ).

Was man zum Text noch ergänzen könnte (jaha, regelmäßige - na gut, sagen wir eher beständige - Dymphnasweltleser bekommen solche Boni!) ist ein Gedanke zur "Beweisbarkeit".

Von Atheisten hört man oft, daß die Beweisschuld bei uns läge. Von wohlmeinenden Christen hört man, daß Gott nicht bewiesen werden kann. Sicherlich mögen die Meßinstrumente wie unsere Augen oder die Erkenntnisse der Naturwissenschaft nicht geeignet sein, um ihn "in flagranti" zu erwischen, das stimmt. Aber hier stoßen mir zwei Punkte auf:

- Man kann nicht immer wählen, WIE man eine Bestätigung eines Sachverhaltes erlangt, oft muß man glücklich sein, daß man - auf der Basis eines bestimmten Modelles - wenn man überhaupt diese Bestätigung erhält. Ich sollte lange Zeit anhand der Reaktivität meiner Oberfläche Rückschlüsse auf die Beschaffenheit ziehen. Problem war, daß, zumindest für diesen Teil des Reaktionsproduktes das, wenn man so will, Signal zu Rausch-Verhältnis recht schlecht war. Diese Vermutung hatte ich recht früh, da aber andere Leute dne Zusammenhang zw. Reaktivität und Präparation sehen wollten, habe ich Messung über Messung aufgenommen, jedes meine befrüchtete Vermutung bestätigend. Der Fairneß halber ist an dieser Stelle zu sagen, daß für den zweiten Part des Reaktionsproduktes, den ich erst später detektieren konnte, ein deutlicher Zusammenhang sichtbar ist.
Am Karfreitag vor fast 2000 Jahren riefen manche Menschen, Jesus solle vom Kreuz herabsteigen, dann würde man ihm glauben. Nun war das Problem, daß er das nicht hätte tun können, wenn er sich selbst hingeben wollte. Deshalb rufen auch immer noch Leute, Gott solle vom Kreuz herabsteigen (ok, sie tun das im übertragenen Sinne), sprich, Gott soll sich nicht nur selbst offenbaren, sondern gefälligst so, wie ich es erwarte.

- Eine Sache, die ich ja auch im oben verlinkten Text anspreche, ist die Historizität des Glaubens; Christus ist von den Toten auferstanden und gen Himmel gefahren, der Heilige Geist kam auf die Apostel herab, der Auferstandene ist Leuten erschienen... und auch jetzt noch erscheit Maria, der Heilige Geist wirkt... das sind die Beweise, die wir bieten können. Die Massen an Menschen, die durch den Glauben an Gott verändert wurden. Die Menschen, die behaupten, daß sie Visionen hatten - oder nicht nur behaupten, sondern bereit sind, dafür in den Tod zu gehen.
Einwände gibt es zuhauf; die Apostel hätten gelogen, die Heiligen haben einen psychischen Knacks gehabt und andere einfach eine große Euphorie. Natürlich kann ich - immer! - Gegenvermutungen aufstellen. Das steht jedem frei, jedem steht auch frei, diesen nachzugehen, aber nur auf der Basis einer Gegenvermutung kann man nicht behaupten, daß die Auferstehung kein Beweis für unseren Glauben ist.

5 Kommentare:

Giorgio hat gesagt…

Danke Philipp ich hatte gerade am Sonntag mit meinem atheistischen Neffen eine sehr interessante Diskussion , in der es genau um diesen Punkt von fides et ratio ging..ich glaub ich schick ihm deinen link weiter; das zeugnis eines noch jungen Physikers ist ja doch deutlich mehr weert als die Klogsch.ei eines "alten" Onkels.

Der Herr Alipius hat gesagt…

Der Beitrag auf Sendezeit und die Ergänzung hier gefallen mir gut!

Anonym hat gesagt…

Als Paulus im aufgeklärten Athen den Leuten von der Auferstehung erzählt, bilden sich drei Gruppen: die Spötter, die Indifferenten, die Gläubigen (Apostelgeschichte 17, 32-34). So ist es auch heute, im aufgeklärten Berlin. Das ist einerseits tröstlich, andererseits auch frustrierend. Gefährlich wird es dann, wenn Spott zu Hass wird und die Gläubigen zu leiden haben. Von den Indifferenten ist dann nicht viel zu erwarten.

Danke, Phil, für das Bekennerschreiben und die Erläuterungen hier!

Ich gehöre zu den „wohlmeinenden Christen“, die von Gottesbeweisen nicht viel halten. Deswegen habe ich mal gesagt: „Gott darf nicht bewiesen werden, selbst wenn dies leicht wäre. Gott muss bezeugt werden, auch wenn es schwer fällt.“ Ich meine damit: Gott muss als der „Ganz Andere“ unverfügbar bleiben (kein Beweis), dennoch aber sichtbar sein (Zeugnis). Doch Du hast natürlich Recht: Aussagen des Glaubens müssen sich im Leben bewähren. Das tun sie. Anders allerdings (und darauf will ich hinaus, wenn ich mich gegen Gottesbeweise ausspreche) als sich wissenschaftliche Aussagen (Thesen) bewähren. Diese Differenz beschreibst Du sehr schön, wenn Du sagst, dass man „nicht immer wählen [kann], WIE man eine Bestätigung eines Sachverhaltes erlangt“. Gut auch, dass Du dann aus Deiner Erfahrung als Naturwissenschaftler ein Beispiel dafür bringst, dass Methodenvielfalt schon „innerwissenschaftlich“ gilt. Das ist ja in der „Empirisierung“ der Geistes- und Sozialwissenschaften im Zuge des naturalistischen Paradigmas nicht mehr selbstverständlich. Auch, dass „Verstehen“ etwas anderes ist als „Erklären“, muss man heute erklären, ohne dass es damit immer verstanden würde.

[...]

Anonym hat gesagt…

Ich glaube auch, dass die Historizität des Christentums ein starker Hinweis auf die Wahrheit seines Gegenstands ist: des Glaubens an den dreifaltigen Gott. Robert Spaemann hat sinngemäß einmal gesagt, dass der Glaube selbst als ein Hinweis auf Gott angesehen werden könne, so wie Durst ein Hinweis auf Wasser sei. Das historizistische Argument gilt wohl besonders deshalb, weil Christen in den ersten 300 Jahren verfolgt wurden. Gäbe es nicht eine besondere Kraft, die wir als Christen „Heiliger Geist“ nennen, gäbe es uns heute nicht mehr. Und diese Kraft, die uns von Christus selbst geschenkt wird, hat ihren Ursprung in Gott. Das zu glauben, ist schon allein mit Blick auf die Geschichte nicht unvernünftig.

Karl Rahner hat mal gesagt, das Martyrium zeuge für die „überweltliche Herkunft“ der Kirche, im Martyrertod deute der Christ „pragmatisch“ auf die Kirche und belege ihre Wahrheit. Das gilt auch heute. Warum, so könnte man fragen, lassen sich 200 Millionen Menschen tagtäglich drangsalieren, wenn sie nicht eine so tiefe Ahnung, ein so großes Vertrauen, einen so starken Glauben hätten, dass Gott existiert? Gut, sie könnten sich irren. Doch wenn das so wäre, dann doch nur, wenn man sie falsch informiert hätte. Wie aber lässt sich dann erklären, dass die unmittelbaren Zeugen der Auferstehung und des Auferstandenen, von denen diese Informationen stammen, selbst in den Martyrertod gingen? Die erste Generation, also die, welche Christus kannte und damit aus der „Zeugenzeit“ stammt, wird fast vollständig ausgelöscht. Hätten sie den „Selbstbetrug“ nicht aufgegeben, wenn ihr Leben dadurch gefährdet worden wäre? Sicherlich. Daher ist es nicht unvernünftig zu glauben, dass es gar kein „Selbstbetrug“ war: der Glaube an die Auferstehung.

Im Tod erneuerten viele ihr Bekenntnis und gaben damit zum letzten Mal ein Zeugnis. Hätten ihre Gegner es nicht aufgezeichnet, wenn sich auch nur leiser Zweifel geregt hätte? In der antiken Geschichtsschreibung ist aber davon nichts zu lesen. Statt dessen blitzt ab und an Bewunderung durch, darüber, wie furchtlos Menschen in den Tod gehen können. Ich habe Peter Ustinovs verzweifeltes Gesicht vor Augen, mit dem er den Nero mimt: „Sie singen!“ Was gab ihnen diese Hoffnung? Die Lösung liegt auf der Hand: Ihr Glaube an die Auferstehung und den Auferstandenen, ihr Glaube an Gott, der ihnen Gewissheit war. Die Begeisterung und Opferbereitschaft der „Generation Jesus“ ist zu groß, um bloß gespielt zu sein. Von daher ist es nicht unvernünftig, sich ihr anzuschließen.

Herzliche Grüße ins winterliche Berlin,
Josef

FingO hat gesagt…

Argh! Sorry Josef, ich dachte, ich hätte Deinen Kommentar schon als Gastbeitrag veröffentlich gehabt. Anscheinend blieb der eine Klick die ganze Zeit aus.. War nicht persönlich gemeint, da ich Deinen Kommentar sehr lesenswert finde, war nur meine persönliche Schlamperei.