Dienstag, November 02, 2010

Meinungsmache pro Homosexualität

Fangen wir mal von vorne an:

Homos planen Protest in Spanien - Gut, das ist ja auch mal wieder köstlich und typisch Gay-Pride-Diktatur: JEDER Mensch muß ihren Scheiß gut finden. Na, wie dem auch sei, ich schrieb folgendes (da ich den Kommentar vorher nicht abspeicherte, ist das Kursive aus dem Gedächtnis zitiert:

"Was ficht es eigentlich den durchschnittlichen atheistischen Homosexuellen an, was der Chef einer religiösen Organisation von ihnen hält? Und für die Homosexuellen in der Kirche: Ja mei, warum tretet ihr denn nicht aus? Ja, falls ihr im Recht seid, wird Euer Gott es für gut befinden

Ich halte wenig vom Islam, dafür viel von Schweinefleisch. Ja, ich finde es sogar als mein von der Evolution gegebenes RECHT (!), in meinen Genen verankert, daß ich Schweinefleisch esse. Trotzdem werde ich nicht bei dem Besuch irgendeines Imams vor seinen Augen mit hunderten anderen Leuten Schweinefleisch essen müssen.

Warum muß eine bestimme Gruppe von Leuten immer alles wollen?"

Vielleicht kann mir jemand von Euch, werten Lesern, erklären, was daran dermaßen Beleidigend/Rechtspopulistisch oder sonstewat war, denn dieser Beitrag wurde, wie auch die meisten anderen kritischen Posts gelöscht. In fact, einer der wenigen, der nicht gelöscht wurde, war folgender:

"In Deutschland bekämen sie sogar Polizeischutz!
In Spanien hoffendlich nicht!"

Von einem gewissen Hagen von Tronie.

Liebe Welt, hier tut sich doch ein interessantes Bild auf: Sie erheucheln, daß man angeblich Leserkommentare schreiben kann, aber diese werden dann ganz nach Gusto bzw. nach der Meinung, die man portraitieren will, gefiltert. Dementsprechend hat man Beiträge, die "homophobe" Menschen in einem nicht gewalttätigen und rechtextremen Eindruck erwecken, also gleich mal gelöscht.

Welt, das ist enttäuschend.

(so genügend Ärger auf einem Weblog verarbeitet ;) )

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Phil, Danke für den Kommentar. Ich würde nachhaken, auch gegenüber der „Welt“-Redaktion.

Zur Sache selbst. Was bezeichnend ist: Eine privat geplante „Veranstaltung“ zum Besuch des Papstes bekommt weit mehr Aufmerksamkeit als der Besuch des Papst selbst. Das ist so, als berichte man über ein Champions League-Spiel aus der Perspektive der Damen und Herren am Ticketschalter, so, als stelle man zeilenlang die Befindlichkeit der Würstchenverkäufer dar, um in der letzten Zeile zu sagen, dass der FC Barcelona 3 zu 1 gewann.

Die letzten beiden Sätze würden selbst im Schüleraufsatz eines Drittklässlers gerügt werden, zumal Benedikt die Sagrada Familia „weiht“ - und nicht „einweiht“. Um er „kommt“ auch nicht einfach nur „zur Einweihung“, gewissermaßen als Gast, sondern er, Papst Benedikt XVI., weiht die Kirche höchstpersönlich. Käme er nicht, würde sie nicht geweiht. So einfach ist das. Über diese wunderbare Kirche nicht mehr zu sagen, als dass sie von Gaudí (mit Akzent auf dem „i“ - aber das ist sicher zu viel verlangt) geplant wurde und seit 1882 im Bau ist, das ist mehr als dürftig, das grenzt schon an Frechheit.

Es ist verstörend, wie in den Medien Themen gesetzt werden. Wenn in Madrid 1,3 Millionen Christen am „Marsch für das Leben“ teilnehmen (wie 2009), gibt das – wenn überhaupt – eine Randnotiz. Plant[sic!] jemand in einem Blog[sic!!] oder im Facebook[sic!!!] eine private „Aktion“, an der sich sagenhafte 300 Leute beteiligen wollen, schreibt man sich die Finger wund. Vorausgesetzt, es geht irgendwie gegen Papst und Kirche. Ich fürchte, daran müssen wir uns gewöhnen.

Barcelona (Katalonien) ist aber ohnehin ein schwieriges Pflaster für die Kirche. Das hat gewisse historische und kulturelle Gründe. Umso schöner, dass mit der Sagrada Familia eine der beeindruckendsten Kirchen der Welt in dieser Stadt steht, geplant von einem spirituellen Architekten mit tiefer christlicher Religiosität, die seine Arbeit prägte. Kein Stein, der bei Gaudí nicht theologische Bedeutung hätte. Gaudí widmete die zweite Hälfte seines Lebens vollständig dem Bau der Sagrada Familia (die „Weihnachtsfassade“ stammt von ihm, UNESCO-Weltkulturerbe). Bisher ist nur die Krypta geweiht, nun wird also die Kirche selbst geweiht. Alle Priester und Diakone der Erzdiözese Barcelona werden mit Erzbischof Lluís Kardinal Martínez Sistach der Weihe bewohnen, mehrere Zehntausend Menschen werden die Straßen säumen und den Heiligen Vater begrüßen.

Aber wen interessiert das noch, jetzt, wo ein Schwulen-Blog mobil macht.

Ganz, ganz armselig, „Welt“.

Josef

Gabriele hat gesagt…

Ich habe einen jungen Freund - er ist 21 jahre jünger als ich. Als ich vor fast 10 Jahren nach fast 20 Jahren Abwesenheit den Weg zurück in die Kirche fand, hat er eine sehr große Rolle gespielt. Er war KONSERVATIV!! Anfangs ist mir das schrecklich auf die Nerven gegangen. Anfangs dachte ich, der hat sie nicht mehr alle - zumal er ungefähr so alt war wie meine Studenten, denen Religion sonstwo vorbei geht. Dann hab ich angefangen nachzudenken - und ihm zuzuhören. Und zu überprüfen. Heut denke ich in vielem wie mein junger Freund. Ich habe ihm viel
zu verdanken. Mein junger Freund ist schwul. Er hat lange Zeit versucht, mit seiner Kirche in Frieden zu leben, indem er ein Leben als Mönch in einem sehr strengen Orden anstrebte. Zum Glück hat er das dann nicht in die Tat umgesetzt. Der liebe Gott tut eben nichts als fügen. Erst danach hat er mir erzählt, dass er schwul ist. Sein Leben sieht er als Doppelleben, das ihn fast zerreißt, denn er weiss, dass er vielen Menschen in der Kirche nicht erzählen kann, dass er schwul ist und vielen anderen nicht, dass er trotzdem katholisch ist. Wäre er nicht schwul, würde er ein Mitgleid des Opus dei, sagt er. Können Sie sich vorstellen, wie sich so jemand fühlt, wenn er Sätze wie diesen liest: Und für die Homosexuellen in der Kirche: Ja mei, warum tretet ihr denn nicht aus?
Gabriele

FingO hat gesagt…

Liebe Grabriele,

Wieso denn Doppelleben? Er muß nicht wild herumposaunen, daß er homosexuell ist - aber er könnte es in die Beichte einfließen lassen und sich um Enthaltsamkeit bemühen. Wenn er dabei des öfteren scheitert - bitte, ich denke, den Kampf gegen die Sünde haben die wenigsten immer siegreich überstanden (mir fallen spontan grad zwei Personen ein). Ich habe selber meine Versuchungen, die wie ein Stachel in meiner Seite sind und auf die ich immer wieder reinfalle. Ich komme mir sogar manchmal wie blöde vor, daß ich meinem Beichtvater immer wieder dasselbe erzähle. Aber wissen Sie, wie die Geschichte immer wieder ausgeht? "Et ego te absolvo..." Und so spreche ich Dich los von Deinen Sünden... - und meine geschundene Seele ist wieder weißer als Schnee. Happy end! Ich muß deshalb nicht fordern, daß die Kirche die Sünden, auf die ich immer wieder reinfalle, sanktioniert.

Sie zitieren außerdem mich falsch: Ja, wie mag er sich fühlen, wenn ich sage "warum tretet ihr nicht aus?" - Das Zitat ging aber noch weiter: "Ja, falls ihr im Recht seid, wird Euer Gott es für gut befinden" Es ist also nicht nur ein extremes Negativstatement.

Im Kontext kam doch heraus, daß es mir nicht um stille homosexuelle Menschen geht, die vllt sogar wirklich "zw. zwei Welten" gefangen sind, sondern um einen (man verzeihe mir hier die Polemik) einen regenbogenfarbenen Pöbel, der nicht demonstrieren, sondern provozieren will. Und für die gilt weiterhin: "Ja, warum tretet ihr denn nicht aus?" Wenn ihr schon gemeinsam mit Leuten, die "Wir sind hier, um eure religiösen Gefühle zu verletzen" und ähnliche Parolen von sich geben, demonstriert - was genau hält euch dann noch in der Kirche?

Der Herr Alipius hat gesagt…

Das ist so witzig: Als ich Deinen Artikel las, dachte ich mir noch bevor ich auf den Link geklickt hatte: 'Das war wahrscheinlich die WELT...'

Diese Zeitung hat sich ja auch während der heißen Phase des Mißbrauchsskandals echt mit Ruhm bekleckert, indem sie Kommentare, in denen auf (bewußt oder unbewußt) fehlerhafte Berichterstattung in den Medien hingewisen wurde, löschte.

Zur Aktion selbst: Daß so etwas passieren würde, war eigentlich klar. Daß es der säkular und antikatholisch dressierten Presse Schlagzeilen wert ist, ebenfalls. Interessant ist, daß im Kommentarbereich der WELT jetzt einige Leute ihre Ablehnung gegenüber der Aktion ausgedrückt haben und die Kommentare nicht nur nicht gelöscht wurden, sondern von den Kommentarbewertern auch ungefähr bei 50/50 gehalten werden. Es sind zwar nicht viele Kommentare, aber es stellt sich - wie schon beim Sarrazin-Buch - die Frage, ob die Jubelalraunen der GLBT-Bewegung aus den Mainstream-Medien zusammen mit den sich vor Päpsten küssenden (oder Päpsten ihre nackten Hinterteile zeigenden - wie beim Besuch von JPII in Berlin vor ca 30 Jahren) regenborgenfarbenen Schocktruppen irgendwann den Bogen überspannt haben und die Leute langsam so etwas denken wie: "Ihr habt in den letzten 40 Jahren einen gewaltigen Satz gemacht, was gesellschaftliche Akzeptanz und Rechte betrifft. Vielleicht haltet ihr mal einfach für'ne Weile die Klappe und hört auf rumzunerven. Danke."