Montag, November 29, 2010

Leaky Leaky...

Es ist ja echt schön zu sehen, daß bei den wikileaks nichts schlimmes über den Vatikan ans Licht kam (davon bin ich eigentlich ausgegangen)!

Generell muß ich aber sagen, daß ich tierisch angenervt durch die, nennen wir es mal die "Leaks"-Affäre bin, und das kann man in vier Gründen zusammenfassen:

1.) Also, was sind jetzt genau die "brisanten" Informationen, die wir bekamen? Wie ich las, ist Westerwelle schwul und inkompetent. Dazu brauchte es also Depeschen von amerikanischen Botschaftern, um das herauszufinden? Wow, ich hätte euch das schnell mal twittern können.
- Spaß beiseite, was ich bisher las, sind Dinge, die ich nicht gerade brenzlig, vielleicht peinlich im Einzelfall finde. Kein Wunder, daß sich Berlusconi beölt haben soll.

2.) A propos Einzelfall, und hier kommen wir wirklich zu der Sache, die mich stört, ja, wo mir schlecht wird: Haben die werten Herren Enthüller daran gedacht, daß es MENSCHEN sind, deren vertraulichen Schreiben sie veröffentlichen? Manchmal Botschafter mit Partner und Kindern? Ist ihnen nie der Gedanke gekommen, daß sie solche Leute vllt gefährden oder zumindest ihnen das Leben unangenehm machen mit sowas, oder waren sie zu sehr damit beschäftigt, sich als großartige Enthüller ins Rampenlicht zu träumen?

3.) Gerade hier in Deutschland widert mich es an, wie man mit zweierlei Maß misst: Einerseits jammert man ständig über den pöhsen Mogul google oder Facebook, "boo hoo, meine Privatsphäre, das kann man doch nicht machen" und andererseits geilt man sich Empörung mimend über die jüngsten Enthüllungen auf. Enthüllungen über Dokumente, die vertraulich waren. Wie würden wir es finden, wenn unsere Post durchstöbert würde?

4.) Und hier kommen wir schließlich zu einer Sache, die mir generell Bauchschmerzen bereitet: Die Akzeptanz von kriminellen Verhalten. Es mag ja heldenhaft erscheinen, "brisante" Dokumente, die nur den Regierenden Amerikas vorbehalten waren, ans Licht zu bringen, aber dafür gab es auch mal einen Ausdruck (sofern die Täter zur selben Nation gehörten), nämlich Hochverrat. Ja, ich klinge grad wie eine Erzkonservative, engstirnige, Preußische Sau, aber das ist mir egal. Ist es wirklich vollkommen egal, daß hier ein krimineller Akt als "freiheitlich" betrachtet wird?
Sicher, es gibt Situationen, in denen man nicht mehr schweigen kann etc - der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, daß ich den Fall von Guantanamo nicht erwähnte. Das hat den GRund, daß es sicherlich Dinge gibt, bei denen man als Mensch guten Willens keine andere Möglichkeit sieht, als den Mund zu öffnen - auch auf die Gefahr hin, damit ein Verräter zu sein! Aber bitte - Schreiben, dessen Informationswert oft nicht über Randnotizen hinausgeht - das ist einfach mies.
Gerade diese Akzeptanz hatte mir damals bei der "Steuer-CD" auch mißfallen. Da sind also Datendiebe am Werk - und manche Länder machen Geschäfte mit ihnen! Gehts denn noch?


Also zusammengefaßt: Ich sehe diese ganze Leaks-Sache sehr, SEHR kritisch; vor allem scheint es im Augenblick nur ein weiteres Ventil für die Amerika-Phobie, die seit Jahren en vogue ist, zu sein. Es bleibt abzuwarten, wann die ersten Privatpersonen unter dieser Seite zu leiden haben.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kann ich so voll und ganz unterschreiben. Daß ich bei manchen mittlerweile einen Ruf habe, der irgendwo im Bermudadreieck zwischen unemanzipiertem Miststück, der kleinen Schwester von Silas und reaktionärer Krawallschachtel liegt, ist mir mittlerweile auch egal- es ist eher eine Auszeichnung.

Daß mit der privaten Post ist eine interessante Anregung...vielleicht findet sich ja mal ein fähiger Hacker, der die Mails und Finanzdaten von Julian Assange und Konsorten online stellt...In dem Fall wäre ich mal ausnahmsweise dafür.

FingO hat gesagt…

Ich muß sagen, daß ich selbst dann nicht dafür wäre; der Herr Assange ist ein arroganter Vollidiot, aber wie jeder andere Mensch hat auch dieser ein Recht auf Privatsphäre.

Aber ich muß gestehen, daß ich mich über die DDoS-Attacken auf wikileaks freute. Damit kommt kein Schaden für die Privatpersonen dahinter auf.

Kl. Schwester von Silas ftw, muß ich übrigens sagen ;)

Anonym hat gesagt…

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, musste der Büroleiter von Westerwelle seinen Hut nehmen. Weil er angeblich oder tatsächlich derjenige war, der (belanglose) Informationen an die amerikanische Botschaft geliefert hat...

Wikileaks veröffentlicht aber nicht nur Sachen, die dazu führen, daß irgendwelche Parteimitarbeiter sich nen neuen Job suchen müssen (wobei das schon mies genug ist). Es gab ja durchaus schon Veröffentlichungen von Dokumenten, die das Leben zB von irakischen oder afghanischen Übersetzern, Informanten oder sonstwem gefährden...