Bei Alipius fand ich die Anregung, über die interessantesten Fälle der Ecclesical Correctness zu reden. Ich bin jetzt nicht unbedingt jemand, der sich darüber tierisch beklagt, aber amüsant bis bedenklich finde ich dieses "katholische Gendermainstreaming" etc. dann doch. Jedenfalls hier meine Lieblingsanekdoten:
- Bei mir in der St. Josef-Kirche (die übrigens sehr schön ist und nach der endgültigen Renovierung hoffentlich noch schöner ist) liegen Gotteslobe mit überklebten Passagen (Christi Glieder statt Christi Brüder etc.), aber das scheint ja Standard zu sein. Ich find es irgendwie niedlich, wie viel Aufwand man hier treiben kann...
- Was mich schon mehr stört, ist, wenn statt von Sünden von "Fehlern" und "Unvollkommenheiten" gesprochen wird. Interessanterweise NICHT, weil ich so ein strenger Dogmatiker bin, sondern eher, weil damit menschliche Schwächen überstilisiert werden: Jesus starb nicht, weil Paul lispelt und ich heute noch nicht den Müll runterbrachte. Was ich sagen will: Fehler und Sünden sind wirklich zwei paar Schuhe! Sicherlich müssen wir auch an unseren Fehlern arbeiten - aber ein schlampig gebügeltes Hemd an einem Dienstag vormittag wird sicherlich nicht der Grund für Fünf Jahre Fegefeuer sein!
- Diesen Sonntag wurde ein NGL-Lied gesungen, bei dem es irgendwie hieß "...ein Mann, dessen Umarmungen voll Brüderlichkeit waren" etc - und es ging um Christus. Irgendwie ging es dann weiter, daß er halt Ehrlich war etc.. Was mich an solchen Kuschelliedern stört, haut in eine ähnliche Kerbe wie obige Sache:
Der Mensch wird dadurch entwertet! An Christus ist NICHT das besondere, daß er ein ehrlicher Mensch war - die gab es auch vorher -, sondern daß er Gottes Sohn ist, der Fleisch annahm, für unsere Sünden starb und von den Toten auferstanden ist. Nett sein - das können wir auch (zumindest mit Gottes Hilfe).
- Hier ein Beispiel an E.C. von der Gegenseite des kirchenpolitischen Spektrums, was ich recht amüsant fand. Eine Bekannte von mir hat ihre erste Beichte (damals neun oder so) bei einem recht jungen Priester der FSSP abgelegt. Als junger Priester und eben wie Priester der FSSP so drauf sind, wollte er alles ganz genau machen, weshalb der den gesamten Sündenkatalog durchgegangen ist. Das ist sicherlich nicht falsch, aber das arme Mädchen war doch etwas schockiert darüber, was der Priester ihr alles so zutraute (und ich hab mich köstlich über die Erzählung amüsiert)..."Hast Du.... jemanden getötet?" ist wirklich nicht die erste Frage, die mir bei einem Kind eingefallen wäre.
So, das wären dann erstmal die Geschichten!
4 Kommentare:
Der Texte heißt (wenn ich mich recht entsinne): "Eines Tages kam einer, der hatte eine Brüderlichkeit in seinen Umarmungen..." Das Lied ist an dieser Stelle doppelt schmerzerregend: Erstens wegen des Textes, zweitens, weil die Stellen das Liedes, an denen die Worte "Brüderlichkeit" und "Umarmungen" gesungen werden von der Melodie her eigentlich für Worte mit zwei Silben gedacht sind ("Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen, eine Freiheit in seinem Handeln... etc) und dann hier natürlich entsprechend gerappt werden muß.
Ach ja: "Jesus starb nicht, weil Paul lispelt und ich heute noch nicht den Müll runterbrachte." LOL!
Supergut!
Aber ich hoffe, daß aus Gründen der Gendercorrectness jetzt auch das Brüderlichkeits-in-den-Umarmungen-Lied geändert wird.
Nun sollte es heißen (und folgerichtig auch überklebt werden): Geschwisterlichkeit in seinen Umarmungen.
Auf eine Silbe mehr oder weniger kommt es da jetzt auch nicht mehr an.
@Phil:
(und ich hab mich köstlich über die Erzählung amüsiert)
Das hätten Sie nicht sollen! Sondern vielmehr das Kind gebührend darauf hinweisen sollen, daß die natürliche Diskretion auch die Geheimhaltung von geheimen Fehlern anderer Personen beinhaltet, und, da der FSSP-Priester durch das Beichtgeheimnis gehindert ist, seinerseits über den Verlauf der Beichte zu berichten, auch das Kind nicht berechtigt ist, daraus Details auszubreiten. Das wäre die richtige Art gewesen, für Zucht und Ordnung zu sorgen!
Und daß Sie sich darüber noch "köstlich amüsiert" zeigten, wird dem Kind ebensowenig entgangen sein und ist diesfalls (und besonders in Ihrer Erzählung!) geeignet, Ärgernis zu geben. Ts, ts, ts ...
;-)
;) Ich muß der Vollständigkeit halber erwähnen, daß das damals neunjährige Kind inzwischen mehr als zehn Jahre älter ist und sich selber köstlich darüber amüsiert. Da sie außerdem keinen Namen genannt hat, ist ohnehin auch nicht gerade der Ruf eines bestimmten Priesters geschädigt worden.
Falls ich aber Ihre moralischen Gefühle verletzte, tut es mir natürlich leid ;)
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