Was mich oft wundert, ist, wie Benedikt XVI. desöfteren unterstellt wird, er würde es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Was mich noch mehr überrascht ist, daß diese Unterstellung von Leuten kommt, die ihm eigentlich wohlgesinnt seien sollten.
Was ich meine? Ich zähle mal die Beispiele auf, die mir im Augenblick präsent sind:
- Als damals das Summorum Pontificum erschien (plus Begleitschreiben) las ich in manchen doch eher traditionellen Foren, daß der Heilige Vater "das Kirchenvolk nun sanft wieder zur wahren Liturgie führen wolle". Auf meinen Einwand, daß eben jener Papst ausdrücklich im Begleitschreiben schreibt, daß die Neue Messe die "forma ordinaria ist und bleibt" wird dann betont, daß das ja gerade das Behutsame des Papstes sei, daß er nicht sofort mit der Wahrheit herausrücken würde.
- Selbiges läßt sich über die FSSPX sagen. Als die Exkommunikation aufgehoben wurde, wurde recht bald danach bestätigt, daß die Bischöfe zur Zeit kein rechtmäßiges Amt in der Kirche ausüben (Zitat: "Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus"), was geflissentlich ignoriert wurde, weil ja der Papst "die Piusbruderschaft anerkannt hätte". Und sich eben nur derart - sagen wir mal "liberal" äußern würde, weil ja die Wahrheit einschlagen würde wie ne Bombe.
- Nun aktuell wurde, nachdem eine neue Version mit Tiara des Papstwappens präsentiert wurde, behauptet, daß der Papst nicht einfach seine Meinung geändert hat, sondern ja schon von Anfang an drauf Wert gelegt hätte und dieser ausdrückliche Wunsch (der Mitra im Logo) nicht von ihm gekommen wäre. Er habe dann aber in Demut das akzeptiert - was er ja laut der Vatikanseite auch immer noch tun würde...
- Vor kurzem las ich, daß nämlich Johannes Paul II. von den Umtrieben des Father Maciel wußte, sie aber geheimhielt. Wieder soll es angeblich der Hl. Vater Benedikt XVI. sein, der davon weiß und deshalb den Seligsprechungsprozeß verlangsame, weil er den eigentlich nicht will. Da stellt sich dann zwar die Frage, wie überhaupt er nun ein "Ehrwürdiger Diener Gottes" sein kann...
- Warum ich eigentlich diesen Artikel schreibe, ist, was ich auf einer Blogexkursion jetzt las: Daß der Heilige Vater erstens das "wahre" dritte Geheimnis von Fatima und zweitens wüßte, daß die Frau, die wir als Sr. Lucia kennen, dieselbe gar nicht sei (was ich das letzte mal von "Father" Gruner las). Ihm seien aber damals, anno zweitausend, die Hände gebunden gewesen, wie Herr Williamson zu wissen glaube.
Gerade bei letztem Beispiel frage ich mich doch, wie viel Lüge man dem Heiligen Vater, der sich als Bischofsmotto "Mitarbeiter der Wahrheit" gab, zutraut. Daß die Feinde der Kirche das tun, daß Leute, die am liebsten selbst Papst wären und ihn dann direkt einen Lügenbold nennen, kennt man ja. Daß aber Kreise, die sich als Freunde des Heiligen Vaters sehen, damit Leben können, daß er aus ihrer Sicht eigentlich alle in verschiedenen Punkten verschaukelt - jedenfalls mir stellt sich es so dar -, daß der Benedikt XVI., der doch schon so oft gezeigt hat, daß er deutliche Worte finden kann und eben nicht die Ausernandersetzung fürchtet, dann doch lieber schweigt - vielleicht sehe ich da was falsch, aber das kann und will ich nicht glauben.
Mir kommt es eher so vor, als würden Leute das Verhalten des Papstes so interpretieren, wie es ihnen gefällt. So fällt dann natürlich auch Papsttreue leicht - einfach dem Hl. Vater das unterstellen, was man selber will. Ich beispielsweise empfange nun nur noch die Handkommunion, weil ich glaube, daß der Hl. Vater sich betreffs der Mundkommunion nur an Guido Marini hält, weil er halt so demütig ist. Oder so. (DISCLAIMER: NEIN, TU ICH NATÜRLICH NICHT)
Oder was meint ihr? Ich bin vielleicht ein blauäugig durch die (Kirchen)welt laufender Naivling, aber wenn derart viel Lügen und Intrigen, wie die, die diese Meinungen kundtun, im Zentrum der Christenheit zuhause sind - nein, das kann ich nicht glauben.
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