Wie auf kath.net berichtet wird , scheint Anne Rice nun doch wieder weniger mit dem Christentum anfangen zu können, nachdem sie 1998 wieder zum Glauben gefunden hat. Seit 2003 wurde sie in manchen christlichen Medien für ihre Jesus-Bücher ziemlich gefeiert. Ich habe weder diese noch die Vampir-Romane gelesen. Wenn ich Jesu Lebensgeschichte lesen will, gibt es vier Autoren, die seit fast zweitausend Jahren den Standard setzen, und Vampir Romane? Och nö, wenn ich Metrosexuelle, verweichlichte, dekadente Weltschmerzler sehen will, gehe ich in ein Café in Prenzlberg oder surf ein wenig auf der Gothic-Singleseite Schwarzes Glück (BÄM!).
Genügend geschnodder. Sie führt als Punkt an, daß sie sich nicht mehr mit der "streitsüchtigen, feindseligen, und mit Recht berüchtigten Gruppe" identifizieren will.
Ein wenig nachvollziehen kann ich ihre Gefühle schon. Wenn ich in die Kommentarsektion von kath.net, allg. auf kreuz.net oder auch in Verlautbarungen des ZdK gucke, sehe ich da viel Häme, viel Verbitterung und doch recht wenig von dieser Leichtigkeit, mit der wir Christen doch den Ernst des Lebens erfassen sollten. Ich sehe, auch wenn oft mit Bibelzitaten und Sentenzen aus diversen Konzilsdokumenten und Enzykliken herumgeworfen wird, auch wenn sich Gruppierungen auf den vermeintlichen "Geist des Konzils" oder gar auf den "wirklichen historischen Jesus" beziehen wollen, dann doch keine Nähe zu dem LEBENDIGEN CHRISTUS. Das alles hat dann manchmal was von irgendwelchen Nerdbattles frei nach dem Motto TNG oder DS9. Einen Gipfel hatte das ganze bei den Streitigkeiten um Hw Mixa erreicht, als einerseits Leute ihn mit Häme bombardierten, über ihn logen und ihn diffamierten, andererseits die selbsternannte Gegenseite dann halt andere Bischöfe lieber beleidigten. Ich meine, hallo? Streit darf ja sein, aber wie beim Boxen gilt: Schläge sind nur über der Gürtellinie erlaubt. In Wortgefechten stellt diese Gürtellinie der Satz Christi über den Dummkopf und den Gottlosen Narr dar.
Wieso sage ich "ein wenig"? Nun, weil die gute Madame Rice doch den Fehler macht, den so viele machen: sie denken, daß, nur weil wir an den Allmächtigen Gott glauben, wir sofort tolle Menschen sein müssen. Sie denken, durch die Konversion hat man die Eintrittskarte in einen Club der Tollen und Coolen erhalten. Is nich so und vor allem ist das der absolut falsche Beweggrund, um in die Kirche einzutreten. Pilgerndes Gottesvolk und vor allem Blogozese und kath. Internetforen in allen Ehren, aber ich bin nicht einzig wegen Euch Katholik (was manche Foren betrifft, könnte man "Trotz alledem Katholik" sagen). Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, daß ich wegen niemand geringerem als Christus Katholik bin. Ja, klar, auch wegen Maria, der Gemeinschaft der Heiligen, der Engel - aber die alle deuten auf Christus hin, dementsprechend bin ich primär Christi wegen Katholik! Daß wir nun mit Johannes Paull II. und jetzt mit Benedikt XVI. mit wunderbaren Päpsten gesegnet sind ist großartig und sicherlich eine, sagen wir mal gültige "Erstmotivation", aber kann nicht der einzige Grund für unsere Mitgliedschaft sein. Und auch wenn ich mich über manche Entwicklungen betreffs der FFSPX geärgert habe und mich noch mehr über die Lauheit meiner eigenen Person ärgere, bin ich um Christi Willen immer wieder glücklich, ein Katholik zu sein! Todo e nada, deo sola basta oder so ähnlich.
Nun macht sie den Schritt, den so viele machen: sie gründen eine christliche "Ich-AG", denn sie habe sich vom Christentum, aber nicht von Jesus Christus losgesagt. Nun könnte man nach von mir gesagten vermuten, daß das ok wäre. "Phil, du bist doch nur wegen Christus in der Kirche, dann kann man doch auch nur an Christus glauben?" Nope. Christus hat mit den Zwölf Apoteln, mit den 72 Jüngern und den vielen weiteren, die ihn begleiteten doch deutlich gezeigt, daß ihm die Gemeinschaft im Glauben, ja, die geordnete Gemeinschaft im Glauben (Petrus an der Spitze, ein engerer Kreis der Apostel, die Apostel, die Jünger...), daß das alles, was wir jetzt als Kirche kennen, essentiell zu Christi Verkündigung gehörte. Da Christus auf diese Gemeinschaft Wert legte, sie heiligte, ist sie essentiell für den Glauben an Christus. Punkt.
Bleibt, für Frau Rice' baldige "Re-Konversion" zu beten. Und soweit wir es können, vllt diese Streitereien sein zu lassen; anscheinend wirken die für so manchen Gläubigen irritierend.
1 Kommentar:
Perfekte Feststellung, sehr fein kommentiert. Insbesondere die Sätze zu den Wortgefechten. DANKE! Mir feinsinnig aus der Seele gesprochen.
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