Wer diesen Blog schon etwas kennt, weiß, daß ich in Sachen Musik vollkommen bekloppt bin. Und daß ich ein Faible für langsame Spielarten der Musik habe. Stücke im Drone- und Ambientbereich können schon mal eine ordentliche Länge aufweisen; halbstündiges oä ist da nicht selten!
Die Musik-Kenner und Avantgardefreunde unter Euch werden sicherlich auch von John Cages "Very Slow", vllt auch von Longplayer oder gar Olitsky gehört haben. Diese drei Kompositionen sind 600 Jahre, 1000 Jahre und 1.6 Mio Jahre lang (BAM!), respective. Ambientstücke sind oft Loopbasierte Kompositionen, will heißen, daß mehrere Spuren von Loops parallel gespielt und zu einander verschoben werden. Ein kompletter durchlauf ist dann ein Song. Bis auf Longplayer muß ich jedoch sagen, daß sie eher schlecht klingen (natürlich nur die Ausschnitte, die ich hörte ;) )... außerdem kommt natürlich das Problem dazu, daß man solche "Songs" niemals vollständig hören kann. Wir werden halt nicht mal 600 Jahre. Ich muß aber gestehen, daß ich manchmal tagträume, wie es wäre, wenn Olitsky bspw. von einer Maschine vollständig gespielt werden würde... ich mein, das hätte schon was parareligiöses. Vielleicht werde ich noch ein bekloppter Christ, der Omnia ad majorem dei gloriam eine Bruderschaft gründet, die sich darum kümmert, daß ein solcher Song gespielt wird. Das wäre großartig.
Ich mag solche langen stücke, weil sie mir einen kleinen Eindruck von Ewigkeit, von Zeitlosigkeit gewähren. Ambient und Drone hat keinen Rythmus, die Musik prescht nicht vorwärts. Sie ist bereits am Ziel angekommen.
Da, wie gesagt, obig genannte Stücke ohnehin nicht vollständig anhörbar sind, möchte ich an dieser Stelle Musik empfehlen, die man sich als Normalsterblicher vielleicht anhören kann und am nächsten an diesem Gefühl der Ewigkeit dran ist.
Bull of heaven . Letztlich ist Bull of heaven der Hauptgrund, warum ich diesen Post schreibe. die Facebook-User unter euch haben schon mal diese freche Werbung meinerseits gesehen.
Bull of heaven machen Ambient/Drone/Soundscapes/Noise und sind dabei für Vertreter des Genres recht abwechslungsreich. So gibt es mit "String Theory Verified" (ist der Titel nicht einfach awesome?) auch ein Stoner Metal-Stück, yeah!
Vieles von denen ist durch Sprachsamples begleitet, die allgemein recht strange sind.
Bull of Heaven haben unter anderem Songs mit Längen von 1000 Stunden (The unknown priest and the apostle of infinite Space), 4000 Stunden (Blurred with tears and suffering beyond hope) und gar FÜNFZIGTAUSEND STUNDEN (Like a wall in which an insect lives and gnaws). Letztes Stück wäre dann fast vier Terabyte groß.
Bull of heaven bietet ihre Musik kostenfrei zum download an. Nun ist gerade besagtes letztes Stück derart groß, daß Dreamhost, ein Hosting Service, der eigentlich dafür bekannt ist, unbegrenzes Uploadvermögen anzubieten, hier nicht mehr mitmacht und allgemein diese Politik überdenkt. Ich kann das gut verstehen, finde es aber andererseits auch schon eine Art dadaistisches Kunstwerk, einen Hosting Service überhaupt ALLEIN so weit zu bringen. Bull of heaven dürfen bis auf weiteres nichts mehr hochladen, ohne was zu löschen und suchen verzweifelt entweder nach genügend Geld, sich einen größeren Server bei Dreamhost leisten zu können oder generell nach einem großen Server. Wer von Euch das eine oder andere hat, darf hiermit die Band unterstützen ;) Ich jedenfalls werde sicherlich einen kleinen Betrag spenden.
NǽnøĉÿbbŒrğ VbëřřĦōlökäävsŦ lesen sich "Nanocyborg Uberholocaust. DIe Band ist nicht rechts, der Bandname ist nur scheiße. Diese Band hat zwar längst nicht so viele oder so lange Stücke wie Bull of heaven und werden auch irgendwie zu recht als die "stupid, much inferior version of Bull of heaven" bezeichnet, aber ich bekomme es nicht über mich, die Band mit Bausch und Bogen scheiße zu finden. Erstens finde ich Eternal Darkness Vortex und The Ultimate Fate of the Universe gar nicht mal so schlecht, ich hab sie in verschiedenen Meßzeiten vollständig durchgehört (jeweils ca 24h), zweitens gefallen mir einige der Albenkonzeptionen:
- The ultimate fate of the Universe ist quasi als Sountrack zur Lebens- und Sterbensgeschichte des Universums gedacht. Sehr originell ist hier für mich das Stück "The Planck Epoch", daß eine Sekunde dauert und nur aus einem Klick besteht. Letztlich nicht schlecht, den Übergang eines diskreten zu einem kontinuierlichen Zeitverhaltens dadurch darzustellen!
- Eternal Darkness Vortex hat als Inspiration, was passiert, wenn man in ein Schwarzes Loch fällt.
- Stars - A comparative Study of Astroillumination and four dimensional Spacetime ist ein Album über Sterne. Die Länge der Ambientstücke ist direkt proportional zur Größe der Sterne, die als Namensgeber für den jew. Song fungieren. So ist Sol nicht mal eine Sekunde lang, VV Cephei jedoch über sechs Stunden!
- Schließlich ist Superviods eben den besagten Superviods, den großen Leeren im Universum gewidmet. Ich war von diesen riesigen Leeren Flächen wie Eridanus immer fasziniert und werde es immer sein... Eridanus ist eine Große Void mit einem durchmesser von einer Milliarde Lichtjahren. Daß selbst Nichts so groß, so majestätisch ist, ist einerseits eben ein Grund, warum ich derart minimale Musik mag, aber vor allem ein Aspekt von Gottes Schöpfung, der mich immer wieder Staunen läßt.
Wie gesagt, generell ist N.U. wirklich nicht immer toll anzuhören, aber nett und empfehlenswert fand ich es von der Konzeption doch.
Falls ihr also mal etwas ruhigere (etwas, höhö.... ich mein, nach einer Stunde Bull of Heaven klingt SunnO))) wie Discofox) Musik hören wollt, kann ich Euch besagte Bands nur empfehlen.
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