Montag, November 02, 2009

Allerseelen

Allerseelen ist natürlich eine der großen Gelegenheiten, an jene zu denken, die uns vorangegangen sind. Das bedeutet in meinem speziellen Fall meine Mutter. Zwar habe ich es leider Gottes verpennt, an meine Gemeinde zu schreiben, auf daß für sie gebetet wird (dieses Jahr), aber ich hab ihr ja streng genommen auch schon mehr als einen vollkommenen Ablaß aufgeopfert :)
Doch auch wenn dem so ist, bietet sich eben der Tag an, an jene Personen zu denken, für sie zu beten und sie um Fürsprache zu bitten. Und, ganz banal, mal wieder hallo zu sagen. Aus dem Trott des Alltages, der viel zu schnell nach dem Tod einer Person, die man liebt, eintritt, ganz bewußt auch nur für eine kurze Zeit zu entkommen und zu merken, wie sehr doch diese Person einem fehlt.

In dem Sinne war ich heute mal wieder am Grab meiner geliebten Mama. Wäre der Regen und die bittere Kälte nicht gewesen, wäre ich auch, wie bei meinen letzten zwei Besuchen, etwas länger geblieben, aber so hoffe ich doch, daß sie (und der Herr!) dieses Opfer, früh aufzustehen und bei diesem widerlichen Wetter ihrem Grab einen Besuch abzustatten, zu schätzen weiß.

Ich fragte mich, wie auch schon bei den anderen beiden Besuchen, was sie wohl vom weiteren Lebensweg ihrer Kinder so hält. Der eine als Doktorant unterwegs (und alle ihre Blumen auf dem Gewissen hat *räusper*), der andere nun verheirateter Vater eines ziemlich lebendigen kleinen Joschuas. Sicherlich wäre sie stolz auf uns. Sie würde sich zwar ärgern, daß der eine seinen Ambitionen, Lateinlehrer zu werden, nicht nachging, daß der andere ein slackiges leben allein führt, wird sie auch stören und sie wird sicherlich den Herrn Vater wieder dafür verantwortlich machen, daß wir zugenommen haben :) Jedenfalls, in solchen Momenten vermisse ich sie wirklich, ihren einzigartigen Wiener Humor, ihre Zunge, scharf wie ein Schwert, ihr offenes Ohr.
Aber als Katholik weiß ich, daß es ein Wiedersehen geben wird.

CU in heaven, Mama!

P.S.: Ich hoffe natürlich auch, daß ich Opa Werner wiedersehe, ich hab nur jetzt nicht so viel über ihn geschrieben, weil ich sein Grab (da nicht in Berlin etc) nicht so leicht besuchen konnte. Aber auf Deine Derben Witze und Deinen altberliner Akzent wird man hoffentlich auch nicht in den himmlischen Sphären und später dann im himmlischen Jerusalem verzichten müssen.

5 Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Irgendwie ist mir die Dame sympathisch. Wenn ich heute abend meine Mama auf dem Friedhof besuchen gehe, werde ich auch für sie kurz innehalten. Beten wir füreiander und für jene Menschen, denen wir soviel verdanken, daß Gott es ihnen in Seiner Gnade anrechnen wolle.

FingO hat gesagt…

Amen! Ich denke und hoffe auch, daß der Beter viel "Macht" vor Gott hat. Ich erinnere mich da an

- Abraham, der den garantierten Untergang Somoms und Gommorahs auf "Geht nur ohne zehn Gerechte unter" runterhandeln konnte
- Moses, der nach dem Bau des goldenen Kalbes für sein Volk einstand
- Die Seherin von Fatima, die so oft erwähnt, wie wichtig das Gebet für die Sünder ist.

"Allein den Betern kann es noch gelingen"

PS: Sicher, über die Verstorbenen ist der Richtspruch schon gefällt, aber einerseits weiß ich bei beiden, daß sie gerade am Ende ihres Lebens anscheinend heim kamen (was den Glauben betrifft) und zweitens ist es die trotzige Hoffnung eines Christen, die mich erfüllt, die mich hoffen läßt, daß es wirklich ein gutes ende mit den beiden nahm.

FingO hat gesagt…

Somom = Sodom. Vertipper rocken.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich halte ja nicht allzuviel von der modernen Eschatologie, aber einen oft betonten Gedanken daraus - den Eintritt des zeitlichen Menschen in die Zeitlosigkeit Gottes - habe ich teilweise übernommen und für mich weiterzuentwickeln versucht:

Wenn der Mensch aus diesem Leben vor den Richterstuhl des Höchsten tritt, tritt er also aus seiner Zeitlichkeit heraus. Und ich glaube, daß dem Menschen in diesem ganz besonderen Augenblick des Übergangs von der eigenen Zeit in die Ewigkeit Gottes ein Moment der Besinnung - der Zeitlichkeit verpflichtet und doch schon über sie hinausweisend - geschenkt wird, um sich ein letztes Mal für oder gegen Gott zu entscheiden. Ist er von der Sünde verblendet, so wird er in seiner Gottesferne verharren wollen und den Spruch des ewigen Richters empfangen, der niemanden gegen seine Willen in die Anschauung Seiner selbst zwingt.

Unser Gebet, unser Hoffen, unser Vertrauen, unser Opfer, unser Lieben aber wird aber helfen können, dem Menschen, dem wir unsere Fürbitte zuwenden, im Verbund mit all dem Guten, das ein solcher Mensch zu Lebzeiten gebracht hat, jene letzte Reue zu erwirken, die durch alle Läuterung hindurch die Pforten des ewigen Lebens öffnet.

Ihm, in dessen Ewigkeit wir unsere Gebete stammeln, ist hierbei unser Bitten bereits gegenwärtig, ehe wir es aussprechen.

Yon hat gesagt…

Ich denke nicht, dass Gottes Allwissen Ihn in unserer chronologischen Reihenfolge erreicht. Deshalb bete ich auch für die Mutter einer Freundin, die verstorben ist, bevor ich überhaupt Christ war, dass sie es "geschafft hat" (und besuche ihr Grab meistens noch, nachdem ich meinen Opa besucht hab). Ich gehe davon aus, dass der Herr in ihrer Zeit schon wusste, dass ich heute dafür beten werde. Was soll Er auch sonst tun? "Nö, gilt nich mehr, sorry?" Er will doch noch tausendemale mehr als ich, dass sie die Ewigkeit bei Ihm ist.