Sonntag, Oktober 18, 2009

Kain und Abel

Ich kann mir nicht helfen, irgendwie erwische ich mich seit Jahren - eigentlich, seit ich als erstes von Kain und Abel gehört hatte - dabei, mit Kain Mitleid zu haben. Mir geht es ähnlich bei der Geschichte um Jakob und Esau, aber das ist ein leicht anderes Thema (immerhin hat Esau zwei Hethiterinnen geheiratet und sein Erstgeburtsrecht verkauft, außerdem wurde er wenigstens von einem anderen Volk der Stammvater).

Was ich meine, ist die Geschichte VOR dem Mord bzw. wie diese Geschichte ausgelegt wird. Kains großer Fehler scheint zu sein, daß er schnöder Ackermann wurde und nicht cooler Hirte. Jedenfalls scheinen viele Heilige (und Paulus und Johannes) in Kain schon vor dem Mord einen bösen Menschen zu sehen, einen ungerechten, der dann eben den gerechten Diener Abel umgebracht hat.

Ich weiß gar nicht, ob die Geschichte, jedenfalls in der Form, wie ich sie kenne, so hergibt: Auch Kain opfert Gott etwas, und zwar von den Früchten Seiner Arbeit - analog zu Abel, nur, daß die Früchte des Feldes dem Ackermann eher zugänglich sind als ein Lamm. Gott blickt jedoch versöhnlich auf Abels Opfer - nicht auf Kains, wendet sich aber im Moment der Eifersucht, freilich mahnend, aber meiner Meinung nach väterlich Kain zu:
"Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben."
Er erkundet sich nach seinem Befinden und sagt ihm, daß er froh dem Blick erheben solle, wenn er fromm ist, AUCH WENN (so interpretiere ich das) GOTT SEIN OPFER NICHT ANNAHM.

Letztlich lehrt diese Geschichte doch mir und vielen anderen Menschen, die sich immer zu kurz gekommen fühlen, eine wichtige Lektion: Das Leben kann auf den ersten Blick ungerecht aussehen. "Hey, ich hab auch geopfert, wieso erhalte ich nicht den Lohn des anderen?" Die Lösung der Kinder Gottes ist jedoch nicht die Eifersucht und schon gar nicht der Mord, sondern weiterhin Gott zu lieben, eben OHNE sofortige Gegenleistung zu erwarten. Und dann - so Gottes Verheißung - wird man frei den Blick erheben können und sich nicht durch Eifersucht und Haderei blenden lassen.

Diese Gedanken können falsch sein. Der Hl. Paulus und der Hl. Johannes waren anscheinend der Meinung, daß Kain schon vor dem Opfer ein ungläubiger Halunke war. Eigentlich wollte ich die werten Herren Exegeten fragen, wo man einen Hinweis auf diese Bosheit vor dem Opfer finden kann.

4 Kommentare:

Yon hat gesagt…

Just diese Geschichte (u.a.) war Thema in einem Seminar, das ich besucht hab. Das dozentenbefürwortete Ergebnis war etwa das, wozu Du auch gekommen bist, und stützte sich besonders auf die Übersetzung dieses Verses mit der "Sünde vor der Tür". Ist wohl nicht ganz einfach zu übersetzen. Ich werd für Dich mal nach den Unterlagen kramen. :)

Bee hat gesagt…

Hmm.... also so wie ich das lese, hat Abel aus seinen "Erstlingen" der Herde also quasi 1a-Qualität ausgesucht und... naja, Kain eben "nur" Feldfrüchte. Was u.U. schon was zu seiner Haltung sagt, oder?

FingO hat gesagt…

Er war Ackermann, wenn er sich der Herde seines Bruders bedient hätte, wäre er nun nicht der erste Brudermörder, aber der Erzdieb bliebe er noch :)

Ernsthaft: Darüber hab ich auch nachgedacht, aber um klarzumachen, daß man das erstbeste wähen soll, drückt sich die Bibel hier dann erstaunlich schwammig aus.

Ich mein, Adjektive wie "zweitklassig" oder "wahllos" wäre nu wirklich nicht nur schmückendes Beiwerk...

Yon hat gesagt…

Wir lernen daraus: Gott mag Vegetarier nicht.
Hmja. Ich habs immer noch nicht geschafft, mich darum zu bemühen. Die Welt ist manchmal ungerecht, aber deswegen muss man noch lang nicht durchticken. Get used to it, human. Ja, das wäre doch eine Botschaft.