Ist zwar nun ein uraltes Thema, aber da ich mal überlegte, die Blogger"kriege" zw. Tradition und Moderne zusammenzutragen (lol) - Marke Gina Says - bin ich uralte Diskussionen auf kath.net durchgegangen. Da traf ich auf eine Diskussion über den KinderLimbus (als er noch nicht "abgeschafft" wurde). Hier wurde, wie ich auch so oft las, dann gesagt, daß ungetaufte Kinder zwar nicht in die Hölle kommen - sie haben ja nichts böses gemacht - aber auch nicht in den Himmel, da ihnen die Taufgnade fehlt und auch die Fähigkeit einer Begierdetaufe.
Konsistent ist die Sicht des Limbus. Wenn man an die Heilsnotwendigkeit der Taufe glaubt (bzw. daran, daß wenigstens ein Mensch, wenn er denn nach der Wahrheit strebt und keine Chance auf die Wassertaufe hat, zu Gott finden kann), dann ist bspw. die Frage der im Mutterleib verstorbenen Kinder schon da. Diese Frage einfach Gottes Barmherzigkeit vertrauen ist zwar keine Häresie, aber geht imho am Sinn der Theologie vorbei. "Keine Ahnung, wird Gott aber schon schaukeln" is ne Antwort, die ich geben kann, aber von der Theologie erwarte ich mehr. Soweit zu dem einen Punkt.
Nun wird dann gern gesagt, daß dieser Teil der Hölle ein Zustand natürlicher Glückseligkeit sei, ein Zustand des Glücks ohne Gott. Ja, man benutzte zur Beschreibung Begriffe wie "Kinderhimmel". Und hier bin ich dann doch erstaunlich. Einerseits kann ich mir kein wirkliches Glück ohne Gott vorstellen. Jesus ist das Licht der Welt, ohne ihn ist nur Finsternis hienieden. Außerdem wird damit Gott "unwichtig" - es gibt also einen ewigen Zustand der Glückseligkeit OHNE Gott? Das finde ich einen geradezu blasphemischen Gedanken.
Wie dem auch sei, es ist zwei Uhr morgens, ich werde die Frage heute nicht klären. Ich wollte nur mal wieder ein schönes, religiöses Thema auf meinem Blog zur Diskussion stellen.
10 Kommentare:
Mein Kirchenrechtsprofessor erzählte von einer Geburtshelferin, die das voraussichtlich sterbende Kind mit einer Spritze in den Uterus nottaufen wollte. Wenn ich mich richtig erinnere, fand er das angemessen. Ich frage mich, ob "einfach Gottes Barmherzigkeit" zu vertrauen, nicht doch die bessere Antwort der Theologie ist.
p.s. Bloggerkriege erinnert mich irgendwie an Klonkriege. Hast Du schon herausgefunden, wer Palpatine ist?
lol, nee, noch nicht :)
Sicherlich kann ich als gläubiger Mensch auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, ich denke auch, daß man damit nicht so falsch liegt. Aber wenn die Theologie sich als Wissenschaft verstehen will, finde ich, daß sie sich es mit dieser Antwort etwas einfach macht.
Beispiel aus meiner Leidenschaft (=der Wissenschaft): Mein Kollege aus einer Nachbar-AG muß nicht unbedingt was über den Tunneleffekt wissen, um wunderschöne aufnahmen mit dem Raster-Tunnel-Elektronenmikroskop zu machen. Ihm kann egal sein, wie es dazu kommt, daß ein immer konstanter Tunnelstrom vorhanden ist. Die Theoretiker jedoch, die sich um die Interpretation der Quantenmechanik kümmern, können nicht einfach "Es kommen halt genügend rüber" ins Protokoll schreiben, von ihnen erwartet man schon etwas mehr.
@ Martinam
Der locus classicus:
http://books.google.de/books?id=fPANAAAAYAAJ&pg=PA455#v=onepage&q=&f=false
Dieses Buch (lt. Titelblatt nur ad usum sacerdotum) ist - in der Sprache des minderbemittelten Barons Gandalf - ein "Knaller".
Die sehr ausgewogene Diskussion bei Ballerini-Palmieri, Opus theologicum morale, ist bei Google Books noch nicht lesbar:
http://books.google.de/books?q=editions:OCLC1875786&id=xuLuPwAACAAJ
Dort findet sich in Bd. II eine ausgezeichnete Erörterung. (Natürlich streng im Rahmen der "vorkonziliaren" Vorgaben, d.h. der noch von Pius XII. in den 50er Jahren mehrfach urgierten, seit Paul VI. und endgültig Johannes Paul II. vom kirchlichen Lehramt aber aufgegeben traditionellen Lehre.)
@ Philippum
Das letzte große Dogmatiklehrbuch der Neuscholastik - die Sacrae Theologiae Summa der spanischen Jesuiten aus den 50er Jahren unmittelbar vor dem Konzil - schließt das ausführliche Kapitel zum Limbus mit diesem Zitat aus Kardinal Sfondrati:
http://books.google.de/books?id=exz6dLandPkC&pg=PA120#v=onepage&q=&f=false
:-)
Herr Berolinem, ich mit meinem verschwindend kleinem Latinum verstehe doch hier so viel wie Sie, wenn ich Ihnen vom B3LYP-Funktional im Rahmen der DFT erzähle^^
Wird eigentlich das Treffen weiterhin ein Mythos bleiben?
Kardinal Sfondrati sagt: »Schließlich ist in der Sache der [ungetauft sterbenden] Kinder zu beachten, dass Gott sie zwar nicht zur himmlischen Herrlichkeit zugelassen haben wird, sie aber mit einer anderen und viel größeren Wohltat (alio et multo majore beneficio) versehen hat, welches sie selbst dem Himmel bei weitem vorziehen würden, wie auch wir es, wenn wir die Wahl hätten, für viel wertvoller als den Himmel hielten. [...] Diese Gabe der persönlichen Unschuld [im Gegensatz zur Erbschuld] und Bewahrung vor der Sünde ist so groß, dass diese Kinder selbst tausendmal lieber auf den Himmel verzichten, als auch bloß in eine einzige Sünde verwickelt zu sein; und kein Christ, der nicht denselben Wunsch haben müsste. Was also könnten sie sich über Gott beklagen, oder was hat er ihnen Böses getan, wenn er sie zwar nicht mit dem Himmel, aber einer anderen Wohltat beschenkt hat, die viel vorzüglicher (multo praestantius) als der Himmel ist, und die sie selbst und alle klugen Menschen (sapientes) dem Himmel bei weitem vorzögen, wenn sie wählen könnten. Wenn aber Gott das getan hat, was sie selbst und jeder andere wünschen würden, gibt es also keinen Grund, Schmerz zu empfinden und sich zu beklagen, sonfdern einen großen Grund zum Lobpreis und zur Danksagung.«
Bin heute seit kurz nach acht in Dahlem, muss aber wohl noch mal zum Ohrenarzt nach X-berg... :-)
http://books.google.de/books?id=Z_4pq6Ni4k0C&lpg=PP1&pg=PA66#v=onepage&q=&f=false
Bei "Pisanus Fraxi" [d. h. Henry Spencer Ashbee] findet man schließlich noch eine prägnante Einschätzung von Debreynes "Unzuchtslehre" ("Ehebruchslehre" = Moechialogie), der immerhin aufs Titelblatt den Satz gesetzt hat "(Ce livre est exclusivement destiné au clergé)" (warum hat er es dann nicht auf Latein veröffentlicht?) und nicht "(Mit praktischen Übungen)".
Was der Kardinal sagt, ist aber auch komisch. Also gibt es ein Gut, daß größer ist als der Himmel, nämlich EWIG VON GOTT GETRENNT ZU SEIN? Egal ob man den Zustand ohne Sünde hat etc. - darauf läuft des Kardinals Argumentation hinaus. Mehr noch: Man würde sich gegen den Himmel entscheiden um sündenfrei zu sein? Vielleicht verstehe ich seinen Punkt nicht, aber das finde ich sehr starken Tobak. Nicht, weil ich es so streng finde. Die Aurgmentation ist in sich imho nicht konsistent bzw. nicht konsistent zu dem, was die Kirche lehrt. Soweit ich informiert bin, war es auch für Adam und Eva geplant, daß sie einst ins Himmelreich kommen, in den Himmel kommen ist KEIN Plan B nach dem Sündenfall. Und was ist mit "Ooooh glückliche Schuld" etc.?
Außerdem wundert mich eine andere Sache: Wenn ungetaufte Kinder derart viel Verstand aufbringen um überlegen zu können, daß es besser sei, sündenfrei zu sein als in den Himmel zu kommen, wieso wird ihnen der nach der Wahrheit suchende Verstand nicht als Begierdetaufe anerkannt? Seltsam,seltsam...
"Seltsam" ist noch stark untertrieben... (Immerhin: Die Dominikaner versuchten sofort, dieses Buch indizieren zu lassen. Aber trotz ihrer extremen Anstrengungen in diese Richtung haben sie keinen Erfolg damit gehabt.) Nur eine Kleinigkeit noch (hab keine Zeit für mehr): Hier wird immer davon ausgegangen, dass die natürliche Seligkeit, zu der diese Kinder gelangen, natürlich die Beziehung zu Gott einschließt, ja sie besteht darin (also keine "Trennung von Gott"). Nur haben die Seligen eben viel mehr: die direkte Anschaung Gottes, die visio beatifica. Diese (und auch ihre bloße Möglichkeit) ist als übernatürliche Wirklichkeit aber für die ungetauften Kinder absolut unerkennbar, und deshalb leiden sie in keiner Weise unter ihrem Fehlen, so Sfondrati ganz getreu nach dem hl. Thomas:
http://books.google.de/books?id=exz6dLandPkC&pg=PA120#v=onepage&q=&f=false
Und da bist du dann mittendrin in einer der heftigsten theologischen (und philosophischen) Diskussionen des 20. Jahrhunderts: dem Verhältnis von Natur und Übernatur (mit der Frage nach einem möglichen desiderium natuirale videndi Deum). Stop. ;-)
Man sieht zumindest, dass eine Theologie, die zu den von dir monierten Paradoxien führt (und die Alternative ist zu sagen, die armen Kindelein würden einfach in die Hölle kommen) schon in ihren Fundamenten gewisse Fehlannahmen haben muss. Und da setzt die Erneuerung der Theologie schon vor dem Konzil und danach durch selbiges beflügelt an. In unserer Materie ist zum Beispiel ein Meisterwerk die Eschatologie von Ratzinger. (Und das sage ich als jemand, der das Ratzinger-Superstar-Getingel von Twomey und anderen für albern hält.) Aber Ratzinger vollzieht eben einen radikalen Bruch mit der vorkonziliaren Standard-Eschatologie.
"Immerhin: Die Dominikaner versuchten sofort, dieses Buch indizieren zu lassen. Aber trotz ihrer extremen Anstrengungen in diese Richtung haben sie keinen Erfolg damit gehabt."
Schade! Denn was der Kardinal da schrieb ist doch Blasphemie und Häresie der schlimmsten Sorte!
Und das alles basierend auf einer Lehre, die immer nur eine theologische Theorie war.
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