ENDLICH war ich mal wieder beichten. Da am Freitag auch ein denkwürdiges Jubiläum (mein Bruder, mein Vater und ich sind zehn Jahre Kirchenmitglieder und mein Bruder und ich zahn Jahre getauft) zu feiern gilt, nahm ich mir in dieser Beichte vor, eine WIRKLICH GUTE Beichte hinzulegen, eine Generalbeichte. Also, gesagt, getan, wirklich lang mich auf die Beichte vorbereitet (und die Absolution erhalten, juhu).
Aber deshalb schreib ich euch nicht, mein Beichtverhalten interessiert Euch sicherlich so viel wie der sprichwörtliche Reissack, der in China umfällt. (Nebenbei: Das Internet ist so derbe sinnlos, wieso gibt es davon nicht Videos? Vom Reissack.) Nein, ich will mich bei den Lesern für mein viel zu verbissenes, aufbrausendes Verhalten dem tridentinischen Ritus gegenüber entschuldigen und ein paar Korrekturen schreiben. Erstmal die Korrekturen:
1.) Betreffs Handkommunion: Ok, ich finde die Äußerung "wenn ein Partikel runterfällt, wird Jesus zertrampelt" aus genannten Gründen (im Magen wird dann Jesus in Säure aufgelöst) etwas übertrieben. Mir wurde beigebracht, daß man da zwischen Essenz und äußeren Eigenschaften schon unterschieden muß. DASS aber man damit das Allerheiligste zu Boden fallen läßt - ja, da stimm ich schon zu, das find ich nicht in Ordnung. Deshalb redet ja auch die Kirche - selbst bei der Handkommunion - davon sich ja langsam den Mund fusselig, eine Patene zu benutzen! Daß das kaum getan wird, ist schon irgendwie traurig.
Worauf ich eigentlich hinauswollte, als ich mich derart echauffiert hatte, war, daß ich mir Sorgen machte, daß man die Katechese (so weit man sie im Internet mitbekommt) auf herabfallende Partikel reduziert. Es gibt jedoch noch ein anderes Sakrileg bezüglich der Heiligen Eucharistie: Nämlich sie im Stand der Todsünde zu empfangen. Und das kann man auch per Mundkommunion, leider Gottes. Und ich finde dazu - vielleicht, weil es vielen als "klar wie Kloßbrühe" vorkommt - im Internet und bei manchen, zu stark auf diese Debatte der Kommunionformen eingehenden Katechesen, viel zu wenig. Wenn ich aber sowohl hierzulande, wo die Handkommunion gang und Gäbe ist, als auch in Ländern, wo die Mundkommunion der Standard ist, Leute nach vorne treten sehe, die bspw. die Pille toll finden, dann herrscht da wirklicher Klärungsbedarf.
2.) Kinners, ihr glaubt es nich, aber - ICH HAB EIN ARGUMENT FÜR AD ORIENTEM GEHÖRT, WAS ICH VOLLKOMMEN NACHVOLLZIEHEN KANN! Mit jenem Priester, bei dem ich beichtete, hab ich mich halt nachher über den NOM etc. unterhalten (er übrigens, Opus Dei Priester, liebt den NOM). Er hat gegen die Messe zum Volk hin nichts, wenn sie richtig zelebriert wird. Und dazu gehört, wenn der Volksaltar zu nah am Hochaltar steht, eine Art (Liturgiker, sagt mir den Fachausdruck) "Trennwand" dazu, die klar macht, daß eine gewisse Raumabtrennung zwischen dem Tabernakel und dem Geschehen am Volkslatar nun passiert. Jener Priester erklärte mir, daß er sich persönlich unwohl ansonsten fühlt, wenn er Christus gerade bei diesem zentralen Punkt im Ritus den Rücken zukehren muß. Und das muß ich als Laie, der eh zum Tabernakel schaut, verstehen.
3.) Mir ist aufgefallen, daß ich in der ganzen Latein vs. Muttersprachendebatte gut reden hab: In meiner Gemeinde war eine lateinische Messe im Monat Standard und zusätzlich gibt es noch jede Woche einen lateinischen Eucharistischen Segen im Opus Dei. Also kann ich den schmerzlichen Verlust, den anscheinend viele Lesende, die GAR KEIN Latein in der Kirche hören, anscheinend nicht so nachvollziehen, da ich ihn nicht kenne. Dafür Entschuldigung, natürlich bin ich auch gegen ein Verschwinden des Lateins. Ich weiß bloß umgekehrt halt auch ,daß ein guter Freund von mir, der auch durchs Opus zum Glauben kam, in der Kirche sich, wenn ALLE Messen auf Latein wären, nicht so wohl fühlen würde.
4.) Nun kommt anscheinend bald das Motu Proprio raus. Inziwschen freu ich mich drauf (mein Vater btw. auch, denn dann rede ich nicht mehr so viel davon). Es gibt ja einige (wie ich Gerüchten zufolge hörte, auch Kardinal Arinze), die sich vor einem Biritualismus Sorgen machen würden. So lang die beiden Riten nicht gegeneinander ausgespielt werden, so lang die Wiederzulassung des tridentinischen Ritus als eine Bereicherung gesehen wird, mach ich mir diese Sorgen überhaupt nicht.
Ich mein, das ist doch grad so das wunderschöne an der Kirche: Es gibt unterschiedliche Riten bzw. Formen jener Riten, und sie sind - sofern sie den Meßbüchern entsprechend gefeiert werden - gültig, und damit sind ALLE KIRCHE! Auf einer Seite des Syro-Malabar Ritus wurde mal geschrieben, daß es im Garten Gottes viele Blumen gibt, wobei diese Blumen als die einzelnen Liturgien gesehen wurden. Und na ja, wenn ich eine Blume mehr kennen lernen dürfte, würde ich mich riesig freuen.
So, nu zur Entschuldigung: Ich fasel die ganze Zeit was von mehr Verständnis dem NOM gegenüber und werde teilweise übelst polemisch den Anhängern des tridentinischen Meßritus gegenüber. Da stimmt was nicht und muß korrigiert werden. Vielleicht haben die Kontakte zu gewissen "anonymen" Leuten (und die teilweise schon etwas gehässigen Äußerungen im Internet oder auch im ansonsten tollen Bad Catholics guide to wine, whiskey and song) in mir die Wut hochkochen lassen. Das mag ein Grund sein, aber keine Entschuldigung. Wenn ich von anderen Leuten Verständnis und Entgegenkommen will, sollte ich als allererstes selbiges aufbringen. Also, verzeiht einem alten Hitzkopf für seine polemischen Äußerungen.
6 Kommentare:
Siehste mal, man muß nur lange genug mit seiner Antwort warten, und alles erledigt sich von selbst - der Junge sieht's ein :) Triumphalismus beiseite, ein paar Anmerkungen noch, ohne auf alle Punkte einzugehen:
Handkommunion: Ich versteh schon, was Dich ärgert. Für Dich hört sich das wahrscheinlich ein bißchen an, wie die seltsame alte Frau, die vor einigen Jahren ab und zu bei uns in der Pfarrkirche auftauchte und bei Beginn der Kommunionspendung losschrie "Handkommunion ist Todsünde!". Und sicher wird das auch in in traditionalistischen Kreisen (zu denen ich, ich wiederhole es der Sicherheit halber, nicht gehöre) so gesehen, und ist dann natürlich eine unzulässige Verengung. Aber ich denke doch weiter, daß die Handkommunion unnötige Risiken mit sich bringt. Und ich glaube auch, daß die Mundkommunion auf Knien das Bewußtsein der Realpräsenz eher stärkt, und auch die Haltung des Empfangens (nicht des Sich-Nehmens). Aber natürlich kann man auch die Mundkommunion unwürdig empfangen, gar keine Frage, so wie umgekehrt die Handkommunion rite et recte. Es geht mir nur um das Regel-Ausnahme-Verhältnis, und der Regelfall der Handkommunion ist leider die Hand auf Bauchnabelhöhe, von der die hl. Hostie dann zum Mund geführt wird, während man sich schon wieder vom Altar wegdreht. Und das läßt auf keine große Andacht schließen. Und was Du über die unwürdige Kommunion im Stand der Todsünde sagst, ist natürlich völlig richtig. Nur denke ich a) wiederum, daß dieses grundlegende Wissen bei denen - in der Regel - noch eher vorhanden sein wird, die die Kommunion kniend auf die Zunge empfangen ud b) daß darüber nicht deshalb nicht gepredigt wird, weil es klar wie Kloßbrühe ist (den meisten/vielen eben gerade nicht), sondern weil heute so ungern Unbequemes gepredigt wird. Wann hast Du denn zuletzt - in einer Pfarrkirche, nicht beim Opus - etwas über die letzten Dinge gehört? Über Keuschheit? Über das Freitagsopfer? Und da muß ich übrigens dem erneuerten Ritus einen Vorwurf machen: Die 2. Lesung an Fronleichnam ist (und nicht mal mehr jedes Jahr, früher einzige Epistel jedes Jahr) 1 Kor 11, 23-26. Und welcher Vers wird weggelassen, der früher immer dabei war? V. 27- 29: 27 Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. 29 Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.
Womit wir bei den Riten wären: Ich habe bis jetzt in meinem Leben dreimal die alte Messe, sonst nur NOM gehört (Übrigens auch früher einmal im Monat lateinisch, seit Pfarrerwechsel allerdings seltener und dann auch nur noch lateinscher Choral, aber vom Priester aller auf Deutsch. Darf ich übrigens mal ganz frech fragen, von welcher Pfarrkirche Du sprichst?). Und man kann den NOM würdig zelebrieren. Aber ich denke doch (und das hat ja auch der Papst immer wieder angedeutet - übrigens bei anderen Reformen noch deutlicher, etwa beim neuen Taufritus - das zieht sich durch die ganze "Theologische Printzipienlehre", hier hoffe ich auch auf Reformen), daß er einige Defekte hat. Er ist nicht wirklich die erneuerte Liturgie, wie sie dem Konzil vorgeschwebt hat. Indem man das zugibt, diskreditiert man ja nicht das Erbe des Vatikanums. Schließlich war das doch auch einfach nur der erste (und sehr eilige) Entwurf (bei der Geschichte von Msgr. Bugnini und der Stopuhr - wenn sie denn stimmt - kann Dir doch auch nicht wirklich wohl sein), wieso sollte nun ausgerechnet dieser "gemachte" (Card. Ratzingers Ausdruck, nicht meiner) Ritus unreformierbar sein, wenn selbst der alte Ritus über die Jahrhunderte stetig (allerdings behutsam) reformiert wurde? Und übrigens: das Lehramt kann nicht irren in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre; ich denke nicht, daß dies für Einzelheiten des Ritus' gilt, sofern nicht die Validität der Sakramente berührt ist- denn da gibt es ja kein wahr oder unwahr. Wir brauchen eben eine Reform der Reform. Einige Punkte hat der Papst ja schon vorgegeben, etwa (in Sacramentum Caritatis) den Friedensgruß. Dann sollte man m.E. die alten Opferungsgebete mindestens zum Teil wiedereinführen, das jüdische (nicht polemisch gemeint) Tischgebet von der Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit ist einfach zu wenig. Und noch so dies und das. Und wenn man es, von wegen der Zelebrationsrichtung, einfach so machen könnte, wie es z.B. in Lettland (war ich vor anderthalb Jahren und absolut baff) heute allgemeine üblich ist: Katechumenen-Messe (Lesungen) versus populum, Gläubigen-Messe (Opfer) versus Deum? Das Problem mit versus populum ist einfach, daß es heilige Priester erfordert. Die Versuchung ist einfach für die meisten zu groß, sich zu produzieren und eine "Show" zu veranstalten, oder auch einfach nur, sich zu zerstreuen, wenn si die ganze Zeit ins Volk gucken, anstatt auf den Altar. Naja, das ist jetzt alles sehr vereinfacht und verkürzt, vielleicht kann man einzelne Punkte ja mal ausführlicher besprechen (obwohl glücklicherweise wir da eh nix zu sagen haben). Vom Motu Proprio erhoffe ich mir deshalb nicht nur einfach mehr alte Messen als Selbstzweck, sonder auch eine wohltuende Wirkung auf die Zelebration und Reform des neuen Ritus'. Ach, und nochwas zum Altar: ein Volksaltar, wenn es schon einen Hochaltar gibt, ist wirklich ein Unding (und natürlich keineswegs vorgeschrieben). Der Hochaltar ist Christus, da kann doch nicht der eine genau vor dem anderen stehen. Und wenn ich an die alten herrlichen Kunstwerke denke, die "hinten" unbeachtet versauern, während vorne auf der Pappkiste zelebriert wird, könnt ich heulen... Es ist wohl unbstreitbar, daß das, was in unseren Kirchen seit den 60er Jahren stattgefunden hat, mit der Bilderstürmerei des frühen Protestantismus' zu vergelichen ist. Alle Kunst raus, Wände weiß übermalen, möglichst keine Kniebänke mehr, den Altar nicht mehr erhöht, damit wir uns kuschelig drum herum stellen können... gruselig, aber da sind wir uns wohl einig, daß das nicht nur mit dem Konzil, sondern auch mit dem NOM nichts zu tun hatte (sondern das Werk der Erleuchteten ist, die so ganz genau (ich nehme an, durch Privatoffenbarung) wußten, was dem Geist des Konzils entsprach).
So, das also als ein paar freundliche Anregungen, natürlich in dem gleichen Sinne, den Du so schön beschrieben hast - ich habe jedes Verständnis für den, der die neue Messe schätzt, und finde bei den "Tradis" (von den Lefebvristen ganz zu schweigen), gerade wenn sie sich selber so verstehen, auch oft einiges, was ich für Fehlhaltungen ansehe, aber das sollte eben auch nicht den Blick darauf verstellen, daß der NOM in seiner heutigen Form nicht das non plus ultra ist.
Werd jetzt nur kurz darauf antworten: Ich bin nicht der einzige (und schon gar nicht der traditionellste), der mit der VON ROM VORGESCHRIEBENEN FORM der Liturgiereform vollkommen zufrieden ist, sie gueltig, wuerdig und wunderschoen findet, ja, in ihr sogar eine wirklich schoene weiterentwicklung sehen. So zum Beispiel auch der Pfarrer der Gemeinde St. Bernhard in Berlin, die Priester des Opus Dei, die ich kenne, unter anderem den Regionalvikar des Opus Dei Deutschland oder die Gemeindepfarrer die ich hatte. Und so sehe ich fuer die Leute, die, beispielsweise wie Du, im Neuen Ritus gewisse Dinge vermissen, in den Motu Prorio dann die Moeglichkeit, zum Alten Ritus zu gehen, ohne sich als Sonderling vorkommen zu muessen.
Ist interessant, dass ich das "nicht vorgeschriebene Unding" von Volksaltar bei vorhandenen Hochaltar nicht nur in jeder Kirche sehe, sondern auch in jeder Opus Dei-Kapelle, die den Raum fuer einen Volksaltar bietet, was uebrigens auf den Hl. Josemaria Escriva, wie ich am Samstag erfahren durfte, zurueckgeht (wie die allgemeine Mundkommunion in den Kapellen des Opus Dei, im Knien mit Benutzen der Patene).
Ich muss gestehen, dass es genau solche langen Kritiken am NOM, die sicherlich immer gut gemeint sind, immer wieder sind, die mir mehr schmerzen als irgendwelche Attacken von den Sedis. Die weiss ich einzuordnen, da weiss man, die sind kirchenuntreu. Aber dass von kirchentreuen, den NOM besuchenden der Ritus AN SICH so einer generellen Kritik immer wieder ausgesetzt wird - das tut einen jenen Ritus liebenden weh. berolinus, das ist weniger eine Kritik an Dir und Deiner Haltung zum NOM als ein persoenliches Bekenntnis mit einer Bitte, das a.) auch mal eine positive Neuerung des NOM zu erwaehnen oder b.) sich wenigstens darauf zu freuen, dass man nach den Motu prorio nicht mehr eine NOM-Messe besuchen muss.
Dass die Bilderstuermerei (und der Pappkarton, um einen anderen Gedanken von Dir aufzugreifen) etwas schreckliches ist, da stimm ich Dir vollkommen zu (auch wenn ich ganz gluecklich bin, dass ich von den ganz schlimmen Bilderstuermern bisher recht unbeleckt blieb, hab aber auch mal ein Photo der Jesuitenkirche - St. Canisius? - in Bln gesehen, wo man nur heulen konnte). Ich hoffe und bete, dass Zeiten kommen, wo sich das wieder allgemein aendert und nicht nur in ein paar Gemeinden. Wenn bspw. Leute den Volksaltar wirklich wunderschoen schmuecken (und jener aus Marmor ist), sie ein massives, grosses Kreuz darauf stellen etc. - dann waere schon etwas mal wieder gewonnen. Und wenn Leute eine (NOM)-Messe am Hochaltar nicht als schrecklich antiquiert, sondern wenigstens als eine weitere wunderschoene Moeglichkeit der Zelebration sehen, knallen bei mir die Korken.
Ausserdem ich frage mich, warum man zwar immer sagt, was an den Haltungen der TRadis flasch sei, aber letztendlich deren Fehler nie beim Namen nennt... aber das ist ein ganz anderes Thema und gehoert nicht hierher.
Aber um Deine Frage zu beantworten: Das war die Gemeinde Herz-Jesu Zehlendorf. Leider hat diese Praxis (1x im Monat lateinische Messe) zwar nach weggang von Pfr. Rudolph nicht aufgehoert, nur ist diese lateinische Messe nun um 9h statt um 10.30h. Dafuer gibts jetzt fast alle zwei Wochen einen Kindergottesdienst, seufz... na ja, seit Dezember wohne ich im Roten Wedding (oder schon im Gruenen Wedding? Weiss nicht...). Dort wurde am letzten Sonntag die Gottesmutter in am Ende der Predigt um Fuerbitte gebeten, wow...
Dafuer kennen die keinen Hochaltar :/
Also vorab erstmal (wobei das, wie ich hoffe, auch schon vorher deutlich geworden ist): wenn ich hier eins NICHT will, ist das Dir (oder sonst jemandem) Schmerzen zu bereiten. Darum will ich zuerst einmal Deiner Aufforderung nachkommen und positive Punkte des NOM nennen (mit dem Wort "Neuerung" habe ich schon wieder meine Probleme... Wenn Du einen kleinen Exkurs gestattest: Der Begriff "Innovation" hatte keineswegs immer die positive Konnotation, die er, zumindest im "Mainstream", heute hat. Im Gegenteil wurde Neuerungen als im Zweifel schädlich angesehen. Gerade wenn man Dokumente des Lehramts aus früheren Zeiten durchgeht, findet man den Begriff "Neuerung" immer negativ (z.B. in "Mirari vos" von Gregor XVI., "Annum ingressi sumus" von Leo XIII. oder "Pascendi Dominici gregis" vom hl. Pius X.). Ich weiß nicht, ob Du die Aubrey/Maturin-Reihe von Patrick O'Brian kennst, aber da verabschiedet sich einmal ein spanischer Kapitän mit dem herrlichen Gruß/Segenswunsch "¡que no haya novedades!". Ich halte es da lieber mit dem Motto von Kaiserin Maria Theresia "améliorer pour conserver". Exkurs Ende). Positiv am NOM also: Der größere Reichtum an Lesungen. Die Fürbitten. Und der Wegfall einiger (einiger!) Dopplungen der früheren Rubriken. Aber viel mehr fällt mir ganz ehrlich nicht ein. Denn vieles, was am NOM gerühmt wird, war auch schon in den letzten Jahren des alten Missale möglich, wie etwa Lesungen, teilweise sogar komplette Zelebration in der Volkssprache. Bei manchem bin ich unentschlossen. Etwa das laute Beten des Kanons und anderer Gebete, die im alten Ritus still gebetet werden. Bei meinen (wenigen) Besuchen der alten Messe hat mich das schon erstmal befremdet, und ich dachte zuerst, daß doch mehr dafür spricht, das wichtigste Gebet der hl. Messe auch zu hören. Aber es ist natürlich auch eine Frage der Gewöhnung, und es spricht schon auch sehr viel für mehr heiliges Schweigen und stilles Gebet, das die Aufmerksamkeit eher verstärken kann (Denn in 99% aller NOM-Zelebrationen wird ohne Punkt und Komma geredet und geredet - unser alter Pfarrer sprach immer vom Überfall der Katechese auf die Liturgie). Und auch die von mir genannten, positiven Punkte sind nicht völlig unproblematisch, denn leider sind sie mit einem Punkt des NOM verknüpft, der ein großes Einfallstor für Mißbräuche ist: den zahllosen Optionen. Wenn ich ohnehin schon zwischen zehn verschiedenen Meßformularen mit jeweils zehn verschiedenen Lesungen auswählen kann, ist die Versuchung natürlich groß (wenn es an der rechten liturgischen Gesinnung fehlt), einfach noch eine andere zu nehmen, weil es "pastoral" gerade so gut paßt. Und das alte System, daß jeder Tag seine festen Lesungen hatte, hat natürlich auch etwas für sich, nicht nur weil es Mißbrauch vorbeugt, sondern auch, weil es Lesungen fest mit Festgeheimnissen verbindet, was für eine Beihamtung in der Liturgie nicht unerheblich ist. Und die Fürbitten sind - und das kannst Du kaum bestreiten, denn Du wirst zugeben daß Dr. Gillessen nicht die Regel, sondern die Ausnahme ist - leider häufig eine Gelegenheit alle möglichen Banalitäten bis hin zu Heterodoxien in die Messe hineinzutragen. Natürlich kann man sagen, daß das eben Mißbräuche des NOM sind, und das ist natürlich richtig, aber die Frage bleibt doch, ob der NOM in seiner heutigen Form nicht zu solchen Mißbräuchen - eben etwa durch die tausend Optionen - einlädt. Für die Fürbitten würde mir zB gefallen, wenn es im Missale - wie es im Brevier ja der Fall ist - für jeden Tag vorgegebene gäbe, bei denen man ja für besondere aktuelle Anlässe ja noch ein anfügen könnte.
Hm, war jetzt insgesamt wohl wieder nicht so, wie Du's Dir gewünscht hättest, aber ich hoffe Du siehst den guten Willen.
War noch was? Ach so:
Hochaltar - naja, zwei Altäre überall stimmt so auch nicht. In Spanien zB ist sehr häufig (zT aber auch in D) die eigentliche Mensa vom Retabel abgelöst worden, so daß es zwar so aussieht, als stünde ein "Volksaltar" (das Wort kann ich auch nicht hören, klingt mir zu sehr nach "Kirche von unten") vor dem Hochaltar, während aber in Wirklichkeit nur ein Altar ist. Nicht, daß ich diese Lösung ideal finde - ich bin natürlich für die unveränderte Beibehaltung des Hochaltars (im Missale ist übrigens nach wie vor nicht die Rede davon, daß versus populum zelebriert werden muß, einige Rubriken ergeben sogar nur Sinn bei einer Zelebration versus Deum) -, aber immerhin ist diese Lösung theologisch vorzugswürdig gegenüber zwei Altären (die ja jeweils Christus symbolisieren) direkt voreinander. Zudem ist ein Altar, auf dem nie das Meßopfer dargebracht wird (wie es bei dieser Doppellösung ja ist), sinnlos.
Du sagst, ich könne mich doch "darauf freuen, dass man nach dem Motu proprio nicht mehr eine NOM-Messe besuchen muss". Das will ich aber gar nicht! Erstens ist auch nach dem MP nicht mit einer Explosion der alten Messen zu rechnen - Du wohnst ja jetzt im Wedding und also in der Nähe des Instituts St. Philipp Neri, aber für mich ist es schon ne Ecke. Und außerdem will ich zu einer Pfarrgemeinde gehören, und nicht zu einer Indultgemeinde. (Diese Sondergrüppchenbildung ist nicht mein Fall, das hat mich auch vom Opus auf Distanz gehalten, auch wenn ich zu einigen Priestern - kennst Du noch Dr. Sonnenfeld? - ein sehr gutes Verhältnis hatte) Und schließlich soll sich die liturgische Lage in der ganzen Kirche bessern. Denn - das möcht ich dann auch noch hinzufügen - natürlich soll man die Vorgaben aus Rom erstmal treu hinnehmen. Aber, wie ich schon bei meinem letzten Kommentar geschrieben habe: Einzelheiten des Ritus sind keine unfehlbaren Entscheidungen, die man mit Glaubensgehorsam anzunehmen hat. Natürlich darf man die Rubriken, solange sie in dieser Form gelten, nicht mißachten. Sehr wohl aber darf man - wie es der Heilige Vater selbst ja an unzähligen Stellen getan hat (ich erinnere nochmal an seine Begriffsbildung vom "gemachten Ritus") - auf Fehlentwicklungen hinweisen und für eine Reform der Reform eintreten. Oder meinst Du wirklich, der NOM, so wie er heute ist, sei der Weisheit letzter Schluß? Polemisch zugespitzt: Der zweitausendjährige, organisch immer wieder weiterentwickelte Ritus konne über Nacht abgeschafft werden, aber das Produkt einer Schreibtischkommission von wenigen Jahren soll für immer unabänderlich Bestand haben?
Und zu guter Letzt (wenn Du bis hierhin überhaupt noch gelesen hast :) : Du also Herz Jesu - da waren wir ja Nachbarn, denn ich gehöre zu Zwölf Apostel. Vielleicht sind wir uns ja schon unerkannt begegnet. Obwohl ich nicht mehr sehr häufig da war, seit Pfr. Adamski nicht mehr da ist.
Gruß nach dem Wedding also!
Ich selbst hatte mit Phil schon zahlreiche Debatten über die Alte Messe gehabt, in der letzten Zeit nähere ich mich immer mehr seiner Position an n- vielleicht auch vor allem, weil ich schon lange nicht mehr in der Alten Messe war und mit Traditionalisten nicht mehr sehr viel zu tun habe.
Mein Grund, mich von dort zu entfernen, war sicher auch, weil ich eben den "Geist" nicht mochte, selbst bei den Kirchentreuen: das dauernde Gejammer über alles und jedes, die kontinuierliche Hermeneutik des Misstrauens gegenüber den Bischöfen (Kritik schön und gut, aber bitte in Maßen) und vor allem die fehlenden Früchte des Hl. Geistes, insbesondere was die Freude und den apostolischen Willen betrifft. Die Traditionalisten, die ich getroffen habe, scheinen sich mehr damit zu beschäftigen, sich über die Kirche zu ärgern, als Christus zu den Menschen zu tragen. Das Konzil wollte aber, dass wir uns nach außen wenden und im weitesten Sinne missionarisch tätig werden - statt uns (ausschließlich) in internen Kriegen zu zerfleischen, was ja nur dem Satan Freude machen kann.
Diese Sondergrüppchenbildung ist nicht mein Fall, das hat mich auch vom Opus auf Distanz gehalten, auch wenn ich zu einigen Priestern - kennst Du noch Dr. Sonnenfeld? - ein sehr gutes Verhältnis hatte
Ich weiß ja nicht, wie die Situation in Berlin ist (stimmt die Zahl mit den drei Numerariern, die ich mal gehört habe, immer noch? ;-)), aber hier in der Wiener Peterskirche hat die normale Gottesdienstgemeinde fast gar nichts mit dem Werk zu tun. Da kam ich erst drauf, als ich bei der Dankmesse "50 Jahre Opus Dei in Österreich" war, und dort plötzlich nicht mehr die frommen alten Frauen saßen, die sonst die Bankreihen bevölkern, sondern wirklich Mitglieder des Werkes und ihre Familien - im Durchschnitt 15-20 Jahre jünger und eher bürgerlich... In den Kapellen mag's anders sein, aber gerade beim Opus Dei habe ich von "Grüppchenbildung" bisher nie etwas gespürt - schließlich würde das ja der Grundidee auch diametral widersprechen. (Eine Indultgemeinde ist natürlich ein ganz anderer Kaffee - in der hiesigen FSSP-Indultgemeinde spürt man die "Grüppchenbildung" schon ziemlich stark.)
Petra:
Was Du von den Traditionalisten sagst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Meiner Beobachtung nach führt bei vielen (vielen, nicht allen), die man in diesen Kreisen trifft, eine berechtigte Kritik an den Entwicklungen der 60er Jahre ff. zu Extrempositionen, die nicht nur in der Form ihrer Äußerung sowie in Unterstellungen und ungerechtem Urteilen mit dem Geist christlicher Nächstenliebe nicht zu vereinbaren sind, sondern auch in genau die Haltung von obstinater Widersetzlichkeit gegen die kirchliche Hierarchie - und die besteht für uns nunmal zunächst aus unserem Ortsordinarius, mag er auch noch so unvollkommen sein -, die sie zurecht bei den Wölfen im Schafspelz von "Kirche von unten" etc. ablehnen. Und ich gebe Dir auch recht, daß dort vielfach eine ewig defätistische Gesinnung vorherrscht, die auch m.E. viel zu wenig Vertrauen in Gottes Zusage hat, daß die Pforten der Hölle die Kirche niemals überwältigen werden. (So Phil, damit bin ich jetzt auch einem weiteren Deiner petita nachgekommen, und habe gesagt, was mich bei vielen Traditionalisten stört - zufrieden?)
Deshalb (u.a.) besuche ich ja auch keine Indultmesse, sondern bemühe mich in meiner Pfarrgemeinde (und, um noch kurz auf das Opus einzugehen, mit dem ich so viel Erfahrung dann auch nicht habe: ich wollte nicht sagen, daß dort Grüppchenbildung im selben Sinne wie in "RadTrad"-Zirkeln vorliegt, sondern eher, daß mich generell nicht zu besonderen Bewegungen, Sodalitäten, Vereinen etc. hingezogen fühlen. Damit will ich überhaupt nicht sagen, daß diese nicht unvorstellbar viel gutes für die Kirche insgesamt und einzelne Seelen tun, und den hl. Josemaría z.B. verehre ich außerordentlich, und wo das Thema darauf kommt, bemühe ich mich immer, diese Bewegungen zu verteidigen und zu unterstützen. Aber ich fühle mich nun mal wohler als einfaches Glied der Kirche - der Universalkirche, meiner Diözese, meiner Pfarrei. Punkt. Und das ist doch, denke ich, der Normalzustand. Wer ein besonderes Charisma empfangen hat, soll dem unbedingt folgen, aber meins ist es eben nicht.). Aber gerade deshalb, weil ich ihr nicht in eine Nische ausweiche, möchte ich eben, daß die Krise in Rechtgläubigkeit und Liturgie (und bei allem noch so guten Willen kann mir niemand erzählen, daß wir uns nicht in einer solchen befinden - zwar ist m.E. die Talsohle durchschritten, wofür besonders die orthodoxen, soliden jungen Priester ("young fogeys") sprechen, aber es bleibt noch viel zu tun) auch in den "normalen" Gemeinden überwunden wird. Und dazu scheint es mir berechtigt, nicht nur auf Mißbräuche des NOM hinzuweisen, sondern auch auf gewissen Schwächen, die diesem selbst zueigen sind, wie - ich weiß, ich wiederhole mich - unser Papst selbst immer wider betont hat. Ich kann darin darum keine Illoyalität sehen, zumal es mir ja, mit dem Hl. Vater und (inzwischen) doch sehr vielen anderen nicht ums negative Kritteln als Selbstzweck geht (ich erkenne auch - selbstverständlich! - an, daß der NOM nicht nur gültig und rechtgläubig ist, sondern auch daß er in würdiger, heiliger Weise zelebriert werden und jedem Christen geistliche Nahrung und Heiligung sein kann), sondern um eine - behutsame - Reform der Reform. Könnt Ihr Euch denn mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden?
Doch, das ist mein Gedanke. Vielleicht hast Du ihn vorher nur anders ausgedrückt, vielleicht hab ich ne jehirnmuchte, wie der Berliner sagt, oder vielleicht drücken wir uns nur anders aus. Aber irgendwie scheint mir, wir sind uns gar nicht so fremd (nicht nur der selben Konfession wegen)
Das gehört jetzt gar nicht in diese Thematik, aber was Du mitdem opus Dei erzählst, kann ich teilweise nachvollziehen. Es ist zwar bei mir anders als bei Dir, daß ich durchaus gerne zum Opus gehe - nur heute nicht, da ich einen Vortrag vorzubereiten habe - ich mag die menschen und ihre recht nüchterne Spiritualität echt gerne, aber ich weiß nicht ,ob ich jemals mitglied werden würde . Vielleicht sollte ich einfach mal anfangen mich in meiner Gemeinde mehr zu engagieren (zb für einen ordentlichen Tabernakel! hihi...).
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