...oder: Eine Nacht auf dem Weg zum Herrn
Dieses Wochenende war das einjährige Jubiläum des deutschen Weltjugendtages: Ein Jahr zuvor standen viele von uns auf dem Marienfeld, meckerten über die aufkommende Kälte, sahen aber trotzdem recht glücklich unseren Papst auf den Leinwänden eine unglaublich tolle Vigil feiern, um die noch am nächsten Morgen durch eine noch tollere Messe zu übertreffen.
Den Papst konnte das Erzbistum Köln bei diesem Geburtstag der besonderen Sorte nicht bieten, aber dafür hatte man bei 700 Besuchern der Vigil gut Platz auf dem Papsthügel vor einer Bühne. Und Meisner is ja nu auch nicht grad ein Niemand, oder? Aber beginnen wir die Mär vom ersten Geburtstag des KJT von vorn:
Nach einer achtstündigen Autofahrt, wo ich kein Bock hatte, zu essen, hätte man denken können, daß ich danach die Zeit finde, mir ENDLICH was zwischen die Kiemen zu schieben (ja ja, Leute, die mich in natura schon gesehen haben, werden sagen: FingO, da kannste aber wirklich Geduld walten lassen!), aber nö - der Herr hatte sogar wirklich etwas besseres mit mir vor: Beim Stadtplankaufen traf ich auf einen Priester, der mich, damit ich zu dem Eröffnungsgottesdienst in Köln kommen konnte, unter seine Fittiche nahm. Soll noch mal jemand was sagen von wegen Priester sollten zivil umlaufen etc. - war extremst gut, daß ich einen Menschen als Priester erkennen konnte!
Nun, schweigsam in der Christkönigskirche angekommen stimmte ich mich erst mal auf den Eröffnungsgottesdienst ein, der den Jugendlichen das Leben der hl. Edith Stein nahebringen wollte. War sogar gar nicht mal so schlecht gemacht, außer diese bekloppten Handbewegungen bei "Jesus Christ, you are my life" -WER HAT DIE SICH AUSGEDACHT!?!!? Gnaaah.... Und "wo Menschen sich vegessen" ist und bleibt NGL-Rotz.
Nun ja, nach dem trotzdem netten und andächtigen Wortgottesdienst liefen wir zum Papsthügel, was man als „Latschen erste Etappe“ umschreiben könnte. Mir hat sehr gut gefallen, daß die Gebete und Gesänge über verschiedene Lautsprecher den Pilgern verständlich gemacht wurden - ein Problem, was bei unserer späteren Wallfahrt nervig war. Aber der Reihe nach.
Am Fuße des Papsthügels angekommen, drückte man mir eine Karte in die Hand und einen Luftballon, damit ich die Sternstunde meines Lebens aufschreibe und diese am Ballon gen Himmel steigen lasse. Hmmm.... na ja. Jedenfalls tanzte der Autor dieser Zeilen mal wieder unfreiwillig aus den Reihen, indem er den Ballon gleich auf die Reise schickte. Das wurde dann mit einem verzweifelten "NEIN!!!" quittiert, war doch geplant, alle Ballons auf einmal hochsteigen zu lassen. Nachdem auf dem Papsthügel ein Eröffungs- Lobpreiskonzert gespielt wurde, begann die Vigil: Einige Jugendliche lasen Zeugnisse vor, bspw. ein junges Ehepaar und ein junger Diakon. Meisner hielt wie so oft eine tolle Ansprache, animierte die Jugendlichen zu einem dreifachen Benedetto und versprach einen Altar und eine Marienkapelle auf dem Papsthügel nächstes Jahr. Nebenbei: Gibt es noch andere "Schlachtchöre" außer Beeeenedetto? Wenn nicht, ist unsere dichterische Ader gefragt - Kopf hoch, so was erfordert nu wirklich keinen Goethe.
Wie jede gute Vigil war der Höhepunkt der Eucharistische Segen. Die ganzen Banausen um mich und drei andere herum, die stehenblieben (und nicht auf die Knie fielen), seinen nun ausgebuht, höhö. Nee, war schon sehr schön, die ganze Vigil, auch die Lieder waren eine schöne Mischung aus alt und neu: Shine, Jesus, shine und Venimus adorare eum auf der einen, Gottheit tief verborgen und Tantum Ergo auf der anderen Seite. Bei der ganzen Sache muß ich wie ein mieser Trad rübergekommen sein: Die Lieder, die ich auswendig kannte, waren die eher alten, höhöhö...
Ok, aber auch die schönste Vigil muß irgendwann vorbei sein, und so machten wir uns auf den Weg, erst mal in eine Schule in Horrem, wo es wat zwischen die Kiemen geben sollte. Während der Vigil habe ich ein paar Leute kennengelernt (an der Stelle Big up @ Frank, Felix und Arno!), mit denen sich nette Gespräche, entwickelten.
An der Schule angekommen, erfuhren wir, daß die Wallfahrt etwas einfacher als wir dachten geplant war: von Horrem fuhr man mit der S-Bahn bis eine Station nach Frechen - also die erste S-Bahnstation in Köln. Wahrscheinlich wußte man, daß ansonsten für ungeübte Wanderer, Kinder und siebzigjährige, die nun mal auch da waren, die reine Fußstrecke Horrem - Dom in sechs Stunden etwas illusorisch war. Es gab in meiner kleinen Gruppe dann etwas Streit, ob wir normal laufen oder den Weg, den alle nahmen, wählen sollten - bessergesagt war nur ein einziger für den reinen Fußweg.
Nachdem wir uns gestärkt haben und die zwei S-Bahn Stationen gefahren sind, haben Frank und ich die beiden anderen etwas aus den Augen verloren; wir trafen sie immer wieder, aber immer wieder ist die "viererbande" gesplittet. Na ja, so hab ich mich mit Frank die Nachtwanderung, wenn nicht gebetet, gesungen oder geschwiegen wurde, gut unterhalten können. Was das Singen betrifft, war es sowieso außer auf den vier Statios (am S-Bahnhof, am Station, in der 12 Apostel und vor dem Kölner Dom) sehr blöd geregelt: Wenn jemand irgendwo am anderen Ende des recht großen Pilgerzuges in ein kleines Megaphon eine Litanei sprach oder ein Lied sang, verstand man davon, bedingt durch Autolärm recht wenig, wodurch man kaum eine Litanei sinnvoll fertig beten konnte. Vorschlag für nächstes Jahr: ein paar Leute zum vorbeten abstellen. Damit die ungefähr das Tempo halten könnte man das ganze über Knopf im Ohr machen. Ein Knaller war mal wieder das „aufgeklärte“ Kölner Fußvolk, daß es sich nicht nehmen lassen konnte, uns mitzuteilen, daß wir doch bescheuert seien, uns von der Sinnlosigkeit unseres Unterfangens zu überzeugen versuchten, oder (fand ich das beste) kichernd überlegten, ob sie über Sex reden sollten. Klar, wir Katholen wissen nämlich gar nicht, was das ist und ich denke immer noch, daß die Bienen auf den Blumen ihre Eier ausbrüten (oder so). Da fragte ich mich einerseits, wer hier verklemmt ist und allgemein wußte man, für wen man betet.
Nach einem Gesamtfußweg von sieben Stunden (Horrem-Marienfeld: Eine Stunde, Marienfeld-Horrem: dito, Strecke in Kölle: fünf Stunden), drei recht schönen, impulsgebenden Statios waren wir am Ziel dieser Pilgerschaft angekommen: Vor dem Kölner Dom. Es folgte eine letzte Statio, die Kolping zum Thema hatte (ach ja: jede der Statios hat einen Aspekt des christlichen Lebens an einem Heiligen klargemacht: Edith Stein, Maria, Bonifatius und Kolping). DEN Kirchenliedklassiker schlechthin (zumindest in dt. Sprache) schmetternd - Großer Gott, wir loben Dich" - zogen wir in den Dom, um dort die Messe zu feiern. Nach etwas längeren Nächten fand ich es schon öfter etwas anstrengend, der Predigt zu folgen und aufzustehen, wenn man stehen sollte, aber das alles war kein Vergleich zu dieser Frühmesse! Meine Beine konnten nicht mehr, meine Füße taten weh, meine Augen fielen zu... von der Predigt weiß ich gar nichts mehr!
So, nach der Messe gab es noch ein kleines Frühstück bestehend aus Kaffee und Croissants. Eine Weltpremiere: Ich hab das erste Mal in meinem Leben Kaffee schwarz ohne Zucker getrunken, und davon zwei Tassen! Alles löste sich auf, und der gute Frank leistete mir noch etwas Gesellschaft: Bei der Bahnhofsmission trank ich meine dritte Tasse Kaffee, wir ßanierten den Rhein etwas lang, aber vor allem taten wir eins: Sitzen. Meine Fresse, laufen war grausam.
Um zehn traf ich dann schließlich noch nen Promi: Dybart Simpson von Catholicism-wow, stilecht im catholic church-Pulli. Wir gingen zu Mäckes und Starbucks, um uns etwas zum Frühstück zu gönnen, der Frank ging inzwischen ins verdiente Bett. Dybart und ich unterhielten uns, ich denke, ich faß es richtig zusammen, wenn ich von "Gott und die Welt" spreche.
Fazit: Einmalige Erfahrung, so eine Nachtwallfahrt. So wie man dort der aufgehenden Sonne entgegenpilgerte, laufen wir in unserem Erdenleben dem kommenden Christus entgegen, durch die dunkelheit dieser Welt. Es war wunderschön, jeden Muskelkater und jede Blase an meinen Füßen wert. Laaaaaarge up an Gott, der das erst möglich machte, danke an das Erzbistum Köln, die J2000 und alle, die die Sternstunden organisierten, Big up & Viele Grüße an Frank, Dybart, Arno und Felix!
Zu Photos werde ich noch Links beisteuern, wenn ich Photos dazu finde, selbst bin ich eine Digitalkameraloser Knilch :(
5 Kommentare:
Danke! Genau so hab ich mir das gewünscht. :)
Gibts das nächstes Jahr wieder, ja?
Ja, so wie es aussieht... Hoffe, man sieht sich aber schon vorher!
Klingt super! Und ich war noch nie bei sowas, schluchz...
Hi zusammen!
Hier ein paar Fotos von der Wallfahrt:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/st-nikolaus-karl-borromaeus/kjks/bilder/sternstundenwallfahrt/index.html
http://gallery.st-marien-geisweid.de/gallery/view_album.php?set_albumName=FeierdesJahrestagdesWJT-Jahrestages&page=1
http://ebkdev.alkacon.com/sonderseiten/sternstunden_fotos.html
Hi zusammen!
Hier ein paar Fotos von der Wallfahrt:
gemeinden.erzbistum-koeln.de
gallery.st-marien-geisweid.de
ebkdev.alkacon.com
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