Schade, daß ich diesen Text erst heute finde, aber so hat er immerhin heute meinen Tag gerettet (Quelle: Kath.net :
Erzbischof Piero Marini äußerte sich in einem Interview zu den päpstlichen Liturgiefeiern sowie zum überlieferten Ritus und den Lefebvrianern.
Rom (www.kath.net) Veränderungen in der päpstlichen Liturgie hält der päpstliche Zeremonienmeister Erzbischof Piero Marini für möglich. Benedikt XVI. sei kritischer und genauer als sein Vorgänger, sagte der 64-Jährige im Interview mit dem Online-Magazin „Affari Italiani“. Liturgisch betrachtet sei „jeder Papst eine Geschichte für sich“, erklärte Marini.
„Bei Johannes Paul II. war ich ein wenig freier. Wir hatten eine unausgesprochene Abmachung, weil er mehr ein Mann des Gebetes und kein Liturgiker war“, erklärte Marini, der seit 1964 im Vatikan arbeitet. Bei Benedikt XVI. sei das anders. „Ich muss etwas mehr acht geben, weil er ein Liturgie-Experte ist“, gestand der Erzbischof ein.
„Aber das macht mich sehr zufrieden, weil er die Arbeit stets würdigt und wir darüber sprechen.“ Zuallerletzt würde das Zeremoniell überarbeitet: „Ich schicke ihm meine Anmerkungen, und er gibt sie mir zurück, entweder mit seiner Unterschrift als Zeichen der Akzeptanz, oder er macht Vorschläge, Ergänzungen oder Korrekturen.“
Lefebvrianer müssen Vaticanum akzeptieren
Der Erzbischof nahm auch zum bestehenden Schisma mit den Lefebvrianern Stellung. „Um es ein für alle Mal klar zu stellen: Sie müssen das akzeptieren, was das 2. Vatikanische Konzil entschieden hat, sonst wird keine Versöhnung möglich sein“, sagte der Erzbischof. „Nach jedem Konzil hat es eine Zeit der Spannungen gegeben“, erklärte er. „Es gibt immer jemanden, dem das nicht passt, was da passiert ist.“
„Zunächst müssen wir einmal begreifen, dass die Liturgie ein Zeichen der Einheit ist”, erklärte Marini. Er zitierte ein Wort von Papst Paul VI., wonach die Kirche nicht jene der Vergangenheit oder der Zukunft sei, sondern der Gegenwart. „Wir müssen die Kirche akzeptieren, so wie sie heute ist“, sagte der Erzbischof „Dabei geht es nicht darum, das Messbuch oder etwas anderes zu liberalisieren. Es geht allein darum, die Kirche von heute zu akzeptieren, und Schluss damit.“
Der überlieferte Ritus sei vor allem für die „älteren Gläubigen” gedacht gewesen, um ihnen den Übergang zum neuen Ritus zu erleichtern, erklärte Marini. Später habe Papst Johannes Paul II. gestattet, dass die Heilige Messe im überlieferten Ritus in einigen Kirchen gefeiert werden dürfe. „Aber jenseits dessen zu gehen, würde bedeuten, jenseits der Kirche zu gehen, und das kann man nicht“, meinte Marini.
„Wenn die Liturgie ein Zeichen der Einheit für die Kirche ist, dann kann man nicht Gruppen von Gläubigen schaffen, die genau an diesem Tag zu dieser Stunde auf genau diese Art beten, und dann kommt eine andere Gruppe, die ganz anders betet.“ Marini wandte sich auch gegen einen „Neoritualismus“. Es sei zu wenig, wenn ein Priester die Messe mit dem Gedanken feiere „Na gut, ich feiere meine Messe buchstabengetreu, also ist alles in Ordnung.“ Marini: „Das ist nicht gut. Die Messfeier bedeutet nicht einen sklavischen Respekt für liturgische Normen.“
- Endlich mal ein Text, der wirklich sehr, sehr gut meine Meinung zu Themen wie Liturgiemißbrauch auf der einen, übertriebenen Traditionalismus auf der anderen Seite darstellt.
14 Kommentare:
Dir ist bei diesem verspäteten Durchlesen auch sicher nicht aufgefallen, dass der Papst sich genau gegen Piero Marini geäussert hat und Marini einer Versuchung unterlag, Kirchenpolitik im sinkenden Schiffchen (persönlich) zu betreiben.
Es kam nicht gut an.
ups! Und wie ist die Aussage das Papstes? Das die Piusbrüder den Neuen Ritus nicht anerkennen müssen?
Nein, es ging nicht darum, sondern um die Frage einer Reform des NOM's. Marini lehnt dies deutlich ab.
Aber wie man gerade in diesen Tagen bei einigen amerikanischen Kollegen lesen kann, ist die Rehabil. des Gregorianikers (Name ist mir gerade nicht vorliegend) eine deutliche Ohrfeige für Marini, da er diesen vor Jahren selber absetzte zu Gunsten eher "Trällermusik".
Der Papst hats nun korrigiert...
Wenn es so ist wie stefan maria sagt, dass die neuerungen des Papstes Marini eher unangenehm seien, dann bewundere ich umso mehr seine Fuegsamkeit, die aus dem Artikel eindeutig hervorkam.
Jeder hat doch seine Meinung und die darf Marini doch auch haben. Ob das auch die Meinung des Papstes ist, ist ja erst mal nicht wichtig.
Wenn er ihn nicht mehr haben wollte, hätte er ihn schon längst absetzen können.
Und letztendlich entscheidet doch sowieso der Papst wie was gemacht hat.
Das II. Vaticanum wollte ausdrücklich ein Pastoralkonzil sein, also kein Bekenntniskonzil.
Nun wird das Bekenntnis zu ebendiesem Konzil zum Schibboleth gemacht, gläubigen Katholiken die kirchliche Gemeinschaft zu verweigern. Wie pastoral!
Übrigens erkennen die Lefebvrianer meiner Kenntnis nach dieses Konzil an, wenn auch nicht ganz unkritisch.
Und außerdem sollen wir uns also nicht zu der einen Kirche bekennen, sondern zur Kirche der Gegenwart im Gegensatz zur Kirche der Vergangenheit oder der Zukunft.
In meinem Glaubensbekenntnis kommt keine solche Vielzahl von Kirchen vor.
Und wenn die Messfeier keinen sklavischen Respekt für liturgische Normen bedeutet, warum darf man dann nicht so unsklavisch sein und doch im alten Ritus feiern?
Im neuen Ritus zu feiern mit reduziertem Respekt für liturgische Normen ist doch die bewährte alltägliche Katastrophe der Kirche der Gegenwart.
Ja, da merkt man mal wieder, daß der einzige Fehler des Konzils war, die Menschen für erwachsen genug gehalten hat, daß es nicht hinter jeder Aussage einen Bannfluch schrieb. Dann würden EINIGE Leute mehr spuren oder zumindest wissen, wenn sie nicht der Kirche folgen.
Da kann ich beipflichten, fingo: dann hätten vor allem damals die Leute des Bugnini-Consiliums, die die neue Liturgie in scharfen Gegensatz zu den Normen des Konzils konstruiert haben, mehr spuren oder zumindest wissen müssen, daß sie nicht der Kirche folgen.
Und ebenso müßte es dann heute Erzbischof Marini, wenn er Respekt für liturgische Normen für nicht gut erklärt (was heißt eigentlich „sklavischer Respekt“ in einer Zeit, in der man für jede homöopathische Dosis von Respekt für liturgische Normen schon dankbar ist?).
Ach ja, ihr zitiert doch so gerne Papst Paul VI. Wieso eigentlich nicht mit seiner Meinung zum Gebrauch des Lateins in der Liturgie? Das Zitat muß ich unbedingt wiederfinden, dann werde ich es mir auf ein T-Shirt drucken und an Wände Berlins pinseln. (Btw. ist es sehr schön, daß der Gebrauch des Lateins eben nicht so stark zurückging, wie Paul VI. es dachte und akzeptiert hätte)
Btw. ich finde die Ähnlichkeit zw. Modernisten und Traditionalisten interessant: Beide denken, das Konzil gepachtet zu haben und daß es falsch realisiert worden wäre.
Ich finde ja den bei den Tradis so gern gebrauchten Ausdruck "Pastoralkonzil" einfach nur haarsträubend. Dort ist das nämlich nur ein Synonym für "nicht unfehlbar", aus dem dann der Schluss "möglicherweise häretisch" (siehe auch "akzeptieren [ist wohl schön von ihnen, immerhin war Lefebvre einer der mitstimmenden Bischöfe!], aber nicht unkritisch") gezogen wird. Unterm Strich bleibt also übrig, dass ein ökumenisches Konzil möglicherweise Häresie lehren kann. Sehr schön.
Erinnert mich übrigens total an die "linken" Argumente dazu, dass Humanae Vitae "nicht unfehlbar" ist, weil es "nur" eine Enzyklika ist und Paul VI. das Unfehlbarkeitscharisma nicht in Anspruch genommen hat. Dass die immer und konstant gelehrte Morallehre der Kirche sehr wohl unfehlbar ist (ordentliches Magisterium), und Papst Paul in HV eben einen Teil davon erneut bestätigt hat (und damit der Hinweis auf das päpstliche Unfehlbarkeitscharisma wohl fehl am Platz gewesen wäre), wird dabei natürlich tunlichst übersehen.
Wie schrieb P. Andreas Hönisch von den : "Die einen [Tradis] mögen zwar katholisch sein, sie denken und fühlen aber nicht mehr katholisch.... Und die anderen [Modernisten] sind nicht mehr katholisch!"
Welch fröhliches Metzeln! Welch treffliche Illustration des Wortes Jesu (Joh. 13, 35): «In hoc cognoscent omnes quia discipuli mei estis, si dilectionem habueritis ad invicem»!
Liebe bedeutet nicht, einer Meinung sein, wie eine etwas genauere Lektüre des Evangeliums auch zeigen könnte...
@petra: Danke für diese Worte!
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