Samstag, März 06, 2021

Lebenszeichen, gegen bloat und weirde Musik

 Yessas (oder Jessas? dunno, lel), wieder n halbet Jahr seit meinem letzten Post vergangen? Es ist nicht so, dass ich wieder das bloggen aufgeben möchte, aber erstens habe ich ne Menge zu tun, und zweitens krepel ich seit Monaten an Artikelideen herum, die jedoch irgendwie mir noch nicht gefallen. Na ja, vllt veröffentliche ich sie einfach. 

Ebens meditiere ich darüber - frei nach dem Motto Junior Kellys Exile -, die Plattform Blogger zu verlassen und irgendwo EXTREMST OBSKUR zu bloggen. Keine Sorge, ich würde da schon irgendwie Bescheid geben, aber kann gut möglich sein, dass man mich dann diesbezüglich auf Gopher oder im Rahmen des Gemini Protokolls findet. Oder ich setze was minimalistisches, self-hosted auf. 

Hat weniger mit Verfolgungstheorie zu tun (auch oben genannter Junior Kelly recht hat, wenn er sagt, "Mystery Babylon ah get vile"). Es geht eher um #unfucktheinternet, den Kampf gegen das Bloated web etc. Ehrlich, wenn ich sehe, dass Blogs, die auf Text und ggf wenigen Bildern aufbauen, ewig zum laden brauchen, wenn Textbasierte Protokolle wie Whatsapp, Telegram etc. über Edge-Netz schon nicht mehr funktionieren, dann sehen wir eine Fehlentwicklung. 

Fehlentwicklung ist vielleicht zu hart; es ist ganz normal, dass Menschen mit steigenden technologischen Fortschritt alte Disziplinen vergessen - auch, weil sie sie irgendwann vergessen können. Speerspitzen aus Stein kloppen war nicht mehr so interessant, alls man Metall zu Speerspitzen schmieden konnte - und das ist eine vollkommen gute entwicklung. Ich spreche mich nicht dafür aus, dass man alle alte Technologie nur aus Liebe zum Alten aufrecht erhält. 

Aber man muss halt auch die Frage stellen, für was welche Technologie sinnvoll ist. Bücher erfreuen sich weiterhin einer gewissen Beliebtheit, auch wenn es EBook-Reader gibt. Und dahinter steht nicht einfach eine Kritik des Neuen. Auch wenn ich beileibe kein Papierfetischist bin (geil, ne neue Artikelidee, mit der ich bestimmt GANZ VIELE NEUE FREUNDE finde) und vieles auf meinem Smart phone lese, meinen Remarkable liebe und auch Zeug wie Blinkist nutze - bestimmte Bücher habe ich gerne in Papierform. Blättern ist was tolles! 

Und so ähnlich ist es mit eher textbasierten Medien. Man muss das nicht über zentralisiert gehostete Serverdienste machen, man braucht hier keinen übertriebennen Überbau. 

Ebenso finde ich, dass es zu St.Dymphna und diesem Blog eigentlich ganz gut passt, in irgendeiner weirden Nische des Internets zu hocken. Das war ja auch damals beim Bloggen 2005 so ne Sache. Nicht viele haben gebloggt und soziale Medien waren noch in den Kinderschuhen. Wir haben uns seitdem sehr weit entwickelt, die Frage ist bloß, ob dies immer die korrekte Richtung der Entwicklung war. 

Ja, sicherlich sind derartige Gedanken auch durch anderre Dinge motiviert: Seit einiger Zeit entdecke ich mehr und mehr die minimalistische Linux-Welt für mich (I use Arch btw) und werde in diesem Zusammenhang mehr und mehr zu einem Commmand-Line-Maximalisten. 

Die Kommandozeile in Linux ist eigentlich mMn schon vor Jahren das gewesen, was Siri, Cortana oder ähnliche Tools auf dem Desktop tun wollen (klar, mit Spracheingabe zusätzlich, die ich aber ohnehin, wenn ich tippe, wenig nutze): Eine zentrale Anlaufstelle, über die der Nutzer komplexe Anfragen an das System stellen kann. Im Fall von Bash und Co (zsh, ppl!) sind diese Anfragen dazu noch selbst konfigurierbar oder können in Programme integriert werden. Grandioses Gefühl, wirklich Herr über die Workflows sein zu können. 

Schließlich kennt mich der langjährige Leser: I am a bloody nerd. Gerade hörte ich Christs Dawn von Reverorum Ib Malacht, einer sehr weirden katholischen Black Metal Band. Ich liebe das obskure und bin davon immer wieder angezogen. So würden dann gopher oder Gemini durchaus passen. Aber wer weiß, vllt bleibe ich der normalen Internetwelt erhalten. Schaumermal ;) 

Abschließend nochmal zur Ursprungsfrage: Mir geht es fein, ich bin auch weiterhin ein braver Katholik, der heute hoffentlich den zweiten Sühnesamstag in seinem Leben hinter sich bringt und seit November die 15 Vaterunser, welche auf die Hl. Birgitta von Schweden zurückgeführt werden, betet. Ich hoffe aber, dass ich den einen oder anderne Artikel bald mal fertig schreibe. 

Samstag, September 12, 2020

St. Dymphna spricht: Vom (Un)sinn der Hufeisentheorie

Als Tl; dr führe ich meinen Gedanken mal in Form eines erweiterten Memes ein: 

Joke: RiGhT iS rIgHt aNd lEfT iS wRoNg
Broke: everything which is bad comes from the right
Bloke: we have to look at both extremes
Woke: the middle ground between left and right is the correct way 
Bespoke: who am I to proclaim that I am on the correct way? 
Baroque: I, as everybody else, am a poor sinner in desperate need of salvation

Die Hufeisentheorie hat aktuell wieder Hochkonjunktur. Gerade in Zeiten von Coronaleugnern, "Covidioten", Maskenverweigerern und und und wird gerne betont, dass hier die Extreme beider politischer Seiten... eben extrem sind. 

Wir kennen eine ähnliche Haltung in der Kirche: Weder die Modernisten, welche mit dem Geist des Konzils das eigentlich ja vollkommen sinnvolle Konzil gekapert haben sollen noch die Traditionalisten, welche anders herum dasselbe Konzil mit Bausch und Bogen verurteilen, wäre richtig. Korrekt wäre ein Weg der Mitte. Statt Hermeneutik des Bruches und Hermeneutik der Kontinuität kommt eine Hermeneutik der Reform. Statt Alten und Neuen Ritus spricht man lieber von außerordentlicher und ordentlicher Form des römischen Ritus. 

Gegen das alles ist nicht viel zu sagen. Es ist durchaus korrekt, nicht einfach (wie viele Rechte, Linke, Traditionalisten und Modernisten) die jeweilige Antithese zur eigenen Position für alles verantwortlich zu machen.  

Verständlich also, auf eine Idee wie die Hufeisen-Theorie zu kommen: Irgendwann nähern sich Rechts und Links an, so heißt es, und beides stehe dem Wahren, Guten und Schönen gegenüber. 

Immer mehr merkt man jedoch, dass es auch einen Extremismus der Mitte gibt. Die an sich offenste aller Denkhaltungen, die innerkirchliche Position, die dazu berufen ist, eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft zu schlagen, wird immer mehr zu einer Anti-Position. Den wirklichen Weg vorwärts weisen wich einem immer radikaleren "weder-noch". Und so kommt es dann, dass man Meinungen aus diesen Richtungen überhaupt kein Gehör mehr schenkt. 

Was ich mich jedoch frage: Ist das nicht der Urgrund dessen, was die Extrempositionen falsch macht? Die Meinung, man selber hätte auf jeden Fall recht? 

Die christliche Demut lehrt mich anderes: Es besteht, egal wer ich bin, egal wie gebildet oder von Gott auserwählt ich bin, immer die Möglichkeit, dass ich falsch liege. Dass ich, selbst wenn ich zweimal in der Woche fasten und den zehnten Teil meines ganzen Einkommens den Armen geben würde, doch tief in mir 
so bin wie die anderen Menschen bin, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher, Covidioten, SJWs, Karens, Tradis und Modernisten oder auch wie dieser Zöllner dort. Und dass ich, wenn ich das nicht einsehe, von Gott nicht erhört werde. 

Die wahre Antwort auf Extrempositionen ist nicht, eine eigene Position zu formulieren, auf der ich mich ausruhen kann, sie sei die Richtige. Die wahre Antwort ist Demut, das Bewusstsein, dass ich falsch liegen kann. Das hören auf Gottes Stimme, auf Propheten, die auftreten und vielleicht meine eigene Position in Frage stellen. 

Freitag, August 07, 2020

Nicht reden, machen! Vom Neuen Ritus, der Kirche und tollen Zaubertricks

Als guter Berliner bin ich natürlich Fan von Fil und seinem Comic Didi und Stulle. In einer Episode tritt Didi in einen... na ja... "Wettstreit". Gott führt alle Arten von Wundern vor und Didi kommentiert mit "Ick schlaf glei' ein, dit kann ick ooch". Insgesamt eine amüsante Passage über einen der liebsten ignoranten Berliner.

Die Haltung, die Didi in den Mund gelegt wird, im Beispiel gegenüber dem Allmächtigen, ist eine Haltung, di e man nur zu gut kennt. "Kann ick ooch" scheint sich so mancher Pumperjochen im Fitness-Studio zu denken, wenn er jemanden Gewichte squatten sieht, die deutlich unter seiner Beinpresse liegen. Sobald er selbst unter der Langhantel steht merkt er: Reden ist einfacher als machen. 

Schon als Kind gab es dieses Phänomen. Ich kann mich noch an einen Banknachbar erinnern, der bei einer Zaubervorführung altklug sagte "Pff, das sind ja alles Tricks". Ja, duh! Surprise, der große David Copperfield beschwört keine Dämonen aus der Hölle um Karten verschwinden zu lassen, never thought that could happen. 

Dang it, ich werde mal wieder salty! Warum rede ich aber über Maulhelden so viel? Weil ich denke, dass dies auch ein großes Problem in der Kirche ist. 

Innerhalb der Kirche merkt man es an manchen Formen der Apologie um den neuen Ritus. "Richtig zelebriert", so erklären einige, "ist die ordentliche Form des römischen Ritus (wie man ja, möchte man der ecclesical correctness frönen, korrekt sagen sollte, ich weiß) mindestens so feierlich wie die außerordentliche Form". 

Auch wenn ich finde, dass hier manche Aspekte ignoriert werden stimme ich ein wenig zu (ohne das mindestens). Ein schön gefeierter Novus Ordo was phantastisches! Ich erinnere mich in dem Sinne immer noch gerne an meine Hochzeit, die mit einer derartigen Liturgie aufwarten durfte. Those were the days my friend... 

Ja, der Neue Ritus kann wirklich würdig gefeiert werden. Er wird es aber nicht dadurch, dass man es als Apologie gegen irgendwelche Tradis anführt, sondern dadurch, dass man ihn würdig feiert. Warum werden also Debatten über toxische Traditionalisten geführt, statt über die voranschreitende Banalisierung der ordentlichen Form? Und ich rede nicht von wirklich dramatischen liturgischen Missbräuchen, sondern von einem Gloria, was inzwischen aus der neuen Messe verschwunden ist. Von einem römischen Messkanon, der nun verklungen ist, weil er in der außerordentlichen Form schweigend, in der ordentlichen überhaupt nicht mehr gebetet wird. Von Psalmen, die durch "ähnliche Lieder" ersetzt werden. Von einer schleichenden Transformation des Messopfers in eine Glaubensunterweisungsstunde mit mehreren Predigten. All das sind Dinge, die selbst bei ordentlichen Versionen der ordentlichen Form (hrhr, tolle Formulierung) auftreten. Warum vertut man so viel Zeit, über Steve Stojeks und wer weiß wen noch auf tradtwitter zu schimpfen, anstatt sich für eine wirkliche Wiederentdeckung des Neuen Ritus in seiner Fülle auszusprechen? 

Das Problem sieht man in ähnlicher Form in einem noch größeren Kontext. Wie häufig höre ich, dass der Glaube und die Vernunft sich nicht ausschließen. Dass der Glaube wirklicher wissenschaftlicher Arbeit nicht im Weg steht. 

Ich glaube das nicht nur, ich bin arrogant genug zu meinen, dass die Vernunft in seiner Fülle erst jener findet, der Christus gefunden hat. Warum ist ein anderes Thema, vllt schreibe ich dazu mal einen Blogpost. Was mich jedoch daran stört: Wird eine Aussage wie die Gleichwertigkeit von Glaube und Vernunft als Ansporn oder als Entschuldigung verstanden? Oft habe ich den Eindruck, man trägt vor sich her, dass das Christentum - siehe all die Wissenschaftler in der Vergangenheit, die Lemaitres, die Mendels, die Schar der Jesuiten, nach denen Krater auf dem Mond benannt sind - wirklich wissenschaftlichem Denken nicht im Wege steht. Wieder: "Richtig gedacht kann der Christ mindestens so ein guter Wissenschaftler wie der Atheist sein". Und ja, sicherlich stimmt es - nur warum geht man damit nicht hausieren? 

Klar, ich verstehe es vom Menschlichen her. Am Rand zu stehen und "Kann ick ooch" zu sagen ist einfacher als selber umzusetzen. Und selbst dieses umsetzen ist tausendmal einfacher als dies quasi als Apostolat zu machen.  Aber irgendwie muss die Kirche hier wieder einen Weg für sich entdecken, der Welt zu zeigen, dass wir die Welt mitgestalten. Ansonsten machen es nämlich andere Leute - und wir stehen am Rand. Und das wäre nicht nur schade, das wäre ein Verrat am Auftrag Christi. 

Mittwoch, Juni 17, 2020

Von Spuren im Sand, einem tragbaren Kreuz und anderen Halbwahrheiten

Ich habe in meinem "Relaunch" des Blogs über das Kalenderspruch-Christentum gelästert. Über Spuren im Sand, die zeigen, wann Gott einen getragen hat, über ein Kreuz, was Gott nur so schwer wählt, dass man es selbst tragen kann und anderes. Nun dachte ich, dass ich diesen Kalendersprüchen nochmal etwas Raum gebe. Der Anlass war eine meiner Meinung nach amüsante Variation der Geschichte über die Spuren im Sand, hier mal übersetzt und etwas paraphrasiert:

Personaler: Ich sehe in Ihrem Lebenslauf eine Lücke... 
Bewerber: Dort habe ich Dich getragen.
(Ja, ich liebe Nonsens-herumgetrolle)

Jenen Lesern, denen die Geschichte über die Spuren im Sand nichts sagt: Hier kann man sie nachlesen. Klar, eine schöne Geschichte, die durchaus auch einen wichtigen Glaubensinhalt bewusst macht: Gott ist mit uns. So weit, so gut.

Mein Problem mit dieser Geschichte und mit so vielen anderen ist, dass sie zu sehr das feel-good-Christentum betont. Gerne wird die Geschichte in rosasten Farben und umrandet von Blumen präsentiert. Am besten noch mit einer sanften (Lobpreis-)Melodie im Hintergrund und fertig ist die Vorlage für einen Heiheitrulalala-Glauben.

Mein Problem dabei ist, dass derartige Darstellungen die Irrlehre der Atheisten, Religion sei eine Krücke für die Schwachen, eigentlich unterstützen. Man bekommt, gerade mit dem Fokus des Christentums auf Demut und auf die Vater-Kind-Beziehung zwischen Gott-Vater und dem einfachen Gläubigen, den Eindruck, als würde es sich beim Christentum um ein derartiges Hilfsmittel handeln. Mal ganz davon abgesehen, dass in Zeiten des Kreuzes ein Glaube, der meint, dass Gott einem immer helfen würde, eine schlimme Krise durchstehen würde.

Klar, Gott trägt uns in Zeiten der Finsternis, vor ihm ist auch die Finsternis nicht finster. Und ja, Gott mutet niemandem ein Kreuz zu, was er selbst nicht tragen kann. Doch was heißt das? Christus ist dreimal unter dem Kreuz gestürzt und brauchte zeitweise die Hilfe von Simon von Cyrene.

"Gott mutet einem kein Kreuz zu, was man nicht selber tragen kann" – einer jener Sprüche, bei dem ordentliches Krafttraining helfen kann, zu verstehen, was "das Kreuz tragen" heißen kann (und nicht nur wegen Kreuzheben!). Was dieses "was man selber tragen kann" bedeutet macht ein Trainingsprogramm mit dem schönen Namen 20 Rep Squats klar.

Das Programm ist schnell beschrieben: Pack so viele Hantelscheiben auf eine Hantel wie du für 10 Kniebeugen (auf englisch Squats) drauf machen würdest - und dann mach 20 Wiederholungen damit. Wenn Du also bisher 70 kg zehnmal hochstemmen konntest machst Du dieses Gewicht auf die Hantel und machst 20 Wiederholugen.

Oh, du darfst Pausen machen. Du sollst es sogar: Nach jeder Wiederholung sollst Du dreimal tief einatmen. Man spricht hier auch gerne von Breathing Squats. Dieses Inhalieren in einer aktiven Pause (die Hantel bleibt auf den Schultern) versorgt den Körper mit genügend Sauerstoff, um diese Übung durchzustehen.

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen: Es ist ein brutales Training! Bei meinem letzten Absolvieren eines derartigen Trainings habe ich bei den letzten fünf Wiederholungen jedes Mal aufgeschrien, meine Beine brannten wie Feuer und waren weich wie Butter. Nachdem ich das Gewicht wieder sicher abgelegt hatte konnte ich erstmal mehrere Minuten nicht mehr aufstehen. Die Lektion:

Man kann viel mehr tragen als man eigentlich tragen kann. 

Nach zehn Wiederholungen mit einem schweren Gewicht ist man sicherlich etwas außer Atem, spürt schon ordentlich was in den Beinen - aber hat noch nicht einmal eine Idee der eigenen Belastungsgrenzen mitbekommen. Und ich bin mir sicher, dass selbst bei einem organisierten Programm wie dem oben beschriebenen man sich zwar der ultimativen Grenze nähert, aber Menschen in Notsituationen noch mehr leisten können.

Gott legt uns kein Kreuz auf die Schultern, was wir nicht tragen können. Das, was wir aber tragen können, kann uns unglaublich viel abverlangen. Es ist also kein Wohlfühlspruch, sondern eine Warnung, was noch kommen kann.

Leben ist K(r)ampf an vielen Stellen. Es gehört zum Mysterium des Lebens dazu. Nicht nur das große Leiden, auch die kleinen Kämpfe, die Sidequests, auf die das Leben einen so führt. Und dennoch: Das Leben ist phantastisch. Wir alle sind so toll, dass Gott uns geschaffen hat. Das muss über unser Leben, unsere großen und kleinen Kämpfe, unser Kreuz eine Menge heißen!

Sonntag, Mai 17, 2020

St. Dymphna spricht: Der Junge, der Wolf schrie - Wirtschaftsedition

Jeder kennt sie, die Geschichte vom Jungen, der Wolf rief. Sie geht grob so:

Es war einmal ein Junge, der die Erwachsenen im Dorf ärgerte, weil er immer Wolf rief. Eines Tages sah er tatsächlich einen Wolf. Er rief „Wolf, Wolf“, doch keiner hörte auf ihn. „Haha“ riefen die Erwachsenen, der Junge, der immer Wolf schreit, will uns wieder verhohnepieln! Und so half niemand dem Jungen und er wurde vom Wolf gefressen. 

DRAMA.

Und die Moral von der Geschicht, so lehrt man uns: Verulke-lügen lohn sich nicht. Oder so.

Hm. Erstens sollte man die ganze Geschichte auch mal aus Sicht der Erwachsenen betrachten. Weil sie also nun einem Jungen nicht mehr vertrauen, weil sie sich weigern, verulkt zu werden, musste der Junge sterben. Ein grausames Opfer auf dem Altar der Ehrlichkeit!

Als Jugendlicher sagten mir desöfteren Freunde, die mich verulkten, dass ich naiv sei. Nun, stimmt zum Teil, denn ich vertraue Freunden. Vertrauen ist eine Form von Naivität, doch eine, auf die die Gesellschaft baut. Um ehrlich zu sein, lasse ich mich lieber verulken als dass ich einem Freund, der in Not ist, nicht helfe.

Doch das eigentliche Problem mit der Geschichte ist, dass sie so nicht stimmt. Denken wir doch an die Nouriel Roubinis der Welt - gerade in der aktuellen erzitternden Wirtschaftslage. In der Hinsicht liest sich die Geschichte eher wie folgt:

Es war einmal ein Junge, der immer Wolf rief. Die Erwachsenen lachten, denn schließlich wohnten sie in einer Region, in der keine Wölfe lebten. Doch eines Tages, als der Junge mal wieder „Wolf, Wolf“ rief kam tatsächlich ein Wolf des Weges. Die Erwachsenen feierten den Jungen. Seitdem nennen die Erwachsenen ihn „Dr. Wolf“, man hat ihm eine Ehrendoktorwürde in Zoologie verliehen und er ist gern gesehener Talkshowgast. Aktuell warnt er vor den Wölfen auf der ISS. 

Ok, zugegebenermaßen: Die Nouriel Roubinis der Welt blöken nicht einfach „Marktcrash, Marktcrash“, sondern machen auf tatsächliche Probleme an den Wirtschaftsmärkten aufmerksam. Doch immer den „baldigen“ Untergang oder Crash zu sehen ist irgendwann nicht falsifizierbar. Es sind keine belastbaren Thesen.

Da mag ich - ganz im Sinne der Patronin der verrückten - eher irgendwelche kruden Theorien wie Survive Shemitah, die behaupten, dass eine düstere Kabale alle Jubeljahre die Finanz crashen lässt. Das ist wenigstens falsifizierbar.

Donnerstag, April 16, 2020

Wie ein Dieb in der Nacht – Gedanken zu Corona

Jessas! Ich wollte tief in der Fastenzeit was zu Corona schreiben, kam jedoch nie dazu. Aber jetzt :D

„The revolution will be carbonated“ titelt das Debutalbum von Sister Surge, einem eher unbekannten Vaporwave-Projekt von 2013. Sowohl das Album als auch das Genre Vaporwave liefert eigentlich gute Stichwörter.

Vaporwave ist an sich ein kapitalismuskritische Musikrichtung. Anders als Punk oder Hardcore lärmt sie jedoch nicht, sie... plätschert vor sich hin. Viele Vaporwave-Stücke sind  leicht heruntergepitchte alte Popsongs, die noch mit Effekten versehen sind. Nichts außergewöhnliches, eigentlich, wie der Name sagt, nicht viel mehr als heiße Luft.

Und doch ist die Musik sozialkritischer als der Punk oder Hardcore. Oder einen Schritt weiter. Wie gesagt, es ist eine Kritik am late-stage-capitalism. Es wird jedoch nicht protestiert, sondern eher die Banalität der Wegwerf-Kultur zelebriert. Ähnlich wie im Accelerationismus ist der Gedanke, dass der Raubtier-Kapitalismus am Ende sich selbst ad absurdum führt.

Bevor man mir hier kommunistisches Gedankengut unterstellt: Ähnlich hat der Distributist Hilaire Belloc über den Kapitalismus in "the servile state" geschrieben. Der Kapitalismus ist, wie der Kommunismus, ein instabiles System, was nicht aus sich heraus leben kann. Und damit zum Scheitern verurteilt ist.

Doch zurück zur Musik und damit auch bald zum eigentlichen Thema. Das faszinierende an Vaporwave ist die Ruhe, mit der gegen das bestehende System musiziert wird, gegen den Verfall ins Absurde.

The revolution will be carbonated: Sie wird normal sein. Nicht laut, nicht blutig, sondern so banal wie ein Sodadrink mit Kohlensäure. Gott offenbarte sich im Säuseln und nicht im Donner. Und das Gericht kommt wie ein Dieb in der Nacht.

"wie ein Dieb in der Nacht" - ich habe früher die beschreibung immer unheimlich gefunden, doch denke ich jetzt anders darüber. "in der Nacht" ist die Zeit, in der ich gemütlich im Bett liege, hoffentlich nicht schnarche und hoffentlich angenehme Träume habe. Es ist eine angenehme Zeit, aber auch wieder vor allem eines: nichts besonderes.

Nun sitzen wir alle in Quarantäne. Deutschland verbot den Messbesuch, wie auch viele andere Länder. Extrovertierte werden in dieser Isolationshaft wahnsinnig. Die häusliche Gewalt steigt an, die Selbstmordrate wird vielleicht auch bald ansteigen. Die Weltwirtschaft steht vor einer großen Krise. Die Welt ist im Bann von Covid-19. Eine Pandemie legt die Welt lahm.

Das alles klingt wie aus einem düsteren, dystopischen Thriller, eigentlich wie eine Beschreibung der Apokalypse. Ich würde gerne in die Vergangenheit reisen und mich selbst fragen, wie ich eine Zeit nennen würde, die folgende Eigenschaften hat:

- Ein Virus ohne Impfstoff oder wirksame Medizin macht die Runde
- Die Weltwirtschaft steht vor einem Kollaps
- Die halbe Welt steht unter Hausarrest
- Die Kirchen stehen per Dekret der Regierenden leer

Ich bin mir sicher, dass ich diese Situation für die Apokalypse halten würde. Was bedeutet das aber für den Alltag vieler? Ich hocke hier, mit einem über die letzten Wochen gewachsenen Bart (der zu Ostern korrekturgestutzt wurde), hab die Beine auf der Couch und den Lappi auf dem Schoß. Ich hätte niemals gedacht, dass ich die Apokalypse in Jogginghose erleben würde.

Für viele, auch für jene, die darunter deutlich mehr als ich leiden, ist das schlimme an der Corona-Krise die Banalität. Und doch passt es zum Wirken Gottes.

Was ist der Grund für diese große Krise? Ist es eine Strafe Gottes? Ist es die Natur, die sich rächt? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch weiß: Unser Herr ist ein Gott, der so etwas tut. Wir wissen nicht genau, warum, aber das Negative in der Welt gehört zu Gottes Plan.

Was machen wir also daraus? Oder weniger predigerhaft: Was mach ich daraus? Ich versuche, die Situation zu nutzen. Mich ärgert gerade, dass ich das Morgengebet die letzten Tage verpennt habe, das muss ich wieder nachholen. Ich werde weiter via Streams oder wenigstens über das Lesen der Messtexte eine kleine Kapelle in meinem Schlafzimmer haben. Vom weltlichen her werde ich Sport machen, auf meine Ernährung achten und mich weiterbilden - soweit es meine Arbeit erlaubt.

Kurz: mit Blick auf den Herrn weitermachen. Wachen und beten und so den Dieb in der Nacht, die Grausamkeit der aktuellen Banalität weiter beobachten.

Montag, Januar 27, 2020

St. Dymphnas Mund spricht: Von Tabubrüchen, Energiewirtschaft und einem nimmersatten Monster

Ich hatte bei Relaunch des Blogs die Idee, wirklich weirde Texte auch zu schreiben. Ich mein, hey, dieser Blog heißt St. Dymphnas Gedankenwelt. Außerdem brauche ich als Kind Gottes keinen Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen. Meine Idee ist also, in unregelmäßigen Abständen seltsame Parabeln oder Gedankenspiele hier niederzuschreiben. Sollte ich dabei häretisch werden bitte ich um brüderliche Zurechtweisung. Und nun genug des Vorgeplänkels, machen wir uns auf nach Gheel und hören auf St. Dymphnas Mund: 

„Da dreht sich doch xyz im Grabe um!“ – Egal, um welches Thema es sich handelte, Konservative jeglicher Couleur beklagten, dass unsere Altvorderen entsetzt von der heutigen Zeit wären. Dabei ist es egal, was das Thema war:

- Goethe wäre von den heutigen Schriftstellern entsetzt
- Tupac dreht sich wegen Mumble Rap im Grabe um
- Einstein wäre von der heutigen Wissenschaftsindustrie (publish or perish) schockiert
- Pius XII würde seine Kirche nicht mehr wieder erkennen
- Euronymous wird ob Depressive Black Metal, Blackgaze und vor allem Reverorum Ib Malacht im Grab rotieren
- Adenauer würde ob Deutschlands und Europas sich im Grabe umdrehen

und und und...

Das Klagen der Konservativen ging weiter. Kein Wunder, das Rad der Zeit drehte sich weiter. Und mit jedem Jahr stieg die Anzahl derer, die sich, so das Sprichwort, im Grabe umdrehten.

Und irgendwann geschah es: Man entdeckte, dass es sich beim „im Grab rotieren“ nicht um eine Metapher handelte. Unsere Altvorderen drehten sich tatsächlich im Grab um. Leichenberge rotierten, die Erde der Friedhöfe vibrierte ob der Drehbewegung.

Eine solche Entdeckung ließ die Wissenschaft nicht kalt: Aus dieser Drehbewegung konnte Energie gewonnen werden! Aus den über den Verfall der Welt entsetzten Altvorderen konnte Energie gewonnen werden. Es war wohl der grünste Strom, den man sich vorstellen kann: Keine Kohle, kein Uran, nicht einmal Wasserstoff wurde benötigt. Und anders als die regenerative Energien war die Energiegewinnung aus dem Totenreich vollkommen wetterunabhängig. Gräber wurden exhumiert, Krematorien die neuen Kraftwerke und Leichenhallen zu Energiespeichern.

Am meisten jedoch freute es Progressive und Hedonisten: Jede Leiche, die begann, im Grab zu rotieren, bedeutete neue Energie. Die Zeiten der Orgien, der Banalisierung von Politik, Kunst, Wissenschaft und Religion gingen mit schnelleren Schritt voran - alles für den Energiehaushalt der Menschheit. Jeder Tabubruch war damit ein Dienst für die Menschheit, ja, jene, die alte Werte aufrecht erhalten wollten, galten als Feinde der Menschheit. Sie wurden verhöhnt, beleidigt, ausgegrenzt und irgendwann verfolgt. Die Erde der Friedhöfe begann zu beben und noch mehr Energie konnte aus dem moralischen Verfall der Menschheit gezogen werden.

Da diese Art des Energiegewinns nachhaltig und Einfach war geriet das Wissen über Alternativen verloren. Aus dem Wissen über Kernspaltung wurde ein Mythos, eine Legende über „Strom aus der Sonne“ erzählte man abends den Kindern. Manche Wissenschaftler staunten darüber, wie die Altvorderen aus Kohle Strom gemacht haben. Wie das Wissen über den Pyramidenbau oder die Autorenschaft des Voynych-Skriptes ging dieses Wissen im Strom der Zeit unter.

Irgendwann machte man jedoch eine unangenehme Entdeckung: Auch diese Art der Energiegewinnung war kein Nullsummenspiel. Wie bei klassischen Drehmotoren gab es hier auch einen Reibungseffekt. Je länger kein neuer Tabubruch kam, je länger die Menschheit bei einem Level an Verkommenheit stehen blieb oder gar sich wieder bessern wollte, desto ruhiger wurde die Rotation der Kadaver.

Die Menschheit musste den Weg des Skandals weitergehen, musste schneller neue Level der Sünde erreichen, um den Lebensstil zu erhalten. Sie war verzweifelt auf der Flucht in neue Widerlichkeiten und wusste, wenn sie jetzt nicht stehenblieb, wird sie untergehen. Schon lange bebte nicht mehr nur der Boden der Friedhöfe, die gesamte Erde wurde von den im Grab rotierenden Milliarden an Toten erschüttert. Die Menschheit kannte keinen ruhigen Boden mehr.

Irgendwann brach dann der große Krieg aus. Eine Menschheit, die inzwischen jeglichen moralischen Kompass verloren hatte, ging aufeinander los. Die Folgen waren verheerend. Die Gräueltaten waren zwar wieder grandiose Energiequellen, aber auch die hielten nicht lange.

Irgendwann war die Menschheit auf einen Bruchteil reduziert. Die Menschen lebten in kleinen Clans und streiften durch die Ruinen ihrer alten Hochkultur. Sie mussten sich an Lagerfeuern wärmen und fielen von der Technik Jahrhunderte zurück.

Doch merkten sie dabei auch etwas anderes: Die Böden hatten aufgehört zu beben. Eine neue Ruhe war in die Welt gekommen. Diese Ruhe ging auch auf sie, die letzten der Menschen über. Sie fanden Frieden.

„Tradition ist die Demokratie der Toten“

Dienstag, Dezember 24, 2019

Tradernistisch? Modiotonalistisch? Zum Herrn gewandt!

Na ja, ein bisschen (Kirchen)politik kann ich doch nicht lassen, aber es geht weniger um den Synodalen Weg als um ein Meta-Thema. Um ehrlich zu sein geht es um das Ereignis, was wir bald gemeinsam feiern: Die Geburt des Erlösers.

Auch wenn ich mit zurückwandernder Haarpracht immer mehr ein Trad werde (anderes Thema) stehe ich bei den ganzen Debatten zwischen traditionalistischen, modernistischen und konservativen Katholiken weiterhin außen. Man kann es auch über die Welt jenseits des Glaubens sagen: Ich kann mich mit keiner einzelnen Partei identifizieren.

Was mir fehlt? Etwas schwülstig gesagt: Die Freude, die Hoffnung und der Mut. Zumindest bei traditionalistisch und modernistisch beziehungsweise links und rechts sehe ich, dass zu oft Angst ein großer Motivator ist. Auf der einen Seite grübelt man, ob Franziskus der falsche Prophet ist, auf der anderen ob die Kirche gerade einen Rechtsruck durchmacht. Die jüngste Episode des Ententeichs geht gut auf das letztere ein: Weihnachtsbotschaften gehen über etwaige Rechtsrücke, über Klimawandel und was nicht sonst alles. Eigentlich ein thematisches Potpourri, wie man es häufig von Politikern und Medienschaffenden hört. Einen ähnlichen Eindruck hat man bei der „Gegenseite“: Während die rechte in der Politik von Geburtendjihad und Überfremdung sprechen sinnieren Tradis über gefälschte Botschaften von Fatima, über die St. Gallen-Mafia und über den Rauch Satans in der Kirche.

Die Konservativen nowadays bemühen sich gerne um eine „gesunde Mittelposition“, weder das eine noch das andere im Extrem - und wird damit zum eigenschaftslosen Pillemann, der in der Welt bald keine Rolle mehr spielen wird. Schlimmer als Batik und Brokat ist nur eins, der Bürokrat.

Warum das gebashe gegen Konservativismus, gegen eine gemäßigte Position in der Mitte? Weil die gemäßigte Mitte keine eigene Vision hat. Sie genügt sich in einem „weder-noch“ und ist damit satt geworden. Aaach, mir sagen die modernen nicht zu... aber ungefähr genau so schlimm sind die Tradis!

Das ist aber keine stabile Position, keine Vision für die Zukunft. Im besten Fall ist die viel gepriesene Mitte eine Fahne im Wind, im schlimmsten Fall irgendwann weg, weil mit jedem Windwechsel Menschen zu beiden „Extremseiten“ abwandern. Konservativismus nowadays ist progressivism with extra steps, um an dieser Stelle mal Rick & Morty zu channeln. Und bevor man auf die Papsttreue abhebt: Ja, Konservative rühmen sich der Papsttreue, was aber, entleert man sie der Tradition, auch nichts anderes als eine institutionaliserte Fahne im Wind ist.

„Weder-noch“ bringt nichts. Es erinnert an die „wir machen alles und wollen alle erreichen“ - Haltung, die sich in Geschäftsmodellen nicht gut funktionierender Mittelständler findet.

Insgesamt spricht das für ein eher trauriges Bild der Welt: die zwei Extrempositionen haben zwar eindeutige, aber pessimistische Positionen, während die „gemäßigte Mittelposition“ bei genauerem Hinsehen eine Art Apathie, die sich mit dem Gang der Welt zwar nicht abgefunden hat, aber auch in keine Richtung wirklich viel tun will. Viel wird, auch zu recht, mithilfe einer Slippery Slope Argumentation gesprochen, die jedoch was wichtiges auslässt. Nein, nicht was wichtiges, das einzig wichtige auf der Welt:

Gott ist mit uns.
Ebenjener Gott ist nicht nur metaphorisch mit uns, er ist Mensch geworden, hat Fleisch angenommen von der Jungfrau Maria, hat gelitten, ist gekreuzigt und begraben worden. Er fuhr nieder in die Hölle, er erschien den Jüngern (und das ist mir jetzt eigentlich das wichtige) und sagte:

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Gott ist Mensch geworden, damit wir ihm ähnlich werden. Das muss sich doch in einem Blick auf die Welt und der politischen Haltung niederschlagen! Und damit meine ich nicht einfach „sonntäglichen Kirchgang“ oder einen Gottesbezug in der Präambel. Aus dem Gedanken, dass der Herr uns berufen hat, das Land zu erben, dass er, der mit uns ist, uns aufforderte, vollkommen wie der Vater im Himnmel zu sein und das Evangelium bis an die Enden der Welt zu tragen... daraus sollte ein hoffnungsvoller, tatendurstiger Blick auf die Welt entstehen.

Hoffnungsvoll, weil wir den Urgrund der Hoffnung kennen. Wir können der Welt, die an so vielen Stellen in Angst verstrickt ist sagen, dass dies, sei es Rechtsruck, seien es kriminelle Ausländer, sei es der Klimawandel, was auch immer, nicht das Ende ist, denn Gott ist mit uns.

Aus diesem Optimismus kann ein wirklich eigenes Profil jenseits von rechts und links entstehen und ich denke, das braucht die Welt. Sicherlich ist es die Mischung aus Nerd und Proll, die ich nunmal bin, aber ich denke, dass dieses neue, wahrhaft christliche Profil, nicht deckungsgleich mit einem wie auch immer gelagerten Konservativismus nowadays ist. Ebensowenig links oder rechts.

Der Nerd in mir sieht in einer Liebe zum technologischen Fortschritt etwas, was zu diesem Optimismus passt. Wir sind Kinder Gottes, „macht euch die Erde untertan“ ist der erste Auftrag Gottes, den wir bekamen, noch vor dem Sündenfall. Und doch sehe ich in keinem ideologischen Lager in der Kirche eine wirkliche Begeisterung am technologischen Fortschritt, noch weniger eine aktive Mitentwicklung. Da treffen sich btw im Augenblick alle Lager in der Kirche: Technologischer Fortschritt ist etwas, worauf sowohl Batik als auch Brokat tragende Geistliche und der konservative Bürokrat nur mit einem erhobenen Zeigefinger antworten.

Ich denke, dass dieser genannte Punkt etwas wirklich eigenes wäre. Ein wahrlicher Weg der Mitte, der mutig in die Zukunft schreitet, der weiß, dass der technologische Fortschritt ("Macht euch die Erde untertan") zur Berufung des Menschen gehört, dass ein Bremsen des Fortschrittes, ein zurückkehren in irgendwelche Hobbit-Idyllen, der Berufung des Menschen eben nicht gerecht wird. Der aber auch über den letzten Zweck des Fortschrittes Bescheid weiß: Dass es sich damit um eine Antwort, um das Erfüllen unseres Auftrages handelt - nicht um das Posieren als kleiner Gott.

Der Prolet in mir vermisst etwas weiteres: Weder bei Modernisten, noch bei Konservativen oder Traditionalisten scheint der Prolet keinen Platz zu haben. Alle Seiten sind überintellektualisiert, können anscheinend nur entweder Mozart oder NGL hören. Diese überintellektualisierte Haltung, die zum Teil dazu führt, dass man sich bei Geschwistern des Glaubens wie unter H.G. Wells' Eloi fühlt, führt zu überintellektualisierten Antworten auf Soziale Fragen, die sich zu gerne in weltfremden Ideen oder in Allgemeinplätzen niederschlägt. Aus dem Kerngedanke, dass Gott mit uns ist, sollte eine eindeutige Antwort auf die soziale Frage entwachsen. Leo XIII machte es vor, die Distributisten, wenngleich sie sich gerne in irgendwelchen Auenland-artigen Träumen zurückziehen, haben das erkannt. Wir müssen wieder aktiv für eine soziale Poltik eintreten.

Ja, ich denke, dass eine Kirche, die diese beiden Extreme wieder für sich entdeckt, bzw eine kirchliche Bewegung, die weder modernistisch noch traditionalistisch sein muss, aber obige Punkte erfüllt, tatsächlich der Kirche und der Welt etwas bieten kann.

Das lässt sich auch auf die christlichen Konservativen in der Politik übertragen: Wir brauchen in der heutigen Parteienlandschaft mal wieder drei Schwerpunkte: einen radikal christlichen, einen radikal technologischen und einen radikal proletarischen. Schauen wir uns in der Open Source-Welt, gerade mit ihren Makerspaces um sehen wir, dass es durchaus das technologische Grundgerüst für eine derartige Bewegung gibt, für einen Distributismus des 21. Jahrhunderts.

Und mit Christus, dessen Geburt wir heute abend gedenken, haben wir einen starken Mitstreiter, wir haben Immanuel, Gott ist mit uns! Gibt also keinen Grund zur Sorge, sondern zur Hoffnung und zum Zupacken!

Euch, wenn es so weit ist, eine besinnliche Weihnacht und eine gesegnete Weihnachtszeit!

Donnerstag, Dezember 05, 2019

Ein Lebenszeichen, vielleicht ein Neuanfang

„Moin Moin“, um mit den klassischen ersten Worten dieses Blogs zu beginnen.

Its been a while, über vier Jahre, um genau zu sein. Interessiert sich jemand überhaupt noch für diesen alten Blog? Bloggen ist ja, sieht man von business blogs n shit ab mehr oder weniger tot. Dasselbe lässt sich über die Blogozese sagen, soweit ich es sehe. Aber wer weiß, vielleicht sehe ich da nicht alles. Dem (Neu-)Anfang wohnt ein Zauber inne, vielleicht auch hier.

Ich weiß persönlich nicht genau, ob und wieviel ich wieder posten werde aus besagten Gründen. Ob ich oder ihr es „wisst“ ist auch nebensächlich was wir alle dank des Glaubens wissen, ist, dass Gott es weiß. „Schaumermal“ also, wie das Bonmot und mein alter Laborkollege sagen würden.

Erstes Ziel dieses Artikels ist ein Lebenszeichen. Was ist aus der LICHTGESTALT DER BLOGOZESE (lol, nicht wirklich) geworden?

Das Ende ist nie hienieden

Eine schmerzliche Lektion waren ein paar Schicksalsschläge. Dank eines dieser Schicksalsschläge kam es dazu, dass ein wichtiger Abschnitt meines Lebens anscheinend zu einem Ende kam. Dazu kam noch eine leichte Erkrankung, die wie ein Damoklesschwert über mir schwebt. Vielleicht werde ich bis ans Ende meiner Tage davon wenig bis gar nichts mitbekommen, vielleicht bricht sie auch aus und wird mein Leben durcheinander bringen. 

Gerade bezüglich des ersten Schicksalsschlages war es bitter. Tscha. Da dachte man, man wäre angekommen, hätte das Glück seines Lebens gefunden und befand sich wieder „draußen vor der Tür“.

Und ja, man fragte sich mit Borchert „gibt denn keiner, keine eine Antwort?“ Trotz allem Bemühen, trotz allem sicherlich zu späten und zu zaghaften Kampf ist alles unrettbar verloren.

Was ist dann mit den ganzen Sprüchen Marke „a marriage that prays together stays together“ und vielen anderen Kalenderweisheiten?

Man kann sich vorstellen, dass die Zeit eine sehr harte Zeit war. Anfangs hörte der kleine Romantiker in mir mit Tränen in den Augen das Lied „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel. Dieses Lied war, auf eine sardonische Weise eine erste Therapie. Ich beschäftigte mich mit dem Text und vor allem der Interpretation seitens Brels. Jener Chansonnier wollte eben nicht einfach ein Lied über eine zuckersüße, jedoch verzweifelte Liebe machen, über einen Menschen, der sich demütigt und die Lebe retten will. Viel mehr wollte er die Idiotie aufzeigen, einen Kampf weiterzukämpfen, der schon verloren ist. „Der Schatten Deines Schattens“ sein und der ganze Scheiß... wohl etwas zu spät, wa?

Es half mir ungemein, mein Schicksal zu akzeptieren. Und eine andere Sache ist mir klar geworden: Das Ende, hoffentlich für uns alle das glückliche Ende, ist am Ende. Alles andere mögen temporäre Kreuze und temporäre Erholungen sein. Nach den sieben fetten Jahren kamen die sieben mageren Jahre, und in die kam ich jetzt.

Und Gott sagte nein

Eine zweite Lektion kam mir, die beim ersten Hören bitter und böse klingt. Gott ist die Liebe, aber nicht die Liebe aus unserer romantischen Literatur. Gott ist gut, aber Gott ist nicht ein Wellness-Instructor. Ja, wird auch gerne mal nebenbei betont, aber wie sieht es dennoch gerade in der Ehepastoral „für junge Menschen“ (wie ich diese Floskel hasse, aber anderes Thema) aus? Irgendwelche Evangelists erzählen von den Gnaden, die ihnen Gott zuteilte, von der tollen Frau an der Seite, mit der sie sieben Kinder haben, dessen Kinder alle den Glauben toll finden blabla, und ja, sicherlich weil man ja jeden Tag gemeinsam betet. 

Ja, das ist toll, aber Gott ist kein Automat. Man wirft nicht oben einen Rosenkranz rein und unten kommt Kindersegen und eine stabile Ehe heraus. Jedem von uns, jedem einzelnen, muss klar sein, dass Gottes Entscheidungen bis zum Ende nicht 100% ersichtlich sind. 

Vor einiger Zeit ging ein böses Bild durch das Netz, was jedoch einen wichtigen Glaubensinhalt illustriert. Man sah einen kleinen Jungen im Rollstuhl über dem wie bei einer großen Schlagzeile der Titel stand „Gott antwortet auf Gebet von Querschnittsgelähmten Jungen“. Und als Untertitel „Gott sagte nein.“




Sicherlich war das Bild von irgentwelchen apatheistic neckbeards, die damit den Glauben Blöd darstellen wollten. „Herpderp, if god real why bad thing hapen“ Wow, hat echt noch niemand darüber nachgedacht!

Tatsächlich weist dieses Bild auf eine der finsteren Passagen des Evangeliums hin. Christus saß im Garten von Gethsemane und betete zum Vater, dass der Kelch an ihm vorüberging. Und Gott sagte nein. Er sagte nein zu einem Sohn ohne Fehl und Tadel, der vor Angst Blut schwitzte. „If God real, why bad thing hapen“.

Das fasznierende am Vater ist, dass er tatsächlich gut ist - sollte man das auch nicht immer sofort sehen. Warum Gott uns manches Kreuz zumutet wissen wir nicht. Und auch keine Kalenderweisheit der Welt, keine Spuren im Sand, wo der Herr uns getragen hat täuscht darüber hinweg. Christentum ist keine Religion für die Schwachen, sondern für die wirklich starken, die trotz der Absurdität der Welt, trotz der häufig nicht nachvollziehbaren Ratschlüsse am Gesetz des Allmächtigen festhalten - weil sie wissen, dass es nur bei ihm die Worte des ewigen Lebens gibt. Der Herr endet nicht einfach am Kreuz, sondern steht von den Toten auf. Ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben. Diese Hoffnung, dass wir das Land erben werden, dass wir Söhne Gottes genannt werden, dass uns das Himmelreich gehören wird etc pp, sehen wir in Christus schon verwirklicht. Und deshalb gilt es, auch wenn es auf Erden bisweilen anders aussieht, dem Herrn die Treue zu halten. 

Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt

Irgendwie waren die letzten Jahre ein Prozess, in dem Gott mich einige heilige Kühe schlachten ließ. Äh, nicht im götzendienerischen Sinn, figuratively speaking, ne? 

Wie einfach war die Welt für mich zu John Paul II und zu Benedikt XVI-Zeiten! Hier gabs die papsttreuen, die ebenfalls immer auf dem Boden des Lehramtes standen, dort die ganze moderne Bagage. Die Gretchenfrage war ein einfaches „wie hälst Du es mit dem Papst“? Denn der Papst, als Stellvertreter Christi, als größter Brückenbauer, so der einfache Glaube, ist doch unfehlbar. Wo Petrus ist, ist die Kirche - wieder so ein schöner Kalenderspruch. 

Die letzten Jahre haben dieses Bild ordentlich erschüttert. Man braucht gar nicht auf alles einzugehen, auf jeden off-the-cuff-remark von Franziskus, auf jedes angebliche Scalfari-Interview, auf eine Pachamana, die keine ist, oder doch wieder eine ist... nee, braucht es nicht. Das einfache Weltbild des Katholiken wurde unter Franziskus erschüttert. 

Manche behelfen sich, indem sie in Benedikt XVI immer noch einen Papst sehen. Diesen Franziskus-Kritikern sei jedoch gesagt, dass wir nicht in der aktuellen Lage wären, wenn Benedikt nicht abgedankt hätte. 

Die Spannung zwischen Franziskusverstehern, die alles verleugnen, bis es Franziskus bestätigte, und dann als ganz toll darstellen, und Franziskusfressern, die in Benedikt den einzig wahren Papst sehen, hat sicherlich auch in der Blogozese seinerzeit seine Spuren hinterlassen. Die Gretchenfrage „wie hälst Du es mit dem Papst“ stellte sich auf einmal auch jenen, die bisher papsttreu waren. 

Was macht man da? Der Blick in die heilige Schrift, in die Kirchengeschichte und in die Tradition der Kirche hilft hier. Petrus verleugnete Jesus dreimal, wir hatten die Pornokratie, einige der dem Allmächtigen gesalbten Könige Israels haben sich als Katastrophe herausgestellt.... der höchste aller Engel fiel und riss ein Drittel der Engel mit sich - und das vor dem Sündenfall! Wir lernen, dass, wieder, die Welt nicht so simpel ist.

Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt. Es braucht bei allem Gott. Orientieren wir uns also himmelwärts in diesen Zeiten!

Zum Abschluss senken wir den Blick von den himmlischen Sphären und blicken nochmal auf die Gegenwart. Wat soll dat jetzt mit diesem Beitrag? Wie schon angedeutet: gute Frage. Ich habe nicht mehr vor, zu dem katholischen Community-Klatsch-und-Tratsch noch meinen Senf dazuzupacken. Mal ganz davon abgesehen, dass, wie oben schon gesagt/vermutet: Die Blogozese, wie es sie einst gab, ist, soweit ich es sehe, tot. Andere tun denke ich wirklich sinnvolle Arbeit in der Weitergabe des Glaubens, da brauch ich nicht auf diesem Blog zum xten Mal die eigentlich selbstverständlichen Positionen der Kirche zu betonen.

Vielleicht (da wären wir wieder beim Moin Moin ;) ) kehre ich zum Ursprung des Blogs zurück. Schreibe über Gott und die vernerdete Welt. In den letzten Monaten habe ich mir gerade über eine Schnittmenge der Themenkomplexe Religion und technologischer Fortschritt einige Gedanken gemacht. Who knows, vllt schreibe ich dazu was. Da diese Gedanken durchaus weird werden könnten würden wir damit auch dem Motto der werten Patronin dieses Blogs gerecht werden.

In diesem Sinne

St. Dymphna, ora pro nobis!

Freitag, Oktober 23, 2015

Zehn Jahre und ein paar Zerquetschte!

Auch wenn ich so gut wie nicht mehr blogge - mir fällt nichts ein! - will ich doch nicht versäumen, mir zu meinem zehnjährigen und viertagigen zu gratulieren!

Zehn Jahre Bloggen... was ist da nicht alles passiert! Ich fand viele Freunde, meine Liebste, hatte viel Spaß... Danke! Gott vergelts!

Ich muß gestehen, daß ich in letzter Zeit oft überlege, diesen Blog zu schließen. Ich lasse davon jedoch ab, da es auch bei mir "sag niemals nie" heißt. Wer weiß, vielleicht laufe ich irgend wann mal wieder zu Hochtouren auf?


Donnerstag, Juni 11, 2015

Calling all catholic Evel Knivels

Morgen hole ich eine Schuld aus meiner Jugend nach und mach meine praktische Führerscheinprüfung. Nun ist es nicht so, daß die letzten Übungsfahrten alle fehlerfrei liefen. Bitte betet doch für den kleinen Nerd, daß er morgen besteht.

Samstag, Juni 06, 2015

Warum ich Katholik bleibe #whyIremaincatholic

In der englischsprachigen Blogozese gibt es gerade das Mem mit dem Hashtag #whyIremaincatholic. Ich denke, das kann man hier in der deutschen Szene auch mal fragen. Gerade hier, wo Bischöfe sich das Ausschlachten von lebenden Menschen aussprechen , Bischöfe sich offen gegen das Lehramt der Kirche stellen und im Zuge einer Enzyklika, die ich eher mit Sorge denn mit Freude erwarte kann man die Frage schon stellen.

Warum bleibe ich Katholik? Bleibe ich Katholik, auf jeden Fall?

Kurze Antwort auf die Frage: Ich werde, so Gott will, mein Leben lang Katholik bleiben (korrektur: Ich werde, so Gott will, bis in alle Ewigkeit Katholik bleiben - hienieden in der Ecclesia militans, in Ewigkeit dann in der triumphierenden Kirche, dazwischen sicherlich eine Weile in der leidenden im Fegefeuer). Im irrationalen Fall, daß der Heilige Vater in der kommenden Enzyklika jeden "Klimaleugner" exkommunizieren würde, würde ich zwar nicht mehr die Kommunion empfangen (es sei denn natürlich, meine Überzeugung in dieser Frage wird sich wegen neuen Erkenntnissen ändern) , aber dennoch möglichst jeden Sonn- und Feiertag zur Kirche gehen. Ich würde hinten sitzen bleiben, für die Kirche, den Papst und die Welt beten - wie ich mich kenne, dabei ein wenig hadern - und treu bleiben.

Warum? Letztlich kann es niemand besser ausdrücken als der erste Papst selbst: Domine, ad quem ibimus ? verba vitæ æternæ habes. Selbst wenn ich wollte könnte ich der Kirche nicht untreu werden. Dort, wo Kirche ist, ist Gott, ist die absolute Wahrheit, ist das Ziel jeder anderen Wahrheit.

Ich hatte, wie die Leute, die diesen Blog länger kennen, durchaus Phasen, wo ich mit Gott ziemlich im Clinch war. Doch auch in diesen Phasen konnte ich Gott nicht lang lassen. Denn an zwei Realitäten kommt man trotz aller Widrigkeiten, aller Widerstände im Leben nicht vorbei:

- Gott ist real
- Gott ist die Liebe

Selbst wenn man Gott läßt, läßt Gott einen nicht. Vor ihm ist die Finsternis nicht finster.

Und so stellt es sich eben auch mit der Kirche dar: Wo Kirche ist, ist das Allerheiligste, "da hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut" (HARHAR, NGL-Attacke!).

Ich könnte noch mehr anführen - die intelligenten Köpfe in der Kirche, die Heiligen, die Liturgie selbst, aber letztlich führt alles auf diese Wahrheit: der dreieinige Gott, die absolute Wahrheit, das Ende der Sinnsuche findet sich in dieser Kirche - vollkommen egal, wie Laien, Priester, Bischöfe verhalten.

Was ist für euch der Grund?

Mittwoch, April 15, 2015

Regierungen, Menschenrechte und anderes von Chesterton!

Wie ihr vielleicht wißt, bin ich in der Deutschen Chesterton Gesellschaft aktiv. Im Rahmen dieser Aktivität habe ich einen kurzen Aufsatz von Chesterton zum Thema "Regierung und Menschenrechte" (Government and the Rights of Man) übersetzt. Der interessierte Leser kann diese Übersetzung und (bisher!) zwei andere hier finden.

Samstag, März 21, 2015

Einen Gott namens Wissenschaft...

... und einen Gott namens Daten will Herr Schmiechen in seinem Essay hier verehren. Ich habe weder was gegen Big Data noch gegen Datenanalyse (letztlich ist es z.Zt. mein Hauptmetier und -plaisir auf Arbeit) noch gegen Machine learning. Ein Hobby von mir ist, mich mit algorithmic trading zu beschäftigen. Also: Daten = geile Sache. Soweit gehe ich mit. Ich denke auch, daß viele Ängste bezüglich der Datenmengen im Internet aufgebauscht und übertrieben sind. Soweit vollkommen d'accord. Aber wie zum Geier soll man einen Artikel weiterlesen, der so beginnt?

Die Wissenschaften wurden Jahrhunderte lang als Bedrohung empfunden. Die Menschen sollten glauben und nicht wissen. Doch je mehr sich die Wissenschaft ausbreitete und ihre Verfahren verfeinerte, je genauer sie in der Lage war, die Welt der Dinge um uns herum zu beschreiben, desto kleiner wurde scheinbar der Raum für den Glauben. So empfand es zumindest die Kirche. Bis zum letzten Elementarteilchen verteidigte sie den schwindenden Rest des Unaufgeklärten als Wirkungsort ihres Schöpfers. Eine Taktik, die zum Scheitern verurteilt war. Die Wissenschaft ließ sich nicht aufhalten. Auch nicht mit Gewalt. Galileo Galilei bekam sie zu spüren, weil er zum Missfallen der Kirche verstanden hatte, dass die Erde nicht der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist. Im Jahr 1992 wurde er rehabilitiert. Mehr als 350 Jahre brauchte die Kirche, um zu verstehen, dass Glaube und Wissen sich nicht ausschließen.

Ich habe darauf geantwortet, kann man ja dort lesen. Diese "Glauben vs Wissen"-Sache, die hier aufgebauscht wird, findet sich bei solchen Verehrern des neuen Messias St.!!SCIENCE!!! in einer interessanten Form: Man glaubt der Wissenschaft. Und man glaubt ihr bedingungslos. Jedem noch so beschissenen Artikel, der nur ", Science says." hinter dem restlichen Titel hat, schenkt man sein vollstes Vertrauen. Und solche Leute wollen einem mit "Die Kirche unterdrückt Wissenschaft" kommen? Ich hatte schon vor einiger Zeit über dem Unterschied zwischen guter Wissenschaft und dieser Travestie von Wissenschaft, wie sie sich  bei Big (s)think, teilweise bei TED und Leuten wie Neil deGrasse Tyson und Bill Nye findet, geschrieben. Und allen "I FUCKIN LOVE !!!SCIENCE!!"-Fans - und dem Schreiber der obigen Zeilen - kann ich nur sagen, daß, wenn es soweit kommen sollte,  es eure vollkommen blinde Götzenanbetung einer Wissenschaft, die ihr nicht kennt, sein wird, die uns in ein Zeitalter der Geistesfinsternis stürzen wird.

A propos Finsternis: Genug geärgert, ich schlafe jetzt. Nacht.

Freitag, März 06, 2015

Die Kollision ganzer Universen

Ich glaube manchmal, daß meine Leidenschaften z.T ein Venn-Diagramm bestehend aus isolierten Kreisen ergebne würden. So bspw Internet-Nerderei und Katholizismus. Und dann sehe ich das hier auf kath.net:

BOXXY. AUF KATH.NET

Alter, ich bin sowas von mindblown.

Montag, März 02, 2015

Meh, ich hinke hinterher ;)

Sorry dafür.

Also, was für Bücher sind in den letzten Tagen noch dazu gekommen?

- Jürgen Reis, das Peak Prinzip: Ich glaube, daß das das zweite Buch war, was ich mir zum Thema Krafttraining gekauft habe. Es hat mich mit Dingen wie Einsatz-Training und HIT in Verbindung gebracht, was immer noch die Trainingskonzepte sind, die ich für am sinnvollsten halte (auch wenn ich ziemlich schlampig nowadays trainiere - ich könnte bspw jetzt auch was machen). Der reißerische Stil geht einem bloß ziemlich auf die Nüsse. Außerdem habe ich mich deutlich weiterbewegt, weshalb das Buch seit inzwischen fast zehn Jahren nur im Regal stand.

- Alfred Bester - the stars are my destination: Ich habe dieses Buch von meinem Vorgesetzten bei einer Entrümpelungsaktion seinerseits geschenkt bekommen. Auch wenn alle Beschreibungen durchaus vielversprechend sind werde ich es weggeben. Ich habe noch einiges anderes zu lesen, und falls ich dieses Buch lesen will kann ich es mir wieder besorgen.

- Günter Grass - Hundejahre: IN ENGLISCHER ÜBERSETZUNG. Hmpf. Mal ganz davon abgesehen, daß ich nie ein Grass-Fan war, mal ganz davon abgesehen, daß er weder Gedichte schreiben noch die politische Lage erfassen kann, mal ganz von seinerVergangenheit in der Waffen-SS abgesehen - eine englische Übersetzung eines deutschen Werkes muß ich nicht haben ;)

Heute muß ich noch ein Buch aussortieren, aber dazu vllt heute abend. Vielleicht werde ich auch diese "Entmüllungsberichte" auf einmal die Woche reduzieren und ansonsten vielleicht über andere Dinge bloggen. Ma kieken.


Mittwoch, Februar 25, 2015

Und zwei weitere Comics gehen!

Diesmal sind es ein Dragon Ball - Band und ein Donald Duck Band. Letzterer hat eigentlich eine schicke Fantasy-Geschichte als Inhalt, die ich aber schon gelesen habe. Außerdem sind beide ein kleiner Teil einer größeren Sammlung, die ich aber nicht habe. Hätte ich die komplette Sammlung würde es anders aussehen (was es im Fall Uzumaki auch tut - die bleiben auch!)

Montag, Februar 23, 2015

Hinfort, Vagabond!

Nach der sonntäglichen Pause geht es jetzt natürlich weiter. Band fünf vom durchaus sehr guten Manga Vagabond wandert auf den Stapel "auszusortieren". Vagabond ist ein Manga über einen Krieger/Samurai in spe, der das Ziel hat, daß es "unter dem Himmel keinen zweiten" wie ihn gibt, daß er der größte Kämpfer Japans wird. Es ist ein blutiges, aber durchaus gutes Comic, was ich jedem empfehlen kann.

Warum kommt es trotzdem weg? Nun, ich habe es schon gelesen und es steht seit Jahren rum. Ich lese Comics sehr selten ein zweites Mal, weshalb dieses weg kann. (Schlechtes Gewissen habe ich jedoch schon, da mir ein sehr guter Freund Vagabond empfohlen hat)

Sonntag, Februar 22, 2015

Und ein weiteres Buch muß gehen...

Diesmal ist es "Operation Excalibur" von William H. Keith. Dieses Buch spielt in der Welt von BattleTech, nach HeroQuest, StarQuest und der Claymore Saga wohl im Leben jedes Tabletop Spielers einer der ersten Berührungspunkte in die Welt der modernen Zinnsoldaten.

Das, meine Lieben, waren Brettspiele! Claymore Saga mochte ich nicht so sehr, da zum einen der Glücksfaktor ziemlich übel, zum zweiten es etwas imba war. Battle Tech war ein tolles Spiel, zu dem ich jedoch nie den 100%-Bezug wie mein Bruder herstellen konnte - was sicherlich auch daran liegt, daß mein Bruder der krassere Strategiespieer ist. StarQuest und ganz speziell HeroQuest waren schließlich zwei Spiele, die mich nachhaltig zu dem Nerd machten, der ich jetzt bin. Ich spiele zwar kaum noch Brettspiele - was auch daran liegen kann, daß die, die ich spielen will, herendously complicated sind - aber interessieren tut mich die Szene weiterhin - allein, weil das Lesen von Spielmechanismen wahnsinnig Spaß macht.

Back 2 topic: Zu dem Buch konnte ich nie eine wirkliche Bindung aufbauen. Das mag auch daran liegen, daß ich nicht soo der Science Fiction Fan bin, speziell nicht, wenn es nicht - wie teilweise Perry Rhodan - nahe am Mystischen ist. Mein Herz schlug immer für Fantasy. Nun stand das Buch bald zwanzig Jahre bei mir ungelesen herum....