Die Wissenschaften wurden Jahrhunderte lang als Bedrohung empfunden. Die Menschen sollten glauben und nicht wissen. Doch je mehr sich die Wissenschaft ausbreitete und ihre Verfahren verfeinerte, je genauer sie in der Lage war, die Welt der Dinge um uns herum zu beschreiben, desto kleiner wurde scheinbar der Raum für den Glauben. So empfand es zumindest die Kirche. Bis zum letzten Elementarteilchen verteidigte sie den schwindenden Rest des Unaufgeklärten als Wirkungsort ihres Schöpfers. Eine Taktik, die zum Scheitern verurteilt war. Die Wissenschaft ließ sich nicht aufhalten. Auch nicht mit Gewalt. Galileo Galilei bekam sie zu spüren, weil er zum Missfallen der Kirche verstanden hatte, dass die Erde nicht der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist. Im Jahr 1992 wurde er rehabilitiert. Mehr als 350 Jahre brauchte die Kirche, um zu verstehen, dass Glaube und Wissen sich nicht ausschließen.
Ich habe darauf geantwortet, kann man ja dort lesen. Diese "Glauben vs Wissen"-Sache, die hier aufgebauscht wird, findet sich bei solchen Verehrern des neuen Messias St.!!SCIENCE!!! in einer interessanten Form: Man glaubt der Wissenschaft. Und man glaubt ihr bedingungslos. Jedem noch so beschissenen Artikel, der nur ", Science says." hinter dem restlichen Titel hat, schenkt man sein vollstes Vertrauen. Und solche Leute wollen einem mit "Die Kirche unterdrückt Wissenschaft" kommen? Ich hatte schon vor einiger Zeit über dem Unterschied zwischen guter Wissenschaft und dieser Travestie von Wissenschaft, wie sie sich bei Big (s)think, teilweise bei TED und Leuten wie Neil deGrasse Tyson und Bill Nye findet, geschrieben. Und allen "I FUCKIN LOVE !!!SCIENCE!!"-Fans - und dem Schreiber der obigen Zeilen - kann ich nur sagen, daß, wenn es soweit kommen sollte, es eure vollkommen blinde Götzenanbetung einer Wissenschaft, die ihr nicht kennt, sein wird, die uns in ein Zeitalter der Geistesfinsternis stürzen wird.
A propos Finsternis: Genug geärgert, ich schlafe jetzt. Nacht.
2 Kommentare:
Ha sauber, Galileo, der einfach nicht erklären konnte, warum man von der Rotation der Erde nichts merkt, also eine Frage die sich nur dann stellt, wenn man wissenschaftlich denkt, als verfolgten Erforscher der Elementarteilchen darzustellen, schon klasse.
Und überhaupt wer hat denn die Physik geschaffen? Wer die Elementarteilchen? und den angeblich supertollen, widerkirchlichen Urknall, der findet sich schon bei Hildegard von Bingen (11hundertungrad) in "Causa et Curare" zu Beginn: "Als Gott sprach " es werde Licht", sah ich aller Welt Materie hervorgehen in der Gestalt eines ungeformten Klumpens!"
Und überhaupt wenn die Herren Wissenschaft ist cool, was sie auch ist, mal ein bisschen über den Tellerrand blicken täten und sich mal ein bisschen mit den Esofans auseinandersetzen täten, also so ignorant, unlogisch und daneben, das hat die Kirche noch nie fertig gebracht!
Von wegen das Licht der Wissenschaft vertreibt das Licht des kirchlich generierten Obskurantismus, man hat manchmal den Eindruck als sei es umgedreht, nur das die Kirche damit nix zu tun hat
Am meisten stört mich natürlich jener Satz: "Bis zum letzten Elementarteilchen verteidigte sie den schwindenden Rest des Unaufgeklärten als Wirkungsort ihres Schöpfers." Dies klingt doch irgendwie so, als hätte die Wissenschaft alles erklärt. Dabei hat die Wissenschaft weder alles erklärt, noch hat sie den Anspruch dazu. Zumindest gilt dies für die Wissenschaft des 21. Jh., denn das Dogma der Allwissenheit des Menschen ist ja schon vor hundert Jahren an eine Grenze gestoßen, die es nicht überwinden konnte. Warum bin ich als Theologe mit nem halben Dutzend Physiker befreundet, aber mit keinem Biologen? Weil die meisten Biologen keinen Raum für das Nicht-Wissen-Können lassen. Sie leugnen, nicht theoretisch, aber praktisch, dass es einen echten Zufall geben kann und daher ist ihre ganze Weltsicht deterministisch und somit atheistisch. Berühmtestes Beispiel ist Edward O. Wilsons Satz: Genetic chance and environmental necessity, not God, made the species. Zunächst ist das schlechte Philosophie, so als könnte Gott nicht auch durch die Evolution etwas schaffen, dann ist es aber vor allem schlechte Wissenschaft. Chance ist ein Nicht-Wissens-Prinzip, Necessity ein Wissens-Prinzip und er tut so als wäre die Kombination aus beidem wiederum ein richtiges Wissen.
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