Dienstag, März 08, 2022

Hilf uns im Streite - St. Michael und die aktuelle Krise

Das Gebet zum Erzengel Michael gehört irgendwie zu meinem Arsenal wenn es um unheimliche Situationen geht. Sei es ein mulmiges Gefühl nach Anschauen eines weirden ARG Marke Slenderman, sei es, dass man sich in seiner Wohnung auf einmal extrem unwohl fühlt - immer hat das Gebet, welches auf Papst Leo XIII. zurückgeht, mir helfen können.

Das Gebet ging so stark in Fleisch und Blut über, dass ich es in Alpträumen bete. Vor einiger Zeit - ich las gerade das rote Buch von Carl Gustav Jung - hatte ich mehrfach in verschiedenen Varianten einen Traum, dass mich der Leibhaftige überwinden wollte. Ich betete das Gebet, häufig im Traum wie um die richtigen Worte ringend und wachte jedes Mal auf, wenn ich Amen sagte.

Obschon der Kontakt zum inneren Schatten fruchtbar sein soll habe ich nach wiederholten Träumen in der Richtung die Lektüre des roten Buches abgebrochen. Zu stark war mir der Tobak. Was aus dieser Zeit blieb war, dass neben meinem Bett nun immer mein Smart Phone liegt. Sollte ich aufwachen und mich an einen Traum erinnern können nehme ich mir nun Notizen auf. Das Ganze ist nun auf eine Sammlung an fast 500 Audiosnippets gewachsen. Vernerdet wie ich nunmal bin schreibe ich mir die Themen auf, versehe diese a posteriori angelegten Traumtagebücher mit Tags und kann so sehen, welche Themen in meinen Träumen häufig vorkommen und welche nicht. Schrieb CG Jung noch "Man and his symbols" und Viktor Frankl "Mans search for meaning" werde ich wohl "Man and his hobbies" und "Mans search for Nerddom" schreiben. Whatevs.

Die Rückkehr der Dämonen und die Antwort von St. Michael


Am 20. Februar 2022 habe ich seit langer Zeit mal wieder einen sehr weirden Traum gehabt. Wie so häufig in Träumen hatte das Ursprungsthema nichts mit dem späteren zu tun, deshalb springe ich gleich zum Ende.

Ich träumte, dass auf den Smartphones aller Menschen ein unheimlicher Mensch mit Hoodie erschien. Man sah nicht seine Augen, man konnte kaum etwas von seinen Gesichtszügen ausmachen. Auf den Smartphones aller Menschen näherte sich diese Figur dem Bildschirm, quasi um aus diesem virtuellen Raum in die Realität auszubrechen.

Im Traum wusste ich, dass es sich hierbei um den Teufel handelte. Ich fing also an, zum Heiligen Erzengel Michael zu beten. Im Hintergrund der Handybilder sah man während dieses Gebetes, wie ein Engel mit einem Flammenschwert erschien. Man sah, wie nach und nach das unheimliche Bild durch einen Feuerschein erleuchtet wurde. St. Michael stieg herab vom Himmel um die Menschheit zu retten.

Ich versuchte befreit zu lächeln, jedoch war das Beten, wie es oft in den Träumen war, zu anstrengend und so fletschte ich eher in einer Art geistigem Kampf die Zähne. Wie auch in den anderen Träumen wachte ich, nachdem ich "Amen" betete, auf.

Der Kampf auf mehreren Ebenen


Der Traum beschäftigt mich - mehr als die Träume, welche ich 2020 hatte. Erstens war ich, anders als zu den damaligen Träumen, nach diesem heiter und konnte bald einschlafen. Irgendwie schwang, trotz des absurden Themas, eine Hoffnung mit.

Zweitens habe ich mehrfach an den Traum nach den katastrophalen Entwicklungen in der Ukraine gedacht. Die Welt steht an einem Scheideweg. In die eine Richtung kann es zum dritten Weltkrieg, zu Katastrophen ohne Ausmaß und zu unglaublichen Leiden führen. In die andere Richtung kann die Ära des Friedens weiter gehen - und vielleicht dabei wirklich eine großartige, neue Zeit für die Menschheit kommen.

Wir sind mehr und mehr durch die Nachrichten in den Medien beeinflusst. Marshal McLuhan sagte, dass der Mensch im Globalen Dorf in einem Zustand konstanten Terrors leben wird. Kein Wunder, dass viele das innere Exil suchen und aus diesen Cesspools der sozialen Medien ausbrechen. Ich tat es auch, so dass man mich auf Facebook und Twitter nicht mehr finden wird.

Vielleicht ist das ein Teil der Antwort. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir, die Botschafter von dem Christus, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist, einen Auftrag haben. Wir müssen diese Welt mitprägen. Wir können dafür sorgen, dass die grandiosen Technologien von heute und morgen zum Guten der Menschheit genutzt werden - und so Werkzeuge Gottes und nicht des Teufels sind. Entsprechend sollten wir nicht einfach die innere Emigration wählen, sondern - selbst wenn wir uns von den sozialen Medien verabschiedet haben - in irgend einer Form einen Kontrapunkt setzen. Ich blogge aktuell kaum, versuche aber, wie auch mit diesem Beitrag, auch nur dann etwas zu schreiben, wenn ich meine, dass dies nicht einfach in der "Blogozöse" teilenswert ist. Ähnliches können wir alle machen.

Doch insbesondere die spirituelle Lektion, die ich in meinen Träumen lernte, lässt mich nicht in Ruhe. Wir wissen, in welchem Moment Papst Leo XII. das Gebet an den Heiligen Erzengel Michael geschrieben hat. Wir wissen, wovon das darauf folgende Jahrhundert geprägt war. Und wir wundern uns, dass dieses Gebet, welches wie ein Gebet für unsere Zeit sein könnte, aus der Liturgie der Kirche verschwunden ist.

Mir geht es jetzt weniger um Liturgiereform vs. alter Ritus (oder ordentliche Form vs außerordentliche Form oder Whatevs), sondern im positiven um diesen Engel, dieser zentralen Gestalt im Kampf zwischen Gut und Böse. Jüngst saß ich in der Kirche und dachte an diese absurde Situation innerhalb eines Reenactments der Apokalypse. Innerhalb kürzester Zeit erleben wir das nun wieder. Und wieder sitze zumindest ich die meiste Zeit in Jogginghose zuhause bzw. gehe meinem sonstigen Tagesgeschäft nach. Es ist wie ein seltsamer Widerspruch. Stell Dir vor, es ist Apokalypse und Du bist im Schlabberlook.

Ja, das Gericht kommt wie der Dieb in der Nacht (fun fact: Ich penne gerne in Jogginghosen) und auch der Teufel erschien mit seinem tief ins Gesicht gezogenen Hoodie wie ein solcher. Doch wir können diese Nacht zum Leuchten bringen. Wir können jenen, dessen Ruf מי כאל durch den Himmel hallte, anrufen und so die Finsternis vertreiben. Und so bemühe ich mich nun, jeden Tag für den Frieden in der Ukraine, in Europa und in der ganzen Welt zu beten:

Heiliger Erzengel Michael

beschirme uns im Kampfe

gegen die Bosheiten und die Nachstellungen des Teufels sei Du unser Schutz.

"Gott gebiete ihm" - so bitten wir flehentlich.

Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,

stürze den Satan und die anderen bösen Geister

die durch die Welt ziehen

um die Seelen zu verderben

mit der Kraft Gottes hinab in die Hölle.

Amen

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