(Hach, ist das schön, wenn man an uralte Posts anknüpfen kann)
Man merkt, daß ich mich in letzter Zeit mit dem Posten etwas schwertu. Geistbraus hat vor einigen Tagen etwas zum Bloggersterben geschrieben, wo ich zwar nicht mit gemeint war, aber mich auch daran erinnerte, daß hier mal mehr los war. Generell tut sich bei mir ja leider
wenig, was verschiedene Gründe hat:
1.) Ich werde hoffentlich in Zukunft deutlich mehr an einer weiteren Front arbeiten. Ein Artikel wurde diesbezüglich schon geschrieben, ein weiterer ist in der Pipeline.
2.) Ich nehme einen Generationenwechsel in der Bloggerszene wahr. Blogs,
die ich nicht mal beim namen kannte, gingen vollkommen an mir vorbei.
Ich bin nicht mehr auf dem Laufenden. (Ok, fairerweise gibt es natürlich weiter Blogs, denen ich eifrig folge, es kommen auch immer wieder neue hinzu.
3.) Mein Arbeitsumfeld hat sich geändert. Konnte ich im Studium oder
während der langen Messnächte meiner Promotion fröhlich bloggen ist mir
das jetzt auf Arbeit nicht mehr möglich. Und nach Feierabend sitze ich
eigentlich immer mit meiner Frau zusammen oder arbeite an verschiedenen
Projekten.
Zu 4.) kommen wir nun zum Hauptteil des Blogposts. Tadaah!
4.) Durch
das Pontifikat Franziskus' ist ein Graben entstanden, der vorher
zumindest noch nicht so sichtbar war. Zu Benedikts Zeiten waren alle
Katholiken, die das Credo wirklich glauben, mehr oder weniger eine
Einheit. Nun gibt es gute Katholiken (ich kenne einige, die gerade im aktuellen Pontifikat zu einem sehr lebendigen Glauben gekommen sind, dafür danke ich Gott und dem Vicarius Christi, Franziskus, sehr). Es gibt dabei dann auch die, die in Franziskus den größten
aller Päpste sehen, andere tun dasselbe mit Benedikt, ärgern sich deshalb über Franziskus und Leben ein Motto, was ich mit WWBD beschreiben würde. Dritte wiederum sehen in
Benedikts Rücktritt (und nicht einfach in Franziskus' Pontifikat) den
großen Bruch. Die Welt ist komplizierter geworden. Früher konnte man
nach irgendwas von Wisiki etwas Luft auf seinem Blog ablassen und wurde
von der Blogger-Community gestärkt. Heute muß man sich klarmachen, daß
man gegebenenfalls eines dieser Lager angreift.
Sicherlich ungewollt ist Franziskus zu einem Zeichen geworden, was
spaltet. Ich habe zur Zeit den Eindruck , daß in seinem Pontifikat sich
die Haltungen und Fehlhaltungen einzelner offenbaren.
So scheint es auf der einen Seite Leute zu geben, die quasi jedes Wort
des Heiligen Vaters für eine ex cathedra-Äußerung halten. Ich erinnere
dabei nur an das Scalfari-Interview, was anscheinend ohne viel
proofreading übernommen wurde (und erstmal vehement verteidigt wurde) und ähnliche Entgleisungen der
vatikanischen Medienarbeit. Ich erinnere an die Leute, die jedem
Papstkritiker sofort unterstellten, sich an die Stelle des Heiligen
Geistes stellen zu wollen. Schließlich gibt es die Leute, die die Demut
des Papstes an einer geliebte Aktentasche, an orthopädischen, schwarzen
Schuhen oder an seinem Unwohlsein ohne Gemeinschaft messen wollen.
Auf der anderen Seite sieht es nicht wirklich besser aus: es gibt dort
allen Ernstes Leute, die die Katholizität eines Papstes eben an roten
Schuhen, dem Bewohnen des Apostolischen Palastes oder Kniebeugen messen
wollen. Es gibt Leute, für die der Papst letztlich nichts richtig machen
kann, man wird überall das sprichwörtliche Haar in der Suppe finden.
Ja, es gibt sogar diejenigen, die ihre Mitgliedschaft in der Kirche nur
unter gewissen Bedingungen weiterführen würden (Frei nach dem Motto "Wenn der Papst das und das macht gehe ich zu den xyz!")
Ich möchte über die verschiedenen Lager nicht meckern, ich denke sogar, daß bei den allermeisten Vertretern ein guter Wille und ein großer Glaube vorhanden ist. Es wurde bloß durch diesen oben beschriebenen Bruch eine Frage mir wieder gegenwärtig, mit der ich die erste Zeit nach dem Ableben vom Heiligen Johannes Paul II. zu kämpfen hatte. Damals konnte ich mich mit der Frage nicht gut beschäftigen, mein Leben damals war gespickt mit verschiedenen Krisen, weshalb eine leichte Glaubenskrise draus wurde. Nun gehöre ich ja zu der arrivierten Klientel, habe die tollste Frau der Welt an meiner Seite und eines der größten Leiden ist, daß ich gute 200km von meiner eigentichen Heimatstadt entfernt bin. Mir geht es also ziemlich gut.
Schon vor sieben, acht Jahren habe ich mich gewundert, wie schnell ein Pontifikat und vieles, was es ausmachte, auf einmal egal sein konnte. Dieselben Leute, die im ersten Quartal 2005 noch von "Johannes Paul dem Großen" sprachen, haben ein Jahr später zwar immer noch freundliche Worte gefunden, die aber auf einmal ganz anders klangen. Das hat sich nun, wie man eigentich am prominentesten Beispiel der roten Schuhe gesehen hat, wiederholt. Waren 2012 rote Papstschuhe noch was extrem tolles, war das ein Jahr später nicht mehr relevant. War 2012 der Gedanke eines Papstrücktrittes noch etwas zwar absolut nicht undenkbares, aber etwas, was unter Ausnahme rangieren würde, wird nun darüber diskutiert, ob das nicht generell ein gangbarer Weg sei (hier hat übrigens meiner Meinung nach LePenseur recht ruhige Worte gefunden). Ein Novum unter diesem Pontifikat sind die, die von vielem so entsetzt sind, daß sie beizeiten nachfragen, ob sie im richtigen Verein sind.
Diese Gedanken haben mich im letzten Jahr viel beschäftigt, da ich irgendwo zwischen den Begeisterten und den Kritikern stehe. Ich kann natürlich weder die Probleme der Welt noch der Kirche auf einem kaum gelesenen Blog lösen - Hand aufs Herz: Ein Blog ist zu großen Teilen einfach auch ein Ort, wo man seine Gedanken niederschreibt. Aber diese Gedanken, die mir halfen Papsttreue zu definieren kann ich hier weitergeben. Letztlich in einem Satz:
Der Papst, wer immer er ist, ist Nachfolger Petri
Als ich im Frühjahr auf Besinnungstagen war kam mir in einer (passenderweise übrigens jener vom Heiligen Vater erbetenen) Stunde vor dem Allerheiligsten der Gedanke. Betrachten wir dazu kurz das Auserwählte Volk des Alten Bundes: Ja, es hatte unter den Königen und Priestern immer wieder arge Sünder gegeben, und ja, Gott war über sein Volk erzürnt. Und doch konnte nichts die Verheißung, die Gott seinem Volk gab, zunichte machen. Das Auserwählte Volk blieb, trotz allem, das Auserwählte Volk. Das bedeutete natürlich auch umgekehrt, daß König des Auserwählten Volkes zu sein, nicht bedeutete, über alle Kritik erhaben zu sein - Wie heftige Worte von Jesaja etc bewiesen!
Diese zwei Wahrheiten finden sich in der Kirche wieder: Die Kirche, von Gott gegründet, der mystische Leib Christi, bleibt dies, egal, was seine Anhänger tun.
Das macht sie natürlich auch nicht gegenüber aller Kritik erhaben! Gott sandte, wenn das Volk mal spann, seine Propheten, die dem Volk Gottes die Leviten las. Ich habe an anderer Stelle über die Aufgabe der Propheten geschrieben. Die Heilige Katharina von Siena war eine solche Prophetin, hat in Liebe und Demut den damaligen Papst kritisiert - und die Kirchengeschichte gab ihr recht.
Was lernen wir daraus? Ich denke, daß es drei Lektionen sind, die jeweils daraus erwachsen:
1.) Der Papst ist Nachfolger Petri: Innere Trotzreaktionen Marke "Wenn Papst xyz das und das macht/zuläßt werde ich Orthodox/Piusler/Sedi/whatevs" sind hier fehl am Platz. Die Kirche bleibt DIE Kirche, egal was geschieht. Will man wirklich dieses wunderbare Gut, zu dem wir ohne eigenes Zutun kamen, aufgeben?
2.) Der Papst ist Nachfolger Petri: Wann immer man Kritik üben muß, sollte man sich klar machen, zu welchem hohen Amt Gott diesen Menschen berufen hat. Bringen wir dementsprechend die Kritik vor.
3.) Wer immer der Papst ist, ist Nachfolger Petri: Wenn jemand obige beide Grundsätze ohne papistische Begeisterungsstürme erfüllt, sollte das Leuten reichen. Man kann Gehorsam und Liebe gegenüber dem Papst einfordern, nicht jedoch subjektive Sympathie.
Letztlich gilt bezüglich des Grabens, der im Augenblick zwischen Fans und Kritikern ist, dasselbe wie ich im oben verlinkten Artikel über die Rolle der Propheten sagte: Machen wir uns doch klar, daß wir nicht nur alle im selben Boot sitzen (nämlich im, pun intended, Kirchenschiff), sondern gemeinsam auf dasselbe Ziel zusteuern. Wie auf einer großen Galeere mag es hier auch Unstimmigkeiten geben. Behalten wir aber mit dem Papst das gemeinsame Ziel im Auge!
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