Wie im meinem Artikel über die Hochzeitsreise angekündigt, gab es eine kleine Sache bei der Papstaudienz, über die ich etwas unglücklich war, und zwar, daß es keinen besonderen Segen für Neuverheiratete gab bzw. daß nur die so genannten Prima Fila-Leute in näherem Kontakt mit dem Heiligen Vater treten konnten. Für uns Neuverheiratete war die Audienz einerseits zwar aus nächster Nähe (zweite Reihe, um genau zu sein, guckst Du hier auf Seite 34) was schönes und eine Ehre, jedoch hab zumindest ich mich doch primär am Monitor orientiert, denn schließlich hieß auch erste Reihe nicht, daß man in drei Metern Entfernung saß (was vollkommen verständlich ist!).
Es ist vollkommen klar, daß für den Heiligen Vater, nicht nur in seinem Alter sondern bei all den Widerfahrnissen, mit denen der diabolos die Kirche gerade beutelt (vatikan leaks etc), eine solche Audienz was sehr anstrengendes ist. Daß dementsprechend die Anzahl der Menschen, die ein kurzes Gespräch mit ihm führen können, begrenzt wird, ist klar. Und sicherlich haben die Prima Fila-Damen und Herren es wirklich verdient, eben Prima Fila zu sein, ich möchte auch nicht über sie meckern. Es geht mir auch nicht darum, daß man etwas betrübt darüber ist, daß, nachdem man doch als nicht gerade reiches Ehepaar ein wenig Kosten und Mühen (man erinnere sich an die Geschichte mit Hermes!) auf sich nahm, man nur vom offizellen Vatikanphotographen abgelichtet wurde (im Video hab ich uns nicht gefunden). Nein, es ist weniger persönlicher Groll (auch wenn, man ist ja Mensch, er sicherlich eine Rolle spielte), sondern eher ein Gedanke dazu.
In einer Gesellschaft, in der das Wort der Kirche oft nicht mehr wahrgenommen wird, ist, wie man beispielsweise bei den Debatten um das Betreuungsgeld sieht, der Wert der Familie ziemlich ins Hintertreffen geraten. Selbiges läßt sich über Obamas Sympathie für die Homoehe sagen, generell für das Geseire "Na ja, wenn zwei sich lieben, sollen sie doch heiraten dürfen", für die Angriffe auf die Familie als kleinste unabhängige Zelle der Gesellschaft. Die ganzen "Heimchen am Herd"-Debatten zeigen, daß oft nur noch der einzelne "der es zu was gebracht hat" zählt, Ehefrau vs Powerfrau könnte man es subsumieren.
Hier wäre ein Zeichen der Kirche wichtig, daß man diese jungen Ehepaare schätzt, die (wir unterstellen eine gültige Ehe mit korrekten Intentionen) das Ziel haben, eine christliche Familie zu gründen. Sie sind schließlich die Bausteine der Gesellschaft von morgen.
Wie gesagt, ich möchte niemanden der Prima Fila Kandidaten am Zeug flicken, und es geht auch nicht darum, daß man diese bei den Audienzen ignorieren (oder nur kurz am Ende erwähnen) soll; es sind alles Leute, die sich für die Kirche sehr verdient gemacht haben. Aber auch hier ist doch auch der Wert des Menschen "der es zu was gebracht hat" zu sehen. Sicherlich "zu was gebracht" zum Segen der Kirche, aber trotzdem wird die Leistung eines Menschen (zu Recht) honoriert.
Bei aller Freude über die Audienz bleibt halt bei mir ein kleines Gschmäckle über, etwas Wehmut, daß, wenn mein Schatz und ich eine normale Familie gründen, wir dem Heiligen Vater nie näher als so weit kommen werden. Und dort doch meiner Meinung nach etwas ignoriert wurden.
Was wäre meiner Meinung nach eine Lösung? Na ja, ein kleiner Extrasegen wäre doch für uns noch drin gewesen. Kurz zwei, drei Worte daß viele Heiligen durch ihre Eltern die religiöse Erziehung genossen etc. - das wärs doch schon. Es werden schließlich Pilgergruppen aus aller Welt deutlich erwähnt, haben einen kurzen Moment, bei dem sich die Aufmerksamkeit auf sie konzentriert - das wär doch auch was für uns!
Wie dem auch sei - es war trotzdem eine schöne Audienz! Was mir sehr gefallen hat, war, wie nach der Audienz man von allen Seiten Gratulationen hörte :) Und da generell diese kleine Kritik nicht so wichtig wie die Freude ist, werde ich artifiziell diesen Post hinter die Hochzeitsreise schieben. Ich kleiner Schlingel.
2 Kommentare:
Durch das Hintendranschieben ist mir der Post entgangen. Ich Trinchen, ich.
Ich weiss leider nicht, was Prima-Filia Kandidaten sind.
Ich dachte immer, die "Brautkleider" (daran erkennt man die frischverheirateten Paare wohl am leichtesten) würden nach der Audienz rausgewunken und noch mal kurz eine eigene Audienz bekommen. Dass das auch eine ziemliche Massenangelegenheit werden kann steht auf einem anderen Blatt.
Schade.
So viel dazu.
Im katholischen Verständnis gehört zu einer Ehe mehr als "wenn 2 sich lieben". Das wissen wir wahrscheinlich alle, die Details kennen wir spätestens seit dem Traugespräch.
Das unterscheidet die katholische Ehe von der standesamtlichen. Die Zivilvariante scheint mir recht beliebig geworden zu sein. Da ist die Ausweitung auf Homosexuelle nur ein logischer Schritt.
Die Welt tut was sie nun mal tut. Daran kann man sie nur begrenzt hindern. Man muss aber auch nicht alles mitmachen.
Ich finde es imemr traurig, wenn für all' die Berufe Fürbitte gehalten wird, denen man Wichtigkeit zuschreibt und darüber die "unsichtbaren" Helden des Alltags vergessen werden, die, weil sie nur Helden und keine Superhelden mit Superkräften sind, sowohl den Zuspruch über die Meta-Mitteilung "ich denk an dich" als auch das Gebet gut brauchen können: die Familien, die ihre Angehörigen pflegen, die Mütter und Väter, die ihre Kinder grossziehen ohne damit Schlagzeilen zu machen, die Kinder, die Verantwortung in der Familie oder auch schon in der Gesellschaft übernehmen und die dabei merken "das ist schwer".
Diese unsichtbaren Helden sieht niemand- ausser dem, auf den es ankommt. Gott bemerkt die Kleinen, Unwichtigen und Vergessenen.
Die Wichtigkeit, Kinder nicht nur zum "Institutionenkarrussel Kirche" zu fahren, sondern zu Hause mit ihnen und für sie zu beten, ihnen Jesus nahe zu bringen, sie mit der Bibel gross werden zu lassen- dieser Herausforderung müssen/sollten sich katholische Eltern stellen. Auch wenn das vor lauter Kindergruppenleiterinnentreffen oft hintenrunter fällt.
Ich habe letztens aus meiner Gemeinde eine ältere Dame explizit um ihr Gebet gebeten. Jemanden, bei dem ich das Gefühl hatte, sie würde mit dem Herzen beten und nicht nur kurz "ja, mach ich" murmeln.
Das Bewusstseim dahin zu lenken, dass Familie auch eine Berufung ist, eine Berufung, auf die die Kirche sich verlassen muss, ist schwer. Zu oft wird es entweder als "ach, das sind doch nur die Kinder, wie niedlich" angesehen oder als Dauerproblemfall.
Familie- die Priester, Diakone, Ordensleute und auch die Kirchenbankbesetzer in 30 Jahren.
Die Sakramente machen Gottes Heilswirken auf Erden sichtbar. Und so sollte auch die Ehe gelebt werden als sichtbares Zeichen. Die Kirche muss dieses Zeichen unterstützen damit es Rückhalt behält bzw wieder bekommt, trotz und gerade wegen allen Spassgesellschaftsideen, die politisch umgesetzt werden, damit Familie weiter oder wieder normale Realität wird.
Cassandra, du brauchst Dich hier nicht als Trinchen bezeichnen, schließlich war ich der Bösewicht, der diesen Artikel nicht an die Blogspitze setzte.
Zum Rest hast Du meine 100% Zustimmung. Gerade in unserem Glauben wird auf den Wert der kleinen Dinge abgehoben. Gott zeigt sich Elija nicht im Feuer oder Sturm, sondern im Säuseln. David besiegt Goliath. Der Löwe stammt nicht aus dem Stamm Josef (dem grandiosen Josef), nicht aus dem Stamm des Erstgeborenen, Ruben, sondern aus dem Stamm Juda, Juda, irgendeiner der mittleren Brüder, der sich mit den anderen an Josef schuldig machte. Gott liebt das Heil aus unerwarteter Richtung.
Sicherlich ist ein Beispiel hierfür das Wirken gewisser Orden, aber ein zweites, sehr wichtiges Beispiel ist die Familie, die still innerhalb der Gesellschaft wirkt und diese bessert, erhält.
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