So, vielleicht sollte ich doch mal was zu der aktuellen Situation schreiben. Sicherlich ist es wirklich schlimm, daß zur Zeit so viele Mißbrauchsfälle an die Öffentlichkeit kommen. Es ist ein Drama, daß es in unserer Kirche anscheinend einerseits Schweine gab, die sich an Kindern und Jugendlichen vergriffen, andererseits Duckmäuser, die den Mantel des Schweigens darüber gedeckt haben. So was gehört verfolgt und vielleicht ist hier wirklich das Herrenwort bezüglich der Kinder wieder öfter zu betonen. Auch die Wahrheit der Hölle sollte hier vllt mehr betont werden. Also, sicherlich mag es hier sein, daß Mitglieder der Kirche sich hier schlecht verhalten haben.
Aaaaaber....:
- In der Taz stand vor kurzem "Der Fall des Katholizismus" - und da mußte ich doch schmunzeln. Erstens hat die Kirche viel schlimmere Krisen durchgestanden, und zweitens muß ich (Betroffene natürlich ausgenommen!) auch hart sagen, daß, wenn Leute deshalb aus der Kirche austreten, sie nicht verstanden haben, was die Kirche ist. Wir streben zwar danach, vollkommen, wie der Vater im Himmel zu sein, sind aber hienieden immer noch die streitende Kirche. Die Kirche voller Sünder... Und das merkt man gerade schmerzlichst.
- Wo ich nicht schmunzeln konnte, sondern mir schlecht wurde, war, als ich in irgendeinem Promi-blättchen von diversen Sternchen gelesen habe, die nun "ihr Schweigen brechen". So gab es dann einige, die vor zehn, zwanzig Jahren (längst nicht nur von Christen) mißbraucht wurden und nie darüber sprechen konnten. Jetzt aber endlich finden sie den Mut, an die Öffentlichkeit zu treten.
Das mag bei dem einen oder anderen wirklich stimmen. Sicherlich ist so eine schreckliche Erfahrung in der Kindheit wirklich etwas grausames, über das man vielleicht wirklich lange Zeit nicht reden kann. Aber verzeiht mir meine Bosheit, das Pattern ist doch zu stereotyp. Es ist doch interessant, daß jetzt, wo die Presse voller Mißbrauchsfälle ist, auf einmal Promi-Mißbrauchsopfer nach vielen, vielen Jahren (nach denen man den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kaum noch überprüfen kann, aber das ist noch was anderes) nun plötzlich den Mut finden, um ihre persönliche Nemesis zu überwinden. Nein, zumindest teilweise sehe ich dahinter eher eine tolle PR-Masche, sich mal wieder ins Gespräch zu bringen, vor allem, wenn manche besagter Promis wirklich ein Händchen dafür hatten, immer auf der Welle der aktuellen Bildmode zu schwimmen (zu "wir sind Papst"-Zeiten Christ zu sein, wenn Dawkins ein Buch schreibt, die Evolutionstheorie erfunden zu haben etc.). Und dabei wird mir kotzübel.
- Oh, a propos Taz und Speiben: Wie nun schon öfter in der Blogozese angesprochen, ist es interessant, welche Hunde hier am lautesten bellen. Da hört man aus Linken Kreisen ungeheure Empörung, aus den Linken Kreisen, die immer noch einen Pädophilen in einer allgemein anerkannten Partei dulden, die einst betreffs Pädophilie ganz andere Ziele verfolgten als es heute den Anschein hat. Oh ja, ob solcher Heuchelei muß ich kotzen.
- Irgendwie wird meine Übelkeit nicht besser, wenn ich sehe, wie geschickt man Mißbrauchs- und Mißhandlungsfälle in einem Atemzug erwähnt. Nicht, daß ich letztes gut heiße; ich wurde als Kind nie geschlagen und bin strikt gegen "erzieherische Ohrfeigen" und ähnliches. Es sind jedoch zwei verschiedene Paar Schuhe! Es ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn man hier keine strikte Trennung macht.
Nebenbei hat mein Laborkollege hier etwas wichtiges bemerkt, nämlich die Heuchelei betreffs der Mißhandlungsfälle. Daß früher an Schulen, ja, und leider anscheinend auch/zumindest im öffentlichen Empfinden gerade an kirchlichen Schulen die Kinder geschlagen wurden etc. ist lange bekannt, so lange, daß ich es noch als geflügeltes Wort kenne, von dem Orden der unbarmherzigen Schwestern betreffs einer von den Barmherzigen Schwestern betreuten Einrichtung zu sprechen. Und nun kommen alle aus dem Mußtopf und empören sich! Lächerlich.
- Eine letzte Sache betreffs Priestern, die Kinder mißbrauchen. Das ist jetzt wirklich nur meine Erfahrung und soll AUF KEINEN FALL die Mißbrauchsfälle/verdachte bagatellisieren. Mir ist gerade bei älteren Priestern aus Spanien und Lateinamerika aufgefallen, daß sie gegenüber einem jungschen Typ wie mir herzlicher sind, als man es als Nachfahre der gefühlskalten Germanen so gewöhnt ist. So hat sich im Gespräch ein Priester mal bei mir eingehakt. Klar dachte ich mir darauf "....okay", aber trafen hier eher zwei Distanzempfinden aufeinander als daß der werte Pater mich angraben wollte. Ähnliches ist mir mit einem Lehrer im Schwabenländle passiert: Ein Lehrer (von dem wir alle vermuteten, daß er schwul war, nebenbei gesagt), hat mir bei den Bundesjugendspielen durchs Gesicht gestreichelt. Das fand ich widerlich, aber sah es eher im Spaß als sexuelle Annäherung.
Ich sage das nur, weil ich mir schon vorstellen kann, daß sowas durchaus ein "Mibrauchsfall" sein KÖNNTE, wenn er häufiger auftritt. In der hinsicht sollte man selbst auch überlegen, ob eine etwas zu sanfte umarmung und ein durchs Gesicht streicheln wirklich schon homoerotisch und pädophil ist, und auf der anderen Seite sollten vllt auch Priester/Lehrer, so herzlich sie es auch meinen, mit, sagen wir, zu freundlichen Gesten zumindest in Deutschland sparsam sein. Ein Junge findet einen festen Händedruck und einen kumpelhaften Schlag auf die Schulter besser als ein streicheln durch die Haare oder das Gesicht.
So, das sind meine fünf cent. Kurzgefaßt: Sicherlich müssen die Verantwortlichen und die Täter bestraft werden. Die Kirche muß hier auch hart durchgreifen. Es ist keine Entschuldigung, selbst wenn es in der Welt auch nicht besser wäre. Christus sagt, wir sollen vollkommen wie der Vater im Himmel sein, und es ist ein Geheimnis der Welt, daß interessanterweise die Gegner der Kirche das wortwörtlich verstehen. Ja, die streitende Kirche wird leider/zum Glück an anderen Maßstäben als so manches Parteimitglied gemessen. Aber nur weil man hier konsequent sein muß, braucht man noch lange nicht aus den Mißbrauchsfällen eine geile Pressestory/ein Argument gegen die Kirche/ein Weg zurück ins Rampenlicht zu machen. Das (man verzeihe mir diesen platten Wortwitz) mißbraucht nämlich die Mißbrauchsfälle.
Joah, und was bleibt für uns sonst zu tun? Natürlich zu beten. Die Kirche braucht das anscheinend. Die Welt auch.
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