Montag, Januar 26, 2009

Zu christlicher Musik

Tobias schrieb in meinem Post bzgl. des... nennen wir es mal auffallenden Liedes der Aktion pro Reli (der ich zum Sammeln von genügend Unterschriften gratuliere und mich freue, meinem kleinen Beitrag dazu getan zu haben!) folgendes:

Ist keine Musik, auch keine Lyrik, keine Frage.

Aber könnte es vielleicht sein, daß Ihr alle noch nie wirklich einen ernsthaften Blick in die christliche Musikszene geworfen habt? :-D

Ich empfehle einmal CCMmagazine.com und sound7.de als Sprungbrett. Gute christliche Rock- und Popmusik ist nicht die Ausnahme, sondern in der anglophonen Welt schon lange die Regel und auch bei uns (vor allem im protestantischen Bereich) nach und nach immer breiter gestreut.

Gruß, Tobias :-)


Hierzu verweise ich auf folgenden Blogeintrag: Artikel über christliche Popmusik. Das ist eine Artikelserie, die ich anno dazumal für erziehungstrends geschrieben hab.
Es ist durchaus so, daß ich die christliche Musikszene zum Teil kenne und schätze, auch wenn sich meine damals doch recht positive Bewertung nicht mehr hundertprozentig halten kann. Das liegt daran, daß gerade die Bands auf CCMmagazine.com und sound7.de mir doch zu häufig zu lobpreisend und süßlich sind. Nichts gegen Lob und Preis, ein Hosanna in der Höhe etc. Absolut nichts. Aber das ist mir dann doch zu wenig. Warum machen so wenig Christen Lieder (und zwar nicht pieksüße!) über Ereignisse der kirchlichen Geschichte? Warum singen so wenige über - eben in unserem Glauben auch vorkommende - Themen wie Glaubenszweifel, Glauben trotz dieser Zweifel? Ich mein, wenn man mal den Text des Salve Regina - auch gerne in der deutschen Version - uns auf der Zunge zergehen lassen, dann ist das nicht so ein "smiling christian"-Zeug, sondern behandelt konkret das Leiden "Zu Dir rufen wir verbannten Kinder Evas, zu Dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen".
Und warum singen so wenige auch mal von "weltlichen" Themen wie (eheliche) Liebe - und zwar ohne moralischen Zeigefinger? Atheistische Bands singen ja auch nicht immer nur von Darwin und materiellen Gelüsten und davon, daß es keinen Gott geben soll, sondern eben auch von Freundschaft, Ehrlichkeit, erzählen Anekdoten über ihre Kindheit, danken ihrem Vater etc. Das alles können und sollen wird auch.
Warum wird so wenig sozialkritisches gesungen? Zu Abtreibung könnte man viel machen. Aber auch andere Gebiete wie den Raubtierkapitalismus, die immer größere Grube zwischen Arm und Reich, die Verwahrlosung der Jugend, die Verfolgung christlicher Mitbrüder auf der Erde könnte man mit guten Liedern anprangern.

Ich muß sagen, daß zum großen Teil ich mich in moderneren Liedtexten Jesu zu Ehren eher wenig finden kann.

17 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Puh - also, die Worship-Szene ist zwar in der Tat innerhalb der christlichen Musiksparte eine bedeutende, aber lange nicht die einzige.

Es gibt unzählige Pop-, Rock-, Folk-, Gospel- etc. Künstler, die dieser Schiene, wenn überhaupt, nur bedingt zugerechnet werden können, und von denen das, was Du in der Lobpreissparte vermißt, oftmals ganz selbstverständlich thematisiert wird.

Nur mal als Beispiel: ich habe in meinem iTunes knapp 15 000 Titel (über 1200 Alben) von knapp 600 verschiedenen Künstlern, davon geschätzte 60-70 Prozent aus der christlichen Musikszene, von welchen wiederum allerhöchstens 10 Prozent die Worship-Ecke bedienen. Und ich verfüge damit nur über einen kleinen Ausschnitt christlicher Künstler!

Dabei beobachte ich eigentlich textlich gesehen das gleiche gemischte Niveau wie im "säkularen" Bereich auch: da gibt es viel belangloses, aber auch viele Juwelen.

Wenn man bedenkt, wie groß die CCM-Szene ist, dann kann man eigentlich keine treffenden Verallgemeinerungen hinsichtlich Text- und Musikqualität mehr treffen. Was Deinen Eindruck evtl. verursachen könnte, ist der Umstand, daß hier bei uns in Deutschland nur ein sehr geringer Teil der CCM-Szene auch durch Live-Präsenz auffällt und dementsprechend vielleicht manche "Lieblinge" immer und immer wieder medial verwurstet werden, die das Klischee seichten Lobpreis-Gedudels tatsächlich erfüllen. Nochmals verschärft wird das ganze dadurch, daß es eben vor allem die Worship-Musik ist, die in Gemeinden auch aktiv "verwertet" werden kann (Hardcore-Songs eignen sich einfach nicht so zum gemeindlichen Singen ...), so daß man, solange man sich vor allem auf diesen innergemeindlichen Bereich bezieht, erst recht denken muß, "christliche" Musik besteche vor allem durch "Jesus, ich liebe Dich"-Texte.

Andererseits bin ich nun seit Jahren selbst als Musiker aktiv in dieser Szene unterwegs und habe die verschiedensten Bands und Solokünstler auf Festivals und Einzelkonzerten quer durch die Republik und in den benachbarten Ländern miterlebt - und kann Deinen Eindruck von daher einfach so nicht teilen.

LG,

Tobias :-)

www.theolobias.de

FingO hat gesagt…

Danke für diesen Bericht. Ich habe, was dieses vielleicht doch zu einseitige Urteil meinerseits betrifft, mich sozusagen an den Erfahrungen, die ich in der (damaligen, d.h. bis ca 2003) Metalszene, der Reggaeszene bis ca 2006 und, wie Du richtig festgestellt hast, dem CCM-Mainstream, den man hierzulande mitbekommt (so bspw. über das you-magazin), gelabt. Und hier fand und finde ich irgendwie immer noch, daß es zu süßlich und/oder zu moralisch abgeht.
Speziell in der Reggaeszene ist mir das aufgefallen: Während Rastas eben auch über Liebe, Freunschaft, das unterdrückende System etc. singen können, sind solche Beispiele im christlichen Reggae eher rar. Da fällt mir nur Papa San mit dem echt tollen Lied "Trodin along" ein - oder auch mit "As a christian". Auf eine ganz andere Art und Weise vllt noch Stitchie mit "Fast and Pray". Das ist zwar ein moralisches Lied, aber eines, das eine Kenntnis der Dancehall-Community beweist (und gerade im Video, wer da so mittanzt, zeigt, daß Stitchie kein Niemand in der Szene ist). Aber ich frage mich hier, ob es irgendwie bezeichnend ist, daß diese beiden schon versierte Dancehall-Artists waren, bevor sie Christen wurden, die beim Sting 1992 eine Performance hinlegten, die nicht umsonst Clash-Geschichte schrieb. Hier kommt vllt auch die fast schon konsequente Weigerung vieler christlicher Artists dazu, keine Dubplates aufzunehmen - was so schade finde, wie auch, daß es kein christliches Soundsystem gibt.

FingO hat gesagt…

P.S.: Kannst ja mal ein paar Tipps geben :)

Frank hat gesagt…

Christliche Musik taugt für mich alleine deswegen schon nicht, weil ich sie in der Regel schlechter finde, als das Original, das eine Band kopiert. Also warum sollte ich mir die drittklassige Kopie vom BRMC (nur als Beispiel) anhören, wenn ich doch auch die echte Band haben kann?

Frank
Orden des Leibowitz

Anonym hat gesagt…

@Frank:

Das ist ja pure Polemik, die einer sachlich-diskutablen Grundlage völlig entbehrt.

Erstens ist die Kopie eine kulturelle Bedingung für die Produktion von Musik insgesamt - Musik lebt und entsteht durch Nachahmung, Interpretation und Variation bereits vorhandener musikalischer Elemente.

Zweitens wüßte ich nicht, inwiefern sich christliche Künstler hierin von säkularen unterscheiden sollten. Es gibt auf dem christlichen Sektor genauso schlechte Kopien anderer Künstler wie im säkularen Bereiche auch - so, wie es auf beiden "Seiten" musikalisch außerordentlich innovative Musiker gibt.

Frank hat gesagt…

@Theolobias
Das ist nicht polemisch sondern die Erfahrung, die ich persönlich seit Jahren mit christlichen Bands gemacht habe. Bei Blip.fm kannst Du ein klein wenig in meinen Musikgeschmack reinhören. In dieser Richtung gibt es im christlichen Bereich absolut nichts, was dem auch nur ansatzweise nahe kommen würde. Auch für Calexico, The Black Keys oder Tom Waits würde mir nichts einfallen. Und warum auch? Religiöse Musik höre und singe ich in der Messe. Außerhalb davon erwarte ich von Musik schon etwas mehr als das 1000. Lied über Jesus. Sobald christliche Musiker erwachsen, innovativ und spannend werden, will ich mal wieder reinhören :)

Frank
Orden des Leibowitz

FingO hat gesagt…

Na ja, Frank spricht schon ein Problem an, auch wenn ich es nicht 100% teile. Aber es war in der MEtalszene früher ein ziemliches Problem, daß die christlichen Bands so sehr (z.T. sehr schlechte) Kopien von säkulären Bands waren, daß sogar mal ein "conversion chart" durchs internet flog (will heißen: Wenn du diese nicht-christliche Band magst, wird Dir vllt diese christliche gefallen).

Ich finde, da christen alles omnia ad majorem dei gloriam machen sollten, sollte auch die christliche Popmusik deutlich über dem Standard liegen, ja, einen neuen Standard setzen. Das wird natürlich nicht von heute auf morgen geschafft, aber es sollte ein Ziel sein. Und mir kam und kommt es teilweise so vor, als will man nur für ein christliches Pendant zu weltlicher Musik sorgen. Wenn dann der durchschnittliche nichtchristliche Metaller sich darüber mokiert, ist d as verständlich.
Es gibt jedoch auch positive Beispiele - gottlob! - die nicht nur schlechte Kopien sind; Kekal waren gerade zu Demozeiten wirklich wegweisend für die gesamte Metalszene (imho), Sanctifica und Crimson Moonlight waren/sind extrem gute Black Metal Bands.

Anonym hat gesagt…

Moment, ich sage ja nicht, daß es bei manchen Stilrichtungen durchaus noch Leerstellen gibt. Ich kenne mich zwar in der von Dir angesprochenen Reggaeszene z.B. nicht wirklich aus, habe aber durchaus den Eindruck, daß es da christlicherseits nicht viel gibt.

Das sollte einen aber doch, bitteschön, nicht dazu verleiten, christliche Musik insgesamt pauschalisierend als "untauglich" (wie Frank) etc. zu bezeichnen.

Und: ganz ehrlich, wer fordert, daß christliche Pop-Musik deutlich über dem Standard zu liegen habe, der sollte das erst einmal in der Kirchenmusik einlösen. Und da ist auch katholischerseits nicht alles Gold, was glänzt. Insofern ist Franks Bemerkung "religiöse Musik höre und singe ich in der Messe" auch nicht gerade konstruktiv, zumal ich diese künstliche Trennung von Meßfrömmigkeit und Frömmigkeit im Alltag ohnehin nicht nachvollziehen kann und will - aber gut, das ist ein spezifisches Problem katholischer Theologie, da maße ich mir auch nicht an, als Experte zu reden.

Anonym hat gesagt…

Sorry, der erste Satz muß natürlich lauten:

"Moment, ich sage ja nicht, daß es hinsichtlich der verschiedenen Stilrichtungen keine Leerstellen gibt."

Anonym hat gesagt…

Nur mal auf die Schnelle ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen, wo christliche Künstler in ihrem Genre Maßstäbe gesetzt haben und/bzw. (obgleich es für sie aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung ungleich schwieriger ist, auch säkular Fuß zu fassen - auch das muß einmal gesagt werden!) oftmals breit rezepiert wurden bzw. werden (und die übrigens auch textlich dem hier verbreiteten Klischee nur selten gerecht werden):

- Larry Norman
- Bride (vor allem mit "Snakes in the Playground")
- Kirk Franklin (der im Bereich des Modern Gospel, was ja ohnehin eine spezifisch christliche Stilrichtung ist, auf höchstem Niveau agiert und dabei insgesamt die amerikanische Popszene beeinflußt)
- Andraé Crouch
- Phil Keaggy
- Saviour Machine (die lange Zeit eine der Überbands der Gothic-Szene waren)
- Stryper (die damals, obwohl ich sie persönlich eigentlich immer musikalisch wie textlich etwas peinlich fand, mit "To Hell With the Devil" den Glam Metal wesentlich mitgeprägt haben)
- tobyMac
- P.O.D.

Und dann nicht zu vergessen Künstler, die zwar nicht explizit zur CCM-Szene gerechnet werden, die aber dennoch keinen Hehl daraus mach(t)en, Christen zu sein und die ihr Christsein als auch einflußreich für ihre Musik verstehen / verstanden: Johnny Cash, U2, Bob Dylan, Duke Ellington, Elvis Presley (der ursprünglich aus der Pfingstbewegung stammte und mehrere Gospel-Alben aufnahm), Xavier Naidoo, Van Morrisson, Run DMC u.a.

www.theolobias.de

Johannes hat gesagt…

Wenn ich da mal als Ex-Rocker (vocals an bass) der 60iger Jahre was sagen darf - sex and drugs and rock and roll war ein Programm. Anders gesagt, die Rock- und Popmusik der 60iger und 70iger war mit wenigen Ausnahmen stets Arschwackelmusik für den Fickmarkt (wenn ihr mir bitte die rüde Sprache meiner Generation nachseht).
Ausnahmen bestätigten damals schon immer die Regel, aber diese Ausnahmen unterschieden sich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch vom Hardrockgedröhn á la Stones, einigen Stücken der Beatles, MC5 etc. Daß man auch Bibeltexte vertonen kann, läßt mit Turn, turn, turn nachhören und "Jesus loves you more than you do know, wow wow wow" konnte man allenfalls Simon und Garfunkel abnehmen. Auch bei Bob Dylan wird man, sucht man Mystisches, fündig werden.
Wenn Sinead O´Connor "Regina caeli laetare" singt, verzichtet sie auf Schießbude und Wimmerkeule.
Hardrock und Mystik halte ich für inkompatibel, an die Rockmessen, mit denen man mich in den letzten Jahrzehnten zugedröhnt hat, erinnere ich mich mit Mißvergnügen. Die Musik der Weltjugendtage, wie die des deutschen WJT halte ich für jugendtümelnd, musikalisch eher grenzwertig. Christliche Rockbands kanns geben, aber Mystik und Musik läßt sich nicht im Medium stampfender Rythmen verbinden.

Anonym hat gesagt…

@Johannes:

Mag schon sein - mein Verständnis des Evangeliums beschränkt sich aber auch nicht auf die Mystik. Daß sich letztere auf emotionaler Ebene eher schwerer mit der härteren Gangart verbinden läßt, würde ich zugestehen (aber nicht völlig ausschließen - ich kenne da auch Ausnahmen).

FingO hat gesagt…

Dito.

ekkaleo.de hat gesagt…

Habe soeben den Beitrag samt Diskussion entdeckt und würde auch gern nochmal eine Lanze für christliche Musik brechen. Man könnte den Bereich auch "geistliche Musik" nennen - geistlich inspiriert, Musik von Christen (aber nicht spezifisch mit dem Label "christlich"), usw. - das Feld ist weit. Was hier anklang, ging ja eher nur Richtung Rock/ Metal sowie halt "Kirchenmusik". Das gibt's natürlich alles, aber es gibt weit mehr!

Reggae wurde ebenso genannt, da gibt es Christafari zum Beispiel, die inzwischen mit tonangebend sind und voll respektiert werden von der weltweiten Reggae-Kultur, deren Musik steht den sogen. "säkularen" Kollegen in nichts nach. Es gilt wie bei jeder Musik: ehrlich und authentisch ist immer am besten. Das hat erstmal wenig mit christlicher oder nicht-christlich zu tun.

Auch das weite Feld der Singer/Songwriter bietet soviel aus dem geistlichen Bereich, in Deutschland halt die Liedermacher-Fraktion.
Hört euch mal Sachen an wie Derek Webb, Sandra McCracken, Carolyn Arends, Sara Groves, Caedmon's Call, Steven Delopolous usw.
und von den deutschen durchaus Sachen von Lutz Scheufler, Jörg Swoboda, oder neu vom Duo "Döhler & Scheufler" oder halt auch Altmeister Manfred Siebald.
Z.B. die Platte von Jörg Swoboda mit der Berliner Sir Gusche Band: "Straßen des Himmels" (2005, Monopol Records) - absolut authentischer Dixieland mit deutschen Gospel-Texten (zu den Originalen) - also viel besser geht's kaum.

Was ich sagen will: es gibt so vieles da draußen, da würde euch die Spucke wegbleiben! Das einzige Problem ist halt nur, dass vieles (noch) nicht so bekannt ist.

Wer den Fehler macht und alles nur auf Rock, Metal, Worship und so beschränkt, ist selber schuld, das ihm dann vieles entgeht.

Macht Augen und Ohren auf und seid offen für Neues!

Ein letzter Tipp: zieht euch mal paar Sachen hier: http://www.noisetrade.com

Glück auf!
David von http://ekkaleo.de

ekkaleo.de hat gesagt…

...noch ein Nachtrag:
viele InterpretInnen der frommen Musikszene sind Katholiken, nur wenige wissen das:
- Cindy Morgan
- Margaret Becker
- Rachael Lampa
- Stacie Orrico
- Jody Davis (Gitarrist Newsboys)
- ich glaub Moya Brennan (Clannad) auch...

- Rich Mullins stand damals kurz vom Übertritt (ist leider gestorben bei einem Unfall)

Nur mal als kleiner Hinweis, wen es interessiert...

Gruß, David http://ekkaleo.de

Anonym hat gesagt…

Amen dazu, David! :-)

www.theolobias.de

FingO hat gesagt…

"Wer den Fehler macht und alles nur auf Rock, Metal, Worship und so beschränkt, ist selber schuld, das ihm dann vieles entgeht."

Äh, hallo? immerhin zwei der fünf Artikel gehen um ganz andere Musik als Metal oder Worship....

In Sachen christlichen Reggae finde ich Christafari nicht gerade so toll, aber das ist Geschmackssache (Sherwin Gardener kann hier einiges).
Aber egal in welche Musikrichtung (bzw. in welche christlichen Pendants) ich bisher blickte, größtenteils singen die Leute dann wirklich nur explizit religiöses. Das wäre so, als würden Atheisten nur, und wirklich nur von Darwin, Nietzsche und dem Tod Gottes singen, als würden Rastas nur Praise ye Jah anstimmen. Sicher, das nimmt natürlich jeweils einen großen, ja, dominierenden Platz ein (und so soll es auch bei den Christen sein!), aber es wird auch über andere Dinge gesungen. "Thank you mama for the nine months you carry me through" singt Sizzla, ziemlich losgelöst von Religion (bis auf ein paar Lobpreisungen auf 'his imerial majesty Haile I Selassie Ras Taffari Makonnen'), "Ein letztes Mal mich durch meine Sätze winden, parallel zu diesem Leben den Beobachter spielen, Kritik an mir zu streuen, Klarheit formulieren, und nur dort, wo's intim wird, die Dinge komplizieren" röhrt Seelenschlachten von Grabnebelfürsten zu schreiender Black Metal Gitarre ins Mikrophon. Wir sind zwar nicht von, aber in dieser Welt, und da diese die Schöpfung Gottes ist, darf man auch über Dinge hienieden singen.
Das macht es mir schwer, mich in den Texten der christlichen Popbands, die ich kenne, zu finden:es geht mir zu wenig um andere Dinge (freilich aus einer christlichen Perspektive).