Sonntag, April 15, 2007

Latein bewahrt mich vor dem Verstehen

Ok, das ist zu kurz gegriffen, entstellt etc. Deshalb hier die Originalquelle: Scipio zitiert Martin

Das bedeutet also, man sollte Bücher über Quantenmechanik auf Nauatl schreiben? Einstein hätte seine Relativitätstheorie auf Occitanisch rückwärts schreiben sollen? Oder, daß zumindest Versionen in nicht verständlicher Sprache an das Volk verteilt werden sollten, damit die Ehrfurcht vor diesem inneren Wesen des Universums, daß einige Ecken und Enden bieten, die wir noch nicht verstehen (siehe Interpretationen der Quantenmechanik ungd ihre Grenzen) nicht durch Verständnis bzw. Bemühne um Verständnis getrübt wird?

- Erstens: Wenn ich einen Text verstehe, weckt er mein Interesse. Ich schrieb es schon einmal und werde es immer wieder schreiben: Mein Interesse für Bach kam daher, daß ich sein Musikalisches Opfer mal mit den Noten in der Hand verfolgte - mich also bemühte, es zu verstehen! Nein, ich habe nicht alles verstanden, ich bin musikalisch nicht 100% bewandert, aber das, was ich verstand, hat gereicht, weitaus mehr Faszination in mir hervorgerufen als das simple anhören. Und so bin ich auch weitaus mehr ergriffen von meinem eigenen Unverständnis, wenn ich merke, was nicht zu verstehen ist. Eben, wenn ich ungeschönt den Text des Hochgebetes vom Wortlaut her verstehe, merke ich, wo das Geheimnis des Glaubens liegt und sehe, daß es ein Geheimnis ist, was man vllt niemals hienieden vollkommen verstehen kann. Aber ich sehe auch ,daß es sich lohnt, sich damit zu beschäftigen. Und das alles könnte mir durch das Latein genommen werden (warum es das nicht tut - siehe unten)

- Zweitens nervt mich langsam die herabwürdigung der Vernunft, man könne ja gar nichts verstehen etc. Dann macht doch bitte die theologischen Fakultäten zu. Und stampft jegliche Bücher von gewissen Päpsten ein. Ist es denn nicht anmaßend, Gott selbst verstehen zu wollen? (und wenn ihr das nicht wollt, weil ja wenigstens die Priester gut ausgebildet sein sollten, seid ihr für Geheimlehren für Priester oder ähnliches) Und bitte, liebe Priester, stört doch die Andacht des einfach, gläubigen Volkes doch nicht mit Euren blöden Katechesen zum Thema Eucharistie. Ihr verwässert doch nur den Glauben mit der Vernunft. Oder, wenn ihr Eure Katechesen nicht lassen könnt, dann haltet sie auf Latein.

- Drittens: Daß die Ehrfurcht durch das mangelnde Verständnis (bzw. durch die Illusion eines manglenden Verständnisses) gesteigert würde, wird doch durch Bücher wie Geborgen in Gott etc., wo neben dem Lateinischen Text die deutsche Überstzung steht, ad absurdum geführt, oder?


Ich kann Euch aber beruhigen, ich bin auch für mehr Latein, aber anderen Gründen:

- Latein ist seit inzwischen ca 1500 Jahren die Sprache der Kirche. Das ist zwar allein kein zwingender Grund gegen die Muttersprache, aber es ist ein Grund, dem Latein in der Kirche immer einen Sonderstatus einzuräumen.

- Die Kirche ist weltweit. Es wäre schön, wenn es immer wieder Punkte in der Messe geben würde, die ich auch im tiefsten Surinam kennen würde. Wenn ich auch auf Patagonien sicher sein könnte, das Gloria, das Credo, das Sanctus, das Pater Noster und das Agnus Dei auf Latein zu beten. Es wäre ein Zeichen von Einheit. Und wenn wir uns nicht der Weltsprache Englisch beugen würden, wär das ohnehin toll, schon aus oben genannten Grund.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Deine Argumentation gefällt mir - bis auf Halbsätze (die mir zu polemisch sind ;)) kann ich mich ihr anschließen.